darren whittingham - Fotolia

EMC: Auf das Wesentliche konzentrieren

Bevor Dinko Eror das Ruder übernimmt, gibt sich CEO Germany EMC Sabine Bendiek gelassen über den EMC-Dell-Deal und fokussiert auf „Business as Usual“.

Nach der Ankündigung des EMC-Dell-Mergers zeigen sich beide Seiten unaufgeregt und führen ihre Geschäfte wie gehabt fort. Ruhe bewahren und Umsatz machen ist die Devise, vor allem bei EMC. Zwar sorgte die Ankündigung für viel Wirbel, aber jetzt, da sich der erste Staub legt, will man bewusst Ruhe in den Geschäftsalltag bringen.

Noch-Geschäftsführerin Deutschland EMC Sabine Bendiek gab sich in einem kurzen Plausch mit searchstorage.de deswegen auch sehr gelassen. „Es gab und gibt natürlich ein großes Interesse an dem Thema und an der EMC-Geschichte“, sagt Bendiek. „An der EMC-Story ändert sich ja nichts, es ist nach wie vor ein spannendes Unternehmen mit einem umfassenden Produktportfolio. Gerade in Bereichen wie konvergenten Systemen oder bei der Preis-Performance-Ratio haben wir viel richtig gemacht.“

Dass Dell am Portfolio interessiert ist, ist keine Frage, allerdings auch nicht die Tatsache, dass es hier Veränderungen geben wird – geben muss. Viel Neues oder Details kann und will momentan niemand verlauten lassen, sei es nun bei EMC oder bei Dell. Dafür ist der Deal eben auch noch nicht in trockenen Tüchern. Vielmehr muss EMC offiziell noch ein zweites Angebot beziehungsweise die Möglichkeit einer zweiten Offerte abwarten. Und natürlich haben die Anwälte auch viel Kleingedrucktes zusammengetragen, wenn es darum geht, wer wie viel zahlen muss, sollte der Deal nicht zustande kommen. Wirklich abgeschlossen ist die Übernahme erst im Sommer 2016.

„Bis dahin ist es zunächst wichtig, unser Geschäft wie gehabt fortzuführen und unsere Marktposition weiterhin zu stärken. Das vierte Quartal hat begonnen und wir setzen den Fokus darauf, auch weiterhin erfolgreich zu sein.“

Kompetenz im Enterprise-Business

Das dritte Quartal konnte EMC mit einem leichten Umsatzplus zum Vorjahr verbuchen. Im Jahr 2014 kamen hier 6,03 Milliarden US-Dollar zusammen, in 2015 lag der Betrag bei 6,08 Milliarden. Das zweite Quartal brachte 6 Milliarden US-Dollar ein. Das Unternehmen will natürlich deutlich machen, wer in den letzten Jahren im Storage-Bereich – und nicht nur dort – die Marktmacht innehatte. Dell will in einem 2-Billionen-Dollar-Markt mitspielen. Dass bei einem solchen Merger und Marktpotenzial dann auch Muskelspiele aufkommen, ist keine Überraschung. Man bringt sich eben bereits jetzt in Stellung, um bei der späteren Aufteilung und Neuorganisation der Unternehmen keine Nebenrolle zu spielen.

„Zu Produkt- oder konkreten Organisationsplänen können wir derzeit noch nichts sagen“, erklärt Sabine Bendiek, nicht wirklich überraschenderweise. „Aus unserer Sicht gibt es mehr Kombinationseffekte und weniger Overlaps. Generell gibt es aber schon Pläne, wie die Firma aufgestellt sein wird: Es wird eine Enterprise Systems Group oder Division geben – der Name steht noch nicht fest – die sich um alle Enterprise-Lösungen und alle relevanten Komponenten kümmert. Hier wird vieles von EMC einfließen. Pivotal und VMware bleiben weiterhin unabhängig, wobei Pivotal auch nach wie vor den Börsengang plant. Hier gibt es momentan auch keine Zeitvorgaben oder -pläne. Darüber hinaus wird es für SAP-Anwender und SAP HANA die Virtusstream Business Unit sowie eine eigene Division für das PC-Geschäft geben.“

Kommunikation ist wichtig

Dass Kunden, Mitarbeiter und Partner natürlich durch die Kaufabsichten verunsichert sind, ist nicht überraschend. Hier ist nun die Geschäftsführerin gefragt, um Ruhe in die Abläufe zu bringen. „Als erstes ist es wichtig, ganz klar zu kommunizieren, dass sich nichts von heute auf morgen und in dramatischer Weise ändert“, betont Bendiek. „Zunächst konnten wir Partner auf einer Partnerveranstaltung darüber informieren, was hier passiert und welche Auswirkungen es hat oder haben wird. Das gilt natürlich gleichermaßen für Mitarbeiter und Kunden. Die Logik des Geschäfts muss klar sein und wir müssen das Selbstvertrauen vermitteln, dass unsere Geschäfte gut laufen und auch weiterhin gut laufen werden.“

Laut Bendiek ist die Stimmung sowohl bei Partnern und Mitarbeitern entsprechend verhalten, aber nicht negativ. Abwartend und offen positiv fasst sie die Stimmungslage zusammen. Zwar gäbe es einen großen Informationsbedarf, aber allen Seiten ist klar, dass es nach wie vor die signifikante Handschrift einer EMC geben wird. Gerade für das deutsche Team zieht sie eine positive Bilanz. „Deutschland ist gut aufgestellt und es wird auch hier synergetische Effekte geben. Das muss aber erst ausgearbeitet werden. Momentan beschäftigen sich 90 Prozent der Mitarbeiter – wie sonst auch – damit, weiterhin erfolgreich daran zu arbeiten, wer wir sind und wie wir uns positionieren. Es müssen ja erst einmal die Voraussetzungen für die neue Firma geschaffen werden und dann kann das Fine-Tuning für einzelne Regionen erfolgen.“

