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Software-defined Storage: Open Source kann zum Durchbruch verhelfen

Unternehmen stehen unter Druck, ihre Storage-Systeme zu modernisieren. Software-defined Storage mit Open Source kann hier sehr hilfreich sein.

Jede Weltklasse-Datenanalyse hilft wenig, wenn das darunterliegende Storage-System nur in der Kreisliga spielt. Infrastrukturexperten fürchten, ihre alten Speicherkonzepte könnten die Digitalisierung des Business behindern.

Immer häufiger planen sie deshalb den Umstieg auf Software-defined Storage (SDS), sinnvollerweise gleich auf Open-Source-Basis.

Digitales Geschäft ist vor allem datengetriebenes Geschäft. Angefangen von der Maschine-zu-Maschine-Kommunikation über die Massenindividualisierung bis zu den Location Based Services – stets geht es darum, Informationen in nie gekanntem Umfang und mit hoher Qualität zu nutzen. Infolgedessen wächst die Menge der gespeicherten Daten exponentiell.

Einem aktuellen Report des Londoner Marktforschungsunternehmens Loudhouse zufolge entstehen weltweit jeden Tag etwa 2,5 Millionen Terabyte an digitalen Informationen. Zum Vergleich, mit dieser Menge an Daten könnte man zehn Millionen Blue-Ray-Discs füllen.

Viele Unternehmen verzeichnen einen Datenzuwachs von bis zu 30 Prozent im Jahr. 90 Prozent aller vorhandenen Daten wurden erst in den vergangenen zwei Jahren gespeichert.

Wie sich diese Datenflut kanalisieren, auswerten und in geschäftlichen Erfolg umwandeln lässt, ist Gegenstand zahlreicher Veröffentlichungen. Weniger beachtet, aber genauso wichtig ist eine andere Frage: Wie können derartige Datenmengen sicher, kostengünstig und flexibel gespeichert und verwaltet werden, damit sie genau dann und dort zur Verfügung stehen, wenn sie gebraucht werden?

Speicher und Agilität – zwei Welten?

Das meistgenutzte Speichersystem ist hierzulande ein Hybrid aus Flash- und Plattenspeicher. Das fand Loudhouse in einer internationalen Studie heraus, für die rund 1.200 IT-Infrastruktur-Spezialisten aus elf verschiedenen Ländern Rede und Antwort standen. 101 von ihnen sind in deutschen Unternehmen tätig. Von diesen gaben 71 Prozent an, ein hybrides Storage-System zu nutzen.

Aber offensichtlich sind die deutschen Studienteilnehmer – wie ihre Kollegen aus den anderen Industrienationen – nicht allzu glücklich mit ihrer Wahl beziehungsweise dem Speichersystem, das sie vorgefunden haben. 85 Prozent wollen ihren Storage-Ansatz in den kommenden zwölf Monaten überdenken, so ein weiteres Ergebnis des Reports.

Für das „große Umdenken“ legen die Autoren der Studie eine plausible Begründung nahe: Die überwältigende Mehrzahl der deutschen Auskunftsgeber befürchteten, ihre derzeitige Speicherstrategie könne zu Lasten der „digitalen“ Geschäftsstrategie gehen. Konkret sehen 94 Prozent der hierzulande Befragten die Gefahr, dass das rasante Datenwachstum in Verbindung mit veralteten Speicherstrukturen die Transformation des Geschäfts behindere.

Das setzt die Infrastrukturexperten unter Zugzwang. Und die Betroffenen sind sich darüber auch im Klaren. An ihren vorhandenen Storage-Systemen bemängeln sie unter anderem „schlechte Skalierbarkeit“ (75 Prozent der Nennungen), „hohe Gesamtkosten“ (74 Prozent) sowie „Durchsatzprobleme“ (65 Prozent). Und das, obwohl sich 73 Prozent von ihnen bereits seit zwei Jahren mit spürbar gestiegenen Anforderungen des Geschäfts an die Anpassungsgeschwindigkeit der IT-Systeme konfrontiert sehen!

Dass die heute eingesetzten Storage-Systeme den an sie gestellten Ansprüchen gerecht werden können, halten nicht nur die Fachleute für fraglich: 63 Prozent der in Deutschland tätigen Studienteilnehmer spüren auch in den Geschäftsleitungsetagen Zweifel an der Vereinbarkeit der vorhandenen Speichersysteme mit der geforderten Agilität.

Die Vereinfachung komplexer Speichersysteme steht daher ganz oben auf der To-Do-Liste der IT. Komplexität stammt von überlappenden Systemen, von modifizierten Systemen, die einander aufgepfropft wurden, um damit Aufgaben zu erledigen, für die sie niemals entwickelt wurden. Solcherlei zusammengeflickte Infrastruktur ist längst der Alltag in vielen Unternehmen – sie kämpfen gegen eine schwer zu verwaltende und zu durchdringende Landschaft.

Speicherstrategie auf dem Prüfstand

Folgerichtig haben zwei Drittel der deutschen Unternehmen ihre Storage-Strategie bereits kritisch unter die Lupe genommen. 89 Prozent fanden ihre jeweilige Organisation durchaus willens, etwas Neues zu wagen. Augenscheinlich sind auch die Fachbereiche die starren, schlecht skalierbaren und teuren Speichersysteme sowie die jahrelange Flickschusterei und riskanten und teuren Datenmigrationen leid.

