Ambuj Goval (GM Storage IBM): „Flash beeinflußt alles“

Flash und SSD ist für Ambuj Goval, IBM General Manager Storage, allgegenwärtig. Im Interview spricht er außerdem über IBMs Data-Center-Strategie.

Dieser Artikel behandelt

SSD

ÄHNLICHE THEMEN

Ambuj Goval ist seit 31 Jahren bei IBM. Er ist seit Januar 2013  General Manager (GM) von IBMs Business-Segment System Storage & Networking. Zu Goyals früheren Rollen innerhalb von IBM gehörten unter anderen die Positionen GM  Global Development and Manufacturing for the Systems and Technology Group, GM von IBM Information Management Software, Vice President von Services of Software und Direktor von Computer Sciences. Da er nun gut ein Jahr im Amt für die Storage-Abteilung von IBM ist, haben wir mit ihm über IBMs Flash Storage gesprochen. Wir wollten wissen, wie er die Zukunft im Storage-Bereich sieht und was sich ändern wird.

Was waren beim Antritt als General Manager (GM) Anfang des Jahres Ihre Hauptziele, um das Storage-Geschäft bei IBM zu verbessern?

Ambuj Guyal: Es gab einige Aspekte, die ich ändern wollte. Wir hatten jede Menge Produkte. Wir mussten eine Schlacht über Geschwindigkeit, Versorgung und Kapazitäten führen. Was ich klar machen wollte: ‚Das ist keine Storage-Schlacht, das ist eine Daten-Schlacht.‘ Kunden kümmern sich in erster Linie um ihr Datenmanagement. Verschiedene Arbeitsabläufe fordern unterschiedliche Ansprüche beim Datenmanagement. Unterhalten sich Menschen über Dateien, fordern sie als erstes: ‚Verliere meine Daten nicht!‘ An zweiter Stelle steht, dass die Daten für die entsprechenden Workloads zur Verfügung stehen sollen. Die dritte Anforderungen ist: ‚Wenn ich Kapazitäten oder Performance brauche, möchte ich diese auch haben!‘ Deswegen haben wir unseren Fokus auf Datenmanagement gelegt und unser Produkt-Portfolio rationalisiert.

Bedeutet das, Sie müssen sich von Produkten verabschieden?

Goyal: Wenn wir über Geschwindigkeit, Versorgung und Kapazität sprechen, scheint sich das alles zu überlappen.

Ich möchte Ihnen drei Szenarien für das Datenmanagements nennen. Zum ersten gibt es geschäftskritische Daten, ohne die ich nicht überleben kann. Ich kann meine Konten nicht laden, ich kann die Gewinne nicht auswerten und so weiter. Ich muss sicherstellen, dass diese Daten sicher und verfügbar sind. Zum zweiten habe ich jede Menge Daten. Diese Daten muss ich verstehen, einschätzen und zu meinem Vorteil einsetzen können. Oder anders gesagt: Sagen Sie mir, was ich behalten soll und was nicht. Welche Daten kann ich in kosteneffiziente Szenarios legen und an welcher Stelle brauche ich Echtzeit-Analyse? Zum dritten könnte ich ein Daten-Wirrwarr und viele Produkte haben. Nun möchte ich aber ein neues Projekt starten und die existierenden Daten dafür schnell zu meinem Vorteil ausnutzen.

Szenario Eins mit geschäftskritischen Daten wird zu einem Multi-Copy-Datenmanagement führen. Es geht darum, wie Sie auf eine erzeugte Kopie der Daten zugreifen und wie schnell Sie eine Kopie erstellen können. In der Vergangenheit haben wir das als Batch Processing bezeichnet. Nun wird es die Erstellung einer analytischen Kopie genannt, mit der zugehörige Analysen anstellen lassen. Unsere DS8000-Familie ist für das Kopier-Management geschäftskritischer Daten geeignet.

Beim zweiten Szenarios haben wir die derzeit weltweit populärste Virtualisierungs-Plattform im Angebot. Ursprünglich war das SVC (SAN Volume Controller), den wir im Laufe der letzten drei oder vier Jahre verbessert haben. Eine unterbrechungsfreie Integration ins Data Center ist damit möglich. Setzen Sie die Technologie ein, können Sie innerhalb kurzer Zeit Anwendungen zum Laufen bringen. Wir haben die Nutzung durch Daten-Reduzierung massiv verbessert. Diese Produkt-Linie nennt sich nun Storwize.

