VMware vSAN: Der Einstieg in den hyper-konvergenten Storage-Markt

Mit Virtual SAN (vSAN) steigt VMware in den hyper-konvergenten Storage-Markt ein. Andere Storage-Anbieter könnten dadurch Marktanteile einbüßen.

Mit Virtual SAN greift VMware auf dem Storage-Markt an. Die hyper-konvergente Software macht aus VMware ein Storage-Unternehmen ähnlich den konventionellen Anbietern. VMware verheimlicht diesen Fakt nicht einmal. CEO Pat Gelsinger hat während der Vorstellung von VMware Virtual SAN (vSAN) im März 2014 deutlich gemacht, dass Storage ein Teil der Unternehmensstrategie ist. Er nannte zudem die Partner in diesem Markt: EMC (Mutterkonzern von VMware) und NetApp. Allerdings ist VMware vSAN so geschaffen, dass es mit anderen Storage-Systemen auf dem Markt konkurrieren soll.

vSAN vereint Festplatten und Flash-Storage aus einem Cluster von ESXi-Hosts und stellt damit Shared Storage für virtuelle Maschinen (VM) zur Verfügung. Der Hypervisor ist für Provisioning und Management zuständig. Bis März war das Produkt sechs Monaten in der Beta-Phase und ist nun einsatzbereit.

Anders als die übrigen Storage-Produkte von VMware, wertet vSAN nicht nur den Hypervisor mit Storage-Funktionen auf und bietet kleinen Firmen den Zugriff auf gemeinsam genutztes Storage. Mit vSAN richtet sich VMware auch an Unternehmen der Enterprise-Klasse. Das Produkt unterstützt 32 Nodes (während der Beta-Phase unterstützte es lediglich acht Nodes), 4.5 Petabyte und zwei Millionen IOPS. Allerdings fehlen momentan noch die Storage- und Datenmanagement-Funktionen (Stand 2014), die es zu einem echten Enterprise-System machen. vSAN dürfte sich in den nächsten Monaten daher vor allem für virtuelle Desktop-Infrastrukturen (VDI) und Zweigestellen eignen.

Wie bei anderen Storage-Produkten von VMware wurde vSAN nicht für traditionelle Storage-Administratoren erschaffen. Es richtet sich vielmehr an Server- und Applikations-Administratoren, die Storage ohne das Aufsetzen von LUNs und RAID-Gruppen realisieren.

Laut Gelsinger vervollständigt vSAN VMwares Strategie des Software-defined Data Centers und bilde neben Computing, Server und Netzwerk die vierte Säule. Der CEO stellt bei der Vorstellung die Frage: „Warum steigt VMware in den Storage-Markt ein? Wir sind eine Virtualisierungs-Firma.“ Die Antwort folgt prompt: „Speichern und verwalten von Daten sind die wichtigsten Funktionen eines Data Centers - es heißt nicht umsonst Data Center. Für unsere Kunden ist das eine große Herausforderung. Firmen unterscheiden sich grundsätzlich in der Art, wie Sie Daten speichern, verarbeiten und analysieren.“

VMware behauptet, dass sich 12.000 Kunden für das Beta-Programm angemeldet hätten. VMware will vSAN als Download oder auf vorkonfigurierten Hardwaresystemen der Partner anbieten. Die Liste der Partner umfasst Cisco, Dell, Fusion-io, HGST, Hewlett-Packard, IBM, Intel, LSI, Samsung Electronics, SanDisk und Seagate. Kunden können aber auch ihr eigenes VMware vSAN mit jeder Hardware bauen, die Hypervisor von VMware unterstützt. Hewlett-Packard - nun HPE - sprang bereist vor der eigenen Aufspaltung vom VMware-getriebenen Hyperkonvergenz-Zug wieder ab und offeriert nun eigene Lösungen für diesen Markt.

Ein vSAN Cluster setzt vCenter Server, mindestens drei vSphere Hosts mit SAS- oder SATA-Host-Bus-Adaptern oder RAID-Kontrollern und mindestens eine SAS- oder SATA-Festplatte sowie ein SAS-, SATA- oder PCI-Express-Flash-Gerät voraus. Jeder Host benötigt außerdem ein Gigabit Ethernet (GbE) oder 10-Gigabit-Ethernet Netzwerkkarten (empfohlen).

