Der harte Kampf um Open-Source-Storage-Software

Open-Source-Storage-Software wie OpenStack bietet für Unternehmen viele Vorteile. Doch ob sie sich durchsetzen kann, ist umstritten.

OpenStack und Hadoop treiben den Einsatz von Open-Source-Storage vor allem bei Cloud-Providern und großen Web-Unternehmen voran. Aber andere Unternehmen lässt das ziemlich kalt. Aktuelle Projekte wie OpenStack und Hadoop sorgen für steigendes Interesse an Open-Source-Storage-Software. Doch bei großen IT-Abteilungen, die mit Storage Area Networks (SAN) und Network Attached Storage (NAS) vertraut sind, gibt es noch einiges aufzuholen.

Die Zahlen scheinen eindeutig: Statistiken deuten einen Aufwärtstrend bei der Nutzung von Open-Source-Storage-Software an. Der Trend zeigt sich in diesem frühen Stadium vor allem bei Cloud-Service-Anbietern, großen Web-Unternehmen, Universitäten und Regierungsbehörden. 

Laut Analysten und Händlern versuchen diese Organisationen damit, ihre Skalierbarkeit für große Daten-Workloads zu steigern. Sie profitieren von geringeren Kosten im Vergleich zu herkömmlichem Speicher.

Die Leute fangen erst an, Open-Source-Storage-Software näher zu betrachten.

Marco Coulter, Vice President und Research Director Storage, TheInfoPro

Matthew Kullberg, technischer Projekt- und Service-Manager beim Supercomputer Center (SDSC) in San Diego, nutzt das unter dem Codenamen „Swift" bekannnte OpenStack. OpenStack ist Open-Source-Object-Storage, der unter der Apache-2.0-Lizenz steht und auf standardisierter Hardware läuft. Objekte und Dateien werden dabei auf mehrere Festplatten geschrieben. Die Swift-Software stellt sicher, dass die Daten über einen Server-Cluster verteilt replizierbar sind.

Kullberg sagte, dass OpenStack Swift dem Supercomputer-Center die notwendige Flexibilität gebe. Die Software ermöglicht es dem SDSC, älteren, bestehenden Speicher sowie kostengünstige Standard-Hardware zu verwenden, um Partnern ohne Leistungseinbußen Cloud-Storage-Dienste bereitzustellen.

Kullberg ist sich aber auch der Kompromisse bewusst, die man dabei eingehen muss, und die viele IT-Organisationen von der Verwendung von Open-Source-Storage-Software abhalten. Er wies auf die zusätzliche Arbeit hin, die erforderlich ist, um neue Funktionalitäten in Swift einzuführen und zu implementieren. Zudem musste er feststellen, dass der Software einige ausgefeilte Funktionen fehlen, die kommerzielle Enterprise-Storage-Produkte integrieren.

„Open Source kommt oft mit weniger Support-Optionen daher“, erklärt Kemper Porter, Infrastruktur Service Manager beim Mississippi Department of Information Technology Services. Er sagte, das Department nutze Open-Source-Storage-Software nicht. Damit eine Einführung in Frage käme, bräuchte er ein überzeugendes Argument.

Dean Flanders, IT-Leiter beim Baseler Friedrich-Miescher-Institut für biomedizinische Forschung, erläutert, dass seine Organisation keine Open-Source-Software für die Datenspeicherung verwendet, weil „die Performance-Zahlen nicht so toll sind, und man eine Menge Geld ausgeben müsste, um Open-Source-Systeme zum Laufen zu bringen und zu warten.“ Er sagte, er würde zwar Open-Source-Dateisysteme wie ZFS oder SAM-FS in Erwägung ziehen, allerdings nur die kommerziell unterstützten Varianten.

