Tutorial: Backup-Werkzeuge für Continuous Data Protection (CDP)

Continuous Data Protection (CDP) ist eine für Backup und Recovery hilfreiche Methode. In diesem Tutorial stellen wir CDP sowie passende Werkzeuge vor.

In den vergangenen Jahren hat sich Continuous Data Protection (also kontinuierliche Datensicherung, CDP) vom Hype zu einer Technologie entwickelt, die als nützliches Puzzlestück für Backup und Recovery rasch an Bedeutung gewinnt. Nach einer Definition der Storage Networking Industry Association (SNIA) ist CDP „eine Klasse von Mechanismen, die Veränderungen an Daten kontinuierlich erfassen oder nachverfolgen, was eine Wiederherstellung auf frühere Zeitpunkte ermöglicht“.

In diesem Tutorial über Backups mit CDP informieren wir Sie über die neuesten Werkzeuge dafür,  heutige Einsatzformen und neue Angebote.

TUTORIAL CDP-BACKUPS: INHALT

  • Einführung in Backups mit Continuous Data Protection
  • Kurze Geschichte der CDP-Werkzeuge
  • Wie CDP-Produkte heute eingesetzt werden
  • Fast-CDP vs. echtes CDP

Einführung in Backups mit Continuous Data Protection

Zum ersten Mal erschienen CDP-Werkzeuge 2005 auf der Bildfläche – mit dem Versprechen, bessere Recovery Point Objectives (RPO, maximal mögliche Daten-Verluste) und sichere Wiederherstellungen zu ermöglichen. Allerdings fanden sie wenig Anklang bei den Kunden, so dass die meisten CDP-Anbieter entweder aufgeben mussten oder übernommen wurden.

W. Curtis Preston, geschäftsführender Redakteur bei TechTarget und unabhängiger Experte für Backups, nennt drei Gründe für dieses Scheitern von CDP im ersten Anlauf: Die meisten frühen Anbieter waren reine Startups, die Technologie wurde als Ersatz für traditionelle Backups positioniert, und die Produkte waren noch nicht ausgereift. Zu den technischen Schwächen zählten fehlendes Anwendungsbewusstsein und nicht vorhandene Unterstützung für den gleichzeitigen Umgang mit On-Site und Off-Site-Kopien von Daten.

In den vergangenen Jahren hat sich die CDP-Landschaft jedoch verändert. Zu den CDP-Produkten von heute zählen RecoverPoint von EMC, NetBackup RealTime von Symantec und Tivoli Storage Manager FastBack von IBM. Auch die meisten kleineren Anbieter haben CDP im Programm.

Auch die Technologie hat sich verbessert. Heute bietet ein und dasselbe Produkt Schutz für Daten vor Ort wie Off-Site, und die Produkte lassen sich mit verbreiteten Anwendungen wie Oracle oder Microsoft Exchange und SQL Server integrieren.

Server werden immer größer, Virtualisierung setzt sich durch, und RPOs sowie die Zeitvorgaben für Recovery (Recovery Time Objectives, RTOs) werden anspruchsvoller. Für Organisationen sind das drei neue Gründe dafür, für geschäftskritische Daten sofortige Wiederherstellung zu ermöglichen. Zusammen mit synchroner Replikation zwischen einem Client und einem Backup-Server können CDP-Lösungen tatsächlich einen RPO von null Sekunden und Server-Wiederherstellungen in wenigen Sekunden ermöglichen.

Kurze Geschichte der CDP-Werkzeuge

Anfangs wurden CDP-Werkzeuge von Startups verkauft, die es mit den etablierten Anbietern aufnehmen wollten. Das haben sie nicht geschafft, aber immerhin blieben zum Teil ihre Produkte und ihr geistiges Eigentum erhalten. EMC zum Beispiel kaufte Kasya wegen Replikation, war dann aber angenehm überrascht von den CDP-Fähigkeiten des Unternehmens. CA Inc. übernahm XOSoft und machte aus dessen CDP-Technologie ARCserve High Availability. IBM sicherte sich FilesX, um den Tivoli Storage Manager um CDP zu erweitern. Schließlich kaufte Symantec zur Erweiterung seiner Backup-Software CDP-Assets von Revivio.

Während all dieser Änderungen ist das eigentliche Ziel von CDP das gleiche geblieben: Kunden sollen eine Möglichkeit bekommen, Daten auf einen früheren Zeitpunkt wiederherzustellen. Im Idealfall liegt dieser nahe an 0 Sekunden in der Vergangenheit.

Fast alle Anbieter für Datensicherung haben heute ein CDP-Werkzeug im Programm. Zu den speziellen CDP-Werkzeugen zählen etwa AppAssure Software Inc. Replay 4, Atempo Inc. Live Backup, CA ARCserve Replication und High Availability, Cofio Software Inc. AIMstor CDP, EMC RecoverPoint, FalconStor Software Inc. FalconStor Continuous Data Protector, IBM Tivoli Storage Manager FastBack, InMage DR-Scout, Symantec NetBackup RealTime und Vision Solutions Inc. Double-Take Backup.

