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Milliarden-Deal bestätigt: EMC geht an Dell

Rund 67 Milliarden US-Dollar legt Dell für EMC auf den Tisch und erhält neben bei auch Pivotal, RSA, VCE und VMware.

Selten wurde soviel und so lange über eine mögliche Firmenübernahme spekuliert wie über die von EMC. Seit 2014 hielten sich hartnäckig Gerüchte, dass HP oder Dell oder eventuell andere Firmen an einer Übernahme des Bostoner Speicherriesen interessiert wären. Nun ist die Katze sprichwörtlich aus dem Sack: Dell, MSD Partner und Silver Lake haben eine Vereinbarung mit EMC für die Übernahme unterzeichnet. Und natürlich ist es keine Übernahme, alle Beteiligten betonen, dass es sich hier um eine friedliche Zusammenführung zweier IT-Größen handelt.

Das Milliardending

Bei dem Deal geht allerdings mehr in Dells Warenkorb als nur EMC. Auch die Tochterfirmen Pivotal, RSA, VCE und VMware werden in den neuen Dell-Konzern überführt. EMC allein hat laut Bloomberg Business einen aktuellen Wert von 53,6 Milliarden Dollar, VMware wird mit rund 32,3 Milliarden Dollar beziffert. Für diese beiden Platzhirsche – und daran hängende Subfirmen – blättert Dell insgesamt rund 67 Milliarden Dollar auf den Tisch. Zunächst wurde gemunkelt, es würde sich um einen reinen Cash-Deal handeln, mittlerweile ist klar, dass es einen Mix aus Barem und Aktientausch geben wird.

Pro Aktie werden 33,15 US-Dollar gezahlt. Der Markt reagierte insgesamt positiv auf die Ankündigung. Ob das langfristig anhält, bleibt abzuwarten. Dafür konnte man an ähnlich großen Übernahmen oder Mergern in der Vergangenheit sehen, dass ein solcher Mega-Deal nicht das Gelbe vom Ei oder geschäftsfördernd sein muss (HP und Compaq werden dafür in ewig schlechter beispielhafter Erinnerung haften bleiben).

VMware soll nach wie vor an der Börse gelistet bleiben, während der Rest privat verwaltet wird. Es war sicher ein guter Schachzug von Michael Dell, das Unternehmen Dell wieder in private Fahrwasser zu leiten. Das gibt ihm mehr Flexibilität und macht ihn unabhängig von widerspenstigen Aktionären. Ob dies auch für EMC und Co. funktioniert, wird sich zeigen. Wie lange das „Zusammenführen“ der Firmen dauern und wie genau dies gestaltet werden soll, steht derzeit natürlich noch nicht fest. Sicher ist, dass es kein Spaziergang, sondern eher eine Mammutaufgabe sein wird. Und bei allem Enthusiasmus, den beide Unternehmen in ihren aktuellen Statements an den Tag legen, so wird es auch Kunden, Mitarbeiter und Partner zu beruhigen geben. Und dies geht nur mit einem wasserdichten und sinnvollen Plan.

Technologische Supermacht?

Dell ist sicherlich kein IT-Leichtgewicht, trotzdem hat man den Eindruck, dass durch dieses Geschäft ein Underdog in einem Augenblick zum Mega-Superstar mutiert. Bereits jetzt schwärmt das Unternehmen davon, durch die neue Geschäftskombination als führender Player in einem 2-Billiarden schweren Markt unterwegs zu sein. Sicherlich gibt es viele Ergänzungen für beide Seiten, allerdings wird es mit Sicherheit auch zu Konsolidierungen kommen. Michael Dell hat hier einen einfacheren Standpunkt als Tucci und Konsorten und muss eventuelle Portfolioverkleinerungen – nicht nur im Storage-Bereich, sondern auch im Security-Umfeld – nicht haarklein rechtfertigen und internen politischen Spielchen gerecht werden.

Insbesondere HP und Cisco werden den neuen Wettbewerber mit Argwohn betrachten, immerhin kommen hier nahezu alle IT-Komponenten eines Rechenzentrums zusammen. Dell wird im virtuellen Umfeld ein größeres Standbein und mehr Marketing-, Absatz- und Entwicklungskraft im Speicherumfeld erhalten. EMC hingegen hat nun eigene Compute-/Server-Ressourcen sowie Netzwerkkompetenz im Haus und kann sich deutlicher und endgültig von Cisco und HP abwenden. Allgemein wird mit Sicherheit die Partnerschaft zu Cisco zu überdenken sein, auch wenn in einem ersten Statement nach der Vertragsunterzeichnung betont wurde, dass Cisco weiterhin an der VCE-Lösung beteiligt sein wird.

Ob wirklich so viel Innovation aus einem noch größeren Konzern entspringen kann als EMC es war, ist fraglich. Bekanntermaßen entwickeln diese riesigen Firmen ihre eigene Gravitationskraft, der nur schwer zu entkommen ist. Dies können Firmen wie HP und IBM sicher bestätigen. Und gerade Wettbewerber HP entdeckt die Kraft einer kleineren Unternehmensgröße wieder und teilt sich derzeit auf. Schwimmt Dell also wider den Trend? Auf jeden Fall hat der neu geschaffene Konzern – heißt die Firma nun Dell-EMC? – keine Angst vor Vendor-Lockin-Vorwürfen oder ungenügender Kompatibilität zu anderen Lösungen.

