Zu unflexibel: HP wirft EVO:RAIL-Lösung aus dem Portfolio

Nach nur neun Monaten nimmt HP seine hyper-konvergente Lösung auf EVO:RAIL basierend wieder aus dem Programm und reagiert damit auf Kundenwünsche.

Die gesamte IT-Industrie scheint EVO:RAIL-Anhänger zu sein. Die ganze IT-Industrie? Nein, ein kleines – nein – großes Unternehmen leistet Gegenwehr beziehungsweise wendet sich ab von der EVO:RAIL-getriebenen Hyper-Konvergenz und beschreitet lieber eigene Wege. Kein geringeres Unternehmen als Hewlett-Packard hat sich dazu entschlossen, seine ConvergedSystem 200-HC EVO-RAIL nicht mehr zu vertreiben. Das offizielle Aus kam am 15. Juli, nur neun Monate nachdem HP und VMware freudig die neue Lösung ankündigten.

In der offiziellen Stellungnahme von HP klingt das so: HP sieht durchaus, dass sich der Markt hyper-konvergenter Systeme rasant entwickelt, möchte seine Lösung aber flexibler und offener für die Kunden gestalten. Laut Firmenansage kommt dieser Wunsch von den Kunden selbst, die über die letzten Monate entsprechende Feedbacks gegeben hatten.

HP will nun lieber weiter in seine eigene hyper-konvergente Lösung CS 200 StoreVirtual investieren und diese vorantreiben, da sie für alle Hypervisoren eingesetzt werden kann. HP betont aber, das dies nicht die Partnerschaft zu VMware gefährdet. Immerhin sind beide Unternehmen seit 15 Jahren in gemeinsamen Projekten aktiv.

VMware selbst fasst sich kühl und kurz: HP hat das Programm verlassen, man sehe aber viel Bewegung durch die verbleibenden Partner im Markt. Und man wird natürlich auch weiterhin freundlich zusammenarbeiten und die Partnerschaft nicht aufkündigen, sondern weiter gemeinsame Lösungen entwickeln. Alles gut, oder?

Da waren’s nur noch sechs

Nichtsdestotrotz: Nach all dem Hype um EVO:RAIL erhält die Euphorie um das VMware-Produkt einen nicht unerheblichen Dämpfer und die Statements beider Firmen lässt Raum für Spekulationen. Zunächst ist das kein gutes Aushängeschild, wenn einer der größten global agierenden Partner doch eher überraschend und nach kurzer Zeit abspringt. Waren die Verkaufszahlen nicht zur Zufriedenheit? Liegt es an der Lizenzpolitik von VMware? Ist das System leistungsfähig genug? (Hier gab es unlängst ein Update, dass nun 32 Knoten und 800 VMs unterstützt, Wettbewerber bieten aber oft mehr.) Wenn die Kunden nach offeneren Lösungen suchen, drängt dies EVO:RAIL auf lange Sicht in ein Nischendasein? Wie reagieren die anderen Partner auf diese Entscheidung?

Gerade im Vorfeld der dräuenden VMworld – auf der eigentlich stets Innovationen zu erwarten sind – stellt sich die Frage, ob dem Konzept EVO:RAIL nicht schon die Luft ausgeht. Die verbleibenden Partner – Dell, EMC, Fujitsu, HDS, Netapp und Micron – machen keine Angaben, wie viel des Hyper-Konvergenz-Geschäfts wirklich EVO:RAIL zuzuschreiben ist und ob die oben besagte Beschränkung auf 800 VMs und entsprechende Lizenzpolitik Anwender nicht eher abschrecken. (Die beiden lokalen Partner in Asien Net one und inspur seien hier nur am Rande erwähnt.)

EVO:RAIL muss sich also noch beweisen und vor allem mehr Leistungsfähigkeit zeigen. Und offenbar sind nun auch die Zeiten vorbei, in denen IT-Anbieter nicht lukrative oder schlecht laufende Produkte auf ewig mitziehen und im Portfolio halten. Vielmehr zeigt der doch sehr energische Schritt HPs, dass man auch mal eine Freundschaft (halb) aufkündigt, wenn es um Gewinn und Marktchancen geht.

Zukunftstauglich heißt anpassbar und offen

HP betont sehr deutlich, dass die Nachfrage nach offenen und flexibleren Lösungen im Mittelpunkt der Entscheidung stand. Will heißen: die Kunden wollen sich VMware nicht aufzwingen lassen. Andere Anbieter haben auch schöne Hypervisoren. Eine klare Absage an die virtuelle Übermacht von VMware.

Das Geschäft der Zukunft macht der Hersteller mit der effizientesten Lösung und das heißt auch, dem Kunden nicht nur einen Weg zu eröffnen, sondern mehrere. Der Leidensdruck in der IT steigt nach wie vor und da müssen nicht nur die Lösungen anpassbar sein, sondern eben die herstellenden Unternehmen ebenso. HP beugt sich hier, und zwar dem Kunden entgegen und nicht der Diktatur einer Technologie.

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Artikel wurde zuletzt im August 2015 aktualisiert

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