IBM bleibt der Hardware treu – größtenteils

Abverkäufe und Neuausrichtung brachten bei Unruhe ins eigene Lager. Nun gab es eine Aussage zum Hardware-Engagement. Positiv? Interpretationssache.

IT-Riese IBM hatte es in jüngster Vergangenheit nicht leicht. Schlechte Zahlen beim Hardware-Absatz und vor allem die verzweifelt wirkenden Ausverkäufe der x86-Server und der Halbleiter-Sparte brachten eine Menge Unruhe ins eigene Lager und bei den Kunden. 

Big Blue weiß, dass es einer internen Transformation bedarf, um nicht den Anschluss zu verlieren und treibt laut eigenen Aussagen seit rund 24 Monaten eine Neuausrichtung des Unternehmens voran. Trotzdem scheint die Lage noch immer angespannt. Die Jahresendzahlen für 2014 werden noch erwartet und der Enthusiasmus ist eher gedämpft.

Trotzdem oder gerade deswegen machte IBM Anfang Januar mit der Ankündigung der neuen Mainframe-Generation eine klare Aussage zur Hardware, wohl aus einer gewissen Erklärungsnot heraus.

Ralf Fischer, Vice President Hardware Development IBM, machte zur Vorstellung des z13-Systems deutlich, dass sich die IBM auch künftig aus dem Hardware-Geschäft herausziehen möchte. Klare Zeichen seien hierfür unter anderem die Akquisition des Flash-Spezialisten Texas Memory Systems und die Integration dieser Produkte ins eigene Portfolio.

Den Verkauf der x86-Server begründete Fischer damit, dass man keinen Platz für Intel-basierte Server in der IT-Welt der Zukunft sieht und deswegen eher auf die eigen entwickelten Power-Systeme setzt. Was das Halbleitergeschäft angeht, so betonte IBM erneut, dass man hier mehr Produktionsstandorte benötigt, um lukrativ und erfolgreich zu sein und dies kann Big Blue nicht leisten. 

Somit war der Abverkauf eine logische Konklusion. Um schnell zu produzieren, müsse man die Branche schnell verstehen beziehungsweise technologische Neuerungen schnell umsetzen können und dies könne Globalfoundries. Das mag ja sein, aber es scheint vergessen, dass IBM dem Käufer mehr als eine Milliarde US-Dollar hinterherwirft, um sich endgültig von der Chip-Sparte trennen zu können.

Eine Transformation innerhalb eines Unternehmens bringt immer Verunsicherung und eine Produktbereinigung mit sich, so Ralf Fischer. Es gehe hier nicht um einen Ausstieg aus der Hardware, sondern vielmehr um dediziertes Engagement.

Gerade im Chip-Bereich wird der Hersteller weiterhin entwickeln und seine Entwicklungsresultate Herstellern wie Globalfoundries dann zur Verfügung stellen. Vor allem aber halte man auch an der Grundlagenforschung fest und werde diese nicht aus der Hand geben, so Fischer.

Letzteres ist keine große Überraschung. Wenn IBM eines gut kann, dann ist es die Grundlagenforschung. Jedes Jahr meldet Big Blue etliche neue Patente an und verdient sich damit eine goldene Nase. Dieses Geschäft abzugeben würde der Firma eine wichtige Basis entziehen und käme einem kleinen Suizidversuch gleich.

Die Transformation ist noch nicht vorbei

Schaut man sich diese Argumentation fürs Hardware-Geschäft an, so ist das noch lange keine Entwarnung für die eigene Storage-Abteilung. Derzeit vertreibt IBM Bandspeicher (Libraries ebenso wie das eigene TS-Laufwerk), das Plattenflaggschiff DS8000, die Flash-Systeme FlashSystem, Storwize sowie die XIV (gekauft vom EMC-Symmetrix-Erfinder Moshe Yanai, nun für die Cloud gehypt) und die neue Serie Elastic Storage (GPFS-Systeme, quasi für alles). 

Gerade bei den Tape- und den GPFS-Modellen ließe sich eine ähnliche Struktur wie beim Chip-Geschäft denken: die Entwicklung bleibt, Fertigung und Vertrieb überlässt man anderen. Das würde IBM eine Menge Flexibilität erkaufen, die bitter nötig ist, um schnell am Markt zu sein und den Wettbewerb herauszufordern, ohne dauernd etwas teuer einzukaufen und integrieren zu müssen.

Die Tage sind vorbei, in denen sich mit dem Verkauf eines Mainframe oder einer DS800 die Umsatzzahlen sofort deutlich nach oben reißen ließen. Hier macht heute oftmals die Masse das Grundrauschen aus. Und genau da wird es schwierig für Big Blue, denn „klein“ oder zumindest „kleiner“ fällt dem Hersteller schwer. 

IBM krankt im unteren Segment, wo große Stückzahlen an der Tagesordnung sind. Eine „kleine“ Entry-DS kostet unter 100.000 Euro, bekundet man stolz bei IBM. Das sind noch immer Preise, wo die Entscheidungszyklen mehr Zeit in Anspruch nehmen, was wiederum direkte Auswirkungen auf die Geschäftszahlen hat. Das bestehende Storage-Produktportfolio ist eher für große Anforderungen und Umgebungen konzipiert, kleiner Systeme, die dann eben das Grundrauschen erzeugen, fehlen.

IBM weiß, dass es eine Transformation bitter nötig hat. Trotz der Produkt-Bereinigungen und neuen Ausrichtung, ist dieser Prozess noch nicht vorbei und kann möglicherweise noch Auswirkungen auf weitere Abteilungen haben.

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Artikel wurde zuletzt im Januar 2015 aktualisiert

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1 Kommentar

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Was soll die unsinnige Aussage, "dass sich die IBM auch künftig aus dem Hardware-Geschäft herausziehen möchte." - wenn im nächsten Satz das Gegenteil steht.
Und was ist die "DS800" - vielleicht mit AS/40 verwandt.
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