Server-attached Storage punktet bei Kosten und Implementierung

Auch wenn Server-attached Storage günstig ist, sollten Sie potenzielle Probleme mit Skalierbarkeit und Infrastruktur im Auge behalten.

Server-attached Storage ist in erster Linie Software, die auf herkömmlicher Server-Hardware läuft. Entweder im Hypervisor oder als virtuelle Maschine, die der Hypervisor kontrolliert. Aus Anbietersicht wird das immer attraktiver. In diesem Beitrag diskutieren wir über Vor- und Nachteile von Server-attached Storage-Services. Im Anschluss können Sie selbst entscheiden, ob diese Herangehensweise die richtige ist oder ob Sie lieber bei einem herkömmlichen gemeinsam genutzten (Shared) Storage-System bleiben sollten.

Etabliertes Shared Storage bringt drei grundlegende Bestandteile mit sich:

  • physische Hardware in Form von Festplatten
  • Platz für Festplatten
  • Storage-Controller

Netzwerk-Verbindungen und ihr Management erlauben es, dass man das Storage gemeinsam nutzen kann. Weiterhin ist Software involviert. Einige Programme stellen grundlegende Funktionen wie RAID und Datenträger-Management zur Verfügung. Fortgeschrittene Software kümmert sich um Snapshots, das Klonen und Replikation. Als Desktop-Virtualisierung und Server-Virtualisierung ins Data Center einzogen, brauchte man Shared Storage, um Funktionen wie VM- und Storage-Migration realisieren zu können.

Server-attached Storage abstrahiert diese grundsätzlichen Komponenten des Shared Storage und verlagert sie auf den gleichen Server, auf dem auch der Hypervisor und die virtuellen Maschinen (VM) laufen. Die physische Hardware ist nun physisches Storage im Host-Server. Das Networking wird durch Netzwerk-Karten im physischen Server realisiert und die Storage-Software existiert in Form einer VM auf dem Host. Möglicherweise läuft sie auch auf Kernel-Ebene des Hypervisors selbst. Die Software aggregiert das physische Storage des Hosts und erzeugt daraus einen gemeinsam genutzten Storage-Pool. Auf diesen wiederum greifen die virtuellen Maschinen zu. Diese Aggregation ermöglicht es, dass Services wie zum Beispiel VM-Migration weiterhin funktionieren.

Server-SANs reduzieren die Kosten für die Bereitstellung von Shared Storage enorm, da es keine Notwendigkeit für dedizierte Storage-Controller gibt. Die physischen Storage-Medien können Speicher der Server-Klasse sein und müssen keinen Enterprise-Charakter aufweisen. Für die Netzwerk-Verbindungen taugen handelsübliche Ethernet-Karten mit zehn GBit anstelle von speziell entwickelten Host-Bus-Adaptern.

Server-attached Storage ist außerdem nützlich, weil es sich sehr einfach einsetzen und implementieren lässt. Theoretisch brauchen Sie kein spezielles Fachwissen in Sachen Storage-Networking. Das gilt auch für die Konfiguration des Share-Storage-Geräts. Die Storage-Software installiert sich automatisch als Teil des Hypervisors und daher genauso einfach wie jede andere virtuelle Maschine.

Fünf Nachteile von Server-attached Storage

Befürworter von Server-attached Storage machen sich in der Branche ziemlich laut bemerkbar. Sie erhalten dabei Unterstützung von einigen großen Namen. Viele davon sind Anbieter von Hypervisoren. Deswegen ist die entsprechende Diskussion oftmals recht einseitig und es werden lediglich die positiven Seiten dargestellt. Es gibt aber auch Nachteile, über die sich IT-Profis im Klaren sein sollten, wenn sie mit solchen Angeboten liebäugeln.

1. Server-attached Storage-Software ist relativ neu

Sprechen wir über Software, ist etwas Reife nie ein Nachteil. Das gilt vor allen Dingen für Storage-Software. Somit sollte also etwas Zeit ins Land gehen und das Produkt einige Male implementiert worden sein, damit der Entwickler die Kinder-Krankheiten ausbügeln kann. Server-attached Storage hat diese Reifestufe noch nicht erreicht.

