Die Storage-Architektur muss mit Flash und Cloud neu erfunden werden

Performance und Latency sind neben den Kosten und dem Management die Faktoren, die über die Anschaffung von All-Flash-Arrays entscheiden.

Andrew Walls, IBM Fellow, CTO und Chief Architect Flash Systems, sieht größere Änderungen bei der Storage-Architektur für Unternehmen voraus, wobei Flash, Cloud und Software-defined Storage (SDS) eine Schlüsselrolle spielen werden.

Walls ist bei IBM verantwortlich für die Ausarbeitung einer Strategie für das gesamte Speicherportfolio. In diesem Zusammenhang soll auch die Architektur der nächsten Generation von Flash-Arrays und von Memory-Speicher für verschiedene Storage-Klassen festgelegt werden. 

Dieses Jahr erweiterte sich der Titel von Walls von Distinguished Engineer, CTO und Chief Architect of IBM’s Flash Systems um „IBM Fellow“: Damit ist Walls nun einer von lediglich 257 Mitarbeitern, die es bisher zu dieser privilegierten Position geschafft haben und sich ausschließlich neuen Forschungsprojekten widmen dürfen. Gegenwärtig gibt es 87 aktive IBM Fellows, die unter den mehr als 400.000 Mitarbeitern diese Auszeichnung erhalten haben.

Im Sommer 2014 nahm Walls auf dem Flash Memory Summit in Santa Clara (Kalifornien) an einer Panel-Diskussion mit anderen CTOs und Speicherarchitekten teil, bei der es um das Thema ging, wie Flash die Enterprise-Applikationen transformieren wird. In einem Gespräch mit TechTarget erläuterte er anschließend den status quo der Speicherarchitektur in Unternehmen.

Vor mehreren Jahren erklärten Sie, dass Solid State Drives (SSDs) Game Changer für Server seien und dass Sie sich eine Zukunft vorstellen könnten, in der man wieder von traditionellen SANs zu Direct Attached Storage (DAS) zurückkehren werde. Sehen Sie das noch immer so?

Walls: Ja und nein. Wenn man sich die meisten Server heute anschaut, einschließlich der Z-Line, den Mainframes von IBM, findet man große Mengen an SSDs und Flash, die in ihnen verbaut sind. 

SAN und Formen von Direct Attached Storage werden eine Zukunft haben, aber für SANs hat bereits ein Änderungs-prozess begonnen.

Andrew Walls, IBM Fellow, CTO und Chief Architect Flash Systems

Es ist allgemein nicht so bekannt, aber wir liefern die Z-Systeme bereits seit anderthalb Jahren mit Flash aus, und dies kommt bei den Kunden sehr gut an. 

Flash dient hier lediglich als I/O-Accelerator und nicht als längerfristiger Speicherort, ist aber sehr wichtig für die aktuelle Mainframe-Positionierung am Markt.

Bei anderen Anwendungsfällen wie x86- oder Power-Server finden wir viele Flash-Optionen zur Steigerung der Applikationsgeschwindigkeit oder auch zum Aufbau von Clustersets für Server, die ein SAN ersetzen können. 

Gerade bei großen Internet-Unternehmen wie Google, Facebook und anderen sehen wir heute direct-attached SSDs in Servern und Clustern. Und mit Open-Source-Tools wie Cassandra gibt es Alternativen zu einem traditionellen SAN.

Genauso wichtig ist es aber, ein zentrales Storage Repository für andere Applikationen im Einsatz zu haben. Auch für zukünftige Entwicklungen. 

Ich glaube, beide Ansätze – SAN und Formen von Direct Attached Storage – werden eine Zukunft haben, aber für SANs hat bereits ein Änderungsprozess begonnen. Das liegt auch daran, dass sich Cloud Computing weiter ausbreiten wird und man in der Folge SAN-Konzepte neu erfinden muss.

Wie wird sich Ihrer Meinung nach die Enterprise-Storage-Architektur in den nächsten paar Jahren ändern?

Walls: Wir sprechen oft über Performance und Latenzzeiten, und beide Faktoren sind sehr wichtig. Aber gleichzeitig ist es ebenso wichtig, IBMs andere Initiative mit dem Namen „Elastic Storage“ zu beachten: Hier geht es darum, Server und Storage näher zusammen zu bringen. 

