10.01.2011 | Autor / Redakteur: Hartmut Wiehr / Nico Litzel

Mit Exadata und Exalogic versucht Oracle, die mit der Sun-Übernahme eingekaufte Server- und Storage-Hardware mit Datenbank und Applikationen zu Gesamtpaketen zu verschnüren. Dieser Strategiewechsel verspricht den Anwendern mehr Performance und Skalierbarkeit. Die Gefahr dabei: Kunden geraten in einen Lock-in von nur noch einem Anbieter.
Eines muss man Oracle und seinem exzentrischen Gründer und Chef Larry Ellison lassen: Trotz aller Unkenrufe expandiert Oracle von Jahr zu Jahr, die Gewinne reichen für eine dicke Kriegskasse. Zum ursprünglichen Softwaregeschäft, gestützt auf eine hoch performante Datenbank und erweitert um zahlreiche Business-Applikationen, sind so auch die Server- und Speicherprodukte von Sun gekommen.
In der Branche hat es wieder die Vorbehalte gegen die Einkaufspolitik von Oracle gegeben, die inzwischen schon Tradition haben: Es handele sich, so die Kritiker, um eine Operation, die einer Totgeburt gleich komme. Oracle habe absolut keine Erfahrung im Server- und Speichergeschäft und werde grandios scheitern.
Merkwürdig nur, dass es diese Vorbehalte bisher schon bei jeder der zahlreichen Übernahmen in den letzten Jahren gegeben hat. Die prognostizierten Resultate sind bisher allerdings nicht eingetroffen – das Unternehmen Oracle erfreut sich bester Gesundheit und hat letztlich alle Einkäufe – insgesamt 66 in den vergangenen fünf Jahren – gut verdaut. 2009 hat der Konzern einen Umsatz von 26,8 Milliarden US-Dollar gemacht.
Anders gesagt: Man sollte Oracle auch eine gewisse Erfahrung bei der Integration neuer Produkte, Entwicklungsmannschaften und sonstiger Mitarbeiter zutrauen. Von Anwenderseite geschieht das, offenbar sind auch die meisten PeopleSoft- oder J.D.-Edwards-Kunden den neuen Herren treu geblieben. Über 41.000 Teilnehmer wurden im September 2010 allein auf der jährlich stattfindenden Anwenderkonferenz Open World registriert – ein Rekord, selbst für US-Verhältnisse.
Unbestritten ist, dass Oracle mit Suns Server- und Speichergeschäft einen Strategiewechsel vollzogen hat, der nicht so ohne Weiteres mit der bisherigen Ausrichtung kompatibel ist. Ähnlich wie einige Konkurrenten in jüngster Zeit hat man sich für einen Paradigmenwechsel entschieden: Statt sich auf einige ausgewählte Produkte zu konzentrieren, gehen Hersteller wie HP, IBM, Cisco, EMC oder Dell den entgegengesetzten Weg des möglichst allumfassenden Anbieters.
So haben sich HP oder Dell jeweils einen mächtigen Service-Arm zugelegt – durch den Kauf von EDS (HP) und Perot Systems (Dell). Beide Unternehmen hatten in den Vorjahren immer vehement bestritten, so etwas nötig zu haben. Man wollte sich – so hieß es offiziell – keineswegs so wie IBM aufstellen. HP hat in den letzten Jahren zahlreiche weitere Einkäufe getätigt, bei Netzwerk-, Storage- oder Smartphone-Produkten (Übernahme von 3Com, Lefthand, 3Par und Palm).
Weiter mit: HPs Ex-Chef Mark Hurd bringt Erfahrung mit
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