Michael Dell hatte bereits in einer ersten Pressekonferenz sehr deutlich gemacht, dass beispielsweise der Standort Hopkinton nicht aufgegeben wird, was sowohl für die Region als auch die Mitarbeiter beruhigend ist. Vielmehr will man die fachlichen Kompetenzen hier bestärken. Inwieweit dann im Zuge der Neuorganisation auch Kürzungen durchgeführt werden, wird sich erst im nächsten Jahr zeigen. Allerdings sollte es wirklich jedem klar sein, dass es ohne ein Ansetzen des Rotstifts oder sogar eventuellen Abverkäufen – Vmware? – nicht gehen wird. Jeder, der meint, Einsparungen bei Produkten und Personal werde es nicht geben, ist mehr als blauäugig. Zudem werden die Kürzungen auch sicher nicht so harmlos ausfallen, wie derzeit beide Seiten betonen. Synergien sind schön und gut, aber Überhänge und Mehrausgaben wird Michael Dell sicher nicht tolerieren.

Wider den Trend?

HP tut es, IBM tut es, Symantec tut es auch: Derzeit scheint es am Markt eher Mode, weniger attraktive Geschäftsbereiche loswerden zu wollen oder aus einem Unternehmen mehrere herauszuschnitzen. Da scheint der geplante gigantische Merger eher konträr diesem Trend. Zudem hat die IT-Geschichte mehrfach bewiesen, dass Riesenübernahmen gern und oft im Fiasko für beide Seiten enden. Allerdings ist General-CEO Joe Tucci als brillanter Stratege bekannt und Michael Dells Geschäftsentscheidungen waren bislang auch meist von Erfolg gekrönt. Kamikaze-Unterfangen oder exzellenter Schachzug?

„Die Logik des Geschäfts muss klar sein und wir müssen das Selbstvertrauen vermitteln, dass unsere Geschäfte gut laufen und auch weiterhin gut laufen werden.“

Sabiene Bendiek, Geschäftsführerin EMC Deutschland

„Bislang war und ist die strategische Weitsicht eines Joe Tucci einfach herausragend“, sagt Sabine Bendiek. „Traditioneller Speicher war und ist der Backbone der Firma, aber über die Jahre hin wurden Entscheidungen getroffen, die extreme Weitsicht bewiesen. Der Entschluss beispielsweise in virtuelle Welten zu gehen und diese mitzugestalten, zeigt gutes Kalkül. Und diesen Weg wird EMC noch weiter gehen, mit unterschiedlichen Produktfähigkeiten.“

Vielleicht ist es wider den Trend, meint Bendiek, aber es hat sich immer wieder gezeigt, dass sich auch zunächst merkwürdige Entscheidungen als die richtige Spur erwiesen.

„Ich hoffe, seine Weitsicht ist auch diesmal richtig. Wir wollen weiter innovativ und treibend am Markt bleiben und in dieser sich beschleunigenden Welle von Cloud und Big Data weiter mitschwimmen beziehungsweise hier innovative Lösungen gestalten. Die Größe eines Unternehmens kann hier hilfreich sein.“

Auch hier wird nur die Zeit zeigen, ob Tuccis letzte große Geschäftsentscheidung großartige Weitsicht war oder eben doch nur „the easy way out“. Immerhin hat er sich sehr viel länger als geplant ans Unternehmen gehängt: zu viel Unsicherheiten schien die Ernennung eines Nachfolgers und eine damit einhergehende strategische Neuausrichtung zu haben.

Neue Wege, neuer CEO

Zwar wünscht sich CEO Sabine Bendiek ein erfolgreiches Geschäftsjahr und dass die Transaktion kein Ablenkungsmanöver wird, am neuen Unternehmen wird sie aber nicht mehr federführend mitgestalten. Zum 1. Januar 2016 wird Dinko Eror die Position des Geschäftsführers Deutschland besetzen. Bendieks Zukunft liegt bei Microsoft Deutschland. Hier übernimmt sie den Vorsitz der Geschäftsführung von Microsoft. Allerdings kommt der Wechsel nicht wirklich überraschend. Normalerweise sind solche Posten meist auf Zeit begrenzt und wenn so nachhaltige Veränderung anstehen, muss das nicht immer mit den eigenen Plänen korrelieren.

Für sie bedeutet das, dass sie sich auf das vierte Quartal 2015 konzentriert, die positive Kommunikation zu den Merger-Plänen weiter vermittelt und Partner, Kunden und Mitarbeitern erklärt, warum eine EMC diese Schritte tut und warum dies gut ist. Business as Usual, eben.

Folgen Sie SearchStorage.de auch auf Twitter, Google+ und Facebook!

Artikel wurde zuletzt im Oktober 2015 aktualisiert

Pro+

Premium-Inhalte

Weitere Pro+ Premium-Inhalte und andere Mitglieder-Angebote, finden Sie hier.

Erfahren Sie mehr über Storage-Anbieter

0 Kommentare

Älteste Beiträge 

Passwort vergessen?

Kein Problem! Tragen Sie Ihre E-Mail-Adresse unten ein. Wir werden Ihnen eine E-Mail mit Ihrem Passwort schicken.

Ihr Passwort wurde an die folgende E-Mail-Adresse gesendet::

- GOOGLE-ANZEIGEN

SearchSecurity.de

SearchNetworking.de

SearchEnterpriseSoftware.de

SearchDataCenter.de

Close