Vergesst Software-defined Storage, wir brauchen Software-concealed Storage!

Software-defined Storage ist ein Buzzword aus den Marketing-Abteilungen der Hersteller. Dabei brauchen wir weniger Software im Storage, nicht mehr.

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Disk-Arrays

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Software-defined Storage? Das ist nichts für mich – wir benötigen weniger Software im Storage.

Wenn ich den Begriff Software-defined Storage noch einmal höre, springe ich ohne Fallschirm aus einem Flugzeug, lasse mich dann die Niagarafälle in einem Fass hinuntertreiben und werfe mich zu guter Letzt noch vor einen Schnellzug.

Bin ich lediglich ein wenig empfindlich, in welcher Weise der Begriff Software-defined Storage dieser Tage durch die Luft geschleudert wird? Wobei „durch die Luft schleudern“ noch untertrieben ist. Wir werden von dieser hässlichen Phrase heute förmlich erschlagen.

In einem Editorial vor einem knappen Jahr bin ich wegen dieses Themas schon fast in die Luft gegangen, und nun geht es mir wieder genauso. Sie fragen sich vielleicht, was mich so ärgerlich macht, wenn ich mich mit dem Wunderland des Storage-Marketings beschäftige?

Zunächst einmal biete ich jedem Paroli, der mir Storage zeigt, das nicht durch Software definiert ist – abgesehen von der reinen und handelsüblichen Hardware. Jedes Storage benötigt Software. Bereits in der untersten Schicht, den Chips innerhalb der Datenträger, setzen wir Software ein. Server und Clients benötigen ebenfalls Software, um mit dem Storage zu kommunizieren. Das war schon immer so. Mit den höher gewordenen Ansprüchen und gemeinsam genutzten Ressourcen wurde die Sache allerdings komplizierter. Bisher versuchte man, die Komplexität mit allerlei obskurer Software zu erschlagen. Mit jeder neuen Generation von Systemen hat noch mehr Software Einzug in unsere Infrastruktur gehalten. Wir sprechen hier von Snapshots, Replikation, Thin Provisioning und so weiter und so fort. Unsere Storage-Arrays wurden so sehr mit Software überzogen, dass die Hardware darunter teilweise in Vergessenheit geraten ist.

All diese Feature brauchen Software, um sie aktivieren und deaktivieren zu können. Das Storage zu benutzen erfordert einen Rattenschwanz an komplexen Prozessen. Um diese Monster zu konfigurieren und zu warten, brauchen wir regelrechte Storage-Dompteure.

Und nun zu dem Begriff, über den ich mich aufrege: Die Phrase Software-defined Storage als Vorboten einer neuen Weltordnung zu verwenden geht komplett am Thema vorbei. Dieser Ausdruck ist einfach viel zu breit gefächert, wenn nicht sogar irreführend. Es gibt keine allgemeine oder brauchbare Definition von Software-defined Storage. Für die meisten Storage-Manager ist das kein Problem, doch für die Marketing-Abteilungen ist das Buzzword ein gefundenes Fressen.

Es könnte sogar sein, dass Software zu viel bei der Definition des Storage zu tun hat. Für Anwender kann es frustrierend sein, wenn sie unzählige Hebel in Bewegung setzen müssen, bevor ein virtueller Server endlich zu seinem Storage kommt. Software ist kein Allheilmittel, wenn sie Probleme mit dem Storage haben, sondern möglicherweise Teil dieser Probleme.

Vielleicht suchen wir nicht nach etwas, das sich Software-defined Storage nennt. Es kann sein, dass wir Software-concealed Storage benötigen. Wir brauchen nicht so viel Schnickschnack und Kontrollmöglichkeiten oder haben unter Umständen gar keine Zeit dafür. Je weniger wir herumfummeln müssen, desto besser. Einige kürzlich erschienene Artikel haben es auf den Punkt gebracht, in welche Richtung die Storage-Evolution gehen muss: Arun Taneja berichtet, wie LUN-Technologie in die Jahre kommt, und der leitende Analyst der Taneja Group, Mike Matchett, vertritt die Auffassung, dass Storage in den kompletten Stack integriert werden muss.

Es ist eine offensichtliche, aber zutreffende Analogie, die heutigen Storage-Systeme mit den anfänglichen Bemühungen der Personalcomputer zu vergleichen. Einige von Ihnen sind vielleicht zu jung, um sich daran zu erinnern. Vor gar nicht allzu langer Zeit hatten Sie nach dem Hochfahren eines PCs nichts weiter als einen leeren Bildschirm mit C: und einem blinkenden Cursor vor sich. Sie mussten wissen, was nun zu tun ist: Sie brauchten die DOS-Befehle und die richtige Syntax, um diese auszuführen. Es gab keine Fenster, sondern nur die Kommandozeile – und Sie. Natürlich lag zwischen Ihnen und den Hardware-Komponenten jede Menge Software. Allerdings mussten Sie selbst wissen, wie man nun die Hebel in Bewegung setzt.

Heutzutage tippen wir nicht einmal mehr: Touch (Berühren), Tap (Drücken) und Swipe (Wischen) sind angesagt, und die Software unter der Haube setzt unsere Aktionen um. Wir wissen natürlich, dass Software vorhanden ist. Wir sehen sie aber nicht oder interessieren uns einfach nicht dafür.

Aus diesem Grund brauchen wir Storage, bei dem die Software verborgen (concealed) ist. All die Features und außerordentlichen Funktionen gehören unter die Haube. Danach können wir uns wieder auf das Wesentliche konzentrieren.

Diese Idee ist gar nicht so weit hergeholt. Einige aufstrebende Storage-Hersteller arbeiten bereits an diesem sogenannten Software-concealed Storage. Die Zauderer sind allerdings wie immer die Tonangeber in der Storage-Branche. Sie waren Nachzügler beim Thin Provisioning und sind es immer noch beim Thema Deduplikation. Nun wird um das neueste Storage-Paradigma viel heiße Luft gemacht, ohne wirklich irgendetwas Neues zu liefern. Wir brauchen nicht mehr Software, wir brauchen weniger.

Über den Autor: Rich Castagna ist Editorial Director der TechTarget Storage Group.

Artikel wurde zuletzt im Februar 2014 aktualisiert

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