Die Marktforscher von TheInfoPro, einer Abteilung der New Yorker 451 Research Group, führten für ihre alle neun Monate erscheinenden Marktforschungsberichte Tiefeninterviews mit 180 bis 200 IT-Profis mittelständischer und großer Unternehmen durch. Laut Marco Coulter, Vice President und Research Director Storage bei TheInfoPro, wird in diesen Interviews Open-Source-Storage-Software bislang nur selten erwähnt und nur begrenzt in Betracht gezogen.

„Die Leute fangen erst an, Open-Source-Storage-Software näher zu betrachten – in einigen Fällen etwa für den Ausbau ihrer Network Attached Storages (NAS)", sagte er. „Aber Open-Source -Storage-Software steht noch ganz am Anfang."

Ashish Nadkarni, Forschungsleiter im Storage System Team bei der International Data Corporation in Framingham, Massachusetts, unterteilt Open-Source-Software für Storage in die folgenden vier Kategorien:

  1. Traditionelle, kommerzielle Storage-Produkte ohne Open-Source-Software. Beispiele dafür sind EMC VNX und VMAX.
  2. Kommerzielle, in den letzten 10 bis 15 Jahren entwickelte Produkte, die Open-Source-Software als zugrunde liegende Technologie benutzen. Doch der überwiegende Teil des geistigen Eigentums (Intellectual Property - IP) stammt dabei vom Hersteller. Beispiele für diese Anbieter sind EMC (Isilon), Nexenta, Nexsan, Nutanix und Scale-Computing.
  3. Kommerziell unterstützte Varianten von Open-Source-Software. Eine Auswahl von Anbietern und ihrer unterstützten Open-Source-Projekte sind beispielsweise: Cloudera und Hortonworks (Hadoop), InkTank (Ceph), Red Hat (GlusterFS, OpenStack) und SwiftStack (OpenStack Swift).
  4. Open-Source-Software, die ein Endbenutzer von der Website herunterlädt, installiert und selbst verwaltet und wartet. Beispiele sind Ceph, Hadoop Distributed File System, OpenStack Object Storage/Swift und OpenStack Block Storage. Letzteres ist auch unter dem Codenamen Cinder bekannt.

Für Nadkarni ist die zweite Kategorie der am schnellsten wachsende Bereich, in dem Start-ups sehr aktiv sind: Sie haben Open-Source- Software mit ihrer eigenen „Intellectual Property“ ergänzt und Pakete geschnürt, die sie als kommerzielles Produkt verkaufen. 

„Die Anbieter beginnen mit einer Open-Source-Plattform, aber haben so viel eigenes Know how darauf geschichtet, dass die zugrunde liegende Open-Source-Plattform nicht mehr sichtbar ist", sagte Nadkarni.

Nadkarni erklärt weiter, die vierte Open-Source-Kategorie wächst vor allem bei Public Clouds am schnellsten, aber sie hat für die allgemeine IT-Nutzung die geringste Bedeutung. „Zumindest in den Unternehmen wird sich niemand bei klarem Verstand ein Stück Software aus dem Internet herunterladen und es für die Speicherung von Unternehmensdaten einsetzen“, sagte er.

Nexenta Systems behauptet, etwa 5.000 Kunden für seine NexentaStor zu haben, die seit 2008 verfügbar ist und den Betrieb von NAS- und SAN-Systemen ermöglicht. Die ZFS-basierte Software verwendet das Open-Source-Betriebssystem Illumos, ein Teil von Opensolaris. 

Der Kundenstamm von NexentaStor umfasst laut CEO Tarkan Maner neben 1.500 Service-Providern auch Organisationen aus den Bereichen Bildung, Gesundheitswesen, „regulierte Branchen“, Telekommunikation und Finanzen.

