Speicherkapazität sollte dann vorhanden sein, wenn man sie braucht

Thin Provisioning einsetzen, wenn das Datenwachstum nur auf Prognosen beruht

21.08.2007 | Autor / Redakteur: Bernd Morbach / Rainer Graefen

Thin Provisioning ist ein alternatives Konzept zur Bereitstellung von Speicher. Bei diesem Konzept wird die gesamte Storage-Kapazität, die eine Anwendung im Laufe der Zeit wahrscheinlich benötigen wird, von Anfang an zugewiesen. Da Bedarfsanmeldung und physische Ressource getrennt administriert werden, wird das Speichersystem besser ausgelastet. Einige Fragen sollte man vor der praktischen Anwendung beantworten können.

Thin Provisioning (TP) ermöglicht dem Administrator die Ineffizienz ungenutzter Storage-Kapazität zu vermeiden, indem die tatsächlichen physischen Storage-Ressourcen auf den aktuellen Bedarf beschränkt werden. Zusätzliche Storage-Ressourcen können automatisch und online hinzugefügt werden, sobald die Anwendung diese benötigt.

Der Administrator muss jetzt allerdings zwei separate Ansichten desselben Volumes im Blick behalten: die virtuelle Größe (also wie groß der Speicherbedarf in Zukunft womöglich sein wird) und die physische Größe (wie groß der aktuelle Bedarf ist). Die TP-Technik ähnelt dem virtuellen Speicher bei Betriebssystemen, wo ein Prozess „glaubt“, er verwende eine bestimmte Menge an Hauptspeicherkapazität, das virtuelle Speichersystem des Betriebssystems in Wirklichkeit aber nur einen kleinen Teil des physischen Speichers anzeigt.

Auf Grund der beiden Sichtweisen auf den Speicher – die virtuelle Größe, wie sie das Betriebssystem, Anwendungen und Benutzer sehen, und die physische Größe, wie sie der Administrator sieht – ist es erforderlich, dass alle Beteiligten über Realität und Wahrnehmung der verfügbaren Storage-Ressourcen informiert sind.

Eine Differenz, die sich rechnet

Ein Beispiel: Ein Pharmaunternehmen, das mit einem Forschungsprojekt beginnt, rechnet damit, dass seine Datenbanken innerhalb von zwei Jahren um das Zehnfache wachsen. Würde der Administrator von Anfang an den gesamten erforderlichen Speicher bereitstellen, würde der Großteil dieser Kapazität die meiste Zeit ungenutzt bleiben. Die Investition in den Speicher läge damit brach.

Würde man stattdessen die Storage-Kapazität in regelmäßigen Abständen immer wieder erhöhen, wäre dies mit viel administrativem Aufwand und Ausfallzeiten verbunden: Bei einigen Anwendungen erfordert die Erweiterung geplante Ausfallzeiten zum Erstellen neuer Volumes, zum Kopieren von Daten auf das neue Volume und nicht zuletzt ist die neue Konfiguration der Anwendung bekannt zu machen. Der Administrator könnte allerdings auch durch die Überzuteilung von Speicher (Overprovisioning) die Verwaltung vereinfachen. Letztlich ist das eine Abwägung zwischen Kapital- und Verwaltungskosten.

Diese Vielzahl an Einzelschritten lässt sich mit Thin Provisioning auf einen reduzieren. Thin Provisioning kann das Beste beider Prozeduren vereinen: Der Administrator stellt der Anwendung virtuell bereits mehr Speicher zur Verfügung, weist aber physisch nur so viel Speicherkapazität zu, wie tatsächlich gebraucht wird. Das Wachstum erfolgt automatisch im Laufe der Zeit. So kann der Administrator seine Ziele in Bezug auf die Speicherverwaltung ohne Betriebsunterbrechung erreichen und gleichzeitig Investitionen einsparen. Dies stellt zudem sicher, dass sich künftige Fortschritte bei der Storage-Technologie nutzen lassen.

Worauf man achten sollte

Wichtig ist, dass alle Beteiligten den Unterschied zwischen der Realität und der Wahrnehmung hinsichtlich der Storage-Kapazität kennen. Im ungünstigsten Fall könnte ein Administrator auf den noch nicht zugewiesenen Speicher zugreifen, was zu Kapazitätsüberlastungen, Betriebsunterbrechungen und zusätzlichem, ungeplantem Kosten führen könnte. Aus technischer Sicht ähneln sich die grundlegenden Funktionen beim Thin Provisioning bei allen Anbietern. Man sollte jedoch darauf achten, ob hinter den diversen Angeboten dieselbe Leistung steht. Deshalb sind folgende Fragen zu beantworten:

  • Ist die Thin Provisioning-Funktion nur gegen Aufpreis erhältlich?

Erläuterung: Aus Gründen kostengünstiger Verwaltung und Storage-Bereitstellung sollte Thin Provisioning eine Standardfunktion des Storage-Arrays sein.

  • Kann man Daten beliebig zwischen normalem Provisioning und Thin Provisioning konvertieren?

Erläuterung: Wichtig für Administratoren, die schnell und online Anpassungen an veränderte Geschäftsanforderungen vornehmen müssen.)

  • Kann man per Thin Provisioning bereitgestellte Volumes erweitern – besonders die (virtuelle) Systemsicht und lässt sich auch die Kapazität auf dem Server erweitern, wenn man dort das Volume anfangs auf zwei Terabyte festgelegt hatte?

Erläuterung: Dies ist für den Fall wichtig, dass man mit seiner Prognose des künftigen Speicherbedarfs danebenlag.

  • Stellt das System sicher, dass man per Thin Provisioning bereitgestellte Volumes auch wirklich vollständig nutzen kann?

Erläuterung: Das System sollte extrem skalierfähig sein, damit alle per Thin Provisioning bereitgestellten Volumes auch tatsächlich physisch aufgefüllt werden können.

  • Funktionieren die Backup-, Recovery- und Datensicherungsverfahren auch mit per Thin Provisioning bereitgestellten Volumes?
  • Ist eine einfache Koordination mit allen Beteiligten möglich, damit jedermann über Realität und Wahrnehmung der Storage-Kapazität informiert ist?

Lassen sich alle Fragen mit „Ja“ beantworten, dürfte Thin Provisioning das richtige Werkzeug für ihr Unternehmen sein, um von Hardware-Preisverfall, Stromersparnis und einfacherer Administration zu profitieren.

Bernd Morbach ist System Engineer bei Equallogic Deutschland

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