Disaster-Recovery-as-a-Service: ein neuer KMU-Markt für Service-Provider

Traditionelles DR ist komplex und teuer. In der Cloud ist DR-as-a-Service möglich: es ist billiger, und der Provider kümmert sich um die Technologie.

Viele Jahre lang konnten sich nur große Firmen ruhigen Gewissens eine klare Strategie für Business Continuity und Disaster Revovery (BC/DR) leisten, da sie auch das nötige Kleingeld für ein Ausweichrechenzentrum besaßen.

Der Cloud ist es zu verdanken, dass dies nicht länger der Fall ist. Indem es nicht mehr die Notwendigkeit gibt, ein zweites Rechenzentrum zu besitzen, ermöglicht die Cloud auch für kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) Disaster Recovery. Mit dem Nebeneffekt, dass Disaster-Recovery-as-a-Service (DRaaS) zu einem neuen Geschäftszweig für Service-Provider wird.

„Mit der Cloud ist BC/DR nun für Kunden verfügbar, die sich so etwas in der Vergangenheit nicht leisten konnten“, sagt Jason Buffington, Senior Analyst bei der Enterprise Strategy Group (ESG). „KMUs haben immer verstanden, dass sie von ihren Daten abhängen, so wie es bei den großen Unternehmen der Fall ist. Der Unterschied zwischen ihnen bestand nur darin, dass sie nicht in gleichem Masse über die Möglichkeiten für DR verfügten.“

Das Zusammenspiel von Virtualisierung, die Server transportierbar und verschiebbar macht, und der Cloud, die eine zweite und günstige Lokation bietet, „macht DR zu einem Kinderspiel für mittelgroße Unternehmen“, sagt Buffington.

Die Vorteile von DR-as-a-Service

Echopath, ein amerikanischer Provider für Cloud-Backup und Partner von Asigra, kann aus erster Hand diesen neuen Trend belegen. Chad Whaley, Co-Founder und CEO des Unternehmens, erklärt: „Wir sehen immer mehr KMUs und mittelgroße Unternehmen, die DR-Lösungen installieren, weil sie brauchbarer und günstiger für diese Segmente geworden sind.“

Jay Waggoner, Manager von Cloud Services bei VeriStor, einem Provider für Infrastruktur- und Speicherlösungen, sieht das genauso: „Es stimmt fast immer, dass wir DR-as-a-Service billiger liefern können im Vergleich zu dem, was ein Kunde für ein eigenes zweites Rechenzentrum ausgeben müsste.“

Aber die günstigen Preise sind nur ein Vorteil, den Kunden sehen, wenn sie Disaster Recovery in die Cloud verlagern. „Wir haben mit einer Menge von Kunden zu tun, die DR auf eigene Faust ausprobiert haben. Selbst wenn das Budget stimmt, ist es sehr komplex, ein echtes DR-Rechenzentrum aufzusetzen, zu testen und zu bewerten“, sagt Waggoner. „Wir können es günstiger machen, und in der Regel kriegen wir es auch besser hin.“

Folgt man Adam Oruclar, Cloud- und Managed-Services-Verantwortlicher bei Long View Systems, ist cloudbasiertes DR „die perfekte Lösung für Kunden, die nicht die nötige Ausbildung und Erfahrung im eigenen Hause besitzen, die man für die Planung und Umsetzung von Disaster Recovery benötigt. Viele Kunden verstehen eigentlich nicht, wie ein DR-Plan aussehen sollte, bevor sie mit unserem Architektur-Team gesprochen haben, und auch nicht, wie er sich in einen breiter angelegten Plan für Business Continuity einfügen sollte.“

Und er fügt hinzu: „Die Flexibilität von DR-as-a-Service erlaubt es Kunden, ihre Business- und DR-Pläne auch dann aufrecht zu erhalten, wenn sich ihre Geschäftsanforderungen ändern.“

Wie Kunden DR-as-a-Service wahrnehmen

Vielleicht sogar noch wichtiger ist es, dass sich die Kunden darüber klar sind, dass DR wegen der Cloud eine brauchbare Option für sie ist. „Mehr und mehr Leute verstehen jetzt, dass die Cloud eine reale Möglichkeit für sie ist“, sagt Buffington.