Im dritten Szenario sprechen wir von Cloud Computing und Big Data. Hier fordern die Anwender hohe Kapazitäten und eine Grid-Scale-Architektur. Ich will sicher gehen, eine gewisse Anzahl an Applikationen am Laufen zu haben. Allerdings sollten sich diese automatisch einstellen und selbst vorhalten, dass sich keine Menschen darum kümmern müssen. Aber auch Aspekte wie Verschlüsselung für unternehmenskritische Daten müssen gewährleistet sein. Das erledigt die XIV-Familie. Sie wird meist in Szenarien mit OpenStack, Big Data, Cloud Computing und Analytics eingesetzt.

Unsere Strategie hat sich verändert. Wir fangen beim Workload an und wollen zunächst verstehen, was die Anforderungen dieser speziellen Daten sind. Danach arbeiten wir eine annehmbare Lösung aus und gehen nicht rein auf Geschwindigkeit und Versorgung. Viele unserer Kunden sagen nicht mehr ‚Ich will den bestmöglichen Preis pro Gigabyte‘, sondern ‚Ich möchte die richtige Datenarchitektur erwerben.‘

Unser Sales-Team wurde in dieser Hinsicht geschult. Deswegen haben wir nun eine starke Position und legen Marktanteile zu.

Marktanteile zulegen? Ich habe keine Zahlen gesehen, die das belegen.

Goyal: Ich haben keine Ahnung von IDC oder [Gartner] Dataquest, die veröffentlichen ihre Zahlen. Aber ich sehe mir die Sache aus dem Blickwinkel konkurrenzfähiger Änderungen an. Wir fassen nun bei vielen Kunden Fuß, deren Antwort in der Regel war: ‚Wir verwenden einheitlich dieses und jenes. Zeigen Sie uns erst einmal, was Sie zu bieten haben. Danach überlegen wir uns eventuell, der Konkurrenz die kalte Schulter zu zeigen.‘

In diesem Zusammenhang schreiten wir voran. Ich möchte Ihnen ein Beispiel nennen. Wir haben gerade eBay als Partner gewonnen. Das Unternehmen verwendet unsere Lösungen für seine enormen Mengen von Grid-Scale-Daten. Dafür nutzen sie XIV.

Storage ist mehr als zehn Gigabit Ethernet versus Fibre Channel versus sechs Terabyte DASD (Direct Access Storage Device) oder eMLC (Enterprise Multi-Level Cell) oder SLC-Flash (Single-Level Cell). Storage ist die Kunst des Datenmanagements.

Wie fügt sich Flash hier ein?

Goyal: Flash beeinflußt alles, ist aber kein reines Produkt für uns. Natürlich können wir es verkaufen. Aber wir nutzen Flash in Storwize und SVC. All-Flash-Technologie setzen wir in diversen Szenarien mit Multi-Copy-Datenmanagement innerhalb der DS8000 ein. Außerdem nutzen wir Flash zu unserem Vorteil in XIV für Big Data und Cloud-Umgebungen.

Wir setzen auf Flash, um das schnellste Return of Investment (ROI) ohne betriebsbedingte Änderungen im Data Center zu ermöglichen. Wir haben gerade eine DS8000-Produkt-Linie angekündigt, die aus All-Flash besteht. Hier verzeichnen wir signifikante Verbesserungen bei der Performance. Außerdem haben Kunden massive Vorteile, wenn es um schnelle und extrem konsistente Antwort-Zeiten geht. Eine All-Flash-DS8000 ist aus Sicht der Software gut. Der Mainframe benutzt DS8000 und es sind keine Software-Änderungen notwendig. Sie bekommen sowohl unglaublich schnelle als auch konsistente Antworten, reduzieren den benutzten Platz und müssen keine einzige Zeile an Softwarecode ändern. Wenn Sie ein neues Produkt mit unterschiedlichen APIs (Application Programming Interface) und Management-Umgebungen einsetzen, stören Sie damit den Ablauf im Data Center und der ROI wird lange dauern.

Wie sieht es mit der FlashSystem All-Flash-Plattform aus, die von Texas Memory Systems akquiriert wurde?

Goyal: Das geht in die Richtung, in der Kunden sagen: ‚Wir machen bereits Dinge wie Daten-Backup und Replikation. Außerdem schützen wir uns vor Datenverlust mit unserer Software. Ich will aber unglaublich schnellen Zugriff auf meine Daten.‘ Bei solchen Umständen verzeichnen wir massives Interesse bezüglich All-Flash. Mehr als 1000 Unternehmen haben FlashSystems in sechs Monaten gekauft. Wir haben bereits 100 Petabyte an Flash-Speicher überschritten.

Was sind die Herausforderungen, die Ihre Kunden beim Backup sehen?

