Die fünf dümmsten Storage-Konzepte

Viele Journalisten wollen bestehende IT-Probleme mit schlauen Konzepten lösen und propagieren dies auch lautstark. Jon Toigo fasst 5 davon zusammen.

Derzeit gibt es zahlreiche Aussagen – auch und gerade von Journalisten – darüber, was die moderne IT-Welt revolutionieren wird. Entsprechende Top-Ten-Listen und Präsentationen zu diesem Thema scheinen die Medien zu dominieren.

Dabei entsteht der Anschein, dass jegliches IT-Problem in zehn Punkten zusammengefasst oder gar gelöst werden kann. Manchmal sind es auch weniger Punkte, je nachdem, wie viel Zeichen der Redakteur abgeben durfte.

Obwohl wir hier nicht an Zeichenzahlen gebunden sind, versuche ich mich kurz zu fassen und gebe einen kurzen Überblick über die wohl fünf dämlichsten Konzepte, die im letzten Jahr kursierten.

Nummer 5: Die Cloud ersetzt jeglichen Storage

Ein wiederkehrendes Thema in den sozialen Medien und im IT-Journalismus ist die „Game-changing“ – also alles verändernde – Cloud, insbesondere wenn es um Storage geht. Seit kurzem werden Cloud-Lösungen als Ursache für die stetig sinkenden Umsatzzahlen von Arrays angegeben, natürlich von Array-Herstellern. Einige Cloud-Fürsprecher betonen, dass viele Unternehmen statt zusätzliche Hardware eher Storage als Service von Cloud-Service-Providern kaufen. Wenn dem so ist, dann wäre das natürlich ein gutes Vorzeichen für die Cloud-Industrie, aber weniger für die Storage-Branche.

Dieser Umschwung in Richtung Cloud könnte eine Erklaärung dafür sein, dass EMC im letzten April 22 Prozent Umsatzverlust verzeichnete, IBM um 23 Prozent absackte und auch andere Hersteller ihre Ziele verfehlten. Die Aussage „Clouds beschleunigen den Niedergang des Enterprise-Storage“ würde derzeit die berechtigte Aufmerksamkeit der Cloud-Befürworter auf sich ziehen, wenn sie nicht so idiotisch wäre.

Was wirklich Ende 2013 und Anfang 2014 passierte, war, dass viele Anwender zögerten, neue Kapazitäten zu kaufen, bevor sie nicht alle ihre Optionen betrachtet und evaluiert hatten, um letztlich in eine Lösung zu investieren, die ihrer IT entspricht und einen schnellen und kosteneffizienten TCO offeriert. Also im Prinzip taten die IT-Verantwortlichen das, was ein vernünftiger IT-Planer tun sollte: solide strategische Entscheidungen treffen.

Ehrlich gesagt hat uns die Industrie regelrecht mit Informationen und Meinungen überflutet. Dazu gehörten die drei verschiedenen Arten an Flash-Speicher (von denen natürlich jede die Festplatte ablöst), dedizierter Storage (nur für einen speziellen Server-Hypervisor konzipiert) und neue (alte) Server-seitige Storage-Topologien (früher bekannt als Direct-Attached Storage). All dies soll die „traditionellen SANs“ ablösen, die quasi grad erst installiert wurden. Keiner möchte aber eine Storage-Idee ausbaden müssen, die eventuell in drei Jahren obsolet und von der Welt unbeachtet ist.

Kleiner werdende Budgets hat auch eine gewisse Bauernschläue der Käufer auf den Plan gerufen, so wurde mir zumindest gesagt. Investitionen rauszuschieben und zu verzögern, setzt den Verkäufer unter Druck und kann letztlich auch in drastischen Preissenkungen resultieren. Das heißt, eine Menge Storage wurde Jahr für Jahr, Quartal für Quartal verkauft, aber eben nicht für den eigentlichen Herstellerpreis. Wahrscheinlich hat dies mehr als alles andere zu den Umsatzeinbrüchen geführt, obwohl der Hardware-Absatz stieg.

Heißt das, dass Clouds keine Auswirkungen haben? Nicht wirklich. Aber die Auswirkungen rühren nicht daher, dass mehr Anwender von Enterprise-Storage auf Cloud-Storage wechseln. Branchenkenner beobachteten, dass Ende 2013 vor allem Cloud-Service-Provider die Hauptkunden für Cloud-Storage waren. Außerdem sollte der Bedarf an Storage bei Cloud-Service-Providern selbst die Zahlen des Storage Marktes eher nach oben treiben als nach unten zu ziehen.

