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Fujitsu auf Talfahrt: Standortschließung und massiver Stellenabbau

Bei Fujitsu herrscht Verunsicherung, ob nicht nur der Standort Paderborn, sondern auch weitere Stellen dem Rotstift anheim fallen könnten.

Unruhige Zeiten für Fujitsu: Mitte Oktober gab Fujitsu Technology Solutions bekannt, seinen Standort in Paderborn aufzugeben, wovon 580 Mitarbeiter betroffen sind. Obwohl Fujitsu Alterszeitregelungen und Jobs an anderen Standorten verspricht, sehen die meisten Angestellten weniger positiv in die Zukunft. Die Verhandlungen hierzu werden derzeit mit dem Betriebsrat geführt.

Zudem herrscht Unverständnis über das Schließen eines bislang strategisch wichtigen Forschungsstandorts. Das Unternehmen begründet die Aufgabe mit dem extremen Kostendruck in der IT-Branche, den Währungsschwankungen und einen Preisverfall von Hard- und Softwareprodukten. In Paderborn werden allerdings gar keine Geräte produziert, sondern vor allem Forschung, Entwicklung und Kundendienst betrieben. Diese Aufgaben sollen nun in Japan weitergeführt werden. Falls sich ein Käufer für das Recycling-Center findet, würde dieses erhalten bleiben. Ob und wie schnelle sich aber ein Interessent finden lässt, ist ungewiss.

Darüber hinaus gibt es intern Gerüchte, dass weltweit 15.000 weitere Stellen und in Japan allein weitere 15.000 betroffen sein könnten.

Kommentar der Redaktion: Mehr Einschnitte befürchtet

Dass den alt-etablierten Herstellern der Storage-Industrie der Wind derzeit kalt und heftig um die Nasen weht, ist nicht neu. Deswegen versuchen HP, IBM und auch EMC/DELL mit Neustrukturierungen und massiven Einschnitten wieder auf die Erfolgsspur zu kommen. Auch Fujitsu hatte bereits mit dem Programm Jupiter, dass auch Stellenabbau umfasste, versucht sich aus unruhigem Fahrwasser zu manövrieren. Offensichtlich aber mit nur mäßigem Erfolg, sodass Anfang Mai das Programm Mirai aufgesetzt wurde, dass nun entgegen optimistischer Stimmungsmache zu Kündigungen beziehungsweise Vertragsauflösungen führt.

Etwas zynisch ist es allerdings schon, denn Mirai heißt „positiv in die Zukunft zu blicken“. Die meisten Fujitsu-Mitarbeiter blicken aber eher betrübt und weniger hoffnungsfroh nach vorne. Und das gilt nicht nur für die in Paderborn ansässigen. Gerüchtehalber sollen auch Mitarbeiter der PSO (Product Supply Operations) mit Streichungen rechnen müssen und auch am Standort Augsburg fühlt man sich nicht mehr ganz so sicher.

Zwischenzeitlich war auch die Frage nach der Rolle des Betriebsrats bei der Standortauflösung in den Raum geworfen worden. Angeblich soll dieser schon vor der internen Bekanntmachung davon gewusst haben und aufgrund von Druck seitens der Geschäftsleitung – um andere Stellen in Deutschland zu erhalten – letztlich der Aufgabe Paderborns zugestimmt haben.

Bei allen Spekulationen ist es Fakt, dass die Entscheidung vom Mutterkonzern Japan getroffen wurde und in Deutschland auf Unverständnis trifft. Es scheint, dass das Verständnis für diesen Markt nicht wirklich vorhanden ist. Eine Firma, die sich als Technologieunternehmen versteht, sollte auch so geführt werden und muss eben mit Innovationen vorangehen. Leider hat Fujitsu hier in den letzten Jahren so manchen Trend zu spät aufgenommen und konnte dann mittels Partnern oder OEM-Verträgen nur „Me-Too“-Produkte hinterherwerfen. Auch die eigenen Entwicklungen kamen zeitlich oft erst nachdem die Konkurrenz schon Marktmacht gewonnen hatte.

Ob Fujitsu damit langfristig noch ein vernünftiges Geschäftsmodell für den deutschen Markt anbieten kann, ist fraglich. Viele Kunden werden sicherlich ähnlich verunsichert sein wie die Mitarbeiter. Und so lange Fujitsu beim Umsatz weiter in der Abwärtsspirale bleibt, werden auch weitere Einschnitte folgen.

 

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