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Technische Vor- und Nachteile von Storage-Virtualisierung

Für Administratoren sind Technologien zur Storage-Virtualisierung eine wertvolle Hilfe. Backups, Wiederherstellung und andere Storage-Aufgaben werden einfacher.

Technologien zur Storage-Virtualisierung können für Administratoren eine große Hilfe sein. Sie vereinen mehrere...

Geräte zu einem Storage-Pool, der dann als einheitliches Medium erscheint und über eine zentrale Konsole verwaltet werden kann. Dies vereinfacht Backups,  Wiederherstellung und andere Storage-Aufgaben und verringert zugleich den dafür erforderlichen Zeitaufwand.

Allerdings hält Storage-Virtualisierung auch eine Reihe von Herausforderungen bereit. Software und Hardware für Storage-Virtualisierung werden oftmals von unterschiedlichen Herstellern angeboten. Deshalb ist es mitunter nicht einfach, Probleme zu lösen, falls einmal etwas schief geht.

In diesem Interview spricht SearchStorage.com mit Marc Staimer, President von Dragon Slayer Consulting in Oregon, über Technologien zur Storage-Virtualisierung. Finden Sie heraus, welche Vor- und Nachteile Storage-Virtualisierung hat und warum es manchmal besser ist, in Ihrer Umgebung darauf zu verzichten. Erfahren Sie außerdem, wie Sie entscheiden können, ob Datei- oder Block-basierte Storage-Virtualisierung für Ihr Rechenzentrum sinnvoller ist.

SearchStorage.de: Worin bestehen die Hauptvorteile von Storage-Virtualisierung aus Sicht eines Storage-Managers?

Staimer: Software für Storage-Virtualisierung ist etwas anderes als Software für Server-Virtualisierung. Dementsprechend sind auch die Vorteile anders. Um sie überhaupt zu verstehen, müssen wir zuerst einen Blick auf die Unterschiede werfen. Wenn Sie eine Storage-Virtualisierungssoftware einsetzen, dann machen Sie einen Server – normalerweise einen X86-Server – zum Storage-Controller. Der Server wird also zum Controller sein Storage zum Storage-System. Oder – was eher typisch ist: Sie verwenden Storage außerhalb des Servers als Teil des Storage-Systems.

Bei Server-Virtualisierung nimmt man einen Server und sorgt mittels Virtualisierung dafür, dass dieser als eine Vielzahl von Plattformen erscheint. Dies erlaubt einen Zugriff auf diesen Server durch verschiedenste Betriebssysteme und Anwendungen. Es ist also ein gänzlich anderer Ansatz. Der tatsächliche Vorteil der Storage-Virtualisierung besteht darin, dass Sie handelsübliche Hardware oder kostengünstige Storage verwenden können, um Funktionen auf Enterprise-Niveau bereitzustellen.

SearchStorage.de: Wenn man hinter die Fassade der Storage-Virtualisierung schaut – was sind die größten Herausforderungen, mit denen ein Anwender konfrontiert werden kann?

Staimer: Die größte Herausforderung bei Storage-Virtualisierung besteht darin, dass Sie am Ende verschiedenste Hersteller im Hause haben können. Der Storage-Markt ist traditionell risikoavers – man geht nicht gerne Risiken ein, insbesondere dann nicht, wenn man dabei den Verlust eigener Daten riskieren würde. Konsequenterweise ziehen es deshalb viele Organisationen vor, bei einem Anbieter einzukaufen, der ihnen ein komplettes Storage-System bietet. Falls es ein Problem mit der Software gibt, dann müssen Sie sich auch nur an einen Anbieter wenden. Im Fall von Storage-Virtualisierung kaufen Sie die Software von einem Anbieter und die notwendige Hardware von einem anderen. Sobald dann ein Problem auftritt, müssen Sie schon technisch versiert sein, um es zu analysieren und einzugrenzen, wer letztlich für die Lösung zuständig ist.

SearchStorage.de: Gibt es bestimmte Umstände oder Umgebungen, für die einen Einsatz von Storage-Virtualisierung nicht ratsam ist?

