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IBM antwortet: Wie sich das Internet of Things auf Storage auswirkt

Eine Frage, vier Antworten. Hier antwortet Friedrich Vollmar von IBM auf unsere Frage, was das Internet der Dinge und Storage miteinander zu tun haben.

TechTarget fragt und Industrieexperten antworten. In unserer vierteiligen Serie antwortet hier Friedrich Vollmar...

von IBM auf die Frage, was das Internet der Dinge und Storage miteinander zu tun haben.

Das Internet der Dinge wird von vielen Herstellern und Industrievertretern geradezu heraufbeschworen, mit allen Vor- und Nachteilen. Was aber bedeutet das für die Storage-Branche und die Speicherlandschaften in heutigen Rechenzentren? Wie beeinflusst das IoT wirklich unsere Storage-Anforderungen und wo müssen Anbieter wie Anwender (Unternehmen) umdenken und neue Wege beschreiten? Oder reicht es, lediglich „am Ball“ zu bleiben, Erweiterungen anzuschaffen und den Storage modern zu halten? Vielleicht ist es ja doch nur ein Hype, den man technisch aussitzen kann.

Friedrich Vollmar: Industrie 4.0 ist der Begriff, mit dem die vierte industrielle Revolution vorhergesagt und beschrieben wird. Dazu gibt es viele synonym verwandte Begriffe, IoT ist davon einer. Die Frage ist, ist hier eine industrielle Revolution zu erwarten?

Eine Hype kann man aussitzen, eine industrielle Revolution nicht. Wer dort nicht vorne mit dabei ist, der wird überrollt (Wie die berühmten Weber, die deutsche Feinmechanik-Industrie – oder jüngst Kodak und Nokia). Um die Frage nach der industriellen Revolution zu beantworten, muss man die Merkmale dafür kennen. 

Zur Einschätzung der Lage sind die Erfahrungen aus den bisherigen drei industriellen Revolutionen verfügbar: Wenn innovative, technisch bedingte, faktorale Produktivitätszuwächse in der Fertigung bestimmter Güter, die ein Grundbedürfnis der Gesellschaft adressieren, auf eine massive Nachfrage der Gesellschaft treffen, führt das zu dem Prozess einer industriellen Revolution, in deren Verlauf sich Technik und Gesellschaft grundlegend und dauerhaft verändern.

Wenden wir diese Charakteristik nun im Faktencheck auf Industrie 4.0 an.

Die exponentielle Entwicklung der Leistungsfähigkeit von IT ermöglicht heute intelligente Services und Maschinen, die miteinander in Echtzeit vernetzt dem Kunden erstmals industriell gefertigte, individualisierte, personalisierte Angebote machen können bei höherer Produktivität und reduziertem Ressourceneinsatz.

Darüber hinaus wird die Nachfrage nach individuellen, personalisierten oder personalisierbaren Produkten und Services (my Product, my Space) als der bestimmende Trend des 21ten Jahrhunderts angesehen. Diese Entwicklung ist in bestimmten Märkten heute schon dominant (zum Beispiel in der Automobilherstellung in Deutschland) und erreicht sichtbar und messbar weitere Märkte wie die Möbel-, Textil-, Gesundheits- oder Körperpflegeindustrie.

Das Fazit muss hier sein, dass man sich auf eine vierte industrielle Revolution zügig vorbereitet. Der Ball Industrie 4.0 rollt schon und wird schneller. Der Versuch des Aussitzens kann schnell in Punkterückstand und Aufholjagd für Unternehmen enden. Das gilt auch und vor allem in der IT.

Was sind nun die Herausforderungen von Industrie 4.0 an die IT und das Rechenzentrum?

Vollmar: Hier in Kürze eine vorläufige Liste heute bekannter Anforderungen.

Wenn Fertigungsprozesse und IT Geschäftsprozesse zeitnah vernetzt werden, sind in der gesamten Kette vom Kunden zur Maschine hundertprozentige Sicherheit  und hundertprozentige Verfügbarkeit unabdingbar. Die Datenspeicherung ist integrierter Teil der Kette und darf nicht vernachlässigt werden.