Wie CDP-Produkte heute eingesetzt werden

Nach einer Befragung der Enterprise Strategy Group (ESG) unter 510 hochrangigen IT-Profis von April 2010 hat die CDP-Nutzung seit 2008 um 18 Prozent zugenommen; weitere 43 Prozent der Befragten planen, innerhalb von zwei Jahren nachzuziehen. Damit wäre CDP fast so verbreitet wie Daten-Deduplizierung, die weitaus mehr Aufmerksamkeit bekommt: Laut der ESG-Befragung nutzen 38 Prozent der Teilnehmer sie bereits, und 40 Prozent wollen sie innerhalb von zwei Jahren einführen.

Die aktuellste Umfrage zu Kaufabsichten von SearchStorage und dem Magazin Storage zeigt noch keine derart weitgehende CDP-Verbreitung, aber ebenfalls eine starke Zunahme und einen Rekordstand beim Interesse für die Technologie. In den vergangenen vier Jahren ist der Anteil der CDP-Nutzer demnach von fünf auf 13 Prozent gestiegen. 60 Prozent der Teilnehmer gaben an, die Ausgaben für CD im kommenden Jahr stabil halten oder erhöhen zu wollen – ein höherer Gesamtwert wurde in der Umfrage noch nie erreicht.

Das Interesse an CDP bei Organisationen, die größere Mengen an Daten zu sichern und wiederherzustellen haben, lässt sich wahrscheinlich auf Probleme bei der Einhaltung von Backup-Zeitfenstern zurückführen. – Bericht der Enterprise Strategy Group

Anwender von CDP haben meist größere Datastores zu schützen. Laut ESG verwenden derzeit 42 Prozent der Umfrageteilnehmer mit mehr als 100 Terabyte an Daten CDP, noch einmal 40 Prozent wollen das in spätestens zwei Jahren tun. Bei Unternehmen mit weniger als 100 TB an Daten beträgt der aktuelle Nutzungsanteil bei 26 Prozent, Planungen für einen CDP-Einsatz gibt es bei 47 Prozent.

„Das Interesse an CDP bei Organisationen, die größere Mengen an Daten zu sichern und wiederherzustellen haben, lässt sich wahrscheinlich auf Probleme bei der Einhaltung von Backup-Zeitfenstern zurückführen“, heißt es in der von den Analysten Lauren Whitehouse und Bill Lundell verfassten ESG-Studie. „Weil CDP kontinuierliche Backups ermöglicht, müssen hier keine Zeiten vorgegeben werden, in denen Backup-Prozesse laufen dürfen, um Produktiv-Server vor Performanceproblemen zu schützen. Organisation mit großen Datenvolumina und engen Backupfenstern dürften ein größeres Interesse daran haben, Schluss zu machen mit Backupfenstern und, noch wichtiger, die erfolgreiche Vollendung von Backup-Prozessen zu garantieren.“

Laut der ESG-Umfrage setzen 14 Prozent der aktuellen Nutzer nur CDP als Ersatz für traditionelle Backups ein. 18 Prozent nutzen dafür CDP und Snapshots in Kombination.

Damit wird CDP meist als Ergänzung für alte Backup-Prozesse verwendet und für hohe Verfügbarkeit und Disaster Recovery mit Replikation kombiniert. EMC gibt an, in den drei Jahren seit der Übernahme von Kashya habe sich die Zahl der verkauften CDP-Lizenzen im Rahmen von RevoverPoint für Replikation und CDP verdreifacht. Auch CDP-Produkte von Anbietern wie CA, Neverfail und Vision Soluations/Double-Take werden für hohe Verfügbarkeit von kritischen Anwendungen wie Oracle, Microsoft Windows oder Exchange 2010 weithin eingesetzt.

Auch die schnelle Verbreitung von virtuellen Servern treibt die CDP-Nutzung voran. Das gilt insbesondere dann, wenn virtuelle Maschinen für Produktiv-Daten verwendet werden, denn mit CDP lassen sich alle virtuellen Maschinen in einer Umgebung ohne Datenverlust sofort wiederherstellen. Wie die aktuelle Kaufabsichten-Umfrage von SearchStorage/Storage zeigt, hat sich die Nutzung von CDP für Backups virtueller Maschinen in diesem Jahr auf sechs Prozent nach zuvor zwei Prozent erhöht.

Fast-CDP vs. echtes CDP

Als es hieß, auch der Microsoft Data Protection Manager biete CDP, gab es wütende Proteste von CDP-Pionieren, und die neue Kategorie Near-CDP (also Fast-CDP) wurde geschaffen. Dazu zählt im Prinzip jedes Backup-Produkt, das Snapshots nimmt und repliziert. Wie echtes CDP bietet auch Fast-CDP sofortige Wiederherstellung – Ihre Anwendung kann, wenn das primäre Image beschädigt ist, ohne Verzögerung ein Recovery-Image einbinden. Der Unterschied zwischen den beiden CDP-Arten liegt also nur in den RPOs: Bei echten CDP liegen sie bei 0, bei Fast-CDP hängen sie davon ab, in welchen Abständen Sie Snapshots erstellen (meist eine Stunde).

Heutzutage wird CDP als Technologie für Platten-Backups nicht mehr so heiß gehandelt wie früher, und der Hype der Jahre 2005 und 2006 dürfte wohl nicht zurückkommen. Trotzdem spielt sie als Ergänzung für Replikation eine wichtige Rolle bei Disaster Recovery und hat eine wachsende Nutzer-Basis. Damit dürfte CDP uns noch eine Weile erhalten bleiben.

Artikel wurde zuletzt im September 2010 aktualisiert

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