Staimer: Es kommt darauf an. Momentan finden Sie in jedem Storage-System auch eine Form der Virtualisierung von Storage. Wenn Sie das Konzept einer virtuellen LUN oder eines virtuellen Storage-Pools genauer betrachten, dann liegt auch dort Storage-Virtualisierung vor. Wenn Sie Daten unterbrechungsfrei von einem Laufwerk zu einem anderen verschieben können, dann ist dies ebenfalls eine Form von Storage-Virtualisierung, genau wie Thin Provisioning Die weit sinnvollere Frage wäre demnach: Gibt es eine Situation, in der man vermeiden sollte, eine Software zur Storage-Virtualisierung getrennt von der Hardware zu erwerben? Ja. Und zwar, wenn Ihnen die gegenseitigen Schuldzuweisungen mehrerer Anbieter im Problemfall Kopfzerbrechen bereiten – das wäre ein sehr guter Grund. Viele Anbieter von Storage-Systemen werden versuchen, sich sich aus der Gewährleistungspflicht zu nehmen. Insbesondere dann, wenn ihr Produkt nur im Hintergrund der Storage-Virtualisierung eines anderen Anbieters eingesetzt wird.

Dies gilt allerdings in erster Linie im Bereich der Block-Storage und weniger für Datei-Storage. Mit der Virtualisierung von Datei-Storage verhält es sich etwas anders, da dieses ohne ein direktes Steuern oder Eingreifen in den Datenfluss geschehen kann; somit lässt es sich deutlich einfacher realisieren als Block-Virtualisierung.

SearchStorage.de: Nehmen wir an, dass Sie eine Entscheidung treffen möchten, ob die Block-basierte oder Datei-basierte Virtualisierung besser für Ihre Zwecke geeignet ist. Wie geht man da am besten vor?

Staimer: Zuerst sollte man ein paar Fragen klären: Halten Sie überwiegend Dateien? Befinden Sie sich in einer NAS-lastigen Umgebung? Wollen Sie Ihr primäres Storage erweitern oder eher einen Nebenbereich? Ist dies der Bereich, in dem die meisten Probleme auftreten? Die Frage ist also weniger, welche Variante grundsätzlich richtig für Sie ist. Es geht vielmehr darum, was für Ihre Zwecke zum jeweiligen Zeitpunkt bestmöglich passt. Es kann sein, dass Sie NAS verwenden. Es kann auch sein, dass Sie Block-Storage oder SAN-Storage verwenden, oder im Zweifelsfall sogar beides. Wo genau liegen nun Ihre Probleme? Wenn Ihre Probleme auf der Datei-Seite liegen, dann würde ich vorschlagen, dort mit der Virtualisierung anzusetzen. Und die Entscheidung, welchen Anbieter Sie auswählen, können Sie davon abhängig machen, ob es sich um Microsoft oder NFS handelt.

Auf Block-Seite verhält es sich etwas anders, wenn Sie SAN-Storage verwenden und Ihnen der Sinn nach mehr Kontrolle über Ihre Umgebung steht. Wenn Sie steuern wollen, wie diese funktioniert, intern zusammenspielt und integriert ist. Und wenn Sie Hardware und Software kontrollieren möchten und es Sie nicht stört, verschiedene Anbieter ins Haus zu holen, dann ist Block-basierte Virtualisierung eine gute Wahl – insbesondere dann, wenn Sie Ihnen bei der Lösung Ihrer Probleme hilft. Denn sie kann eine Menge Probleme sowohl bei Datei- als auch bei SAN-Storage lösen.

SearchStorage.de: Wer gibt in punkto Virtualisierungs-Technologie den Ton an?