Individualisierte Produkte, also Losgröße 1, bedeuten:

  • Mehr Planungs-, Steuerungs-, Logistik Aufwand.    
  • Aus unbekannten Konsumenten werden Kunden, die direkt ihre Wünsche benennen und als Kunden individuell behandelt werden wollen.  
  • Auf Einzelsituationen angepasste Geschäftsprozesse.  
  • Die Massenproduktion auch in der IT ist zu überdenken, individualisierbare Angebote sind zu prüfen.

Wenn die IT nicht liefern kann, droht Abwanderung der Kunden (und der eigenen Fachabteilungen und Mitarbeiter) dorthin, wo sie ein adäquates, passendes IT-Angebot  finden.  Ein entsprechendes Wachstum der sofort verfügbar gehaltenen geschäftsprozessrelevanten Daten ist einzuplanen.  

Das sind aber nicht die einzigen Herausforderungen, denen sich Unternehmen, die agil sein und neue Geschäftsmodelle entwickeln wollen. Intelligente, vernetzte Produkte ermöglichen neue Geschäftsmodelle über die Zeitspanne des gesamten Lebenszyklus der Produkte in Echtzeit. Das generiert natürlich mehr Geschäftstransaktionen und somit mehr Daten; ganz zu schweigen von Apps zum Nachkaufen für das Smartphone – selbst meine bewährte Kamera bekommt Updates vom Hersteller, um in Top-Form zu bleiben, die der Hersteller sich merkt. Und das ist nur eines vieler Beispiele.

Für die IT bedeutet dies, dass sie diese neuen Geschäftsprozesse, häufig in hochprofitablen und kundenbindungsrelevanten Bereichen unterstützen können muss. Kann die IT dies nicht leisten, so wird mit Sicherheit ein Konkurrenzunternehmen die Chance ergreifen und sich die Wertschöpfungskette samt Profitmöglichkeiten aneignen. Das Wachstum der Daten bleibt in beiden Alternativen gleich, es verlagert sich nur.

Im Klartext heißt das, dass die unterstützenden Geschäftsprozesse sich dem Echtzeittakt anpassen müssen. Da können Verarbeitungsformen wie Batch und zu langsame Speichermedien für solche Geschäftsprozesse schnell unbrauchbar und hinderlich werden. 

Hinzu kommt, dass durch softwaregetriebene Lösungen die Branchengrenzen verschwimmen und plötzlich Mitbewerber aus anderen Branchen auftauchen oder eine Firma auf einmal in einem neuen Geschäftsfeld agiert. Ein Beispiel hierfür wäre die Datenflut, die uns Autos bescheren. Wem gehören diese und wer steuert letztlich das Fahrzeug: Google oder der Autohersteller?

Gibt es dann Lücken in der Aufmerksamkeit und der Performance der IT, kann dies schnell der Konkurrenz neue Chancen eröffnen. Hier stehen als Beispiel die Buchungsportale für Flüge und Hotels, die sich geschickt vor die entsprechende Firmenangebote setzen und allesamt profitabler sind als die eigentlichen Dienstleister. In diesem Falle übernimmt eine andere Firma die Daten und deren Speicherung. Durch diese überall aufkommenden zusätzlichen Service-Angebote entstehen vermehrt Daten, die verarbeitet, zuverlässig gespeichert und analysiert werden müssen.

Ebenso darf man nicht vergessen, dass sich heute hoch leistungsfähige IT-Komponenten extrem kompakt in den Produkten befinden und noch mehr Datenflut erzeugen. So verfügt beispielsweise ein Mittelklassewagen über die rund zwanzigfache Rechnerleistung eines Thinkpads, Tendenz steil steigend. Da die Übertragungswege noch zu langsam sind, werden die Daten im Wagen verarbeitet. Wenn die IT das Leistungsniveau hat, dann kann das Unternehmen entsprechende Dienste erfolgreich anbieten. Ist dies nicht der Fall, so könnte ein weiteres IT-Kompetenzzentrum im Unternehmen entstehen.

