Preise für Cloud-Storage fallen – aber Experten warnen vor versteckten Kosten

Die Preise für Cloud-Storage sinken immer weiter, doch die Gesamtkosten richten sich oft nach den benötigten Transaktionen. Microsoft berechnet immer gleich; Amazon und Google abhängig von der Zugriffsart.

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Die Preise für Cloud-Storage scheinen derzeit fast jeden Tag zu sinken – und so ist es auch. Amazon, Google und Microsoft haben sämtlich in der vergangenen Woche ihre Preise für Cloud-Storage reduziert. Dadurch sind sie Kosten für Basis-Storage in der Cloud um durchschnittlich 1 bis 2 US-Cent pro Gigabyte gesunken, was einer Ersparnis bei den Nutzern um bis zu 15 Prozent entspricht. Allerdings sollten Cloud-Nutzer daran denken, dass für Transaktionen bestimmte Zusatzgebühren anfallen können.

MedPlast Inc., ein Hersteller von Medizingeräten, ist vor einem Jahr auf eine Lösung für Cloud-Storage umgestiegen. Damals entschied sich das Unternehmen, Daten mit einer Appliance des Typs StorSimple 5010 zu Amazons Simple Storage Service (S3) zu transferieren. Kurz darauf jedoch bemerkte Dan Streufert, IT-Leiter bei MedPlast, einen plötzlichen Anstieg bei den Amazon-Kosten. „Wir haben drei- bis fünfmal mehr an Transaktionskosten bezahlt als für Storage in S3 selbst“, berichtet er.

Bald fand er auch den Grund für den drastischen Anstieg. In nur einem Monat hatte das StorSimple-Gerät bei MedPlast mehr als 32 Millionen PUT-, COPY, POST- und LIST-Anfragen bei Amazon registriert. GET-Transaktionen kosten Kunden zwar nur einen Cent pro 10.000 Stück, doch PUT, COPY, POST und LIST werden mit 1 Cent pro 1000 abgerechnet, so dass sie zehnmal so teuer sind.  Bei diesen Preisen fielen für MedPlast mehr als 300 Dollar an Gebühren für Transaktionen in nur einem Monat an. Von dem StorSimple-Gerät kamen zusätzlich noch einmal 887.000 GET-Requests, aber die kosteten zusammen nur 89 Cent.

„Wenn die Leute an Storage denken, denken Sie dabei meist nur an den Preis pro Gigabyte“, sagt Streufert. In seinem Haus aber habe sich – auch durch die StorSimple-Verwendung – gezeigt, dass auch die Gebühren für Transaktionen eine wichtige Rolle spielen.

Laut frühen Nutzern von öffentlichem Cloud-Storage wie Streufert lohnt es sich, beim Vergleich von Cloud-Anbietern sorgfältig vorzugehen – die Kosten hängen auch davon ab, welche Anwendungen in die Cloud umziehen sollen. Auch nach der Implementierung ist es zudem sinnvoll, die Preise im Auge zu behalten, denn wie die jüngsten Preissenkungen gezeigt haben, hoffen die Anbieter auf neue Kunden durch geringere Basis-Kosten. Die Kosten für Transaktionen sind ein weiterer Punkt, bei dem viele Anbieter konkurrieren. Genau darauf konzentrieren sich manche IT-Leiter und Storage-Profis bei der Festlegung ihrer Storage-Strategien für die Cloud.

Um die Kosten bei MedPlast in den Griff zu bekommen, ist Streufert inzwischen auf den öffentlichen Cloud-Dienst Microsoft Windows Azure umgestiegen. Hier beträgt der Preis bei allen Transaktionen – egal ob GET, PUT, COPY, LIST oder POST – stets ein Cent.

Anwendungen, Konkurrenten und Verträge evaluieren

Mit der Preissenkung für S3 sinken die Kosten pro Gigabyte bei Standard-Storage in den USA um etwa 2 US-Cent. Für das erste Terabyte fiel der Preis von 14 auf 12 Cent je Gigabyte, für die nächsten 49 von 12,5 auf 11 Cent pro TB und dann von 11 auf 9,5 Cent für jedes weitere Terabyte bis zu insgesamt 500. Die Transaktionskosten blieben unverändert. Laut der unabhängigen Branchen-Analystin Lauren Whitehouse können S3-Nutzer so insgesamt mit einer Ersparnis zwischen 12 und 15 Prozent rechnen.

