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Software-defined Storage: Dichtung und Wahrheit nachgespürt

Es herrschen zahlreiche falsche Vorstellungen über Software-defined Storage (SDS). Wir überprüfen hier den Wahrheitsgehalt fünf gängiger Mythen.

Es gibt zahlreiche Mythen über Software-defined Storage. Wir überprüfen deren Wahrheitsgehalt.

Mythos 1: Software-defined Storage ist nur ein Anbieter-Hype

In der Anfangszeit von Software-defined Storage (SDS) versuchten tatsächlich einige übereifrige Anbieter, bestehende Produkte in eine neue Verpackung zu packen und einfach ein SDS-Etikett darauf zu kleben. Das war ein ungeschickter Versuch, schnell Fuß auf dem neuen Markt zu fassen. Das verzerrte das Konzept und verlangsamte die Einführung von SDS.

Aber das war einmal. Heute ist heute. In den letzten fünf Jahren hat SDS sich als Lösung für preiswerte, große Speicherkapazitäten seinen wohlverdienten guten Ruf und einen festen Platz auf dem Markt gesichert. In einer kürzlich von Enterprise Strategy Group (ESG) durchgeführten Befragung gaben 68 Prozent der IT-Führungskräfte an, dass sie als Langzeitstrategie auf SDS setzten.

Eine weitere Befragung der Enterprise Strategy Group ergab, dass 45 Prozent der IT-Organisationen, die mit Object Storage vertraut sind, davon ausgehen, dass sich in den nächsten drei Jahren ihre Abhängigkeit von NAS-Speichern reduzieren wird. Weitere 25 Prozent gaben an, dass sie während des gleichen Zeitraums ihr NAS-System vollständig abschaffen werden.

Und das ist der entscheidende Punkt. Die Marktforscher von Research and Markets schreiben: „Der gesamte Markt für softwaredefinierte Speicher wird mit einer geschätzten jährlichen Wachstumsrate von 34,6 Prozent von 1,4097 Milliarden Dollar im Jahr 2014 auf voraussichtlich 6,2176 Milliarden Dollar im Jahr 2019 wachsen.“ Mehr gibt es da wohl nicht hinzuzufügen.

Mythos 2: SDS ist zu kompliziert

Der Einsatz von SDS wird häufig als zu komplex für durchschnittliche IT-Organisationen angesehen. Diese Aussage ist nicht nur falsch, sondern eigentlich ironisch. Durch die Konsolidierung unzähliger Speichersilos in einem einzigen großen, zentral gemanagten Ressourcenpool vereinfacht SDS das Speicher-Management nämlich erheblich.

Ein anderer Faktor, der weiter zur Vereinfachung beiträgt, ist die Tatsache, dass einige Technologien auf preiswerten x86 Standardservern laufen, so dass teure proprietäre SAN-Appliances überflüssig werden. Und die Erweiterung solch eines Systems könnte einfacher nicht sein: Man schließt einfach weitere Hardware an.

Die Software erledigt den Rest ganz automatisch: Sie gleicht die Last aus, um Leistung, Datenbeständigkeit und Kapazität zu skalieren. Wenn das noch immer zu kompliziert klingt, denken Sie an die Alternative – nämlich das Management eines komplexen SAN-Speichers auf Petabyte-Ebene plus die Migration all Ihrer Daten alle paar Jahre, wie es der klassische Lebenszyklus von Speichern eben erfordert.

Mythos 3: SDS ist nur für große Unternehmen sinnvoll

Eine Begleiterscheinung des Komplexitätsmythos ist der Gedanke, dass nur riesige Unternehmen mit einer Armee an Speicherspezialisten SDS integrieren und nutzen können. Natürlich wird SDS nicht in einer hübsch verpackten „Appliance-Kiste“ mit einem Experten für die Installation geliefert. Die Do-it-yourself-Tage von Software-defined Storage sind lange vorbei.

