Ist Daten-Synchronisation über die Cloud ein Ersatz für Backup-Lösungen?

Cloud-Storage kann die Produktivität von Arbeitnehmern steigern, stellt die IT-Abteilung jedoch vor Herausforderungen.

Dieser Artikel behandelt

Remote-Data-Protection

Was Sie in diesem Artikel erfahren können: Mitarbeiter in Unternehmen greifen heute mit höchst unterschiedlichen Geräten – Desktop-Computer, Laptops, Tablets oder Smartphones – auf Dokumente ihres Arbeitgebers zu. Angesichts derartiger Vielfalt ist die Daten-Synchronisation oder ein Backup bei Diensten wie Dropbox zu einer verbreiteten Lösung geworden. Das zeigt die Umfrage 2011 Cloud Adoption Trendsder Enterprise Strategy Group, an der sich gut 300 IT-Profis beteiligt haben: Kollaboration und gemeinsame Nutzung von Dateien wurden als drittwichtigstes Thema bei der geplanten Verwendung von Anwendungen als Software as a Service (SaaS) genannt; Backup und Recovery kamen auf den fünften Rang.

Dienen also Daten-Synchronisation und Backups dem gleichen Zweck? Können Unternehmen derartige Dienste als Backup-Option nutzen? In diesem Artikel, geschrieben von der unabhängigen Analystin Lauren Whitehouse, finden Sie Antworten auf diese Fragen.

Daten-Synchronisation vs. Datei-Backups

Mit der zunehmenden Verbreitung von SaaS-Diensten für Backups, Daten-Synchronisation und Zusammenarbeit verwischen die Grenzen zwischen diesen Services zunehmend. Anbieter für SaaS-Backups wie Mozy bieten die Möglichkeit, von unterschiedlichen Endpunkten aus auf Dateien zuzugreifen, die in der Mozy-Cloud gespeichert sind, was auch eine Synchronisierung erlaubt. Und Dienste für Datei-Sharing und Kollaboration wie Insync, SugarSync oder Syncplicity werben auch mit ihren Backup-Fähigkeiten.

Als Backup werden Prozesse oder Technologien bezeichnet, die automatisch eine sekundäre Kopie von Daten anlegen und sie für eine Wiederherstellung verfügbar machen, falls die primäre Kopie verloren geht. Die meisten Lösungen arbeiten hier mit Versionsnummern (es werden also mehrere Versionen einer Datei aufbewahrt), so dass Daten von unterschiedlichen Zeitpunkten in der Vergangenheit wiederhergestellt werden können.

Der Einsatz von Lösungen für Daten-Synchronisation und Kollaboration erfordert das Einrichten eines Ordners in der Cloud und das Kopieren von Dateien in diesen Ordner. Die Dateien stehen dann sofort für Zugriffe über ein Web-Interface von jedem mit dem Internet verbundenen Gerät aus zur Verfügung. Bei manchen Lösungen wie etwa SugarSync wird der Sync-Arbeitsbereich eines Nutzers auf einem Gerät automatisch mit den Sync-Ordnern auf anderen Geräten synchronisiert.

Aber zurück zu der Frage, was ein Backup ausmacht. Mit der oben genannten Definition würde Daten-Synchronisation als Backup durchgehen: Wenn die primäre Kopie eines Datei verloren geht oder zerstört wird, kann die sekundäre Kopie aus dem Cloud-basierten Ordner für Synchronisierung abgerufen werden. Hinsichtlich Versionen ist es so, dass Dropbox tatsächlich Kopien der in einem Cloud-Ordner gespeicherten Dateien anlegt, einschließlich gelöschter und früherer Versionen; sie werden 30 Tage oder bei Zusatz-Optionen länger aufbewahrt. Lösungen wie Box und SugarSync bieten hier ähnliche Features, mit denen die Wiederherstellung früherer Versionen von Dateien möglich ist, die im Cloud-Repository gespeichert sind. Allerdings sind in nicht in allen Cloud-Werkzeugen für Zusammenarbeit automatische Backup-Funktionen enthalten. Manche bieten aber  automatische Synchronisierung, bei der neue und veränderte Dateien automatisch mit Cloud-Ordnern abgeglichen werden.

Die andere Seite der Cloud

Laut einer ESG-Umfrage sichern weniger als 50 Prozent der Teilnehmer 100 Prozent ihrer Desktops, weniger als 40 Prozent 100 Prozent ihrer Laptops und weniger als 25 Prozent sämtliche Handheld-Geräte

Die größte Herausforderung dabei, solche Synchronisierungswerkzeuge für Backups zu verwenden, wurde hier noch gar nicht angesprochen. Dieses Vorgehen macht zwar Schluss mit einem lästigen IT-Problem, und die Nutzer an den Endpunkten sind glücklich und produktiv. Jedoch ergibt sich dadurch ein neues Problem: Häufig greifen Beschäftigte zu beliebigen Lösungen für Synchronisierung aus der Consumer-Klasse, was für Organisationen neue Risiken schafft.