Staimer: Das ist eine sehr schwierige Frage, weil Storage-Virtualisierung so ein breites Feld ist und sich in einem wichtigen Punkt von Server-Virtualisierung unterscheidet: Sie ist eigentlich kein eigenständiges Marktsegment. Server-Virtualisierung kann man getrost als vollkommen eigenständiges Marktsegment ansehen. Denn sie übernimmt die Steuerung der Server-Hardware und verteilt diese dann an diverse Betriebssysteme. Auf diese Weise steuern die Betriebssysteme die Hardware nicht mehr direkt. Im Fall von Storage wird Ihnen höchstens auffallen, dass es verändert und migriert wurde. Die gesamte Virtualisierungs-Funktionalität wandert in den Controller. Eben deshalb verfügt jeder Hersteller über seine eigene Art der Storage-Virtualisierung.

Davon ausgehend, kann man sagen: EMC ist einer der führenden Anbieter; NetApp ist einer der führenden Anbieter; Hitachi Data Systems ist einer der führenden Anbieter. Sogar IBM ist einer der führenden Anbieter. Und je nachdem, wie man das misst, könnte IBM die Marktführerschaft für sich in Anspruch nehmen. Denn IBM hat deutlich mehr SVCs verkauft als jeder andere. SVC ist der SAN Volume Controller, also IBMs eigene Virtualisierungs-Maschine. Diese Funktion wurde nun in ein Storage-System überführt, Storwize V7000. Wenn Sie also genauer hinschauen, was die Akteure in diesem Umfeld treiben, dann werden Sie feststellen, dass es um Virtualisierung geht.

Einige sind mitunter schon ein Stück weiter als andere. Hewlett Packards 3PAR bietet beispielsweise eine sehr fortschrittliche Form der Virtualisierung. Aber dann dringen Sie schließlich zu anderen Aspekten der NAS-Virtualisierung vor. Und schon zeigt sich, dass auf NAS-Seite Avere Systems am fortschrittlichsten ist. Das Unternehmen bietet eine erweiterbare Cluster-Appliance, die nicht direkt im Datenpfad liegt, falls sie einmal ausfällt. Wenn es dagegen um Performance wollen, tut sie das doch. Das ist ein sehr interessanter Hybridansatz.

Es gibt noch andere, die bei Virtualisierung hervorragende Arbeit leisten. Nahezu alle Scale-out NAS stellen irgendeine Form von Virtualisierung dar, und ich könnte dutzende von Anbietern in diesem Bereich aufzählen. Objekt-basiertes Storage ist eine Variante der Virtualisierung. Es wäre demnach besser, zu fragen: Wer löst die meisten Probleme auf  möglichst gute Art und Weise? Und schon sieht in Summe alles ganz anders aus. Man könnte die Performance betrachten oder auch Kosten/Leistungsvergleiche anstellen. Dann würde ich sagen, dass Xiotech oder Nimbus Data eine sehr gute Lösung sind – beide bieten eine Form von Virtualisierung.

Ich könnte aber auch ganz allgemein anführen, dass EMC einen größeren Anteil aller Probleme löst, weil es ein breiteres Portfolio bietet. Aber gilt das auch für spezielle Probleme? Im einen Fall vielleicht weniger, im anderen mehr; es kommt eben darauf an. Wenn ich mir NetApp anschaue, dann sehe ich ein breit gefächertes Portfolio. Eine ganze Reihe von Problemen werden wirklich hervorragend gelöst, andere wiederum weniger gut. Wie Sie es auch angehen – es ist auf jeden Fall eine schwierige Frage.

SearchStorage.de: Technologie zur Server-Virtualisierung ist schnell zum Trend geworden. Wie sieht es im Vergleich dazu bei Storage-Virtualisierung aus? An welcher Stelle des Markzyklus' befinden wir uns?

Staimer: Ich bin der Auffassung, dass Server-Virtualisierung ein vollkommen eigenständiges und separates Marktsegment ist. Sie wird als eigene Technologie-Form angesehen und behandelt, die eigenständige und vollständige Funktionen im Rechenzentrum übernimmt. Storage-Virtualisierung dagegen ist ein Feature von Storage. Deshalb stellt sich das völlig anders dar. Letztendlich bietet sie in den Augen der meisten IT-Manager nicht denselben operativen oder wirtschaftlichen Wert.

Artikel wurde zuletzt im März 2011 aktualisiert

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