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So verwenden Sie Disaster Recovery as a Service (DRaaS) richtig

Disaster Recovery as a Service (DRaaS) kann die Datenverfügbarkeit aus der Cloud realisieren. Wir zeigen Best Practices zum optimalen Einsatz auf.

Disaster Recovery (DR) ist der Ernstfall für jede IT-Abteilung. Im Idealfall kann ein Unternehmen die Verfügbarkeit von Anwendungen und Daten über einen Sekundärstandort sicherstellen.

Noch vor einigen Jahren kamen derartige Ausweichstandorte nur für große Unternehmen in Frage. Durch neue Technologien und Serviceangebote, wie Disaster Recovery as a Service (DRaaS), sind diese Ausfallstrategien heute auch für kleinere Firmen erschwinglich. Dabei gibt es einige zentrale Kriterien, die IT-Verantwortliche bei der Wahl einer geeigneten DRaaS-Lösung beachten sollten.

Die Verbreitung der Cloud mit ihren verschiedenen Bezugsmodellen nimmt weiter zu, das zeigt der aktuelle Veeam Availability Report. Die befragten IT-Verantwortlichen erwarten einen Anstieg von etwa 50 Prozent bei Investitionen in Software as a Service (SaaS) und betrachten die Cloud zunehmend auch als Basis für ihre digitale Agenda.

Doch nicht jeder Anbieter von Datensicherungslösungen unterstützt komplexe Cloud-Umgebungen. Unternehmen, die produktive Workloads über gehostete IaaS- oder PaaS-Services ausführen oder auf ein SaaS-Modell setzen, müssen daher ihre Datensicherungs- und Wiederherstellungsszenarien genau planen.

Sofort einsatzbereite Failover-Mechanismen aus der Cloud, also DRaaS-Lösungen (Disaster Recovery as a Service), sind dabei eine ideale Ergänzung für Cloud-basierten Speicher. Bereits 48 Prozent der Unternehmen weltweit investieren in Disaster Recovery as a Service oder planen eine solche Investition. Bei der Umsetzung eines DRaaS-Projektes sollten Unternehmen drei wesentliche Aspekte beachten.

Das Netzwerk darf nicht die Schwachstelle sein

Ein zentrales Kriterium für eine schnelle Wiederherstellung ist das Netzwerk. Das Netzwerk-Management ist häufig einer der komplexesten Aspekte beim DR-Serviceangebot. Eine umfassende DRaaS-Lösung sollte darum auch die Netzwerkverbindungen zwischen den Standorten berücksichtigen.

Dabei ist die begrenzte Bandbreite der Internetverbindung zu beachten. Noch vor einigen Jahren hatten Unternehmen aufgrund langsamer oder unzuverlässiger Wide Area Network (WAN)-Verbindungen, oder großer Datenvolumen Probleme bei der Sicherung ihrer Workloads mit Recovery Point Objectives (RPO), also Datenverlusten, die in Kauf genommen werden können.

Heute ist dieses Thema dank Features wie Seeding, Komprimierung, Replikation aus Backups und integrierte WAN-Beschleunigung sowie wachsender Roh-Bandbreite nicht mehr so kritisch wie in der Vergangenheit.

Doch egal, wie viel Bandbreite zur Verfügung steht: Die Entfernung zwischen Unternehmen und Cloud-Standort führt immer zu einer entsprechenden Latenz. Diese muss im DRaaS-Konzept berücksichtigt werden, denn die Daten können sich höchstens mit Lichtgeschwindigkeit bewegen.

Der Einfluss der distanzbedingten Latenz lässt sich verringern, indem entweder die Cloud näher an die Produktion verlegt wird oder die zu bewegende Datenmenge verringert wird.

Am wichtigsten werden Bandbreite und Latenz im Recovery-Fall. Denn dann muss eine große Datenmenge vom Cloud-Backup-Provider ans primäre Datenzentrum transportiert werden. Generell gilt die Faustformel: Die Entfernung vom Provider zum Kunden sollte 100 Kilometer nicht überschreiten.

Das Netzwerk ist häufig die größte DR-Schwachstelle. Im Idealfall wird das Netzwerk mit Hilfe von Appliances erweitert, um die Kommunikation mit und zwischen laufenden Replika-VMs während vollständiger und partieller Failovers unabhängig vom Standort aufrechtzuerhalten.

Mit modernen DRaaS-Lösungen vermeiden IT-Abteilungen, dass vor, während oder nach dem Failover Änderungen an der Netzwerkinfrastruktur vorgenommen werden müssen. Die Komplexität im Netzwerk-Management, Kosten und der Aufwand für die Rekonfiguration von Netzwerken für DR-Testing oder vollständigem beziehungsweise partiellem Failover reduzieren sich somit erheblich.

Regelmäßige DR-Tests in der „Sandbox“

Für DR ohne Cloud sind ein oder mehrere DR-Tests pro Jahr üblich, die im jeweiligen Disaster Recovery Datacenter durchgeführt werden.

Das Konzept jährlicher Tests ist ein wirksamer Weg, um sicherzustellen, dass die DR-Pläne und die Wiederherstellungsinfrastruktur die Anforderungen des Unternehmens bei einer echten Störung erfüllen.

Doch diese physischen DR-Tests sind extrem aufwendig und teuer. Viele Anbieter von DRaaS-Lösungen bieten daher virtuelle Wiederherstellungstests an, um die Funktionsfähigkeit der DR-Umgebung zu prüfen.

