Was der Börsen-Rückzug für die SAN-Strategie von Dell bedeutet

Ein Leveraged Buyout soll Dell ermöglichen, seine Akquisitionen zu integrieren, in Produkte umzuwandeln und eine Storage-Strategie zu implementieren.

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Beobachter der Storage-Branche fragen sich, ob der diese Woche angekündigte Rückzug von Dell von der Börse dem Storage-Geschäft des Unternehmens helfen oder schaden wird. Dabei ist zu beachten, dass dieser Bereich schon vor dem Leveraged Buyout (LBO) in einem Umbau steckte.

Dell hat Milliarden von Dollar für Übernahmen im Storage-Bereich ausgegeben. Gekauft wurden etwa die Hersteller von Festplatten-Arrays Compellent und EqualLogic, die Anbieter von Backup-Software AppAssure und Quest Software, der Spezialist für Daten-Reduktion Ocarina Networks sowie geistiges Eigentum für Scale-out-NAS von Exanet.

Der Plan dahinter war, ein umfassendes Storage-Portfolio aufzubauen, das zu günstigen Preisen im Midmarket- und Enterprise-Segment angeboten wird. Das ist eine Abkehr von der früheren Strategie, bei Storage mit EMC zusammenzuarbeiten; diese Partnerschaft hatte vor ihrem offiziellen Ende im Jahr 2001 zehn Jahre lang bestanden.

Dell-CEO Michael Dell bezeichnete sein Unternehmen 2011, kurz nach der Übernahme von Compellent zur Abrundung der Strategie, als „größtes Storage-Startup der Welt“. In mancher Hinsicht ähnelt das SAN-Geschäft wirklich eher dem eines Startups als einem etablierten Technologie-Anbieter. Die Storage-Gruppe musste vor kurzem einige Entlassungen verkraften, auch an der Spitze hat es Änderungen gegeben.

Im Dezember 2012 gab Darren Thomas seine Stellung als Vice President und Geschäftsführer von Dell Storage auf. Seine Nachfolger wurden der frühere Xiotech-CEO Alan Atkinson und der Dell-Veteran Peter Korce. Sie berichten an Marius Haas, President Enterprise Solutions.

Nach dem Ende der OEM-Vereinbarung mit EMC ist der Dell-Umsatz mit Storage kontinuierlich zurückgegangen. Im jüngsten Quartalsbericht meldet Dell 378 Millionen Dollar an Storage-Umsätzen, nach 388 Millionen Dollar vor einem Jahr und 423 Millionen Dollar im Vorquartal. Finanzvorstand Brian Gladden sagte, diese Ergebnisse lägen „unter den Erwartungen“. Dell habe aber immer noch eine gute Pipeline für Storage-Produkte.

Storage-Analysten stören sich am stärksten daran, dass Dell bei der Integration der aufgekauften Stücke kaum Fortschritte zu machen scheint. „Es läuft recht langsam“, sagt etwa John Webster, Senior-Partner bei der Analysefirma Evaluator Group. „Wo zum Beispiel sieht man Ocarina, und wie lang ist Dell schon der Eigentümer? Die Storage-Strategie von Dell erscheint intakt, aber sie kommt nicht schnell voran. Als diese Übernahmen getätigt wurden, war die Rede von Integration. Dieser Prozess verläuft aus meiner Sicht langsam. Es wird interessant sein, zu sehen, wie er sich nach dem Rückzug von der Börse entwickelt“.

Für Greg Schulz, Gründer des Analysehauses StorageIO, könnte der Rückzug von der Börse Dell mehr Spielraum bei der Integration seiner Storage-Produkte verschaffen. „Dell hat viele Teile und muss sie zusammenbringen“, sagt er, „es gibt hier einiges aufzuräumen. Jetzt können sie das ohne Überwachung durch die Wall Street machen. Das wird gut sein für Dell, aber trotzdem ein harter Weg“.

Das Eindringen in den Storage-Markt fortzusetzen, erscheint für Dell durchaus sinnvoll. Noch kommt der Großteil seiner Umsätze von den PC- und Laptop-Produktlinien, und durch das Aufkommen mobiler Geräte werden diese Märkte schnell erodiert.

