Was Experten zu den neuen Storage-Funktionen von Windows Server 2012 sagen

Ein deutlicher Fokus auf Storage-Funktionalität beschert Windows Server 2012 neue Einsatzmodelle: doch Experten sind sich nicht gänzlich einig.

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SAN-Management

Das vergangenen Monat neu veröffentlichte Windows Server 2012 bietet eine Vielzahl neuer Funktionen und Features im Bereich Storage. Davon sind viele nur in umfassenden Hyper-V-Installationen verfügbar, andere versprechen geringere Kosten und mehr Effizienz in Rechenzentren. Interessant ist dies vor allem für Administratoren, die mit Deduplizierung, iSCSI-Zielen, Storage-Pooling und anderen Funktionen zu tun haben.

„Es sind wirklich einschneidende Änderungen“, sagt Stephen Foskett, Branchenanalyst für Storage und Microsoft MVP. Er sei zuerst skeptisch gewesen, als er bei einem Treffen mit Microsoft zum ersten Mal von den ehrgeizigen Plänen für die Storage-Technologie in Server 2012 erfuhr. „Über diesen harten Schnitt war ich war regelrecht schockiert.“

Wie Foskett glaubt, werden einige der vieldiskutierten neuen Storage-Funktionen von Windows Server 2012 – beispielsweise Deduplizierung – die Arbeit von Storage-Managern mit aktuellen Technologien und Anbietern verändern.

„Technisch gesehen hat Microsoft mit der Implementierung der Deduplizierung hervorragende Arbeit geleistet: die Funktion ist Weltklasse und sehr zuverlässig. Allerdings greift sie nur für Workloads von Datei-Servern“, so Foskett. „Man kann Microsoft gratulieren – sie haben die Storage-Anforderungen für Datei-Server verringert. Aber das ändert nichts an der Workload. Also werden die meisten Nutzer auch weiterhin Produkte wie Data Domain kaufen.“

Chris Evans, ein Storage-Branchenexperte aus Großbritannien verfügt über ein eigenes Test-Labor mit Server 2012. In einer E-Mail äußerte er sich mit einer abweichenden Einschätzung: Die Funktion für Deduplizierung – diese spart Nutzern Festplatten-Speicher, indem identische Daten auf dem Laufwerk nur einmal gespeichert werden – gehöre zu den interessantesten Funktionen für Storage-Manager. „Sie ermöglicht eine wesentlich effektivere Nutzung von Storage, vor allem mit virtuellen Maschinen unter Hyper-V. Das Schöne daran sind die für den Nutzer möglichen direkten Einsparungen.“

„Microsoft hat mit seinen schrittweisen Verbesserungen gute Arbeit geleistet“, so Evans, der als unabhängiger Berater für Langton Blue in London aktiv ist.

Eine der neuen Funktionen von Windows Server 2012, über deren Bedeutung sich Foskett und Evans einig sind, ist das Resilient File System (ReFS). „Die Funktion ermöglicht eine deutlich höhere Skalierung auf logischen Volumes und erhöht bei einer Kombination mit Storage Spaces die Verfügbarkeit. Sie zeigt auch das Bestreben, selbst bei einer Beschädigung von Daten möglichst keine Ausfallzeiten zuzulassen“, so Evans. „Dies ist eine weitere solide Grundlage für die Implementierung großer Hyper-V-Konfigurationen.“

Storage Spaces richtet sich an Storage-Experten und bezeichnet die in Server 2012 enthaltene Funktion zum Storage-Pooling. Microsoft beschreibt sie als Möglichkeit zur Virtualisierung von Storage durch die Zusammenfassung von Standard-Festplatten zu Storage-Pools. Auf Grundlage der in diesen Storage-Pools verfügbaren Kapazität können anschließend Storage-“Spaces“ erstellt werden.

Foskett ist darüber aber weniger begeistert als Evans. „Das ist eine gute Ergänzung für Windows, allerdings in Bezug auf hohe Verfügbarkeit nicht auf dem gleichen Niveau wie Veritas Volume Manager von Symantec“, sagt er. Die Funktion sei eher für kleinere Anwendungsfälle entwickelt. „Sie ist komfortabel, aber nicht wirklich eine Funktion für Storage-Management der Enterprise-Klasse. Immerhin bietet sie Kunden wesentlich mehr Flexibilität bei der Verwendung interner Festplatten.“

Brien Posey, ebenfalls Microsoft MVP und Branchen-Experte, erklärt die Funktionsweise von Storage Spaces so: Ein Administrator definiert einen Storage-Pool aus physischen Festplatten und erlaubt Windows, Pool-spezifische Metadaten auf jede Platte im Pool zu schreiben. Auf diese Weise lässt sich jede einzelne davon eindeutig identifizieren.

Nach Erstellung des Storage-Pools können Administratoren nach Belieben virtuelle Festplatten innerhalb des Pools erstellen. Das Betriebssystem behandelt diese virtuellen Festplatten als ganz normale physische Platten, obwohl eine virtuelle Platte durchaus über mehrere physische Platten verteilt sein kann.

