Interview: David Scott von HP Storage über Storage-Trends für 2013

HPs 3PAR realisiert eine Storage-Strategie auf Basis nur einer Architektur für Objekt- und Dateispeicherung inklusive Unterstützung für Flash und Deduplizierung.

Hewlett-Packard Co. (HP) hat Ende 2012 seine Storage-Strategie überarbeitet: Der Umfang seiner Familie 3PAR StoreServ für primäres Storage wurde erweitert, und die Objekt- und Datei-Plattform StoreAll neu eingeführt. Wir haben mit David Scott, früherer CEO von 3PAR und heute Senior Vice President von HP Storage, über Storage-Trends im Jahr 2013 und die Pläne von HP zur Sanierung seines Storage-Geschäfts gesprochen.

Mit der jüngsten Produkt-Einführung bei 3PAR hat HP eine neue Storage-Strategie abgesteckt. Wie würden Sie Ihre Storage-Strategie beschreiben?

Scott: Die Leute wollen einheitliche Architekturen, die sich für jeden Bedarf und Daten-Umfang skalieren lassen. Wir bezeichnen das als polymorphe Einfachheit in einer einzigen Architektur.

Wir halten eine einheitliche Architektur mit einem primären Storage-System für möglich, eine einheitliche Architektur mit Systemen zum Informationsschutz und eine einheitliche Architektur für Aufbewahrung und Analytik zusammen. Für primäres Storage nutzen wir 3PAR StoreServ, für Informationsschutz HP StoreOnce, und HP StoreAll für Aufbewahrung und Analytik. StoreOnce und StoreAll liegt dieselbe physische Architektur zugrunde.

Wie sehr unterscheidet sich das von dem, was Ihre Konkurrenten tun?

Scott: Im Bereich primäres Storage hat EMC VNX, VNXe und VMAX. Einen Großteil dieses Bereichs decken wir jetzt mit StoreServ ab. Wir haben also eine Architektur statt drei. Unser Betriebssystem ist auch für die Flash-Welt verfügbar, während EMC dafür noch eine weitere Architektur geschaffen hat. Und EMC hat auch noch Vplex, um alles zusammenzufügen. Das macht insgesamt fünf Architekturen für primäres Storage. Bei uns deckt 3PAR alles ab, einschließlich Solid-State-Drives. Das ist ein bedeutender Unterschied.

Bei Backup hat EMC Deduplikation auf Client-Seite mit Avamar und Ziel-Deduplizierung mit Data Domain. Wir haben mit StoreOnce nur eine Architektur für Deduplizierung. Außerdem haben wir reine Software-Deduplizierung mit Data Protector, auch hier mit einer einheitlichen polymorphen Architektur.

Soll 3PAR in Zukunft zu Ihrer Plattform für reines Flash werden?

Scott: Wir haben schon heute reine SSD-Lösungen für StoreServ. Für die Zukunft erwarten wir einen nahtlosen Übergang zu Storage mit nur Flash und nichtflüchtigem Speicher auf 3PAR.

Kommen die Festplatten-Controller von 3PAR mit reinem Flash zurecht?

Scott: Als wir die 3PAR-Architektur entworfen haben, haben wir eher aus glücklichem Zufall mit einer sehr kleinen Seiten-Größe begonnen. Wir arbeiten mit einer Seiten-Größe von 16 Kilobyte. Das war ein Thema bei Thin Provisioning. Das EMC-Äquivalent waren hier 768 Kilobyte, bei der Architektur von Hitachi Data System liegt die Größe im Megabyte-Bereich. Mit reinem Flash braucht man kleine Seiten-Größen, und die haben wir. Unsere Konkurrenten dagegen werden ihre Kunden zwingen, einen größeren Umstieg durchzumachen.

3PAR ist eine Plattform für Block-Storage. Wie kann es ohne Network-attached Storage (NAS) eine einheitliche Storage-Architektur sein?

Scott: Mit unserer letzten Produkt-Ankündigung haben wir 3PAR-Dateidienste eingeführt. Damit beherrscht 3PAR Datei- wie Block-Storage.

Das wird über Windows Storage Server 2012 realisiert, richtig?

Scott: Ja.

Wie eng ist Windows Storage Server mit 3PAR integriert?

Scott: Es ist sehr gut integriert. All das Thin Provisioning von unserem Hardware-unterstützten ASIC ist eng integriert. Wenn Sie Dateien löschen, wird ihr Platz automatisch vom 3PAR-System zurückgeholt und neu verfügbar gemacht. Außerdem können Sie Datei- und Block-Storage von einem einheitlichen Interface aus verwalten und konfigurieren.

Läuft das Datei-Storage auf einem separaten Server?

Scott: Derzeit lassen wir Datei-Storage auf Controllern außerhalb von 3PAR laufen. Das sind getrennte Geräte. Letztlich aber wollen wir die Controller in einem System integrieren.

Als HP StoreOnce-Deduplizierung für Backups eingeführt hat, sollte die Deduplizierung langfristig auf primäres Storage ausgedehnt werden. Wie weit sind Sie damit?

Scott: StoreOnce wird für Informationsschutz genutzt, also Backup und Wiederherstellung. Auf Dauer wollen wir einer Kombination von Informationsschutz und primärem Storage näher kommen. Dazu gehört, dafür zu sorgen, dass wir Technologie zur Komprimierung in unsere Architektur 3PAR StoreServ integrieren. Wir werden Deduplizierung, Thin Provisioning, Komprimierung und all das in dieser Architektur haben. Ich möchte außerdem darauf hinweisen, dass wie Deduplizierung für primäres Storage für Dateien als Teil unserer 3PAR-Dateidienste schon bieten.