Was bedeutet dies konkret für die Storage- und Speicherindustrie?

Vollmar: Wie gesagt, die sich vermehrenden und feingranularen Geschäftstransaktionen bedeuten mehr Daten und damit ein höherer Bedarf an Datenspeicherkapazität. Da es in den meisten Fällen und Aktionen in Echtzeit geht, kommt die Festplatte hier einfach an ihre physischen Grenzen und ist schlicht zu langsam. Deswegen steigt derzeit der Einsatz von Flash-Speicherlösungen und für viele Firmen ist ein Umstieg unumgänglich, zumindest für einige Workloads. Auch in Maschinen/Standorten, in denen es rüttelt und vibriert, machen sich Plattenlaufwerke auch nicht gut. Eine Datenspeicherung in Silizium ist robuster und wir sehen hier, dass dieser Markt der nichtrotierenden Medien nicht nur an Fahrt gewinnt, sondern auch die Storage-Industrie bewegt.

Darüber hinaus wird Big Data gern in einem Atemzug mit dem Internet der Dinge erwähnt. Es gibt bereits heute Einsatzszenarien, wo die Speicherung und präzise Analyse der Fertigungsdaten neue Nutzenpotentiale eröffnen und der Bedarf an Speichermedien steigt. Dabei spielt die Cloud auch eine neue Rolle als Speicherstandort, sei es als externer Speicherort oder als Tier innerhalb einer weiten Architektur.

Fazit

Storage wird unabdingbar für das Internet der Dinge und er muss hoch zuverlässig, sehr intelligent, schnell und flexibel sein. Starre Architekturen werden den neuen Anforderungen nicht gewachsen sein.

Industrielle Revolutionen beziehen Ihre Kraft aus einer Vielzahl von Innovationen und innovativer Anwendungen und bekannter Technik, die auf einen aufnahmebereiten Markt stoßen. Meist vermischen sie sich mit begleitenden sozialen Innovationen und verlaufen daher oft eher chaotisch als vorhersehbar. Genau so einer Revolution stehen wir nun in der IT gegenüber. Es empfiehlt sich, mit 360-Grad-Blick aufmerksam auf Sicht zu fahren, sich auf Innovation einzustellen und eigene Innovationen voranzutreiben und der eigenen Organisation Agilität zu verordnen, damit sie bei Bedarf auch agil reagieren kann.

Bedeutet dies nun das disruptive Aus des Datenspeichers? Nein. Kommt ein IoT-Boom auf uns zu? Höchst wahrscheinlich. Eine vielzitierte Prognose sagt 50 Billionen vernetzter Dinge für  2025 voraus, deren Daten in die Cloud übertragen werden, dort analysiert und gespeichert werden. Das wären rund 7000 Dinge für jeden Erdenbewohner; alle kommunikationsfähig; alle im vernetzt; alle mit x GByte Speicher in der Cloud. Es bleibt abzuwarten, welche Infrastrukturen ein solches Wachstum verkraften könnten.

Das heißt, es wird mehr IT außerhalb der klassischen Rechenzentren stattfinden, wie in autonomen Maschinen, in intelligenten Produkten oder Wearables. Dafür müssen neue IT-Strukturen definiert und aufgebaut werden und dies nicht allein durch die IT-Verantwortlichen. Wir bewegen uns wieder auf ein dezentrales IT-Modell hinzu, da Daten nun überall verteilt und gespeichert werden. Und auch hier wird eine Art Evolution entscheidend sein, denn nur anpassbarer Storage wird diesen Anforderungen gerecht und somit „überleben“.

Über den Autor: 
Friedrich Vollmar ist Manager Technical Sales und Solution Architects bei IBM Sales & Distribution, Software Sales.

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Artikel wurde zuletzt im August 2015 aktualisiert

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