2. Die Auswahl von physischer Hardware wird bei Implementierung von Server-attached Storage komplexer

Der physische Server wird nun einen Teil der Storage-Services übernehmen. Diese sind bisher auf dedizierten oder speziell angepassten Storage-Prozessoren gelaufen. Deswegen muss man einen gewissen Overhead für CPU und RAM einkalkulieren. Zusätzlich könnte die Berechenbarkeit von sowohl Storage- als auch VM-Performance ein Problem werden.

Bei der Verwendung von Server-attached Storage fällt die Wahl der physischen Storage-Medien ebenfalls in den Aufgabenbereich der IT-Abteilung. Der Speicher kommt nicht mehr gebündelt mit dem Storage-System. Theoretisch können Sie natürlich jedes Storage-Medium in den Servern installieren. Allerdings sollten Sie darauf achten, dass Sie qualitativ hochwertige Hardware verwenden, die ähnliche Performance-Charakteristiken wie die Festplatten in den anderen Servern aufweist. Auf dem Papier können Sie Festplatten verschiedener Kapazität und Geschwindigkeit natürlich mischen. In der Realität sollten die Festplatten allerdings möglichst identisch sein. Viele Data-Center-Betreiber haben in diesem Bereich schon Lehrgeld gezahlt.

3. Die Auswahl des Netzwerks wird wichtig, vor allen Dingen wenn man skaliert

Viele Hersteller von Server-attached Produkten stellen die Behauptung „kein Netzwerk“ oder „kein SAN“ in den Raum. Allerdings ist die Abhängigkeit vom Netzwerk höher, weil das Storage nun in einen Shared Pool aggregiert ist. Somit ist Storage-I/O über mehrere Server verteilt, die natürlich über ein Netzwerk verbunden sind. Dieses Netzwerk sollte eine hohe Qualität aufweisen und für diese Art an Traffic optimiert sein. Ein dediziertes Netzwerk ist als Startpunkt für fast jedes Server-attached-Storage-Produkt ratsam.

4. Server-attached Storage wird komplexer, wenn es skaliert wird

Skalierbarkeit ist für jedes Storage-System eine Herausforderung. Serverseitige Produkte skalieren anfänglich gut, weil zusätzliche Server-Hosts mit Storage-Software ausgestattet sind und weitere Kapazitäten mit sich bringen. Sie schließen sich automatisch dem bereits genannten Pool an.

Das Problem an der Sache ist, dass die meisten Hypervisoren limitiert sind, wie viele Hosts sich in einem Cluster befinden können. Daraus resultierend ist natürlich auch die Skalierbarkeit eingeschränkt. In der Regel müssen Performance und Kapazität immer mit demselben Tempo hinzugefügt werden. Gibt es ein Performance-Problem, brauchen Sie möglicherweise zusätzliche Hosts. Das gilt auch dann, wenn Sie keine weiteren virtuellen Maschinen unterstützen müssen. Dann ist da noch das Management eines Storage-Clusters, der im Netzwerk hochskaliert wurde und vielleicht aus etlichen Nodes besteht. Was einst einfach war, wird damit plötzlich sehr komplex.

5. Der Preis ist immer noch eine Beschränkung

Die Kosten der anfänglich eingesetzten Storage-Medien sind natürlich wesentlich günstiger. Weiterhin brauchen Sie kein Geld für den Controller ausgeben, wenn Sie auf Server-attached Storage setzen. Allerdings müssen Sie in die Rechnung aufnehmen, dass Sie leistungsfähigere Hosts mit mehr Arbeitsspeicher und Netzwerk-Schnittstellen brauchen. Weiterhin ist die Software für das Server-attached Storage ebenfalls nicht kostenlos. Diese wird in der Regel pro Server-Host lizenziert.

Eine Kaufentscheidung treffen

Welche dieser Produkte für Sie sinnvoll sind, hängt in erster Linie von Ihrem Data Center ab. Serverseitige Produkte sind für kleine und mittelgroße virtuelle Server-Cluster sehr attraktiv. Das gilt natürlich dann, wenn der Preis stimmt. Skaliert die Umgebung plötzlich von einer mittelgroßen Installation auf eine große, können Kosten und Komplexität plötzlich weniger Sinn ergeben. IT-Profis müssen deswegen alle dazugehörigen Kosten in Bezug auf Server-attached Storage durchkalkulieren. Ebenso sollten Sie die hier genannten Risiken in das Planspiel aufnehmen und das Ganze dann aus diesen Gesichtspunkten mit etablierten Shared-Storage-Optionen vergleichen.

Artikel wurde zuletzt im Juli 2014 aktualisiert

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