Heutzutage kaufen Kunden Lösungen als Hardware/Software-Paket, eben genauso wie klassische Speicher. Dank der engen Zusammenarbeit zwischen SDS- und Serveranbietern gibt es eine große Auswahl an geprüften integrierten Lösungen. Management-Software wird bewusst so konzipiert, dass immer weniger hochspezialisierte Administrationsmitarbeiter benötigt werden.

Mythos 4: SDS ist zu langsam

Die Frage lautet: „Zu langsam wofür?“ Die Antwort lautet: Software-defined Storage kann tatsächlich sehr schnell sein. Durch den Einsatz unserer Software als Nearline-Videoarchiv konnten unsere Kunden in der Medien- und Unterhaltungsindustrie die Geschwindigkeit der Datenübertragung um das Zehnfache beschleunigen. Und das Los Alamos National Laboratory setzt den Scality RING als SDS für Trinity, einem der schnellsten Supercomputer der Welt, ein. Der RING schreibt Daten mit einer Geschwindigkeit von 28,5 GB pro Sekunde.

„Die Do-it-yourself-Tage von Software-defined Storage sind lange vorbei.“

Giorgio Regni, CTO Scality

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SDS ist jedoch tatsächlich nicht für die geringe Zahl an Speicheranwendungen geeignet, die absolut niedrige Latenzen benötigen – wie beispielsweise die Videonachbearbeitung und virtuelle Desktops. Dennoch handelt es sich um eine optimale Lösung für die 80 Prozent der Anwendungsbereiche, bei denen es auf Kapazität ankommt.

Ein paar konkrete Beispiele sind: aktive Nearline-Archivierung, Video on Demand, Content Distribution und Web-, Mobil- und Cloud-Anwendungen. Mit der nativen Unterstützung aller Datentypen ist SDS auch ideal für konsolidierte Speicheraufgaben im mehrfachen Petabytebereich wie beispielsweise für High Performance Computing (HPC), Internet der Dinge (IoT), klassisches Backup, Archive as a Service, Compliance-Archivierung und Langzeitarchivierung.

Mythos 5: SDS funktioniert nur für kleine und mittelgroße Unternehmen

„SDS ist nur was für große Unternehmen – nein, ich meine kleine Unternehmen!“  Was denn jetzt?

Beide Aussagen stimmen nicht. Der Mythos der kleinen Unternehmen hat sehr wahrscheinlich etwas mit dem Profil der typischen Unternehmen zu tun, die Neuerungen schon sehr früh umsetzen: Kleine und agilere Unternehmen sind häufig die Ersten, die neue Technologien anwenden. Große Unternehmen mit hohem Verwaltungsaufwand brauchen viel länger, um Neuerungen umzusetzen.

Aber auch dieser Gedanke ist veraltet. Eine ausgereifte SDS-Plattform ist für große, weltweit tätige Unternehmen tatsächlich am attraktivsten. Schließlich sind sie es, die den dringendsten Bedarf an unbegrenzter Skalierbarkeit und Einsatzfähigkeit über zahlreiche Standorte hinweg haben. Unsere typischen Kunden sind heute sehr große Unternehmen mit Installationen im mehrfachen Petabytebereich. Sie gehören zu so datenintensiven Industrien wie Bildung, Finanzdienstleistungen, Wissenschaft und Forschung, Breitbanddienstleistungen, Video on Demand, Content Distribution, Telekommunikation und staatlichen Behörden.

Es gibt jedoch eine Untergrenze für den sinnvollen Einsatz von SDS: Wir empfehlen eine Mindesteinsatzgröße von ca. 200 Terabyte. Aber auch kleinere Unternehmen können von der elastischen Skalierbarkeit, hohen Datenbeständigkeit und Kosteneffizienz von SDS profitieren, und zwar in der Form von gehosteten Speicherdiensten wie Nearline-Backup, Archivierung und noch viel mehr.

Über den Autor:
Giorgio Regni ist Chief Technical Officer (CTO) von Scality.

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Artikel wurde zuletzt im April 2017 aktualisiert

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