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Dichtung und Wahrheit über das softwaredefinierte Rechenzentrum

Das softwaredefinierte Rechenzentrum ist mehr als eine Evolution und trägt die Züge einer revolutionären Entwicklung, die die Welt verändern kann.

Rechenzentren gibt es schon seit den 1960er Jahren, das sind fast 60 Jahre, eine Ewigkeit in der IT-Zeitrechnung, in der Technologien sich alle sechs Monate erneuern. Ebenso wie in der Biologie gibt es in der IT neben evolutionären Entwicklungen, die Verbesserungen, neue Möglichkeiten, neue Verhaltensweisen mit sich bringen, auch plötzliche Änderungen, Revolutionen, die ganz neue, zuvor undenkbare Kapitel aufschlagen. 

In den letzten drei Jahren haben softwaredefinierte Speicher (SDS) und Server immer mehr an Bedeutung in den Rechenzentren gewonnen, aber ist das die natürliche Evolution oder eine fantastische Revolution? Ist das einfach ein weiterer Schritt oder ein riesiger Sprung?

Wahrscheinlich ist es doch revolutionär, wenn wir uns ansehen, welche Technologien in letzter Zeit softwaredefiniert wurden.

Nehmen wir zum Beispiel die Telefonie. 1987 stellte Nokia das erste ziemlich schwere und unhandliche aber dennoch mobile Telefon vor: Der Nokia Mobira Cityman 900 konnte von einer Person getragen werden. Die Batterie hielt lange genug, um einige Stunden reden zu können, bevor sie wieder aufgeladen werden musste.

Und was ist gerade einmal 30 Jahre danach daraus geworden?  Ein revolutionäres Gerät, bei dem die Telefonfunktion wahrscheinlich nur noch zehn Prozent seiner Gesamtleistung ausmacht. Es bietet nun Arbeitsfunktionen, Musik, Apps, Navigationsdienste, Bezahlfunktionen und noch viel mehr. Dieses Gerät heißt heute „Smartphone“ und hat das Leben von Millionen von Menschen revolutioniert.

Ein ähnlich abrupter Wandel findet gerade in den Rechenzentren statt, die zu softwaredefinierten Systemen werden. Das Konzept „softwaredefiniert“ hat zwei grundlegende Tendenzen auf dem Markt verursacht: Hardware wird von Software getrennt und damit ändert sich unsere Sicht auf die Hardware: Wir nutzen immer, was gerade am besten passt – die niedrigsten Kosten, den besten Zugriff, die niedrigste Latenz oder die besten Kapazitäten.

Zweitens wird proprietäre Hardware durch proprietäre Software auf generischer Hardware aller Art ersetzt. Die Möglichkeit, Ressourcen zu skalieren, zu biegen, bereitzustellen, zu begrenzen und anzupassen, ändert die Rechenzentren und die Aufgaben der Menschen, die für ihre Verwaltung zuständig sind, von Grund auf.

Hyperscaler, Cloud, neue Geräte für die Arbeit (Smartphones, Tablets, spezialisierte Geräte, Sensoren, und so weiter) revolutionieren den Umfang, die Vielfalt und die Fülle dessen, was die IT Unternehmen bieten kann, und in diesem Sinne handelt es sich tatsächlich um eine Revolution.

Aber was genau ist die softwaredefinierte Speichertechnologie und warum ist das wichtig? Softwaredefiniert beschreibt die Kombination verschiedener Speicher und Speicherverwaltungstechnologien wie Virtualisierung, Dateiverwaltung, Objektdatenverwaltung, Sicherungstechnologien, Tiering, Bereitstellung, Archivierung, Backup, Recovery und so weiter.

„Wir dürfen nicht vergessen, dass es keine schlüsselfertigen Lösungen oder Produkte für die Implementierung eines softwaredefinierten Rechenzentrums gibt.“

Daniel Sazbon, SNIA Europe

Die effiziente Orchestrierung dieser Technologien macht die Skalierung, Dynamik, Datensicherung, Serviceklasse und Anpassung von bestehenden Ressourcen an die augenblicklichen Speicheranforderungen erst möglich. Aber auch das Wachstum der Speicher ist weiterhin riesig. Heutzutage lässt sich fast alles als „Daten“ definieren. Die Entmaterialisierung von Anwendungen und Diensten ist zur Realität geworden. 

Und ja, das ist wichtig, da ohne softwaredefinierte Rechenzentren das Versprechen von Effizienz, Wachstum, Sicherheit und Skalierbarkeit nicht erfüllt werden kann. Es ist so, als würde man ein „Mobilfunktelefon“ als „Smartphone“ verwenden und das funktioniert einfach nicht.

Die Speicherung und Verwaltung von Daten im Bereich von Petabyte oder Exabyte sind nach wie vor wichtig. Neue und mindestens ebenso wichtige Themen sind aber auch der schnelle Zugriff auf Objekte, die Zuordnung der richtigen Kapazität zu neuen Workloads, Kosteneinsparungen bei geringem Verbrauch und insbesondere das Generieren von für das Unternehmen wertvollen Daten aus den erhobenen Daten durch Analyse. 

Sind also alle Unternehmen unterwegs zu softwaredefinierten Rechenzentren (SDDC)? Auf gewisse Weise ja, das hängt von der Fähigkeit ab, Rechenzentrumsanwendungen weiter laufen zu lassen und die Vorteile von virtualisierten Umgebungen, hybriden Clouds, Hypervisors zur Regulierung der Workloads und neuer objektbasierter Anwendungen zu nutzen.

Wir dürfen nicht vergessen, dass es keine schlüsselfertigen Lösungen oder Produkte für die Implementierung eines softwaredefinierten Rechenzentrums gibt. Aber die Vorteile sind den Aufwand mit Sicherheit wert.

Über den Autor:
Daniel Sazbon ist Chairman der SNIA Europe.

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Artikel wurde zuletzt im Juli 2017 aktualisiert

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