78 Prozent der Studienteilnehmer sagten konkret, sie bräuchten eine flexible Speicherlösung, die ihnen helfen könne, mit den Business-Anforderungen Schritt zu halten. Noch vor Performance-Sorgen und Gedanken zu den Kosten von Storage steht eine Aufgabe auf ihrer To-Do-Liste der IT: Eine Vereinfachung ihrer komplexen Speichersysteme.

Eine solche Lösung verspricht das Konzept des Software Defined Storage (SDS). Hier wird die Speicher-Management-Ebene mit ihren logischen Services konsequent von der physischen Ebene getrennt. Damit lässt sich der gesamte verfügbare Speicherplatz wie ein einziges System handhaben.

Es ist beispielsweise möglich, die Daten für dieselbe Anwendung über unterschiedliche Hardware-Implementierungen und -Generationen zu verteilen oder alle Daten unabhängig von ihrer Verwendung zu priorisieren und je nach Nutzungshäufigkeit auf unterschiedlich schnelle und damit verschieden teure Storage-Ebenen zu verteilen. Der vorhandene Speicherplatz ist damit effizienter ausnutzbar, was wiederum die Skalierbarkeit steigert und die Kosten senkt.

Der Kostenfaktor Speicher lässt sich auch durch die verschiedenen Subskription-Modelle bei SDS deutlich reduzieren. Während traditionelle Lizenz-Modelle häufig an die Speicher-Kapazität gebunden sind, kann SDS mit einem alternativen Open Source-Modell deutlich punkten.

Je nach Hersteller werden etwa serverbasierte Modelle angeboten, welche die Speicherkapazität von der Subskription unabhängig machen und so erheblich zur Reduktion der Speicherkosten beitragen. Dies gilt auch für die Verwendung von Standardhardware, die ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis bietet sowie eine den Unternehmensrichtlinien angepasste Abschreibung.

Nicht zu vergessen ist, dass bei klassischen Storage-Systemen im Laufe ihrer Abschreibungszeit Erweiterungen immer teurer werden, da die Restlaufzeit sich auf das Basissystem bezieht. Häufig werden Systeme im zweiten oder dritten Jahr erweitert, so dass die Restlaufzeit und die damit verbundene Abschreibungzeit eine Erweiterung sehr kostspielig macht.

Softwaredefinierte Speichersysteme sind derzeit aber eher selten anzutreffen. Im Loudhouse-Report finden sie sich nur bei elf Prozent der weltweiten Umfrageteilnehmer. Auch in Deutschland haben mit ganzen zwölf Prozent der Befragten erst wenige Organisationen ein SDS-Konzept umgesetzt.

Großes Interesse an SDS-Lösungen

Doch das könnte sich bald ändern: Das Interesse an softwaredefinierten Speicherumgebungen steigt mit dem Handlungsdruck in den IT-Bereichen: Eigenen Angaben zufolge interessieren sich 97 Prozent der deutschen Studienteilnehmer für das Thema. 76 Prozent nennen den Business-Case, oder anders ausgedrückt das Preis-Leistungs-Verhältnis für ein SDS „überzeugend“.

Sie versprechen sich davon eine bessere Performance und eine relativ problemlose Installation und Administration. Nicht zuletzt ist SDS ein wirksames Mittel gegen den mächtigsten Widersacher der Agilität: die Komplexität.

Auf der anderen Seite bezweifeln einige die Kostenwirksamkeit und sehen vor allem die zu erwartenden Schwierigkeiten, beispielsweise hinsichtlich der Integration mit bestehenden Systemen (58 Prozent) oder der Definition des Kontrollumfangs (48 Prozent).

Ungeachtet dieser Bedenken wollen aber fast zwei Drittel der von Loudhouse Befragten noch in diesem Jahr beginnen, auf SDS umzusteigen – gerade rechtzeitig, um den Zug in Richtung Digitalisierung nicht zu verpassen, wie die Marktbeobachter diesen Trend kommentieren.

Open Source – mehr als nur eine Option

Für den Umstieg auf Software-defined Storage erwägen die Studienteilnehmer häufig eine Open-Source-Lösung: Neun von zehn der in Deutschland Befragten können sich einen solchen Ansatz auf jeden Fall vorstellen.

„Die Open-Source-Community könnte eine tragende Rolle für die Akzeptanz von SDS-Lösungen spielen.“

Frank-Michael Jores, Suse Linux GmbH

Die Betriebssystemanbieter bauen häufig schon SDS-Funktionen in ihre Systeme ein, aber die meisten ihrer Kunden betreiben heterogene Umgebungen, die sich mit proprietären Produkten wohl kaum verwalten lassen. Darüber hinaus basieren fast alle modernen IT-Systeme auf quelloffener Software.

Die Open-Source-Community, vor allem das OpenStack-Projekt im Einklang mit den Storage-Schnittstellen Ceph und Cinder, könnte demnach eine tragende Rolle für die Akzeptanz von SDS-Lösungen spielen.

Sicher gilt es auch hier, Bedenken auszuräumen: Einige Unternehmen konzentrieren sich auf die Risiken, vermissen verbindliche Definitionen und Standards, warten auf positive Anwendungsbeispiele.

Doch die Ergebnisse des Loudhouse-Reports lassen stark vermuten, dass Argumente wie überschaubare Speicherkosten und mehr Freiheit bei der Systemauswahl für viele Unternehmen über kurz oder lang kaum noch zu ignorieren sind.

Über den Autor:
Frank-Michael Jores ist Regional Director Central Europe bei Suse Linux GmbH.

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Artikel wurde zuletzt im Mai 2017 aktualisiert

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