Auch Konkurrenten von Amazon bei öffentlichen Cloud-Diensten senken ihre Preise. Als Antwort auf den jüngsten Schritt von Amazon hat Google seine Storage-Gebühren um etwa 1 Cent pro Gigabyte verringert, was je nach Umfang auf eine Ersparnis zwischen 7,69 und 15 Prozent hinausläuft. Beim ersten Terabyte berechnet Google jetzt 12 Cent pro Gigabyte, bei den nächsten 9 TB 10,5 Cent und bei weiteren 90 TB 9,5 Cent pro Gigabyte. Ähnlich wie Amazon verlangt Google  für je 1000 PUT- und POST-Requests 1 Cent, GET- und HEAD-Requests kosten nur 1 Cent pro 10.000. Und auch bei Azure von Microsoft wurden die Preise in dieser Woche gesenkt: Jedes Gigabyte kostet dort jetzt pauschal 12,5 Cent nach zuvor 14 Cent.

Rackspace Inc. verfolgt einen anderen Ansatz: Laut der Website bezahlen Kunden hier unabhängig vom Volumen 15 Cent pro Gigabyte. Irgendwelche Request-Transaktionen werden aber nicht gesondert berechnet.

Diese Preisdifferenzen erscheinen minimal. Doch je nachdem, welche Anwendungen ein Unternehmen betreibt, können sie auf der letztlichen Rechnung enorme Unterschiede ausmachen. „Es gibt einen großen Unterschied zwischen einer sehr einfachen auf SQL basierenden Daten-Anwendung und zum Beispiel Instanzen von SharePoint oder Exchange mit mehreren Komponenten auf dem Server“, erklärt Whitehouse. Wer nur einfache Anwendungen habe und bei Transaktionen keine schnellen Reaktionen brauche, könne bei Cloud-Storage bescheidener sein.

Kunden wie MedPlast haben es leicht, von einem Anbieter von Cloud-Storage zu einem anderen zu wechseln, denn langfristige Verträge sind hier kaum üblich. Trotzdem können bestimmte Regelungen zu einer Bindung an einen Anbieter führen: Manche von ihnen bieten im Gegenzug zu längerfristigen Verträgen Preisnachlässe.

So ist es zum Beispiel bei Nirvanix Inc., das vor allem Enterprise-Kunden mit hunderten von Terabyte an Daten betreut. Diese Kunden zahlen zwischen 10 und 20 Cent pro Gigabyte – Zusatzkosten für Bandbreite, Uploads, Downloads oder Transaktionen gibt es nicht. Meistens schließen sie Verträge über drei bis fünf Jahre ab. Mit dem Preismodell sollen Kunden belohnt werden, die sich länger festlegen, erklärt Steve Zivanic, Vice President für Marketing bei Nirvanix.

Preise richten sich nach individuellem Bedarf

Tylor Higley, Leiter Information Services bei der American Federation of Government Employees (AFGE), setzt für Backups von Unternehmensdaten ein TwinStrata CloudAray zusammen mit Amazon S3 ein.

Der Umstieg auf die Cloud erfolgte bei ihm vor 18 Monaten, wobei laut Highley zwei Gründe für S3 sprachen: „Erstens war es ganz grob betrachtet die billigste Möglichkeit. Zweitens aber habe ich gelesen, dass Amazon schon 19-mal seine Preise gesenkt hatte, so dass wir auf Dauer mit weiter sinkenden Kosten rechnen konnten.“ Ähnliche Preissenkungen habe er bei anderen Anbietern nicht gesehen. Laut der Amazon-Website wurden die Preise für Cloud-Abos im März tatsächlich zum 19. Mal reduziert.

Neben den Transaktionskosten können noch andere Faktoren über die Gesamtkosten für Ihr Cloud-Storage bestimmen. Dazu zählen etwa die Größe Ihres Datastores sowie Anforderungen bei Sicherheit und Performance, die sich über Berichte aus bestehenden Systemen ermitteln lassen.

Nachdem Streufert von MedPlast jetzt Gelegenheit hatte, die Cloud testweise einzusetzen, glaubt er, dass seine StorSimple-Appliance vom Preismodell her am besten mit Windows Azure harmoniert. „Bei Azure machen die Transaktionskosten nur einen kleinen Bruchteil der gesamten Storage-Kosten aus“, sagt er, „wir können sie im Prinzip einfach vergessen“.

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