Welche neuen Trends bei Daten-Storage sehen Sie für 2013?

Scott: Wir leben bei Storage in interessanten Zeiten. Es gibt viele technische Änderungen, und es baut sich viel Druck auf, auf die massive Explosion bei unstrukturierten Daten mit mehr Agilität zu reagieren. Es gibt den Bedarf nach Mandantenfähigkeit für die Cloud. All diese Dinge sorgen für Unruhe bei etwas, das sonst ein eher konservativer Teil der IT ist.

Die Leute sind dabei, herauszufinden, ob ihre Betriebssysteme für eine Welt mit reinem Flash oder nur noch nichtflüchtigem Speicher geeignet sind. Anwendungen der nächsten Generation nutzen zudem Paradigmen des Objekt-Storage, um Cloud-Anwendungen ins eigene Haus zu holen und Enterprise-artige Storage-Systeme auf internen Clouds laufen zu lassen.

Außerdem erleben wir das Aufkommen von Echtzeit-Analytik nicht nur für strukturierte, sondern auch für unstrukturierte Informationen. Und wir sehen, wie Software-definierte Netzwerke und Software-definiertes Storage als Grundlage Standard-Server nutzen.

Von diesen Begriffen ist neuerdings häufig die Rede. Wie definieren Sie Software-definiertes Storage?

Scott: Das ist wirklich eine Änderung beim Architektur-Ansatz. Der Sinn dahinter ist, die Tatsache zu nutzen, dass Standard-Server deutlich leistungsfähiger geworden sind. Kunden können also Standard-Bausteine mit all der Funktionalität nutzen, die sie brauchen, einschließlich viel Auswahl für Daten-Storage. Wir definieren Software-definiertes Storage als neue Klasse von Lösungen mit virtuellen Storage-Appliances (VSAs). Man kann sie als virtuelle Maschinen auf jeglichen Standard-Servern laufen lassen.

Sie sprechen über die StoreVirtual VSA, richtig?

Scott: Wir glauben, dass HP hier führend ist, und das hat mit der Übernahme von LeftHand begonnen. VMware hat erstmals auf der VMworld im vergangenen Jahr von Software-definierten Rechenzentren gesprochen, kurz nach der Akquisition von Nicira. Wir haben schon ein paar Wochen vor der VMworld mit der Vermarktung der VSA-Technologie von LeftHand als StoreVirtual VSA begonnen. Unsere VSA-Technologie unterscheidet sich von allen anderen: Sie ist Hypervisor-agnostisch und läuft anders als die VSA von VMware nicht nur in VMware, sondern auch mit Microsoft Hyper-V und jedem Server. Sie können Hypervisoren und Server nach Belieben innerhalb eines Clusters mischen. Wir haben schon 150.000 Server mit unserer VSA eingerichtet.

StoreVirtual VSA ist unsere Architektur für primäres virtuelles Storage. Langfristig glauben wir aber, dass wir auch eine VSA für Daten-Sicherung und eine VSA für Informationsaufbewahrung haben werden. Beide werden auf beliebigen Standard-Servern und Hypervisor-agnostisch funktionieren.

Mit StoreAll haben Sie Objekt-Storage in Ihr Angebot aufgenommen. Welche Rolle sehen Sie für diese Technologie?

Scott: Der Erfolg von Amazon und anderen Cloud-Anbietern führt dazu, dass Anwendungsentwicklung mit der Verwendung von Objekten möglich wird. Dadurch müssen sich Unternehmen fragen „Will ich für die Produktion im vollen Umfang zu Amazon gehen oder soll ich eine API für Objekt-Storage verwenden und die Anwendungen intern betreiben?“. Wer über ein  Zurückholen und interne Ausführung nachdenkt, will dafür keine andere Architektur schaffen. StoreAll ist Objekt- und Datei-Lösung in einem.

Allmählich fürchten sich Unternehmen zudem zu Tode darüber, dass Mitarbeiter Online-Dienste für Datei-Freigaben und -Synchronisierung wie Dropbox nutzen und damit höchst sensible Informationen in der öffentlichen Cloud speichern. Also wollen sie interne Möglichkeiten für Freigaben und Synchronisierung schaffen. Auch hier erlaubt es die Nutzung einer Plattform mit Objekt-Schnittstelle wie StoreAll den Kunden, eigene Lösungen für Datei-Freigaben zu entwickeln.

Wird HP selbst Dienste für Datei-Freigaben und -Synchronisierung anbieten?

Scott: Wir arbeiten hier mit Partnern wie Oxygen Cloud, Ctera, Egnyte und anderen, die sich mit StoreAll integrieren lassen.

Ein weiterer Begriff, von dem derzeit ständig die Rede ist, ist Big Data. Wie geht HP mit diesem Thema um?

Scott: Viele Leute nutzen bereits Analytik für strukturierte Informationen, und aktuell sehen wir eine Weiterentwicklung in Richtung Echtzeit-Analytik für Big Data in Form unstrukturierter Informationen. Dasselbe HP-Storage, das Objekt-Storage für Großunternehmen liefern kann, lässt sich auch als Plattform für Echtzeit-Datenanalytik nutzen. Wir haben in StoreAll eine neue Highspeed-Suchmaschine für Metadaten integriert, mit der Sie schneller suchen können, selbst wenn Sie in den Bereich von Hunderten Millionen, wenn nicht gar Milliarden Objekten oder Dateien kommen.

Und all das tun wir auf derselben Architektur. EMC hat Atmos, Centera und Isilon dafür, wir nur eine einzige Architektur.

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