Endgeräte sind traditionell die am schlechtesten geschützte Klasse von Unternehmensaktiva. Laut einer Umfrage der ESG unter 500 IT-Profis aus dem Jahr 2010 sichern weniger als 50 Prozent aller Teilnehmer 100 Prozent ihrer Desktops, weniger als 40 Prozent 100 Prozent aller Laptops und weniger als 25 Prozent alle ihre Handheld-Geräte. Heute allerdings sind mehrere Kräfte am Werk, die für mehr Aufmerksamkeit für Daten-Synchronisation und Backups sorgen: zunehmende Mobilität der Belegschaft, zunehmende Nutzung von Cloud-Diensten und die Konsumerisierung der IT. IT-Profis von heute stehen vor der Herausforderung, bestimmte Consumer-Technologien am Arbeitsplatz zu unterstützen, zugleich aber IT-Standards aufrechtzuerhalten, die Risiken minimieren und interne sowie regulatorische Vorgaben erfüllen sollen. Die Ermöglichung von Daten-Synchronisation auf sowohl privaten als auch beruflichen Mobilgeräten mit zentralisierten IT-Diensten und Cloud-Storage dürfte auf ihrer Prioritätenliste für mehr Nutzer-Produktivität derzeit weit oben stehen.

Viele Cloud-basierte Dienste für Daten-Synchronisation arbeiten mit einem „Free-mium“-Geschäftsmodell, in dem eine gewisse Storage-Kapazität in der Cloud kostenlos angeboten wird. Dadurch ist ein Wildwest-Szenario entstanden, bei dem Endnutzer selbst Cloud-basierte Dienste abonnieren und – sowohl private als auch geschäftliche – Dateien in Cloud-Repositories laden, ohne sich dabei um Datenschutz, Regulierung oder Unternehmensrichtlinien zu kümmern.

Dadurch kann es in der Cloud viele Kopien von Unternehmensdaten geben, von denen die IT-Abteilung nichts weiß. So entstehen neuen Angriffspunkte. Und mangels zentraler Verwaltungsmöglichkeiten für die zentrale IT-Funktion ist auch das Management ein Alptraum.

Backups von Endpunkten vor Ort und SaaS-Backups

Unübersehbar gibt es in der Landschaft der Backup-Lösungen für Endpunkte derzeit viel Bewegung. Zweckgebundene Vor-Ort-Lösungen für Backup und Recovery auf den Endpunkten nützen sowohl den Endnutzern (weil sie nicht-disruptiv sind und eine Wiederherstellung in Eigenregie ermöglichen) als auch IT-Administratoren (weil sie automatisiert, optimiert und zentral gesteuert sind); allmählich gewinnen sie Anteile von traditionellen Client/Server-Lösungen für Backups. Lösungen wie die von Copiun oder Druva sind gut für mobile Mitarbeiter geeignet, weil sie unterschiedliche Arten von Endgeräten einschließlich Smartphones und Tablets unterstützen. Funktionen wie rollenbasierte Zugriffskontrolle und Verschlüsselung dienen zudem dem Datenschutz, und optimierte Daten-Transfers mittels inkrementeller Backups auf Block-Ebene, Deduplizierung sowie Komprimierung minimieren die Belastung des Netzwerks und sorgen für verringerten Storage-Bedarf. Die Lösungen ermöglichen eine Wiederherstellung in Eigenregie und haben keinen negativen Einfluss auf die Produktivität der Endpunkt-Nutzer. Zudem ist die Administration von Richtlinien (etwa zu Aufbewahrung und Vernichtung von Daten) zentralisiert, ebenso wie Zeitplanung, Bedingungen für Warnmeldungen und Fehlerbehandlung.

Cloud-basierte Backup-Dienste für Unternehmen wie die von Axcient, EVault, Hewlett-Packard (das über die Akquisition von Autonomy auch das Portfolio an Backup-Diensten von Iron Mountain übernommen hat) oder Symantec bieten SaaS-Lösungen für Backups im kommerziellen Maßstab. Allerdings erfüllen nicht alle davon auch die Anforderungen von Nutzern mobiler oder alternativer Endpunkte. Andererseits gibt es Lösungen von Carbonite, Code 42 Software (CrashPlan), EMC (Mozy) oder KineticD, die traditionell eher an Endverbraucher und kleine Unternehmen gerichtet waren. Diese werden jetzt auch für größere Kunden interessant, die eine mobile Belegschaft unterstützen und/oder Datei-Freigaben und -Synchronisierung unterstützen wollen.

Was 2012 bringen wird

Der Aufruf von H.G. Wells, „anpassen oder untergehen“, passt sehr gut zu den Megatrends  Mobilität, Cloud und Konsumerisierung. Für IT-Organisationen sollte es in diesem Umfeld oberste Priorität haben, proaktiv Maßnahmen zu ergreifen, damit Zugriff auf Unternehmensdaten – ob vor Ort oder in der Cloud – über alle möglichen Geräte möglich wird. Andernfalls besteht die Gefahr, dass Mitarbeiter auf eigene Faust handeln; dadurch entsteht für Unternehmen das Risiko der Verletzung von Datenschutz- oder Sicherheitsregeln, und auch Strafen wegen Nichterfüllung von Compliance-Vorgaben sind möglich.

Wenn Backups für Endpunkte bereits eingerichtet sind, kann es sinnvoll sein, bei deren Herstellern auf Funktionen für Datei-Sharing und -Synchronisation zu drängen. Und Unternehmen, die bereits eine Lösung für Freigaben und Synchronisation haben, sollten 2012 den Schwerpunkt auf das Etablieren von Regeln und Leitlinien für Backup/Recovery (auf Grundlage dessen, was bei ihrem aktuellen Anbieter möglich ist) setzen. 

ÜBER DEN AUTOR: Lauren Whitehouse hat mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Beobachtung von Technologien für Backups, Replikation und andere Arten der Daten-Sicherung.

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