Und wir sollten auch nicht den erschreckenden Pleitegang von Nirvanix vergessen, immerhin damals die Nummer drei unter den Cloud-Storage-Providern

Nummer 4: Datenreduzierungstechnologien lösen alle Probleme

Nein, das tun sie nicht. Während Hersteller einen harten Weg gehen mussten, um das Konzept von Deduplizierung oder Kompression in den Rechenzentren zu etablieren und auf die Must-Have-Liste der Enterprise-Funktionen zu bringen, aber die Kosten dafür spiegeln den strategischen Wert nicht wider. Darüber hinaus kommen Fragen auf, wenn wir über Datenreduktion in Archiven reden. Zum Beispiel die, wie man deduplizierte Archivdaten wieder zur Verfügung stellt, so nach zehn Jahren. Hier gibt es keine Standards und somit auch keinen Investitionsschutz.

Nummer 3: Flash-Storage ändert alles

Auch nicht wirklich. Wir alle mögen schnellere I/Os, aber der echte Wert von Flash scheint auf Read-only Daten beschränkt (also reine Lese-Prozesse). Dynamischer RAM oder die gute alte Festplatte scheinen noch immer bessere Performance bei Schreib-Prozessen (Writes) zu offerieren. Darauf reagieren die cleveren Hersteller mit langen Tiraden über Anwenderbeispiele, in denen Datenbanken beschleunigt oder geringere Latenzen erreicht wurden. Von höherer Performance ist dann nicht mehr die Rede.

Es gibt auch interessante Geschichten, zum Beispiel die Kombi aus Flash und Tape, die von einigen Herstellern mit dem unsäglichen Spitznamen Flape versehen wurde. Hier sollte man zumindest für den Nordamerikanischen Raum zunächst das Urban Dictionary bemühen, bevor man solche Begriffe flächendeckend einsetzt (kann ein Mix aus einem Umhang und einer Flagge sein; bezeichnet ein grobes an der Nase ziehen und drehen; aggressives Flirten).

Nummer 2: Server-seitiges Storage ändert alles

Wenn Sie glauben, dass Rückschritte – also von verteiltem Storage zu Silos – ein Fortschritt ist, dann ist dies das richtige Konzept für Sie. Server-seitiges Storage verdeutlicht den Verlust an Wissen in der IT. Dies resultiert aus der Verbreitung der Servervirtualisierung und dem Trend Storage-Spezialisten im IT-Team loszuwerden. Server-seitig ist für den schlecht geschulten Hypervisor-Jockey einfacher umzusetzen als Storage-Fabrics, egal ob mit oder Storage-Virtualisierungs-Technologie. Ein lokales Storage-Modell, das sicher als Teil eines Kits skalierbar ist (Openstack), benötigt viel Datenspiegelung zwischen Storage-Boxen, um Ausfälle und Failover abzusichern (vMotion etc.). Überlegen Sie an dieser Stelle, was bei diesen Prozessen mit Ihrer LAN-Bandbreite passiert.

Nummer 1: Top [beliebige Nummer von drei bis 20 einsetzen]-Listen erklären alles

Die wohl dämlichste Annahme ist die, dass Listen-Artikel (Top 3, Top 5, Top 0) wirkliche Einblicke bieten. Diese Artikel geben eine Zusammenfassung von News, was es ist der Twitter-Generation einfacher macht diese zu verstehen. Im schlimmsten Falle verstärken diese Listen existierende Hypothesen bzw. Vorurteile. Im besten Falle provozieren sie und animieren den Leser, tiefer zu graben, um die Details hinter der Kurzfassung zu erhalten. Ich meinerseits hoffe, dass diese Liste zum Recherchieren und Debattieren anregt.

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Artikel wurde zuletzt im April 2015 aktualisiert

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1 Kommentar

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Naja, von #5 - #3 in ich dabei, nicht alles läßt sich durch Cloud, Flash und dedup lösen. #1 ist ja wohl auch eher einen Meinung. Und #2 kann ich nicht zustimmen. Es ist EIN alternativer Ansatz und den muss man dann auch korrekt umsetzten. Ein herkömliches SAN über das bestehende 1Gb LAN via iSCSI anzubinden hilft auch nicht. Somit sollte z.B. ein dediziertes 10Gb LAN das 8Gb-FC-SAN ersetzten, dann klappts auch...
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