Mopic - Fotolia

Daten im Cloud-Kühlschrank: Amazon Glacier gegen Microsoft Cool Blob

Langzeitarchivierung von kalten Daten ist auch in der Cloud möglich. Wir vergleichen Amazon Glacier mit dem neuen Microsoft Angebot Cool Blob.

Dieser Artikel behandelt

Public Cloud

ÄHNLICHE THEMEN

Im laufenden Jahrzehnt werden sich die Storage-Volumen wohl um den Faktor 50 erhöhen. Die Marktforscher von IDC gehen davon aus, dass 2020 das gesamte Storage-Volumen mehr als 40 Zettabytes betragen wird. Das bedeutet, dass jeder der 7,5 Milliarden Menschen in jeder Sekunde 1,7 MB an Daten produzieren wird. Diese Datenexplosion in Verbindung mit steigendem Kostendruck sorgt dafür, dass Unternehmen ihre IT-Infrastruktur einer kritischen Prüfung unterziehen und in vielen Fällen ihre Architektur überarbeiten. Dabei hilft es, wenn man Daten in verschiedene Stufen (Storage Tiers) einteilt, je nach Zugriffshäufigkeit. Kalte Cloud-Storage für die Landzeitarchivierung selten genutzter Daten wird zu einem wichtigen Bestandteil in dieser neuen Tier-Welt.

Cloud-basierte Objekt-Storage ist eine kostengünstige, robuste und skalierbare Alternative gegenüber traditioneller File- und Block-Storage, die für einige Einsatzszenarien gut geeignet ist. Besonders hervorzuheben sind hier Szenarien für Backup und Disaster Revovery, die nicht lese- und schreibintensiv sind, weil die Technologie Daten als Objekte behandelt und nicht als einen Block mit festgefügter Größe. Zusätzlich zu den eigentlichen Daten enthält jedes Objekt Metadaten, die Inhalte beschreiben und die Identifizierung erleichtern.

Die Nachfrage nach Objekt-Storage steigt steil an. Die Provider haben sich darauf eingestellt und bieten Optionen für Cold Storage, die die Skalierbarbeit von Objekt-Storage nutzen und Archivierungsmöglichkeiten für selten genutzte Daten bieten. Die Kosten liegen unter denen von traditioneller Objekt-Storage. Der Nachteil liegt in langen Wiederherstellungszeiten. Aber für Unternehmen und Behörden, die wegen gesetzlicher Auflagen bestimmte Daten lange aufbewahren müssen, ist es dennoch eine interessante Möglichkeit.

Die Eiszeit im Gletscher

Amazon Web Services bietet bereits seit 2012 für Cold Storage seine Option Amazon Glacier an. Jetzt tritt auch Microsoft in den Ring mit dem Wettbewerbsangebot Azure Cool Blob. Wo liegen nun die Unterschiede und die jeweiligen Vorteile beider Alternativen?

Beginnen wir mit dem etablierten Angebot. Amazon Glacier kostet in der Region EU (Frankfurt) 0,012 Dollar pro GB/Monat. Laut Firmenangaben handelt es sich um einen sicheren und haltbaren Cloud-Storage-Service, der besonders für Archivierung und Langzeit-Backup geeignet ist. Glacier ist ausgelegt auf Anwendungs-Workloads mit nur sporadischen Zugriffen, für die Unternehmen mit Retrieval-Fenstern von mehreren Stunden rechnen müssen. Um gesetzlichen Vorschriften besser zu entsprechen, können Kunden Kontrollmechanismen für einzelne Glacier Vaults mit automatisierten Kontrollen und Policies aufsetzen, wie etwa zeitbasierte Datenvorhaltung oder einem Schutz vor Datenlöschung.

Seit April 2016 bietet Microsoft Azure Cool Blob Storage an. Dies ergänzt das bestehende Azure Angebot für „heiße Daten“, den Blob Object Storage Service. In Westeuropa liegt der Grundpreis für Azure Cool Blob Storage bei 0,0084 Euro pro GB/Monat und ist damit wesentlich günstiger als Amazon Glacier. In beiden Fällen müssen Datenwiederherstellung, Zugang und Übertragung separat bezahlt werden. Das Retrieval läuft bei Microsoft in Echtzeit und ist damit wesentlich schneller als bei Amazon Glacier.

Glacier ist zwar das Flaggschiff von Amazon für Cold Storage, es gibt aber mit dem Simple Storage Service (S3) Standard-Infrequent Access (Standard-IA) ein weiteres Angebot, das ebenfalls mit Azure  Cool Blob Storage verglichen werden kann. Der Storage Service (S3) Standard-Infrequent Access (Standard-IA) wurde 2015 eingeführt und kostet in der Region EU (Frankfurt) 0,0324 Dollar pro GB/Monat. Es ist für Daten mit seltenem Zugriff ausgelegt, bietet aber schnellere Retrieval-Zeiten als Glacier. Nach einer gewissen Zeit können Daten in S3 von einem Storage Tier in ein anderes verschoben werden, je nach Zugangsbedarf. Bei Amazon ist die minimale Objektgröße auf 128 KB festgelegt und dies ist der Mindestpreis für Kunden.

Beide Cloud-Anbieter offerieren vergleichbare Verfügbarkeitsgarantien und ähnliche, aber nicht identische Sicherheitskontrolle für ihre Cold Storage Produkte. Amazon bietet Verschlüsselung auf der Server-Seite, bei Microsoft dagegen ist dies noch in der Planung.

Fazit: Microsoft gewinnt die Winter-Olympiade

Die Skalierung und der Funktionsumfang sind bei beiden Herstellern vergleichbar. Die Wahl zwischen beiden ist daher in erster Linie eine Frage der Kosten. Dabei hat Microsoft auf unserem Kontinent klare Vorteile gegen Amazon, weil Glacier in der EU fast das Doppelte kostet wie in den USA. Letztlich hängt es aber von den Einsatzszenarien ab, weil man zahlreiche Faktoren berücksichtigen muss.      

Folgen Sie SearchStorage.de auch auf Twitter, Google+, Xing und Facebook!

Nächste Schritte

Archivierung in der Cloud mit Storage bei Amazon Glacier.

Langsam aber günstig: Amazon Glacier als interessante Lösung für Archivierung.

Big Data Tools in Microsoft Azure sollen Unternehmen in die Public Cloud locken.

Microsofts Lizenzmobilität und die neuen Möglichkeit bei der Azure-Lizenzierung.

Artikel wurde zuletzt im November 2016 aktualisiert

Pro+

Premium-Inhalte

Weitere Pro+ Premium-Inhalte und andere Mitglieder-Angebote, finden Sie hier.

Erfahren Sie mehr über Public Cloud

Diskussion starten

Schicken Sie mir eine Nachricht bei Kommentaren anderer Mitglieder.

Mit dem Absenden dieser Daten erklären Sie sich bereit, E-Mails von TechTarget und seinen Partnern zu erhalten. Wenn Ihr Wohnsitz außerhalb der Vereinigten Staaten ist, geben Sie uns hiermit Ihre Erlaubnis, Ihre persönlichen Daten zu übertragen und in den Vereinigten Staaten zu verarbeiten. Datenschutz

Bitte erstellen Sie einen Usernamen, um einen Kommentar abzugeben.

- GOOGLE-ANZEIGEN

SearchSecurity.de

SearchNetworking.de

SearchEnterpriseSoftware.de

SearchDataCenter.de

Close