Roman Milert - Fotolia

World Backup Day: Oder doch lieber gleich World Availability Day?

Einen Tag vor dem World Backup Day beschwört Veeam nun den World Availability Day. Sinnvoller als solche Memorial-Days sind sicher aktuelle Backups.

Wieder ist ein Jahr rum und schon wieder ist am 31. März World Backup Day. Wann dieser ins Leben gerufen wurde, ist nicht mehr so wichtig (2010). Wichtiger ist, dass hier sämtliche Backup-Hersteller – sei es Hard- oder Software – willig auf den Zug aufspringen und ihre Produkte feilbieten. Immerhin soll der Anwender ja sichern und dieser Tag soll ihn gemahnen achtsamer mit seinen Daten zu sein. Die Webseite des Backup-Awareness-Tages ruft deswegen auch zum gezielten Backup am 31. März auf. Jeder IT-Profi sollte jetzt zusammenzucken und Anwender hoffen, dass ihr Unternehmen mehr als einmal im Jahr ein Backup durchführt.

Ist Backup wirklich das Problem?

Doch warum braucht man einen solchen World Backup Day? Muss der IT-Anwender noch so massiv sensibilisiert werden, damit er seine Datensicherung nicht vergisst? Richtet sich dieser überhaupt an ITler oder nur an das träge Consumer-Volk, dass ja gern auf Backups verzichtet, diese vergisst oder gar nicht weiß, was das ist – so jedenfalls der Mythos. Darüber hinaus bezeugen Studien, dass selbst in vielen Unternehmen, Backups noch immer nicht richtig durchgeführt werden und deswegen Disaster Recoverys oder einfache Datenwiederherstellung auch schon mal gern fehlschlagen.

Dabei ist das Backup an sich nicht das Problem. Seit Jahrzehnten schon ist das Problem bekannt: man sichert wichtige Daten, bewahrt dieses über einen bestimmten Zeitraum auf und im Falle eines Falles kann man beschädigte Daten wieder zurückholen oder ein ausgefallenes System ersetzen und das neue Array mit bestehenden Daten füttern. Soweit die simple Theorie. Mittlerweile gibt es auch mehr als genügend Systeme und Tools, Backups jeglicher Art durchzuführen und respektive auch Informationen wiederherzustellen. Von physisch zu virtuell und umgekehrt, in die Cloud, an einen zweiten Standort; ob Snapshot, Replikation, Dedup oder Verschlüsselung: für jeden ist etwas dabei. Und trotzdem scheint es nicht zu klappen, was dann Dinge wie einen World Backup Day hervorbringt.

Dabei liegt es tatsächlich am jeweiligen Bedienpersonal – sprich dem menschlichen Faktor – welches das Backup gefährdet. Das ist erwiesenermaßen noch immer so: manuelle Handlungen beziehungsweise Fehlhandlungen sind immer noch der häufigste Grund für Datenverlust. Kein Systemabsturz, kein Hurrikan, keine Flut oder Feuersbrunst sind so verheerend fürs Backup wie der Homo Sapiens ITsis.

Und ob da der World Backup Day Abhilfe schaffen kann, indem er mehr Erkenntnis stiftet, wage ich zu bezweifeln. Zumal Anwender – Firmen wie private Nutzer – sehr wohl Backups einsetzen und sich absichern. Der ewig warnende und angstverbreitende Zeigefinger des „Deine Daten sind nicht sicher!“ wirkt bei vielen einfach nicht mehr. Vielmehr – und das ist leider auch seit Jahrzehnten so – muss dass Bewusstsein für vernünftige Sicherungsstrategien geschärft werden, die auch Tests unterzogen werden und diesen standhalten oder eben für Verbesserungen sorgen.

Backup ist nicht genug: Veeam erfindet Backup Availability Day

Obwohl der World Backup Day gut für den Verkauf der eigenen Lösungen ist, und sei es auch nur für eine kurze Zeitspanne, so ist er einigen offenbar nicht genug. So hat der Software-Anbieter Veeam mal eben so für den 30. März den World Availability Day ausgerufen. Backup sei nur die halbe Miete, mit Hochverfügbarkeit ist man sicherer und braucht kein Backup oder erledigt das nebenher gleich mit.

Natürlich verlangt die „Always-on“ nach Strategien die RZ-Verfügbarkeit auf einem Maximum zu halten – laut Veeam liegt die verschmerzbare Ausfallzeit (RTO) bei 15 Minuten. Das mag sein, aber eben nicht alle Unternehmen benötigen dies und selbst wenn, macht es ein Backup nicht gleich obsolet. Außerdem sind Hochverfügbarkeitsszenarien noch immer teurer als traditionelles Backup. Dafür hat man eben Schlagzeilen und natürlich das dafür notwendige Tool im Portfolio. Was für ein geschäftsfördernder Umstand.

Aber was macht der Anwender jetzt? Muss er sich jetzt dafür entscheiden, wann er seinem Administrator Blumen, Pralinen oder die neuste Flash-Technologie sendet? Aber was, wenn der Admin lieber Backups machen möchte, wenn die Strategie Hochverfügbarkeit sagt oder umgekehrt? Ich sehe hier schon menschliche und IT-relevante Tragödien entstehen. Am besten beide Tage ignorieren und dafür sorgen, dass die Datensicherung läuft und das Unternehmensrechenzentrum verfügbar bleibt.

Ich plädiere übrigens für den World Intelligent User Day, davon würde jeder profitieren: private Anwender, denen nach dem Computerabsturz einfällt, dass sie gestern doch das Backup machen wollten und das letzte ist sechs Monate alt, die Anwender, die Cloud-Services nutzen, weil der Provider sich auf seine Arbeit konzentriert, Admins, denn sie tun ihren Job richtig und werden in Ruhe gelassen, oder Unternehmensangestellte, die keinen Datenverlust fürchten müssen.  

Oder man macht es ganz einfach und erklärt jeden Tag zum World Backup / World Availability Day – dann kann gar nichts mehr schiefgehen, fast.

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Artikel wurde zuletzt im März 2016 aktualisiert

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