Cloud-Storage und was wir vom Nirvanix-Desaster lernen können

Der Niedergang von Nirvanix machte die Schwächen von Cloud-Storage deutlich. Er zeigt aber auch, dass Firmen eine Cloud-Exit-Strategie brauchen.

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Der Niedergang von Nirvanix zeigt, dass wir beim Einsatz von Storage-Cloud-Services einen „Plan B“ brauchen.

Wenn Sie diesen Beitrag lesen, wird das Nirvanix Cloud Storage Network langsam, aber sicher in Vergessenheit geraten. Dabei gehörte es einst einem exklusiven Klub von betriebswirtschaftlich erfolgreichen Cloud-Storage-Start-ups an. Im September 2013 hat der Cloud-Storage-Provider seinen Kunden die Frist gesetzt, alle Daten aus der Nirvanix Cloud binnen zwei oder drei Wochen zu sichern. Dabei konnte man für den Datentransfer LANs mit hoher Bandbreite verwenden oder auch das Internet.

Dabei ist das nicht ohne. Um zehn TByte an Daten mit einer T1-Leitung zu übertragen, braucht man mehr als ein Jahr. Mit OC-193 dauert dieselbe Übertragung unter idealen Voraussetzungen ungefähr vier Stunden.

Nirvanix war sechs oder sieben Jahren lang auf dem Markt. Einige Anwender haben mit Sicherheit im Laufe der Zeit weit mehr als die oben genannte Datenmenge in der Cloud des Anbieters angesammelt. Aus bestimmten Kreisen hieß es, dass ganz einfach nicht genug Bandbreite zur Verfügung steht, um alle Daten in der vorgegebenen Zeitspanne zu übertragen.

Einige Anwender der Nirvanix-Dienste haben versucht, das für den Kauf der Nirvanix-Assets notwendige Geld aufzutreiben. Sie wollten den Dienst als private Cloud weiterbetreiben, bis alle Daten gesichert wären. 80 Prozent des Cloud-Storages wurde an andere Cloud-Provider und nicht an die Endanwender verkauft. Vielleicht funktioniert der Ansatz der privaten Cloud ja sogar, aber einige direkte und indirekte Anwender des Services sind mit dieser Lösung nicht glücklich. Zu den Nutzern gehören Fox News, National Geographic, General Electric und das FBI.

Nirvanix sah sehr vielversprechend aus, und selbst SearchStorage charakterisierte die Firma als „ein Data Storage Start-up, das man im Auge behalten sollte“. Auch in Sachen Finanzierung schien alles im grünen Bereich: In den ersten paar Jahren ging es von 33 auf 70 Millionen US-Dollar nach oben, und weitere 25 Millionen US-Dollar wurden erwartet – just in den Tagen, als das Ende des Unternehmens bekannt wurde. Analysten sind der Meinung, dass es Nirvanix nicht mit Amazon oder Microsoft aufnehmen konnte. Die Details dieser Untersuchungen wurden nach der Insolvenz allerdings nicht veröffentlicht.

Irgendwann werden die Informationen zum Untergang von Nirvanix wohl ans Tageslicht kommen. Im Moment sollten wir allerdings nur Folgendes daraus lernen: Wenn Sie einen Cloud-Storage-Provider nutzen – was keine Empfehlung meinerseits sein soll –, müssen Sie für einen Notausgang sorgen. Stellen Sie sicher, dass der Cloud-Storage-Provider im Fall der Fälle Mittel und Wege zur Verfügung stellt, damit Sie wieder an Ihre Daten kommen. Bei festplattenbasierten Cloud-Providern sind ökonomische Sorgen gar nicht so weit aus der Welt gegriffen: Sollte dieser dichtmachen oder Sie umziehen wollen, müssen Sie effizient und mit wenig Kosten verbunden Zugriff auf Ihre Daten haben. Das gilt für reine Storage- und Backup-Clouds, die eine Online-Festplatte für das Sichern Ihrer unternehmenskritischen Daten anbieten.

Im April 2013 kündigte Nirvanix seine Technologie „Cloud Sideloader“ in großem Umfang an. Damit sollte sich, so die Aussage der Firma, der Umzug von Daten aus anderen Storage-Clouds beschleunigen lassen. Sprecher des Unternehmens erzählten der Presse sogar, dass man diesen Service eventuell bidirektional anbietet. Letzteres hätte sicherlich bei den Datenrettungsversuchen, die beim Niedergang notwendig waren, enorm geholfen, doch dazu kam es nicht mehr. Außerdem hätte man sich mit anderen Herstellern für den Datenzugriff auf eine Standard-API einigen müssen. Viele haben allerdings proprietäre APIs im Einsatz. Ein Grund dafür ist wohl, dass man sich auf einen proprietären Server-Hypervisor-Stack oder die Hardware eines einzelnen Herstellers eingelassen hat.

Gesetzt den Fall, dass ich mit dem Einsatz von Cloud-Storage liebäugelte, würde ich mir Permivault von Fujifilm ganz genau ansehen. Im Jahre 2012 wurde es von einem der führenden Storage-Hersteller vom Stapel gelassen, der dazu noch eine prall gefüllte Brieftasche hat. Der Service steht auf einem etablierten Fundament und wird derzeit im Gesundheitswesen eingesetzt. Permivault benutzt LTFS-Datenbänder, um Daten zu speichern und bereitzustellen. Ihre Dateien liegen auf einem sicheren Satz an Bändern. Diese sind nur für Sie da, gehören Ihnen, und Sie können sich diese zuschicken lassen. Nirvanix-Anwender haben sich wahrscheinlich nichts sehnlicher gewünscht als so ein Angebot.

Eine weitere Einsicht habe ich aus dem Nirvanix-Niedergang gewonnen: Die Hype-Treiber von gestern sind die Kritiker von morgen. Ein früherer Analyst hatte ausführlich über das Versagen von Nirvanix berichtet und wie unfair man mit den Kunden umgeht. Der gleiche Analyst war aber vorher auf den Hype aufgesprungen und hatte lang und breit über die explodierende Datenflut lamentiert. Dieser Umstand rechtfertige es, den mit Mängeln behafteten Business-Ansatz von Cloud-Storage in Anspruch zu nehmen, war zu lesen. Nun doziert der gleiche Knabe, dass nur Narren den damaligen Analysten Glauben schenken und sich auf die neue Cloud-Technologie einlassen konnten.

Wie dem auch sei: Permivault bietet auf seiner Website einen kostenlosen Probelauf mit fünf TByte an Speicherplatz an. Somit müssen Sie nicht die Katze im Sacke kaufen – aber das sollten Sie ohnehin nie tun.

Über den Autor: Jon William Toigo blickt auf 30 Jahre Erfahrung im IT-Bereich zurück. Er ist CEO und Managing Principal von Toigo Partners International sowie Vorsitzender des Data Management Institute.

Artikel wurde zuletzt im März 2014 aktualisiert

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