Einige Funktionen fehlen VMware vSAN noch

Der Wert von vSAN liegt laut Gelsinger darin, dass es Storage „einfach, hoch-performant und kosteneffizient“ macht. Die Performance müssen die Anwender selbst beurteilen. Allerdings fehlen vSAN noch einige wichtige Storage-Funktionen, wie zum Beispiel Deduplizierung/Komprimierung, Tiering, Wide Striping und Erasure Coding. Auch beim Schutz der Daten, wie zum Beispiel Continuous Data Protection (kontinuierlicher Schutz der Daten) und der Policy-basierten Datenverschiebung in die Cloud gibt es Nachholbedarf. Es handelt sich um Software-defined Storage (SDS) ohne viele Funktionen, die wir mit Storage-Software assoziieren.

VMware kann natürlich weitere Management-Funktionen in kommenden Versionen nachrüsten. Bis dahin können Kunden auf Software von Drittanbietern setzen. Allerdings reduziert das die Kosteneffizienz und Einfachheit von vSAN.

Vergleicht man dieses Produkt mit traditionellem LUN-basiertem Storage, scheint das Aufsetzen und Verwalten tatsächlich einfach. Allerdings ist es nicht so einfach, wie VMware es darstellt („Provisioning mit zwei Klicks“). Sie müssen schon einige  extra Klicks machen, um die Storage-Policies einzurichten. Der Prozess ist aber einfach. VMwares CTO Ben Fathi hat eine vSAN-Implementierung während der Vorstellung demonstriert. Dabei hat er schnell Storage-Policies für Ausfallsicherheit (Anzahl an tolerierbaren Fehlern) und Performance (Anzahl der Festplatten-Stripes pro Objekt und die Menge an Flash-Lese-Cache als Reserve) definiert. Ebenso wurde eine Anwendung mit Drop-Down-Menüs ausgerollt.

„Ich musste mich nicht um LUNs, RAID-Konfiguration und dergleichen kümmern und brauche kein spezielles Management.“, sagt Fathi im Anschluss an die Demonstration. „Ich glaube, dass Sie Storage in einem komplett neuen Licht sehen werden“, fügte er an. Der CTO erläutert zudem, dass ein vSAN mit 32 Nodes bis zu 3200 virtuelle Maschinen speichern kann. „Das genügt den Storage-Ansprüchen der meisten Unternehmen auf dem Markt.“

Wird vSAN die Storage-Landschaft verändern?

Bei der Vorstellung von VMware vSAN wurden Videos von Server-Herstellern wie Cisco, Dell, IBM, EMC und Intel ausgestrahlt. Die Server-Hersteller und Intel sollten natürlich glücklich über vSAN sein, da es ihren Servern einen Mehrwert mit Shared Storage bietet. Interessant ist die Frage, wie EMC langfristig mit vSAN umgehen wird, da es Anteile im Storage-Bereich zugunsten der hyper-konvergenten System verlieren könnte. Derzeit wird EMC allerdings das eigene ViPR Software-defined Storage als Mehrwert für vSAN anpreisen.

Kleineren Hersteller dürfte vSAN dagegen ein Dorn im Auge sein. Es könnte sich als Bedrohung für hyper-konvergente Systeme, wie sie von Nutanix, SimpliVity und Maxta angeboten werden, entwickeln. Auch Flash-Array-Anbieter, die bisher erfolgreich Storage für VDI verkauft haben, könnten durch vSAN Probleme bekommen.

Der CEO von Nutanix, Dheeraj Pandey, schätzt vSAN aber anders ein. Seine Firma ist derzeit die erfolgreichste Anbieter von hyper-konvergenten Systemen. Er sagt, dass VMware Nutanix helfen kann, da es die Kaufentscheidung und das Provisioning von Storage in die Hände der Server- und Anwendungs-Administratoren verschiebt - die Zielgruppe von Nutanix.

„Manche Beobachter ziehen falsche Schlüsse“, sagt er. „Wir lassen Server-Workloads, Datenbanken, Mail-Server und ERP-Applikationen auf Nutanix laufen. Das überschneidet sich mit dem VDI-Markt.“ Pandey geht davon aus, dass VDI- und Server-Admins mehr Einfluss erhalten und den SAN-Firmen den Wind aus den Segeln nehmen. Diese Entwicklung ist wesentlich schlechter für EMC, NetApp und andere Storage-Anbieter, da es die Entscheidungsgewalt zu Applikations-Administratoren verschiebt. Eine Firma wie Nutanix benötige dagegen von einem Unternehmen wie VMware genau diesen Schub.

Aktuell ist VMware vSAN als vSAN 6 erhältlich (Stand Mai 2016). Damit führte VMware auch seine vSphere Virtual Volumes (VVOL) ein. Unterstützt werden nun 64 Knoten und bis zu 90.000 IOPS pro Host.

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Artikel wurde zuletzt im Mai 2016 aktualisiert

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