Welt-Backup-Tag: Ein bisschen wie Murmeltiertag

Welt-Backup-Tag ist ein wie Murmeltiertag: Immer wieder erwacht man in Speicherszenarien und debattiert über die gleichen Probleme wie vor Jahren.

Der 31. März ist Welt-Backup-Tag. An diesem Tag soll darauf aufmerksam gemacht werden, wie wichtig Datensicherung für Unternehmen und private Anwender sind. So weit so gut. Allerdings stellt sich die Frage, warum nach noch nach Dekaden des „angewandten Backups“ immer noch darüber diskutieren und darauf aufmerksam machen muss. Zumindest die IT-Branche und deren Mitarbeiter sollten sich doch mittlerweile ob der Bedeutung des Backups bewusst sein. Und trotzdem wird die Diskussion immer wieder aufgeworfen.

Als IT-Administrator fühlt man sich ein wenig wie am Murmeltiertag: Immer wieder wacht man auf, begegnet den gleichen Datensicherungsszenarien und muss Backup-Lösungen dafür finden. Immer wieder. Macht das den Welt-Backup-Tag und die Diskussion darüber überflüssig? Mitnichten.

Geduldetes Muss

Backups sind seit Jahren – wenn nicht Jahrzehnten – in vielen Unternehmen ein geduldetes Pflichtprogramm. Ein Muss, das Geld kostet, nicht nur in der Anschaffung für Hardware und Software, sondern auch für Arbeitskraft, und das kein Geld generiert. Von Privatpersonen ganz zu schweigen, denen das „Muss“ immer erst in dem Moment in den Sinn kommt, wenn der Desktop/Laptop/das Smartphone/Tablet (Zutreffendes ankreuzen) den Dienst verweigert.

Aber bleiben wir zunächst bei den Firmen. Denen muss es doch eigentlich nach all den Jahren nun wirklich klar sein, dass ein Backup eine bessere Lebensversicherung für die Daten und vor allem fürs Geschäft ist. Die Diskussion wurde und wird Mantra-artig durch die Rechenzentren getrieben und trotzdem sinken die Budgets und der Admin soll mit weniger mehr erreichen.

Hinzu kommt, dass im Zeitalter von „always-on“ oft die Mentalität herrscht, eine Replikationslösung würde das Backup ersetzen können. Wiederum andere verwechseln gern das Archiv mit einer Backup-Lösung. Da die Datenbestände stetig steigen und auch noch nach geraumer Zeit  verfügbar und verwertbar sein sollen, gehen diese Vermischungen aber nicht auf. Replikationslösungen skalieren selten in Petabyte an Speicher oder Millionen an Objekten; Archive halten oft keine Dateiversionen vor oder verlangsamen den Zugriff erheblich.

Automatismen und Regel-basierte Ansätze nehmen den täglichen Druck, so lange aber eben nichts ausfällt, kaputt geht, von Flutwellen umspült wird oder in der Erdspalte verschwindet, so lange wird der eigentliche Wert des Backups verkannt. Und so lange bleibt das Backup ein Muss, dass es durchzuführen gilt. Fast jeder Administrator kann über amüsant-tragische Fälle berichten, in denen das Backup nur halbherzig durchgeführt wurde, sich Flüchtigkeitsfehler einschlichen und am Tag X a)  sich gar nichts wiederherstellen ließ; b) es Tage dauerte bis man nach einem Recovery alles wieder auf Normal in der Produktion hatte; (da gibt es angeblich Erkleckliches von Autoherstellern zu berichten) oder c) der Laden eigentlich gleich nach dem Ausfall hätte dicht machen sollen.

Backup-Lagerfeuer-Horror-Geschichten, die erschüttern und mahnen sollen. Aber Hand aufs Herz: Die meisten denken dann „So was passiert doch mir nicht.“ Klar; so was passiert immer nur den anderen.

Neue Konzepte, neue Lösungen, die gleichen Missverständnisse

Dabei kann der Anwender mittlerweile aus dem Vollen schöpfen, wenn es um Backup-Konzepte und entsprechende, funktionale Lösungen geht. Schon lange ist man nicht mehr an Tape oder Disk-Subsysteme gebunden. Mittlerweile lassen sich Daten auf Disk-Libraries (emulierte Tape-Formate auf Festplatte), auf reine Appliances mit Dedup-Technologien, auf hybride Formen der Datensicherung (Disk plus Tape) oder auch in die Cloud bringen. Mit letzterer sind auch viele Kombinationen denkbar. Diverse Disaster-Recovery-Anbieter offerieren ihre Services über die Cloud in jedem erdenklichen Szenario: von einfacher Datensicherung bis hin zum Backup und vor allem Wiederherstellen virtueller Maschinen entweder zurück auf eine VM oder physische Server.

Darüber hinaus sind die Funktionen komplexer, umfassender und granularer geworden: Regel-basierte Automatismen für das Verschieben der Daten auf unterschiedliche Backup-Instanzen, automatische Backups mobiler Endgeräte beim Einwählen in ein Netzwerk sowie das Vorhalten verschiedener Versionen sind nur einige Beispiele dafür.

Ist es dadurch einfacher geworden, das Backup umzusetzen? Ja, mag sein. Entfällt nun die Diskussion ums Backup – sei es im Unternehmen oder in der Branche? Nein, scheint nicht so. Denn Funktionen und Systeme können noch so umfassend und sinnvoll sein, sie ändern nicht die Tatsache, dass das Backup dann trotzdem noch das ungeliebte Pflichtprogramm ist. Und es ändert auch nichts an der Tatsache, dass Backups finanzielle Belastungen aufwerfen, die sich nicht eins zu eins der Produktion gegenüberstellen lassen. Also kämpft der Administrator auch weiterhin gegen die Missverständnisse beim Backup, gegen wachsende Datenbestände, gegen schrumpfende Budgets und gegen die Zeit. Das ist noch genauso wie vor 20 Jahren. Murmeltiertag eben.

Jeder Tag ist Backup-Tag

Deswegen hilft auch ein Welt-Backup-Tag nicht wirklich viel. Welcher CTO/CIO/CFO geht an diesem Tag mit einem Blumenstrauß/Flasche Wein/Kinotickets zum Administrator und bedankt sich für gut angelegte Backups? Keiner. Muss man auch nicht, das ist ja der Job des Admins. Was nicht sein Job ist, ist dieses „Stiefkind der IT“ jeden Tag verteidigen zu müssen. Ein Welt-Backup-Tag ist nun mal wirklich für diejenigen, die gern leichtfertig vergessen, wofür das Backup eigentlich steht: seine Geschäftstüchtigkeit, seine finanzielle Basis und gemeinhin wirtschaftliche Integrität. Und beim nächsten Mal diskutieren wir die Notwendigkeit eines „Welt-Backup-Test-Tags“ oder besser „Welt-Disaster-Recovery-Test-Tags“.

Artikel wurde zuletzt im März 2015 aktualisiert

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