Und laut Whaley wollen die Kunden von Echopath mehr über DRaaS wissen: „Sie sind sehr neugierig, was diese Lösung angeht.“

Das bedeutet jedoch nicht, dass Kunden schon reif und bereit sind, dafür auch zu zahlen. Oruclar fügt an: „Kunden wissen, dass sie DR einsetzen müssen. Es kommt einer Versicherungspolice gleich, die im Hintergrund der IT-Architektur wirksam ist, aber die Leute hassen einfach, für so etwas bezahlen zu müssen.“

Der Einsatz von DRaaS erlaubt Unternehmen, Betriebs- oder Arbeitsausgaben auf cloudbasiertes DR zu konzentrieren, im Gegensatz zu traditionellem DR, das in erster Linie Kapitalausgaben erfordert. Aber dieser Unterschied ändert nichts an der Natur von DR, was einen Return on Investment (RoI) betrifft. 

Waggoner bemerkt hierzu: „Es gibt eigentlich keinen Return bei diesem Investment, egal wofür das Geld ausgegeben wird – für Kapital oder für Betrieb und Arbeit: Es gibt keinen RoI, außer man braucht wirklich im Katastrophenfall die Dienstleistung von Disaster Recovery. Aber dann ist der RoI unkalkulierbar beziehungsweise hängt von dem Ausmaß des Schadens ab, den man eindämmen oder verhindern konnte.“

Wenn Kunden sich angesichts der Kosten von DRaaS besorgt zeigen, verweist Whaley auf den jährlichen Profit und fragt die Kunden, wie gut das Unternehmen überleben könnte, wenn das Geschäft für fünf Tage ausfallen würde. Und er fügt hinzu: „Wenn man die möglichen Schäden auf ihre Wirkung auf das Geschäft zurückführt, kann man DR wesentlich besser verkaufen.“

Laut Waggoner besteht das Problem darin, dass DR einfach keine Priorität für viele Unternehmen darstellt und dass es deshalb nicht die Ressourcen erhält, die notwendig sind. Er führt aus: „DR verkauft sich von selbst, wenn man mit den IT-Mitarbeitern, den Administratoren, den Managern und der Geschäftsleitung spricht – alle verstehen, worum es geht. Die Herausforderung besteht jedoch darin, aus dem reinen Bekenntnis zu DR mehr zu machen – zunächst ein Projekt, das in die Prioritätenliste aufgenommen wird, und dann die Freigabe der benötigten Budgetgelder.“

Waggoner fährt fort: „Für die meisten Kunden ähnelt DR dem Umgang mit einem Fitness-Center und der Notwendigkeit, etwas für die eigene Kondition zu tun. Wir alle wissen, dass wir es nötig haben, aber wir schaffen es fast nie, es in die Tat umzusetzen. Nur wenige Unternehmen setzen die passenden Budget-Prioritäten für DR und setzen dann das Projekt auch richtig um.“

Mit der Entwicklung der Cloud und von Disaster-Recovery-as-a-Service sind allerdings die Voraussetzungen gegeben, endlich ernst zu machen mit der Vorsorge für den Katastrophenfall. Disaster Recovery und Business Continuity haben – ähnlich wie Backup und Archivierung – immer zu den Stiefkindern der IT gehört. Alle wissen, dass man etwas tun müsste, aber unternehmen dann doch nichts – weil DR so komplex und teuer war. Das ist heute nicht mehr der Fall. Die Hersteller und Provider müssten aber vielleicht auch mehr tun – statt simplem Marketing konkrete Projekte und Hilfestellung bei der Realisierung von geeigneten Maßnahmen.

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Artikel wurde zuletzt im August 2015 aktualisiert

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