Abhängig von den Diensten, die der jeweilige DRaaS-Anbieter anbietet, können sowohl Teile als auch die gesamte zu schützende Infrastruktur in einer isolierten Sandbox-Umgebung wiederhergestellt werden.

Sobald die Wiederherstellung in die Sandbox läuft, können Unternehmen testen, ob der Prozess wie erwartet funktioniert. Werden die Wiederherstellungen seitens eigener Mitarbeiter durchgeführt, können sie gleichzeitig als Teil eines virtuellen DR-Tests genutzt werden.

Dann kann beispielsweise geprüft werden, ob sich Nutzer weiterhin einloggen können, die Anwendungen wie erwartet wieder verfügbar sind und die wiederhergestellte Umgebung die im DR-Plan festgesetzten Ziele erfüllt werden.

In einem Sandbox-Wiederherstellungsszenario können Unternehmen sogar die Netzwerkkonfiguration aus der Produktion mit echten IP-Adressen und Konfigurationen aller Server und Netzwerkdienste nutzen.

Für anwendungs- oder rechenzentrumsbasiertes DRaaS sind Wiederherstellung sowie Tests der jeweiligen Anwendungen und Datenbanken genau wie bei einem echten Zwischenfall möglich.

Genau wie Backups ohne verifizierten Wiederherstellungsprozess wertlos sind, ist der DR-Prozess nur so gut wie die Ergebnisse aus den DR-Tests. Doch schon einen DR-Test aufzusetzen, kann einen IT-Administrator viel Zeit und Geld kosten.

Deshalb sollte die einfache Handhabung von DR-Tests auch ein wichtiges Kriterium für den DR-Planungsprozess und die Evaluierung der DRaaS-Kriterien sein. Mittlerweile bieten viele Lösungen bereits automatisierte Testläufe, bei denen der IT-Administrator keine langwierigen Konfigurationen durchlaufen muss. Stattdessen können die Tests einmal aufgesetzt und dann regelmäßig durchgeführt werden.

An den Anwender denken

Die Benutzerfreundlichkeit als Eigenschaft einer DRaaS-Lösung wird häufig dem Funktionsumfang hintenangestellt. Ist die Technologie jedoch sehr komplex und schwierig in der Einrichtung und Anwendung, lässt sich der erhoffte ROI schwerer realisieren.

Zudem sind Implementierung und das spätere Testen mit einer benutzerfreundlichen Lösung deutlich schneller und der Administrator profitiert von einer Technologie, die nicht immer wieder nachjustiert werden muss.

Hinzu kommt, dass im Fall eines Desasters die IT-Mitarbeiter häufig unter hohem Stress stehen, um den Betrieb schnell wieder zum Laufen zu bringen. Durchschnittlich 85 Minuten lang steht ein Server bei einem ungeplanten Ausfall still.

In Deutschland liegt dieser Durchschnittswert bei „nur“ 45 Minuten. Mit einer benutzerfreundlichen Lösung können sie sich auf die wenigen einfachen Schritte konzentrieren, um die Anwendungen am Sekundärstandort zu starten.

Auch umfassende Self-Service-Möglichkeiten sind eine wichtige Säule für die Benutzerfreundlichkeit einer DRaaS-Lösung. Mit automatisierten Services können Anwenderfirmen ihre DRaaS-Serviceabonnements schnell und einfach anpassen.

„Mit modernen DRaaS-Lösungen vermeiden IT-Abteilungen, dass vor, während oder nach dem Failover Änderungen an der Netzwerkinfrastruktur vorgenommen werden müssen.“

Matthias Frühauf, Veeam Software

Sie können beispielsweise bestimmen, welche Prozesse sie selbst und ohne Rücksprache mit dem Serviceprovider ausführen können. Darüber hinaus lassen sich auch Self-Service-Funktionen für Endanwender einrichten, so dass diese etwa versehentlich gelöschten Dateien schnell wiederherstellen können oder einen Backup von einem Endgerät anstoßen können.

Letztendlich obliegt dem Service-Provider die Verantwortung für die zugrundeliegende Infrastruktur, während die Prozesse in Verbindung mit Unternehmensdaten und Workloads in den Zuständigkeitsbereich des Kunden fallen. 

Self-Service-Funktionen für IT-Teams spielen auch bei der Minimierung der Ausfallzeit bei einem Failover eine wichtige Rolle: Kommt es zu einer schweren Störung auf Unternehmensseite, kann der Kunde mit Self-Service-Funktionen ein schnelles Failover einleiten, ohne Zeit mit der Öffnung eines Supporttickets beim Service-Provider zu verlieren. 

Fazit

Die Nachfrage nach Disaster Recovery as a Service steigt, und viele Dienstleister bieten diesen Service mit unterschiedlichen Technologien und Funktionsumfang an. Da fällt die Entscheidung nicht immer leicht.

Wichtig sind natürlich die eigenen Anforderungen an Wiederherstellungszeiten, Service Level etc. Wer aber die drei Punkte – Netzwerkkonfiguration, regelmäßige Tests und Benutzerfreundlichkeit – ins Zentrum seiner Entscheidung stellt, wird von den Vorteilen moderner DRaaS-Lösungen profitieren.

Über den Autor:
Matthias Frühauf ist Regional Presales Manager, CEMEA, bei Veeam Software.

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Artikel wurde zuletzt im August 2017 aktualisiert

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