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Welche Rolle kann Software-definierte Storage (SDS) bei Primär-Storage spielen?

Software-definierte Storage (SDS) liegt im Trend und es gibt zahlreiche Angebote. Steht der Durchbruch von SDS auf breiter Front unmittelbar bevor?

Seit einigen Jahren gibt es den Begriff Software-definierte Storage (SDS). Er spiegelt durchaus die Realität wieder, denn Software spielt in der Storage-Infrastruktur eine immer größere Rolle.

Aber wie weit ist das Konzept von SDS durchgedrungen und umgesetzt worden? Es ist richtig, dass durch umfassendere Software-Funktionen und die zunehmende Verwendung von Standardhardware der Weg für neue Arten des Zugangs zu Storage geöffnet wurden.

Früher war die Software noch stark an proprietäre Hardware gebunden und sollte ausschließlich für diese funktionieren. Diese Methode wurde allmählich von allen Herstellern aufgegeben.

Die SDS-Pioniere

Einige Anbieter sind auf dem Weg zu stärkerer Unabhängigkeit der Software bereits vorangeschritten, als es den Begriff SDS noch gar nicht gab. Um die Jahrtausendwende hat sich Centravision mit seinem Cluster-Dateisystem CVFS profiliert, das heute unter dem Namen StorNext von Quantum vermarktet wird. StorNext 5 ist heute das gebräuchlichste Dateisystem im Medien-Segment und in der Videoüberwachung.

Auch Datacore und Falconstor gehören zu den Pionieren für SDS. 2003 folgte IBM auf diesem Weg. Datacore SanSymphony, FalconStor FreeStor und IBM Spectrum Virtualize sind heute in der Lage, die gesamte Storage im Unternehmen zu virtualisieren. Außerdem können sie autonom Storage-Kapazitäten zuweisen.

In einer zweiten Welle einige Jahre später betraten LeftHand, Microsoft, Nexenta, Starwind und Sun Microsystems den Markt. Das Lefthand-Angebot heißt heute beim neuen Eigentümer HPE StoreVirtual. Microsoft bietet im Windows Server fortschrittliche Storage-Funktionen. Nexenta bietet mit NexentaStor ein Storage-Betriebssystem auf der Basis von OpenSolaris. StarWind hat auf der Basis von Windows eine SAN iSCSI Lösung entwickelt. Sun Microsystems, heute Teil von Oracle, hat ZFS auf Solaris aufgebaut. Alle diese Lösungen sind heute noch erhältlich und modernisiert.

Die dritte Welle brachte ab 2010 virtuelle Appliances für Storage. Alle großen Storage-Hersteller bieten mittlerweile ihre Storage-Lösungen als reine Software an. Dazu zählen Dell EMC, NetApp und IBM.

Und die erst seit kurzem angetretenen Start-ups bauen ihre Systeme von vorneherein so auf, dass die Software vollständig von der Hardware abstrahiert ist. Dazu gehören etwa Infinidat, Kaminario, SolidFire, Iguaz.io oder reduxio. Die Anbieter von hyperkonvergenten Infrastrukturen (HCI) wie Nutanix, Simplivity oder Springpath bieten Storage, Rechnerleistung (Compute), Netzwerk und Virtualisierungs-Technologien in einer physischen Einheit, die als ein System verwaltet wird. Diese Technologie gibt Administratoren mehr Kontrolle über die Storage-Zuweisung (Provisionierung) in einer virtuellen Server-Umgebung.   

SDS heute: Verschiedene Realitäten

Wenn man sich die heute verfügbaren SDS-Lösungen ansieht, so fällt der Blick auf verschiedene Gruppen.

Die erste Gruppe umfasst die Virtualisierungs-Werkzeuge für Storage, wie sie IBM Spectrum Virtualize, Falconstor FreeStor und Datacore SAN Symphony bieten. Diese Lösungen können disparate Infrastrukturen und Hardware verschiedener Generationen verwalten.

Die zweite Gruppe sind virtuelle Storage-Arrays. Hier sind zu nennen EMC Unity VSA, NetApp OnTap Cloud, StarWind vSAN, Windows Storage Server, Nexenta NexentaStor oder die Open-Source-Lösung FreeNAS. Der Hauptvorteil liegt in der abstrakten Verbindung zwischen Hardware und Software, die eine effizientere Ressourcen-Nutzung erlaubt. Sie können an spezielle Anforderungen wie Entwicklungsumgebungen angepasst werden.

Die dritte Gruppe sind verteilte SAN- oder NAS-Lösungen wie Ceph, EMC ScaleIO, EMC Isilon Edge SD, Hedvig, HP StoreVirtual (ex-LeftHand), IBM XIV, Nooba, Qumulo Core, Red Hat Storage (ex-Gluster), Spectrum Scale (ex-GPFS), Storpool oder Weka. Sie sind besonders für Analyse-Zwecke und Big Data geeignet.

Die vierte Gruppe sind hyperkonvergente Systeme wie VMware vSAN, Nutanix, Simplivity oder Atlantis. Die Nachfrage nach diesen Systemen wächst ständig.

Einige Lösungen sind so flexibel, dass man sie auch in mehrere Gruppen einordnen kann. Dazu zählen Datacore SANsymphony (vier Gruppen), Hedwig (drei Gruppen) und FalconStor FreeStor (zwei Gruppen).

Die alte Welt wehrt sich

Kann man aufgrund der Vielzahl dieser Angebote davon sprechen, dass sich SDS auf breiter Front durchgesetzt hat? Im Moment lautet die Antwort darauf Nein.

Denn die traditionellen Storage-Arrays sind keineswegs aus den Unternehmen verschwunden. In vielen Fällen füllen sie die Rolle perfekt aus, für die sie ausgelegt sind. Gerade mittelständische Unternehmen benötigen oft keine riesigen verteilten Umgebungen. Letztlich ist die Frage SDS oder traditionell eine Kostenentscheidung. Außerdem gibt es zu SDS noch viel Unsicherheit und mangelnde Expertise. Man darf den Implementierungsaufwand für eine SDS-Lösung nicht unterschätzen, wenn es sich nicht um vorkonfigurierte Appliances handelt.

Bei Konzernen könnten eher organisatorische Aspekte ein Hindernis sein. Die Einrichtung von SDS ist nur ein Teilaspekt des Software-definierten Rechenzentrums (SDDC) und eine Aufgabe für alle IT-Teams, egal ob sie sich mit Storage, Netzwerk, Servern oder Anwendungen beschäftigen. Diese getrennten Teams müssen erst einmal unter einen Hut gebracht werden und die organisatorische Aufgabe angegangen werden.   

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Artikel wurde zuletzt im Februar 2017 aktualisiert

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