Lösch-Beirat: Google soll mehr löschen, nicht speichern

Wer Daten speichert, scheint wenig ans Löschen zu denken, so auch Google. Nun pochen Experten des Konzerns auf das Recht des Vergessens.

Sechs Monate und ein achtköpfiges Experten-Team brauchte es, um Google einen Berichtsentwurf zum „Recht auf Vergessen“ vorzulegen. In diesem fordert der so genannte „Lösch-Beirat“, mehr Anträge auf Löschungen umzusetzen. Bislang wurde der größte Teil – immerhin 60 Prozent – abgelehnt. 

Seit Mai 2014 bestätigte ein EU-Gerichtsurteil, dass Google-Nutzer ein Recht auf den Schutz ihrer Privatsphäre und einen Anspruch auf die Löschung von Links zu falschen oder kompromittierenden Daten haben. Seitdem flatterten über 200.000 dieser Anträge auf die Google-Schreibtische.

Löschen – nur wie?

Recht haben ist sicher schön, Recht erhalten schon schwieriger und Recht umsetzen scheint erst recht eine große Hürde. Denn obwohl der Lösch-Beirat auch einen Leitfaden zur Löschung von Daten geben sollte, gibt es keinerlei klare Richtlinien, wie das Eliminieren von Daten genau auszusehen hat. 

So stellt sich schon die erste Frage, ob – je nach Herkunft des Antragstellers – nur europaweit oder global gelöscht werden soll. Leider sind sich die Experten hier nicht einig. Immerhin schlugen sie vor, ein verbessertes Antragsformular zu entwickeln.

Gänzlich fehlt es an klaren Kriterien, die für oder gegen das Datenvernichten sprechen. Faktoren wie: wer hat die Informationen ins Internet gestellt und der Zeitrahmen sollen aber dabei eine Rolle spielen. Fest steht allerdings, dass Unternehmen wie Google aufgrund des Urteils und des Experten-Berichts umdenken und neue Konzepte zum Löschen aufstellen müssen wird.

Mehr Mut zum Löschen

Aber vielleicht sollte man ja schon als Privatperson umdenken. Immerhin landet das meiste, was wir im Internet hinterlassen, nicht durch Dritte dorthin, sondern durch den Betroffenen selbst. Leider gibt es kein EU-Urteil, dass Bürger dazu auffordert, verantwortungsvoller und überlegter mit ihren Daten umzugehen. 

Wer aus einer Sektlaune heraus freizügige Bilder postet, wütende Brandreden gegen den Vorgesetzten absondert oder mit falsche Tatsachen verbreitet, darf sich nicht wundern, das via Multiplikator Internet auf einmal mehr Leute in den Genuss der peinlichen Informationen kommen. 

Sicher, man kann ja eine Löschung beantragen, aber erstens dauert das und zweitens ist das Kind dann schon in den Brunnen gefallen. Und das Recht auf eine zweite Chance (digital gesehen) ist zwar schön, bedeutet aber nicht, dass der Daten-Verbreiter hinzulernt.

Deswegen plädiere ich weniger auf ein Löschen als vielmehr auf weniger Speichern. Das meiste, was man als Privatmensch von sich gibt, ist eh nicht geschichtsträchtig, es sei denn man heißt Richard Weizsäcker oder Helmut Schmidt.

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Artikel wurde zuletzt im Februar 2015 aktualisiert

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