In einer Kurzstudie schreibt Shaw Wu, Analyst bei der Bank Sterne, Agee and Leach Inc., von wirtschaftlichen Vor- wie Nachteilen aufgrund der Entscheidung, Dell von der Börse zu nehmen: „Positiv sehen wir, dass das Unternehmen sich dem Hetzen von Quartal zu Quartal, wie es bei börsennotierten Firmen üblich ist, auf diese Weise entzieht. Jedoch werden ohne öffentlich gehandelte Aktien große, transformative Übernahmen erschwert, weil Dell den Großteil seines Cashflows an Private-Equity-Investoren und für die Bedienung von Schulden aufwenden muss“.

Akquisitionen waren für Dell eines der Hauptmittel, über die PC-Herstellung hinaus zu expandieren. Das Unternehmen sollte aber „einen größeren Teil seiner Technologien, einschließlich Storage, organisch entwickeln“, sagt Carter Lusher, Chef-Analyst für den Bereich Enterprise-Anwendungen beim Analysehaus Ovum. Laut anderen Analysten dienten die vielen Storage-Übernahmen von Dell vor allem dazu, dem Unternehmen eine Präsenz auf dem Storage-Markt zu verschaffen.

„Bisher ist es noch nicht (mit Ausnahme der EqualLogic-Produkte) gelungen, den vollen Wert aus den Akquisitionen zu realisieren“, sagt Arun Taneja, Gründer und beratender Analyst bei der Taneja Group. Zum Teil sei das erwartbar gewesen: „Die Quest-Übernahme zum Beispiel ist noch recht frisch. Aber allgemein habe ich nicht genügend Integration der einzelnen Komponenten gesehen, so dass 2+2 für Dell 5 ergeben würde. Die Chance ist groß, aber die Umsetzung noch unvollständig. Auch die Positionierung von EQL und Compellent könnte nahtloser sein. Meiner Meinung nach müssen Compellent-Produkte in den Highend-Bereich, EQL-Produkte würden dann die volle Last des lukrativen Midrange-Bereichs tragen. Daten-Sicherung und Komprimierung und Deduplizierung müssen eng mit den Storage-Arrays integriert sein. Auch die Cloud-Story muss noch weitergeschrieben werden“.

Insgesamt aber, so Taneja, sei die Chance für Dell im Storage-Bereich enorm: „Wenn sie die Zutaten noch nicht hätten, würde ich das vielleicht anders sehen. Aber sie haben sie nun einmal. Was sie jetzt brauchen, ist ein Chefkoch, und ich glaube, bei Storage fehlt der bislang. Wenn die richtige Person an Bord kommt und Hindernisse beseitigt werden, könnte aus dem Rezept ein echtes Gourmet-Essen entstehen. Insgesamt sehe ich den Börsen-Rückzug von Dell als gute Sache an. Aber er allein wird nicht ausreichen.“

An dem LBO im Umfang von 24,4 Milliarden Dollar war mit 2 Milliarden Dollar auch Microsoft beteiligt. Für die Zukunft von Dell bringt das eine erhebliche Unsicherheit. Microsoft war bislang kein großer Spieler im Storage-Bereich. Laut Webster könnte das Unternehmen aber versuchen, die Storage-Integration seines Hypervisors Hyper-V zu verbessern, um so besser mit VMware konkurrieren zu können.

Für Dell ist es bereits zu spät, um bei Storage noch wirklich groß zu werden, sagt ein anderer Experte: „Ich denke, Dell hat diese Chance schon vor langer Zeit vertan, weil sein Konzept der Mikro-Fabriken hier nicht angewendet wurde, das bei Servern so gut funktioniert hat“, so Jon Toigo, Gründer von Toigo Partners International. „Stattdessen kam die Partnerschaft mit EMC. Das wurde erst vor ein paar Jahren korrigiert, aber wahrscheinlich zu spät. Im Rückblick und im Lichte der aktuellen Nachrichten ist es sogar sehr wahrscheinlich so“.

Toigo ist nach eigenem Bekunden ohnehin unbeeindruckt von den Storage-Übernahmen von Dell: „Ich fand die übernommenen Produkte schon immer etwas langweilig – iSCSI-Ausrüstung, NAS und so weiter“, sagt er. Für den Hauptmarkt von Dell habe das wahrscheinlich geholfen, aber er habe nicht das Gefühl gehabt, dass es beim Aufstieg in den Enterprise-Bereich hilft – jedenfalls nicht so sehr wie bei Dells großem Erfolg mit Highend-Servern.

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