Goyal: Wenn es ums Backup geht, will jeder billig und viel. Daten, auf die man Zugriff braucht, sollen schnell zur Verfügung stehen. Allerdings werden hier keine speziellen Ansprüche im Bezug auf eingesetzte Datenträger gestellt. Die Kunden sagen ‚Verkaufen Sie mir keine Lösung mit Datenbändern, verkaufen Sie mir kein Flash und verkaufen Sie mir keinen separaten Controller. Ich habe ein Problem mit dem Datenmanagement. Ich will mehrere Petabyte Daten speicher und nenne ihnen meinen Wiederherstellungs-Punkt und in welcher Zeit ich es benötige. Anhand dieser Informationen entscheiden Sie dann den Medien-Typ und nennen mir die entsprechenden Kosten.‘

Es gibt Umstände in denen wir normalerweise eine ‚virtuelle Datenband-Bibliothek‘ als Backup-Lösung vorgeschlagen hätten, wenn es sich um Festplatten oder Datenbänder oder irgendeine andere Backup-Lösung handelt. Nun können wir einen Verfahren anbieten, das wir Long-Term-File-System nennen. Wir können hier jegliche Kombination aus Bändern, Flash und Festplatten verwenden. Sie geben uns die Kapazität vor und wir nennen den Preis pro Gigabyte sowie die beste Performance bezogen auf den Wiederherstellungs-Punkt und die benötigte Zeit.

Handelt es sich um ein Archiv, dass Sie womöglich für ein Audit oder ein Rechtsverfahren benötigen, funktioniert eine Kombination aus Flash und Bändern recht gut. Handelt es sich um Umgebungen mit Media-Datenmanagement, in denen Anwender Videos abspielen müssen, funktioniert eine Mischung aus Festplatten und Bändern gut.

Wir wollen kein separates Medien-Business bei Datenbändern, Flash oder Festplatten. Ich sehe mir das Problem an, das gelöst werden soll. Danach entscheide ich mich für die entsprechende Software und den Datenträger-Typen.

Was ist Ihre Strategie bei Cloud-Storage?

Goyal: Die Cloud lässt sich von zwei Seiten betrachten. Zum einen können Sie der Hersteller sein, der die Cloud-Provider mit entsprechenden Mitteln versorgt. Hier könnte es sich um MSP (Managed Service Provider) handeln. Weiterhin erschaffen viele Menschen private Cloud-Umgebungen, die auf unserer XIV mit einer Cloud-Option basieren. Der zweite Weg wäre unser SoftLayer-Angebot.

Sehen Sie noch andere Trends auf dem Speichermarkt?

Goyal: Was immer wir auch tun, ist offen. Selbst wenn wir mit Bändern arbeiten, kann das eingesetzte Linear Tape File System (LTFS) mit den Bibliotheken anderer zusammenspielen. Wir respektieren OpenStack, Cinder oder Swift. Proprietäre APIs kommen nicht in Frage. Viele Kunden sagen: ‚Wir sind durch proprietäre APIs gefesselt und unsere Applikation ist an die API des jeweiligen Herstellers gebunden.‘ Wir wollen eine Situation haben, in der wir offene Standards bekommen und in erster Linie mit Ergebnissen überzeugen.

Unsere Strategie ist also offen ausgelegt und wir wollen Anwender nicht in goldene Käfige sperren. Selbst bei Storwize und SVC können Sie Nicht-IBM-Storage einsetzen. Viele der Flash-Hersteller und traditionellen Konkurrenten nutzen ihren Speicher hinter unserer Storage-Virtualisierungs-Engine. Ich kann Applikationen und den zugehörige Speicher ändern, weil es Open Source ist. Ich versuche alles Offene zu unterstützen. Ich habe bereits erwähnt, dass Flash in unseren Produkten allgegenwärtig ist. Das gilt auch für Offenheit. eBay hätte niemals unser XIV-Produkt gekauft, wenn es keine Unterstützung für OpenStack hätte.

Artikel wurde zuletzt im Dezember 2013 aktualisiert

Pro+

Premium-Inhalte

Weitere Pro+ Premium-Inhalte und andere Mitglieder-Angebote, finden Sie hier.

Erfahren Sie mehr über Solid-State-Speicher

Diskussion starten

Schicken Sie mir eine Nachricht bei Kommentaren anderer Mitglieder.

Mit dem Absenden dieser Daten erklären Sie sich bereit, E-Mails von TechTarget und seinen Partnern zu erhalten. Wenn Ihr Wohnsitz außerhalb der Vereinigten Staaten ist, geben Sie uns hiermit Ihre Erlaubnis, Ihre persönlichen Daten zu übertragen und in den Vereinigten Staaten zu verarbeiten. Datenschutz

Bitte erstellen Sie einen Usernamen, um einen Kommentar abzugeben.

- GOOGLE-ANZEIGEN

SearchSecurity.de

SearchNetworking.de

SearchEnterpriseSoftware.de

SearchDataCenter.de

Close