Kampf gegen wachsendes Datenuniversum: Neues Storage oder Datenreduzierung?

Laut EMC und IDC wächst das Datenuniversum weiter an. Doch wie sinnvoll ist es, immer neues Storage zu kaufen? Ein Plädoyer für Datenreduzierung.

Laut einer Studie von EMC und IDC wächst das Datenuniversum aufgrund einer endlosen Datenflut endlos an. Die Autoren sind sich sicher: Wenn wir nicht vorsichtig sind, enden wir im schwarzen Datenloch.

Sind wir dem Untergang geweiht? Wir drohen in einem Meer aus Daten zu versinken und es sieht so aus, als würden wir nichts dagegen unternehmen.

Ich habe mir gerade einige Statistiken aus dem bereits erwähnten Bericht von EMC und IDC „The Digital Universe of Opportunities: Rich Data and the Increasing Value of the Internet of Things“ angeschaut. Ich habe Kolumnen geschrieben, die kürzer als diese Überschrift waren. So interessant die Pressemitteilung im ersten Moment klingt, neige ich dazu sie erst gar nicht zu lesen. Lieber warte ich auf den Film.

Allerdings hat die Studie einige Leckerbissen zu bieten. Dazu gehört zum Beispiel die Aussage, dass sich die weltweite Datenmenge (das digitale Universum) alle paar Jahre verdoppelt. Die Autoren der Studie erzählen uns, dass es derzeit 4,4 Zettabyte Daten auf der Erde gibt. Es wäre schon interessant zu erfahren, wie sie das herausgefunden haben. Mich hat niemand angerufen und gefragt. Wenn das die guten Nachrichten sind, sind die schlechten, dass diese Zahl auf 44 Zettabyte steigen wird. Ob die Zahlen stimmen oder nicht ist irrelevant: Es handelt sich auf jeden Fall um jede Menge Daten.

Internet der Dinge ist Hauptverursacher

Die Pressemitteilung hilft allerdings, all diese Zettabyte in einer gewissen Perspektive darzustellen. Man weist darauf hin, dass sich ein Zettabyte aus einer Billion Gigabyte zusammensetzt. Bevor Sie nun einen Taschenrechner bemühen und ausrechnen wollen, wie viele USB-Sticks mit 16 Gigabyte Kapatität Sie brauchen, um 4,4 Zettabyte zu speichern, können Sie auch folgendes Bild von EMC und IDC zur Veranschaulichung heranziehen: Die Datenmenge würde einen Stapel iPad-Air-Tablets füllen, der zwei Drittel der Strecke bis zum Mond reicht.“ Nur zwei Drittel? Es scheint sich überhaupt nicht zu lohnen, all diese Daten zu besitzen.

Zudem verweisen die Autoren auf das Internet der Dinge, welches Hauptverursacher dieser Datenflut ist. Das lässt sich irgendwie nachvollziehen, wenn wir innerhalb der nächsten sechs oder sieben Jahre Kühlschränke und Rasenmäher nach und nach mit dem Internet verbinden. Ich hoffe nur, dass Ihr Unternehmen nicht über zu viele „Dinge“ verfügt, aus denen man Daten saugen möchte.

Was sollen wir mit diesen Daten anfangen? Natürlich gibt es etwa Big-Data-Analysen. Was passiert aber, wenn die Daten von Big zu Kolossal oder Gigantisch übergehen? Neben der Möglichkeit, dass man einige Menschen opfert, indem man diese Zettabyte in die Gehirne pflanzt und die Köpfe explodieren (meine Voraussage, nicht die von EMC und IDC), zeigt der Bericht eine seltsame Offenbarung: „Im Jahre 2013 wurden lediglich 22 Prozent der Informationen im digitalen Universum als nützlich eingestuft. Weniger als fünf Prozent der Daten wurden tatsächlich analysiert.“ Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie erleichtert ich bin.

Die Prognosen sind so witzig, dass man dabei leicht die ernste Seite vergisst. Diese befindet sich in Ihrem Data Center, das mit weiteren Terabyte und Petabyte gefüllt wird. Bisher war es einfach, immer neue Kapazitäten hinzuzufügen, da der Kauf von Festplatten, Datenbändern, Flash-Geräten und anderen Datenträgern relativ günstig ist. Allerdings wird sich bei Unternehmen eine Situation einstellen, die gegen das Mooresche Gesetz spricht, und zwar noch bevor diese vom Petabyte- in Exabyte-Niveau übergehen. Irgendwann wird sich das Mooresche Gesetz gegen die hochskalierte Wirtschaft mit den Super-Kapazitäten richten und es wird heißen: „Unsere Kapazitäten sind zu Ende … und unser Geld auch.“

Durchschnittliche Firma pflegt 300 Terabyte Daten

Sprechen wir über genügend Platz, ist das nicht etwas Abstraktes wie der große schwarze Raum mit ein paar leuchtenden Sternen. Wir reden hier über Platz, der sich in ein schwarzes Loch entwickeln kann. Unsere Untersuchungen zeigen, dass eine durchschnittliche Firma mehr als 300 Terabyte aktive Daten pflegt. Zirka das Dreifache befindet sich zusätzlich auf Datenbändern, optischen Laufwerken, Festplatten und anderen Datenträgern.

Es handelt sich hier allerdings nur um eine Dimension im Gesamtbild des Datenwachstums. EMC und IDC weisen darauf hin, dass es im Laufe der Zeit noch schlimmer wird. Die Zeit ist hingegen das Element, das nicht kontrollierbar ist. Natürlich können wir immer mehr Kapazitäten erschließen und mehr und mehr Daten speichern. Allerdings sind wir nicht in der Lage, die Uhren zu verlangsamen oder anzuhalten, wenn wir über das Thema Backup diskutieren. Der Tag hat nun mal nur 24 Stunden. Wie viele davon wollen Sie für die Überwachung investieren, was Ihr Unternehmen auf den Datenträgern speichert?

Ob nun EMC und IDC mit ihren Prognosen richtig liegen ist irrelevant. IDC ist sich wahrscheinlich sicher, dass sich im Jahre 2020 keiner mehr an ihre Aussagen von heute entsinnt. Auch wird die Mehrheit der Bevölkerung keine EMC-Storage-Arrays kaufen, die 44 Zettabyte speichern können. EMC und andere Storage-Anbieter reiben sich bei solchen Prognosen lediglich die Hände. Sie müssen allerdings nicht am Big-Data-Wettstreit teilnehmen.

Es bestehen keinen Zweifel, dass das Internet der Dinge wachsen wird. Allerdings wird es ein „Internet der ziemlich dummen Dinge“ und ein „Internet der interessanten Dinge“ geben. Lassen wir außen vor, was wir laut der angesprochenen Studie im Moment tun, können wir die bedrohlich wirkende Flutwelle an Daten vielleicht stemmen. Die Wahl liegt bei Ihnen. Sie können gezielt auswählen, was Sie behalten möchten. Alternativ kaufen Sie immer mehr Kapazitäten. Dann müssen Sie aber mit der kontinuierlichen Ausdehnung des Datenuniversums hoffen, dass der Tag irgendwann mehr Stunden für das Management zur Verfügung stellt.

Über den Autor: Rich Castagna ist Chefredakteur der Storage Media Group von TechTarget.

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Artikel wurde zuletzt im Juni 2014 aktualisiert

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