Sind Cloud-Storage-Gateways die neuen Virtual Tape Librarys?

Cloud-Gateway bringen viele Vorteile, allerdings könnten sie das gleiche Schicksal wie VTLs erleiden, wenn Anbieter nicht innovativ sind.

Es gibt unzählige Appliances für Data Protection am Markt, viele von ihnen erfüllen nicht einmal die frühe Definition einer zweckgebundenen Appliance (purpose-built appliance – PBBA). Mittlerweile gibt es wenigstens vier Typen an Data Protection Appliances.

  1. Echte Backup-Appliances: vereinen die Backup-Engine und Speicher
  2. Storage/Deduplizierungs-Appliances: sind Ziel-Geräte, die direkt von der Produktionsplattform oder über eine Backup/Archiv-Software die Daten erhalten.
  3. Business Continuity/Disaster Recovery (BC/DR) oder Failover Appliance: Ähnlich wie Backup-Appliances, haben aber zusätzlich zur Backup-Engine die Daten in einem Hypervisor oder in ähnlichen Konfigurationen, um Funktionen wiederherstellen zu können, ohne ein lokales oder Cloud-Restore umsetzen zu müssen.
  4. Cloud-Gateway-Appliances: Ähnlich wie die Storage-Appliances erhalten sie ihre Daten von einer externen Quelle und offerieren nahtlos Cloud-Kapazität, die sich als lokales Disk-Storage darstellt. Cloud-Gateway-Appliances erinnern ein wenig an Virtual Tape Librarys (VTL), die sich vor einigen Jahren am Marktetablierten.

Vor 20 Jahren wollte jeder Anwender bessere Performance und Zuverlässigkeit als das, was Tape zur gleichen Zeit bieten konnte. Allerdings konnten entsprechende Backup-Software-Produkte nur indirekt mit Festplatten-Systemen kommunizieren. Daraufhin konzipierten einige Hersteller VTLs. Das sind Disk-Arrays, die sich als Bandbibliothek präsentieren. Die Backup-Software kann Tape-Geräte adressieren und somit etablierte sich Disk-Backup flächendeckend.

Heutzutage wollen Anwender die Wirtschaftlichkeit der Cloud-Architekturen, aber nicht jede Backup-Software kann direkt in die Cloud schreiben. Dafür gibt es nun die Cloud-Gateways, die hybride Cloud-Lösungen sind und Cloud-Storage als lokales Festplattensystem abbilden. Und da nun Backup-Software problemlos mit Disk-Arrays kommunizieren kann, bekommen Cloud-basierte Umgebungen enormen Auftrieb.

In beiden Fällen brachte der Storage-Markt die Data-Protection-Evolution an ein neues Medium heran, indem es dieses emuliert.

Natürlich gibt es einige Unterschiede. Performance- und Zuverlässigkeitsansprüche ließen Anwender auf Festplatten-Backup umsteigen. Bei Cloud-Architekturen geht es eher um die Wirtschaftlichkeit und Standort-Absicherung. Allerdings kostet die Cloud-Wirtschaftlichkeit das, was Disk-System noch immer in punkto Performance und Zuverlässigkeit ins RZ bringen. 

Gute Gateways zielen darauf ab, die Latenzprobleme der Cloud-Services zu lösen, indem sie eine Kombination von Deduplizierung/Kompression in der Appliance und WAN-Optimierungstechnologien für die Netzwerkübertragung nutzen.

Um es deutlich zu sagen: Ich bin eine Verfechter der Cloud-Gateway, denn nicht jeder ist bereit, alle existierenden Backup-Komponenten für einen vollständigen Backup-as-a-Service (BaaS) über Bord zu werfen. Statt dessen können Anwender ihre Data-Protection-Strategie in die Cloud erweitern, während sie ihre aktuellen Backup-Agenten und -Server weiterhin so arbeiten lassen, wie sie eingerichtet sind. Darüber hinaus benötigen die Mitarbeiter nur wenige oder gar keine Schulungen, denn die Backup-Prozesse bleiben die gleichen. Das Gateway integriert sich nahtlos in die existierende Umgebung.

Wie bei vielen anderen IT-Evolutionen mag es passieren, dass in ein paar Jahren einige Anwender dieses Konzept ablegen und ihre IT weiter in die Richtung Cloud entwickeln und aufbauen. Allerdings ist es schwierig, sich vorzustellen, dass Data-Center-Cloud-Lösungen gänzlich ohne lokale Kopien für schnelle Restores auskommen. Eine Erweiterung der Disk-Systeme um Cloud-Lösungen scheint sinnvoller und langlebig. Gateways offerieren genau diese Option.

Manche der Cloud-Gateways präsentieren sich aber nur als Festplatte. Die Backup-Software kann hier nicht zusätzliche Agilität oder Funktionalität des Cloud-Repository selbst nutzen. Einige Backup-Hersteller entwickeln hierfür Software, die direkt in das Cloud-Repository schreiben kann, ähnlich den Anbietern, die sich nicht mehr VTL-Emulationen verließen, sondern begannen Disk-Systeme direkt zu adressieren. Diese Lösungen müssen aber jedes Medium (lokale Disks, Band und Cloud) asynchron integrieren und verwalten können.

Es gibt die Ansicht, dass VTL eine antiquierte Methode ist, die eben nicht die volle Funktionsfähigkeit der Disk ausnutzt. Trotzdem ist sie noch weit verbreitet. Es dauerte 15 Jahre bis der Großteil VTLs von nativen Zugangsmethoden wie CIFS, NFS und API verdrängt wurden. Allerdings wird es wohl kaum so lange dauern bis Backup-Hersteller sich den Cloud-Zugangs-Protokollen öffnen.

Die Fragen für Cloud-Storage-Gateway-Hersteller ist also die:

Können Sie Gateways mit Deduplizierung offerieren, die anderen lokalen Disk-Lösungen gleicht. Können Sie ihre Produkte mit leistungsstarken Funktionen wie WAN-Optimierung ausstatten und damit vom Wettbewerb abheben?

Bietet Ihr Produkt optimierten lokalen Speicher und ermöglicht die volle Nutzung der Cloud-Storage-Feature?

Hersteller, die außer des Emulations-Szenarios keine weiteren Innovationen bringen, müssen sich damit abfinden, langfristig im Zweifel das gleiche Schicksal wie VTLs zu erleiden. Diejenigen, die weiterhin innovative Cloud-Integrationsfunktionen entwickeln, halten so ihre Gateways auch weiterhin interessant und machen sie für Anwender attraktiv und nützlich.

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Über den Autor:
Jason Buffington ist ein leitender Analyst der Enterprise Strategy Group. Sein Fokus liegt in erster Linie auf Schutz der Daten, Windows-Server-Infrastruktur, Management und Virtualisierung. Er bloggt unter CentralizedBackup.com und seine Tweets können Sie unter @Jbufflesen.

Artikel wurde zuletzt im Dezember 2014 aktualisiert

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