Laut Posey ermöglicht Storage Spaces mehr als nur die Erstellung von Festplatten. So biete Windows eine Reihe von RAID-ähnlichen Funktionen, mit denen sich die Zuverlässigkeit von virtuellen Platten verbessern lässt – möglich ist zum Beispiel Mirroring oder Striping mit Parität. Dadurch lassen sich Datenverluste für den Fall vermeiden, dass eine der physischen Festplatten im Pool ausfallen sollte.

Zusätzlich zu Deduplizierung, dem ReFS und Storage Spaces bietet Windows Server 2012 noch weitere interessante Storage-Funktionen.

Unterstützung für Server Message Block 3.0

Windows Server 2012 unterstützt jetzt auch Version 3.0 des SMB-Protokolls, das laut Foskett als Alternative zu Fibre Channel und iSCSI positioniert ist. „Entscheidend ist, dass SMB 3.0 jetzt auch Anwendungsworkloads unterstützt, nicht nur Client-Verbindungen“, erläutert er. „Dies macht Server 2012 auch zu einem echten Client, für Hyper-V, SQL Server und Exchange. Unter Windows wurde NAS zuvor nie wirklich für Anwendungen verwendet.“

Dies sei nicht nur in technischer Hinsicht, also mit Blick auf die Verbesserungen am Protokoll, ein großer Schritt nach vorn, sagt Foskett. Auch die Auswirkungen für den Rest des Stack seien enorm. „Das ist bedeutend für die Branche, ebenso wie für Microsoft“.

„Wenn man sich vorstellt, dass Microsoft Hyper-V unterstützt, könnte man Windows File Server als Ziel verwenden. Man braucht dann weder iSCSI noch Fibre Channel als Ziel. Microsoft versucht, sich einen größeren Umsatzanteil im Bereich der Rechenzentren zu sichern. Und so werden sie das auch schaffen.“

Foskett rechnet trotzdem eher mit einer langsamen Einführung von SMB 3.0 durch Storage-Administratoren. Immerhin handele es sich um einen Nachfolger des Common Internet File System (CIFS), einer Technologie, mit der ältere Storage-Administratoren noch leidvolle Erinnerungen verbinden.

Wie Evans hinzufügt, wird Microsoft bei seinen Kunden in dieser Hinsicht noch Überzeugungsarbeit leisten müssen. „Meiner Ansicht nach ist den Leuten noch nicht klar, um wie viel besser SMB 3.0 als NAS-Protokoll im Vergleich zu dem alten CIFS ist. Viele Anwender halten es wahrscheinlich immer noch für ein ineffizientes und überfrachtetes Protokoll. Nach den mit der Zeit vorgenommen Verbesserungen ist das aber nicht mehr der Fall.“

iSCSI Target Server

Manchen Storage-Experten ist iSCSI Target Server vielleicht noch als Komponente der OEM-Version von Microsoft Windows Storage Server bekannt. Im Grunde genommen bietet die auf dem iSCSI-Standard basierende Software Block-Storage für andere Server und Anwendungen im Netzwerk. „Das Bemerkenswert ist, dass iSCSI Target jetzt auch für Windows Server-Kunden erhältlich und nicht mehr nur für OEM-Kunden“, sagt Foskett. „Früher war es für einen normalen Windows-Administrator gar nicht erhältlich. Heute lädt man es einfach herunter und hat dann anschließend im Prinzip ein iSCSI-Array.“ Dies könne die Verbreitung von SMB 3.0 durchaus stützen.

Evans sieht die neuen iSCSI-Funktionen weniger enthusiastisch. „iSCSI Target ist eine nützliche Funktion mit einem immer noch ziemlich eingeschränkten Umfang. Der Funktionsumfang bei anderen Anbietern ist um einiges besser“, so Evans.

Offloaded Data Transfer

„Hyper-V-Nutzer mussten lange auf so etwas wie die vStorage APIs for Array Integration (VAAI) in vSphere warten, und für alle Kunden von Windows Server gibt es das jetzt“, sagt Foskett zum neuen Feature Offloaded Data Transfer (ODX). VAAI ermöglicht ein Offloading von Storage-Aufgaben vom Hypervisor in das Storage-Array.

„Kein anderes Betriebssystem bietet eine solche Funktion. Sie beschleunigt Kopieren und Thin Provisioning, indem sie diese Vorgänge an ein kompatibles Storage-Array auslagert. Im Moment wird diese Funktion wahrscheinlich keine große Beachtung finden. Aber in einem Jahr werden die meisten Array-Anbieter sie unterstützen“, sagt Foskett voraus. „Wenn ein Storage-Nutzer dann eine Datei kopiert, wird die Übertragung wesentlich schneller sein. Grund dafür ist, dass dann das Array die Arbeit übernimmt, statt die Daten  den ganzen Weg durch das Betriebssystem zu schicken.“

Laut Evans sollten sich Storage-Profis aus zwei Gründen bei ihren Anbietern nach ODX erkundigen: „Erstens werden die ODX-Funktionen im Laufe der Zeit sehr an Bedeutung gewinnen. Und zweitens wird es niemals implementiert, wenn die Kunden nicht danach fragen.“

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