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Commodity-Hardware ist ein Mythos

Hersteller sprechen viel von Commodity-Hardware bei Speicher. Aber in Wahrheit unterscheiden sich die Systeme noch immer sehr stark.

Etwas wie Speicherhardware als Commodity gibt es nicht. Sicher, man kann sich aussuchen, ob man all diesen Anbietern von Software-defined Storage (SDS) auf dem Markt glauben will anstatt mir, aber selbst sie würden zugestehen, dass sie ihre Produkte nicht auf so einem Gerät laufen lassen würden, wenn es denn so etwas in Wirklichkeit gäbe.

Sicher versuchen die Hersteller von Software-defined Storage noch immer, neue Anwender mit der verrückten Idee zu umwerben, dass es auf die Hardware nicht ankommt und dass alles von ihrer Software abhängt. Es gibt jede Menge an soliden, innovativen SDS-Produkten, die besondere Bedürfnisse von vielen Unternehmen bedienen können, die Server und Speicher zusammen kaufen wollen. Aber die Produkte mit dem Etikett „Commodity-Hardware“ zu schmücken – das ihnen einen weniger wichtigen Wert zuschreibt –, ist nicht sinnvoll. Darüber hinaus färbt es auch auf die Software ab und vermindert ihre Bedeutung.

Wenn man auf der Suche nach Speichersystemen für das eigene Unternehmen ist – SAN, NAS, SDS, hyper-konvergente Systeme oder was auch immer –, würde man sich dann besser fühlen, das gesamte intellektuelle Wissen des Unternehmens auf so etwas wie „Commodity-Hardware“ abzulegen? Natürlich nicht. Deshalb fragt man ja auch, welcher Festplattentyp mit dem System ausgeliefert wird, und man studiert die Leistungswerte der Hardwarekomponenten, um sicherzugehen, dass sie den Ansprüchen des Unternehmens genügen werden.

Vielleicht ist der Ausdruck Commodity inzwischen so weit verbreitet, weil viele Leute zu der Ansicht neigen, dass es bei den Festplatten nur noch wenig Auswahl gibt – schließlich gibt es ja nur noch eine Handvoll von Herstellern, die sie produzieren. Aber wir alle wissen, dass das grundfalsch ist: Festplatten gibt es in einer großen Bandbreite, die von superschnellen 15K-Drives mit geringen Kapazitäten bis hin zu Ungetümen mit Platz für zehn Terabyte an Daten reicht. Kein vernünftiger Mensch wird deshalb diese beiden Alternativen und weitere Varianten des Plattenspektrums in einem einzigen Gerät wie einer unspezifischen „Commodity“ zusammenschmeißen, und erst recht nicht, wenn die Anwendungen und Einsatzgebiete in der Praxis nicht abweichender von einander sein könnten.

Und angesichts von Solid-State Storage wird der Ausdruck „Commodity“ noch weniger glaubwürdig. Auch hier gibt es eine große Bandbreite an Architekturen und Technologien, aus denen man die geeignete für sein Unternehmen und seine Anwendungen aussuchen kann: Single-Level Cell, Multi-Level Cell, Triple-Level Cell, 3 D und so weiter. Die Implementierungen umfassen eine Skala von SAS/SATA-Schnittstellen, PCIe, DIMM-Slots und fast alles, was dazwischen möglich ist. Insgesamt gesehen, wäre es schon ziemlich verrückt, wenn man alle diese Varianten von NAND-Flash in einen gemeinsamen Topf werfen würde.

SDS vereinfacht ohne Zweifel den Hardware-Layer in einem Speichersystem und beendet dankenswerterweise das bisherige Hin und Her bei den Versuchen, Speicherressourcen zu teilen. Aber es kommt noch immer auf die Hardware an, mindestens genauso viel wie auf die neue Software.

Und SDS-Anbieter wissen das wahrscheinlich ebenfalls, trotz ihrer rhetorischen Anstrengungen, die Bedeutung der Hardware für ihre Produkte herunterzuspielen. In dem Maße, wie sich SDS als eine glaubwürdige Speicherkategorie und als attraktive Alternative zu traditionellen Speicherangeboten etabliert hat, hat es auch seine Do-It-Yourself-Vergangenheit hinter sich gelassen, führt es zu Budgeteinsparungen und erleichtert sogar die Arbeit der Administratoren – anders als es zu Beginn der SDS-Ära erschien.

Mal ehrlich, wer glaubt als IT-Verantwortlicher daran, dass er die Regale von spezialisierten Supermärkten wie Conrad oder die Webseiten von Online-Anbietern wie Amazon und anderen durchstöbert, nur um Commodity-Festplatten und -Server zu finden, die er dann in seinem Rechenzentrum aufbaut?

Es gibt nicht sehr viele Unternehmen, die bereit sind, ihre Daten und die Performance ihrer Anwendungen mit einem Do-It-Yourself-Projekt aufs Spiel zu setzen. Und die Wahrheit ist, dass sich SDS-Hersteller ebenfalls nicht mit solchen Projekten anfreunden können. Wenn ihre Software auf irgendwelchen obskuren Hardwaresystemen landet, würde sie den gleichen Commodity-Nachteilen unterworfen sein. Das ist auch der Grund, warum so viele SDS-Hersteller ihre Produkte in Bundles aus Software und aus Hardware verkaufen. Es ist nach ihrer Ansicht immer noch Software-defined Storage, aber sie haben so die Hardware unter Kontrolle.

VMware kann als Aushängeschild für diese Taktik gelten. Mit viel Tamtam rollte der Hersteller VSAN als ein wahrhaftes Software-defined Speicherprodukt aus, aber das Produkt – und die Idee, Speichersoftware getrennt von der Hardware zu kaufen – wurde nur lauwarm am Markt aufgenommen. Diese Erfahrung brachte schließlich EVO:RAIL hervor – wieder Software-defined Storage, aber dieses Mal als ein Referenzmodell, das dafür sorgt, dass renommierte Hardwarehersteller die Software zusammen mit ihren Servern, Speichersystemen und sonstigen Gerätschaften ausliefern. So viel zum Thema Commodity-Hardware!

Was bedeutet dies aber? Zuerst das, was jeder Storage-Profi bereits weiß: Hardware macht in der Tat einen Unterschied. Aber es bedeutet auch, dass man es den Herstellern nicht erlauben sollte, einen von der Wichtigkeit der Hardware abzulenken – sie ist mindestens genauso wichtig wie die Software, die auf ihr läuft.

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Artikel wurde zuletzt im März 2016 aktualisiert

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