Ein König, drei Prinzen, keine Krone

Ebenso wie nun die Spekulationen um den Deal an sich wegfallen, so verstummen auch ein für alle Mal die Diskussionen über einen möglichen Nachfolger bei EMC. Joe Tucci schien in seiner Rolle als CEO selbst nach mehreren Abgangsankündigungen doch ewig auf dem EMC-Thron ausharren zu wollen. Trotzdem wurden periodisch immer wieder eventuelle Kronprinzen gehandelt. So waren bereits Pat Gelsinger (CEO VMware), Paul Maritz (ehemals CEO Pivotal, gefolgt von Rob Mee) und David Goulden (CEO EMC II Information Infrastructure) im Gespräch als mögliche Nachfolger, kamen aber nie zum Zug.

Und auch nun wird es keine Krone zu übernehmen geben. Vielmehr geht das Zepter an Michael Dell, der eine ähnlich imposante IT-Erscheinung und Business-Koryphäe ist. Joe Tucci macht den Deal seiner Karriere und einen mehr als eleganten Abgang: Er muss weder seinen Posten zähneknirschend für einen internen Nachfolger räumen, noch die Änderungen vornehmen, die die Investoren sehen wollen oder die der Markt erfordert. Das überlässt Tucci nun Michael Dell.

Nach ersten Aussagen wird sich nichts im Management der Firma ändern, CEOs wie Goulden und Gelsinger bleiben auf ihren Posten, so zumindest sagt es Michael Dell. Ob und wie lange die beiden das ebenso sehen, wird die Zukunft zeigen.

Die treibende Kraft: Elliot Management

Eine der wohl größten und fordernden Kräfte hinter dem Milliardengeschäft ist die Investmentfirma Elliot Management. Die hatte bereits seit 2014 EMC darauf gedrängt, VMware zu verkaufen. Da hier kein Deal zustande kam, wollten die Investoren einen Verkauf von EMC erzwingen. Ein ausgehandelter „Waffenstillstand“ lief letzten Monat aus und die Investoren wurden mit Aussicht auf den Mega-Deal offensichtlich bei Laune gehalten.

Es ist nicht die erste Firma, die Elliot Management zum Verkauf zwingt oder besser: von den ökonomischen Vorteilen einer Akquisition „überzeugt“. Auf der Liste der Elliot-getriebenen Übernahmen stehen Firmen wie Riverbed, Emulex, Informatica, Compuware sowie BMC Software. Auch Citrix steht derzeit zum Verkauf, und auch hier auf Drängen der Investmentfirma hin. Gerade für Citrix könnten die neuen Entwicklungen neue Chancen eröffnen. Das diese zustande kommenden Deals nicht immer geschäftsgetrieben, sondern viel mehr und vornehmlich aus monetären Gründen zustande kommen, ist offensichtlich.

Der Freude viel, der Aussagen wenig

Kurz nach der Ankündigung herrscht erst einmal eitel Sonnenschein und Freudentaumel. Die Unternehmen und Investoren beglückwünschen sich gegenseitig und betonen immer wieder, wie viel Potential die Übernahme birgt. Innovationen und reichlich Geschäft versprechen sich alle Beteiligten. Bei den Details wird es dann schon schwammiger.

Natürlich sei man noch mitten im Prozess des Übergangs und kann noch keine deutlicheren Angaben machen. Welche Produktlinien den Rotstift fürchten müssen, und wo die meisten Stellen abgebaut werden, das wird sich in den nächsten Monaten abzeichnen. Ein „ob“ ist hier nicht die Frage. EMC hat bereits im ersten Quartal 2015 rund 1.500 Mitarbeiter entlassen, weitere Kündigungen waren geplant, um den Gewinn bis 2017 wieder auf Kurs zu bringen. Ein schweres Erbe.

Kunden, Partner und Mitarbeiter brauchen schnelle Antworten

Am ehesten werden sich noch die Kunden, sicher auch mit Hilfe der Partner zu beruhigen sein. Gerade ob der Größe des neuen Unternehmens werden sich Produktangebote beziehungsweise der Support der Mainstream-Serien nicht von heut auf morgen in Luft auflösen.

Schwieriger wird es da mit den eigenen Teams in den einzelnen Regionen. Auch wenn derzeit alle Beteiligten lächelnd betonen, dass über die Umsetzung noch nichts verlautbart werden kann und von Kündigungen keiner etwas hören oder sagen will, so hängt aber dennoch das Damoklesschwert der Kürzungen über den Mitarbeitern weltweit.

Auf jeden Fall gibt es wieder genügend Gesprächsstoff am Markt: wer geht, wer bleibt, welche Produkte fallen weg oder werden kombiniert, wo wird das Geschäft ausgebaut, welcher Geschäftszweig wird wirklich Innovation und Wachstum bringen?

Und wie auch bei jedem anderen Riesen-Deal zuvor wird auch dieser lächelnd und mit entsprechenden Schlagzeilen verkauft und letztlich auf den Rücken derer, die kein internes Mitsprachrecht hatten ausgetragen. Die hatten wahrscheinlich auch keine Aktien.

 

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Artikel wurde zuletzt im Oktober 2015 aktualisiert

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