„Der Reiz der Open-Source-Storage-Software ist nicht zu leugnen. Aber – und der Einwand ist nicht zu unterschätzen – die meisten Nutzer wollen eine integrierte Lösung mit Support,“ meint Robin Harris, Storage-Analyst bei StorageMojo.„Die Wenigen, die nach dem Motto handeln „Mach dein eigenes Ding“- Amazon, Google, Azure, Facebook und dergleichen – sind überschaubar, obwohl sie große Fußstapfen hinterlassen. Partner-Programme wie Nexenta mit Dell oder Super Micro sind gut, aber letztlich präferieren die meisten Enterprise-Kunden immer noch einen einzigen Anbieter, der die volle Verantwortung übernimmt.“

Nadkarni von der International Data Corporation sagt, die kommerziell unterstützte Open-Source-Storage-Software – die dritte der oben genannten Kategorien – ist relativ neu und repräsentiert nur einen kleinen Prozentsatz des gesamten Speichermarkts. Aber hier gab es beträchtliche Aktivitäten bei Verkäufern und Herstellern, insbesondere was OpenStack und Hadoop betrifft.

Beispielsweise hat die OpenStack Foundation, die die Entwicklung sowie Verteilung von OpenStack koordiniert, seit dem ersten „Austin“ Release im Juli 2010 große Fortschritte festgestellt. So ist der Codeumfang von anfänglich 30.000 Zeilen Code auf heute mehr als 1,7 Millionen Zeilen gewachsen und die Zahl der Mitglieder von 20 auf mehr als 1.600.

Die Website von OpenStack listet über 70 Benutzergruppen auf der ganzen Welt auf. Dieser Aufschwung wird auch in einer Befragung von Cloud-Betreibern und Endanwendern durch die OpenStack User Committee Foundation 2013 bestätigt. Danach konnten –  basierend auf 822 Antworten – 387 OpenStack Cloud-Implementierungen in 56 Ländern festgestellt werden. Storage und Backup nahmen dabei Rang sechs unter den Top-Workloads ein.

Die Umfrage ergab auch, dass 173 Befragte OpenStack Object Storage Funktionen nutzen. Acht Anwendungen verwalteten dabei mehr als 1 Million gespeicherte Objekte, darunter war sogar eine mit mehr als 500 Millionen. Immerhin 22 Implementierungen nutzten mehr als 100 TByte an Block-Storage.

Eine ganze Reihe von großen IT-Playern unterstützt inzwischen auch OpenStack Swift. Die Liste dieser Anbieter umfasst Hewlett-Packard (HP), Rackspace, Red Hat, SUSE und SwiftStack. Plug-Ins für OpenStack Block-Storage sind von großen Anbietern wie EMC, HP, IBM, Microsoft und NetApp erhältlich.

Die Einführung von Open-Source-Storage ist immer noch ein harter Kampf

Eine Mitte 2013 von 451 Research durchgeführte Umfrage unter 50 Red Hat Enterprise-IT-Kunden ergab, dass Red Hats Gluster-Technologie schon Kunden gewonnen hat. Coulter von TheInfoPro sagte, dass allerdings nur vier der 50 befragten Red Hat Kunden die Software verwendeten. 

Unter den IT-Profis, die den aktuellen Einsatz von Red Hat Gluster ablehnten, hatten es 32 Prozent evaluiert. Nur einer von ihnen wollte es wahrscheinlich benutzen. In der Umfrage wurden Red-Hat-Kunden, die die Technologie nicht bewertet haben, wenn sie diese wahrscheinlich benutzen, nicht befragt.

Im Oktober 2011 kaufte Red Hat Gluster auf, die eine Version des Open Source GlusterFS Scale-Out-Filesystems verkaufte und unterstützte. Red Hat benannte später dieses Gluster-basierte Produkt in Red Hat Storage Server um. Die herstellerunabhängige Studie von 451 Research fragte Red Hat-Kunden, ob sie Red Hat Gluster Technologie verwenden würden.

Red-Hat-Sprecherin Karin Bakis sagte, das Unternehmen würde die nicht veröffentlichte Studie nicht kommentieren. Sie erklärte, das Unternehmen gebe keine Auskunft über Storage-Daten und könne keine Verkaufsstatistiken liefern. Red-Hat-Kunden, die öffentlich über die Nutzung der Red Hat Storage-Software gesprochen haben, sind Amadeus Data Processing, Brightcove, Cornell University, Intuit und Saskatchewan Telekommunikation.

