EMC-Zukunft: Let’s split?

EMC forciert die IT-Transformation, doch wie sieht es mit der eigenen Transformation aus. Kommt mit dem CEO-Abgang ein neues Geschäftskonstrukt?

EMC propagiert die Transformation des Rechenzentrums, um agil, flexibel und geschäftstüchtig zu bleiben. Betrachtet man sich das Unternehmen genauer, so erkennt man, dass der Speicher- und IT-Riese selbst eine Transformation braucht oder vielleicht schon kurz davor steht. Denn groß, größer, am größten zu sein muss sich bei den heute so schnelllebigen und schnell ändernden Märkten nicht unbedingt auszahlen.

Das Bostoner Unternehmen ist in den letzten 13 Jahren kontinuierlich gewachsen. Und das ist nicht zuletzt Joe Tuccis „Regierung“ zu verdanken. Der CEO ist ein klarer Stratege, der die Firma von einem One-Trick-Pony in einen Riesenbauchladen an IT-Lösungen umgewandelt hat. Mehrere Rekordumsätze, dutzende Akquisitionen sowie einen abgeblasenen Rücktritt später, kann Tucci auf ein wahres IT-Imperium schauen. Und auf sein kommendes Ausscheiden als CEO. Aber was dann? Was wird aus EMC und kann ein Nachfolger die Geschäftsfäden so geschickt spinnen und Aktionäre, Kunden und Mitarbeiter bei Laune halten? Was, wenn Tucci mit einem Knalleffekt geht? Es gibt eine Theorie, was passieren könnte, wenn der Chef von Bord geht. Von langer Hand geplant. Strategisch genial. Und nicht unmöglich. Was wenn...

Was, wenn Joe Tucci bei seinem Rücktritt die Aufspaltung der eigenen Förderation verkündet? Was, wenn es EMC2 in der Form nach Tag X nicht mehr gibt, sondern dafür drei neu ausgerichtete, stromlinienförmige, strahlende Firmen mit Tochterunternehmen? Unmöglich? Nicht wirklich. Eher naheliegend. Wir spielen das Szenario einmal durch.

Derzeit besteht die Förderation aus drei bzw. vier – sagen wir mal – Abteilungen: EMC2 quasi als Mutterschiff mit Joe Tucci an der Spitze, EMC Information Infrastructure mit David Goulden als CEO, Pivotal unter der Führung von Paul Maritz und nicht zuletzt VMware mit Pat Gelsinger als CEO. Alle drei Neu-Geschäftsführer wurden zunächst als Nachfolger für Tucci gehandelt. Dieser wollte aber 2012 dann doch nicht auf seinen Thron verzichten und installierte die drei CEO-Posten unter ihm, was eine geschickte Lösung war; geschäftsstrategisch und -politisch. Doch König unterm König zu sein, ist auf Dauer auch nicht so toll. Und sollte ein neuer Regent weniger stark und bestimmend sein, so könnten auch hier neue Machtkämpfe entstehen. Das wiederum könnte dem Geschäft auf lange Sicht schaden. Warum also nicht eine Aufsplittung der Firma herbeiführen, bei VMware machten bereits die Aktionäre Druck. Eine Neuorganisation kann die viel-propagierte Flexibilität und Agilität bringen, die neue Marktmöglichkeiten eröffnet. EMC2 würde zu einer privaten Holding, die nicht mehr von Aktionären getrieben in die neuen Firmen – EMC3 (nur so als Beispiel), Pivotal und VMware – investiert und jeweils 20 Prozent der Aktien hält. Hinzukämen zwei weitere unabhängige Tochterfirmen, RSA und VCE. Für die internen Führungs- und Managementstrukturen bedarf es dafür keinerlei Veränderungen. Alles ist bereits so konstruiert, dass jeder dieser Geschäftszweige auf eigenen Beinen stehen könnte. EMC 2.0 (nur so ein weiterer Vorschlag) würde das Storage-Geschäft weiterführen und in diesem Zuge die monolithische Lösungen langsam aber sicher in die Ecke stellen; Pivotal kümmert sich um Big-Data-Projekte und VMware muss man wohl niemandem mehr erklären. Die einzige Frage wäre wirklich nur noch, ob VCE eigenständig bleibt oder in die EMC II (Vorschlag 3) aufginge. Natürlich müssten Fragen wie die der aufzuteilenden Aktien für Aktionäre sowie Kundenbelange zu klären sein, aber das führt hier zu tief ins spekulative Detail. Darüber hinaus würde Tucci mit dieser Aufteilung dafür sorgen, dass Keiner sein geschäftliches Erbe in Grund und Boden reitet.

Die Firma hat eine kritische Masse erreicht, bei der man sich überlegen muss, drastische Schritte umzusetzen, um nicht zu implodieren oder strategisch zu hadern wie IBM und HP. Symantec hat den Schritt bereits gewagt, HP denkt laut darüber nach, warum also auch nicht EMC. Und warum nicht zu einem Zeitpunkt, der ohnehin einen enormen Wendepunkt im Unternehmen bedeutet. Einen besseren „Bang“ kann sich ein Geschäftsführer für seinen Abgang nicht wünschen.

 

Artikel wurde zuletzt im Oktober 2014 aktualisiert

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1 Kommentar

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Die EMC ist doch als Konzern schon aufgeteilt in die sogenannte Federation.

Was unterscheidet sich den zu dem Modell das HP oder eBAY welcher jetzt vollzogen wird ?

EMC hat hier das Maß der Dinge schon gesetzt, der Rest der IT folgt nun und macht es gleich.
Auch der Punkt das jeder Konzernteil mit jedem auf dem IT Markt interagieren darf ist doch gegeben, hier wird niemand ausgeschlossen.
Viele Missverstehen diese enorme Agilität die nur für einen gebaut wurde: Den Endkunden. Die Endkunden rufen nach vielfalt und variabilität in der Ausswahl der jeweiligen Firmen in bestimmten Technologioebereichen. Dem hat Joe Tucci Rechnung getragen.
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