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Kosteneinsparungen bei virtualisierten Servern sind noch keine Realität

Anders als erwartet, entstehen bei virtualisierten Servern viele zusätzliche Kosten, wie durch Lizenzen für virtuelle Maschinen und Hardwareerweiterungen.

Auch wer sich in Schule, Universität oder Beruf nicht so sehr mit Algebra, Geometrie, Trigonometrie oder anderen Zweigen der Mathematik beschäftigt hat, wird vermutlich doch eines Tages bei der Berechnung von Geschäftsvorteilen landen. Während in Mathematik erfahrene Personen dies für eine leichte Sache halten, scheint es bei IT-Verantwortlichen an grundlegenden wirtschaftlichen Kenntnissen zu mangeln.

Seitdem Server-Virtualisierung als ernstzunehmender Trend aufgetreten ist, habe ich immer wieder über die Wege gelesen, auf denen uns virtualisierte Server Geld sparen könnten. Zuerst waren es die Kosteneinsparungen, die sich aus der Konsolidierung einer Menge kleiner Server mit jeweils nur einer einzigen Anwendung in nur noch ein paar Server ergaben, auf denen jetzt viele virtualisierte Anwendungen laufen. Da so weniger Hardware- und Softwareausgaben anfallen sollten, würde es jede Menge an Geld retten. Aber mit den zunehmenden Gebühren für Hypervisor-Lizenzen sowie der Notwendigkeit, deutlich mehr I/O-Ports, schnellere Prozessoren, mehr Cores, mehr Memory pro Server plus etwas Flash-Speicher hinzuzufügen, haben Highend-Server inzwischen Preisgefilde erreicht, die jeden IBM-Mainframe als ein Sonderangebot erscheinen lassen.

Ehrlich gesagt, die Kapitalberechnung (Capex) ging nicht so recht auf. Aber darauf wurde entgegnet, man müsse sich doch nur die Kosteneinsparungen auf der Verwaltungsseite – die berühmten Opex – ansehen: Diese resultierten schlicht aus der geringeren Anzahl von IT-Fachleuten, die man nur noch brauche, um ein stark virtualisiertes und agiles Rechenzentrum einzurichten, zu unterhalten und abzusichern. Man ging davon aus, dass Virtualisierung alles so stark vereinfachen und automatisieren würde, dass ein halbwegs ausgebildeter Administrator für Virtualisierung mit einer Zertifizierung von VMware die Arbeit von Administratoren für Anwendungen, Server, Speicher, Netzwerk, Disaster Recovery, Security, Datenverwaltung, Archivierung sowie die eines einfachen Elektrizitätsexperten übernehmen könne. Und die Unternehmen könnten sich so locker von ihren selbstgefälligen, überbezahlten IT-Fachleuten und Domain-Experten verabschieden: Virtualisierte Server würden die IT-Hierarchie ein für allemal verflachen.

Wie sich herausgestellt hat, verfügt die wundervolle Technologie der Virtualisierung über so einige verdeckte Komplexität und sie hat keinesfalls das Management von Infrastruktur oder Daten verbessert. Sie hat manche Talente in einigen IT-Abteilungen verdrängt und erfahrene Fachleute durch grüne Virtualisierungs-Youngster ersetzt, von denen viele kaum mehr wissen, als sie in VMware-Kursen mitbekommen haben. Troubleshouting ist deshalb heute ineffizient, Vorgaben wie „mean time to repair“, administrative oder logistische Downtimes und „first fix rate“ werden miserabel ausgeführt. Alles zusammen sorgt für unschöne Aufwendungen auf der Arbeitsseite der IT – zumindest für jene, die sich um das Einmaleins des Geschäfts kümmern.

Die größte Problematik von allen hat sich mit Bezug auf Storage ergeben. Anbieter von Virtualisierung haben sich von Anfang an negativ über Storage geäußert. Aber sie haben keinem ihrer Kunden davon erzählt – höchstens andeutungsweise –, dass sie die ganze bestehende Speicherinfrastruktur umkrempelten müssten, um auch nur bescheidene Performance-Resultate für virtualisierte Workloads von Anwendungen zu erhalten.

Ungefähr vor einem Jahr wurde dieser Sachverhalt offen ausgesprochen, egal ob er EVO:RAIL, Virtual SAN oder hyper-converged Infrastructure genannt wurde. Einfache geschäftliche Berechnungen sagen uns, dass es die Unternehmen ein Vermögen kosten wird, ihre 40 bis 60 Exabytes an vorhandenem Speicher in Rechenzentren rund um die Welt durch solche neuen Strukturen zu ersetzen.

Darüber hinaus muss man festhalten, dass die meiste Infrastruktur von den großen Virtualisierungs-Anbietern für Software-defined Storage (SDS) oder hyperkonvergente Systeme ein Minimum von drei identischen Knoten pro Server sowie ein geclustertes Servermodell für Hochverfügbarkeit erfordert. Das bedeutet, dass Speicherinstallationen auf ein Minimum von sechs Knoten anwachsen. Eine einfache Rechnung ergibt: drei identische Speicherknoten hinter jedem von zwei geclusterten Servern oder 2 x 3. Konservativ betrachtet läuft das pro SDS-Produkt auf etwa 90.000 Euro für SDS-Lizenzen und Hardware für jeden Server hinaus – und womöglich sogar auf viel mehr für eine vorfabrizierte hyperkonvergente Appliance. Man kann sich ausmalen, dass das locker die versprochenen Einsparungen für virtualisierte Server auffressen wird.

Vielleicht sollte man die IT-Leute wieder zur Schule schicken, wo sie ihre Mathematikkenntnisse auffrischen könnten, anstatt sie Virtualisierungs-Kurse der Hersteller besuchen zu lassen. Vielleicht würden sogar Online-Kurse ausreichen, vorausgesetzt die IT’ler wissen noch, wie man einen PC bedient.

Über den Autor:
Jon William Toigo blickt auf 30 Jahre Erfahrung im IT-Bereich zurück. Er ist CEO und Managing Principal von Toigo Partners International sowie Vorsitzender des Data Management Institute.

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Artikel wurde zuletzt im März 2016 aktualisiert

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