InkTank behauptet, seine Ceph-Enterprise-Kundenbasis sei von etwa 20 Kunden am Ende des Jahres 2012 auf aktuell rund 80 Kunden gewachsen. Zu den Kunden gehören Bloomberg, Deutsche Telekom und die Universität von Alabama. Laut Neil Levine, InkTank‘s Vice President und Produktmanager, verwenden viele von ihnen Ceph mit OpenStack.

Der Reiz der Open-Source-Storage-Software ist nicht zu leugnen. Aber die meisten Nutzer wollen eine integrierte Lösung mit Support.

Robin Harris, Storage-Analyst, StorageMojo

Mario Blandini, Vicepresident Marketing bei SwiftStack, erläutert, dass sein Unternehmen sechs Monate nach Beginn der Produktauslieferungen „ein paar Dutzend“ Kunden gewonnen habe. Er erklärte, die eine Hälfte davon nutze es für Pilot-, die andere für Produktiveinsätze, wobei einige von den Unternehmen mehr als 100 TByte Daten speichern. 

Aber selbst wenn SwiftStack Kunden wie Disney Interactive die Software in der Produktion einsetzen, stellt der Open-Source-basierte Object Storage laut Blandini nur einen kleinen Prozentsatz des Gesamtspeichers der Firma dar.

„Nutzer nehmen Open-Source-Speicher zwar immer mehr an, aber die gleichen Nutzer verwenden in der gleichen Umgebung auch weiterhin den traditionellen, herstellerspezifischen Storage,“ schrieb Blandini.

John Webster, Senior Partner bei der Evaluator Group in Boulder, prognostiziert unterschiedliche Storage-Modelle für Hadoop. Er sagte, Hadoop werde oft im Zusammenhang mit Datenanalyse genutzt, aber er sehe Hadoop eher als Storage-Plattform mit Analytics-Potential, das Benutzer dann programmieren könnten.

„Ich glaube, das Konzept des programmierbaren Speichers wird sich weiterentwickeln und durchsetzen“, meint Webster. „Die Entwicklung geht in Richtung Datenspeicher, der Datendienste und Intelligenz enthält. Diese legen dann fest, welcher Storage angemessen ist, wenn Daten abgelegt oder wenn Daten abgerufen werden.“

Jie Zhang, Forschungsleiter bei Gartner, erwartet, dass Open-Source -Storage-Software immer mehr angenommen wird. Aber er sagte auch, Tempo und Muster der Akzeptanz werden ungleichmäßig sein und von der Größe der Organisation abhängen, ihren internen IT-Fähigkeiten und der Bereitschaft, neue Technologien anzunehmen.

„Open-Source-Storage-Software ist noch in einem sehr frühen Stadium“, betont Zhang. „Die meisten Anwender-Unternehmen können es noch nicht im großen Maßstab oder für geschäftskritische Workloads nutzen. Aber es gibt erfolgreiche Fälle, die sowohl als Inspiration als auch als Proof of Concept dienen.“

Obwohl Open-Source-Storage-Software ihre Heimat bei den Early Adopters der Spitzenklasse gefunden hat, glaubt Coulter von TheInfoPro, dass die Frage weiterhin offen ist, ob sie bei mittleren und großen Organisationen auf Resonanz stößt.

„Denken Sie daran, wie es im Betriebssystem-Markt zuging: Zuerst schlich sich Linux in die Hochschulen ein und irgendwann in die Unternehmen. Dann kamen Anbieter hinzu, lieferten Support und schnürten leicht handhabbare Linux-Pakete“, sagte er. „Ein analoges Muster haben wir bislang im Storage-Bereich nicht gesehen. Ich glaube deshalb nicht, dass Open-Source -Storage-Software für Unternehmen das Richtige ist.“

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Artikel wurde zuletzt im Oktober 2014 aktualisiert

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