Meiner Meinung nach wird dieser „elastische“ Speicherbereich zu einem großen Teil aus Flash-Storage für die aktiven Daten bestehen, aber es wird darüber hinaus jede Menge an „Cold Data“ in den Unternehmen geben. Ich glaube, dass wir mit Software-defined Storage und Elastic Storage über geeignete Ansätze verfügen, um große Installationen zu verwirklichen – einschließlich der notwendigen Automatisierung und der Rechenleistungen, die für Storage benötigt werden.

Wie sieht Ihre Position zu All-Flash-Arrays versus Hybrid-Arrays aus?

Walls: Ich denke, „Hybrid“ war in den Jahren 2010, 2011 und auch noch 2012 eine angesagte Technologie, besonders als die Kosten von Flash wirklich hoch waren. Und es gibt sicher immer noch viele Kunden, die mit Flash einen Teil ihrer Applikationen beschleunigen wollen. 

Bei All-Flash-Arrays lassen sich nicht nur die Kapazitäten erhöhen und die Kosten senken, sondern es wird auch der Energie-verbrauch herabgesetzt.

Aber ich meine auch, dass sich ein großer Teil der Anwendungsfälle von Hybrid-Technologie zu den All-Flash-Arrays verlagern wird. Der Grund dafür liegt in vielen Fällen in dem vereinfachten Management. 

Manchmal treten unerwünschte Unterbrechungen bei den Workloads ein, wobei Administratoren gerne auch auf eine niedrigere Latenz ausweichen würden. Mit einer All-Flash-Umgebung stehen die Voraussetzungen für eine solche Lösung bereit.

Man muss auch sehen, dass Data Reduction die Bedingungen geändert hat. Indem man bei All-Flash-Arrays nun auch Data Reduction einsetzen und so ihre Kosten senken kann, kommt man sehr nahe an die Gesamtausgaben für Hybrid-Arrays heran. 

Im übrigen spielen die Energiekosten eine Rolle: Bei All-Flash-Arrays lassen sich mit Komprimierung und anderen Methoden nicht nur die Kapazitäten erhöhen und die Kosten senken, sondern es wird auch der Energieverbrauch herabgesetzt, so dass plötzlich wieder Reserven zur Verfügung stehen. Alle diese Vorteile werden immer mehr Anwendungen auf All-Flash bringen.

Wenn Sie mit Enterprise-Kunden reden, was raten Sie ihnen, wenn es um die optimale Platzierung von Flash geht: Im Server? Im Cache? In den Speicher-Arrays?

Walls: Ich glaube nicht, dass es eine einzige Antwort auf diese Frage gibt. Wir neigen oft dazu, es so simpel darzustellen, weil es für jeden Hersteller – IBM oder andere – schön wäre, wenn es nur eine Lösung gäbe. Dann wären wir nicht gezwungen, mehrere Optionen anzubieten.

Ich spreche fast jede Woche mit Kunden und anstatt ihnen den besten Platz für Flash zu empfehlen, höre ich mir ihre IT-Situation an und wo sie der Schuh drückt. Erst dann verweise ich auf unser Portfolio und die verschiedenen Topologien und empfehle ihnen eine Lösung.

Handelt es sich um eine Datenbank oder eine andere OLTP-Applikation (Online Transaction Processing), bei denen es auf eine geringe Latenz, gleichmäßige durchschnittliche Antwortzeiten und andere fortgeschrittene Speicherfunktionen ankommt, dann wäre das FlashSystem V840 die richtige Wahl für den Kunden. Sind bereits alle fortgeschrittenen Speicherfunktionen in die Datenbank selbst integriert, dann besteht die Antwort in einem Tier-0 Storage-System aus unserem Portfolio.

Will der Kunde ein hyper-converged Netzwerk einrichten, dann könnte die Antwort in einem Server mit CAPI-Interface (Coherent Accelerator Processor Interface) bestehen, wie wir ihn zum Beispiel mit unseren Power-Servern anbieten.

Glauben Sie, dass Ihre Kunden eines Tages zu 100 Prozent Flash-Speicher einsetzen werden?

Walls: Ich denke, einige werden in die All-Flash-Richtung gehen. Aber wenn man sich zum Beispiel ein Internet-Unternehmen mit sehr vielen Exabytes an Daten ansieht, von denen sich viele in einem Warehouse-Status mit konstantem Zugriff befinden und viele die meiste Zeit „Cold Data“ sind, die nur gelegentlich für Analytics herangezogen werden, dann wird es in so einem Fall noch eine Weile dauern. Aktive Daten werden auf Flash-Speicher abgelegt werden, inaktive noch längere Zeit nicht.

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Artikel wurde zuletzt im November 2014 aktualisiert

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