Flash-Arrays mit mehr Funktionen und steigenden Kapazitäten

Bisher waren All-Flash-Arrays hauptsächlich auf Performance ausgerichtet. Doch Anwender fordern klassische Speicherfunktionen auch für diese Geräte.

Nachdem die Anbieter von All-Flash-Arrays zunächst auf extreme Performance-Steigerungen fixiert waren, wenden sie sich nun neben der Erhöhung der Kapazitäten mehr den eigentlichen Speicher- und Datenmanagement-Aufgaben zu. Nur so können sie sich langfristig in dem schnell wachsenden Speichermarkt behaupten.

In den letzten Monaten kamen die Hersteller IBM, Violin Memory und Kaminario mit neuen All-Flash-Array-Modellen (AFAs) heraus, die bis auf über 250 Terabytes skalieren und darüber hinaus Speicher-Funktionen unterstützen, wie sie bisher für traditionelle Platten-basierte Arrays typisch waren. Andere AFA-Hersteller überbieten sich ebenfalls dabei, bisherige Lücken in ihren Systemen zu schließen – zum Beispiel bei Inline-Deduplizierung, Komprimierung, Snapshots, Replizierung und Datenverschlüsselung.

Wie Randy Kerns, Senior Strategist bei der Evaluator Group, ausführt, sind solche Fähigkeiten zu einem absoluten „must-have“ ausgereifter Flash-Storage-Arrays geworden. AFA-Installationen gehen heute über Performance-Beschleunigung hinaus und erstrecken sich auf ein breiteres Szenario von Anwendungsfällen.

Laut Kerns war die erste AFA-Welle teuer und zugleich in Sachen Kapazität beschränkt – oft mit weniger als 100 Terabytes ausgestattet. Anwender der ersten Stunde nutzten sie meistens nur für eine einzige Applikation mit besonders hohen IOPS-Anforderungen, wie sie für geschäftskritische Datenbanken, VDI-Infrastrukturen oder virtuelle Server erforderlich sind.

Technologien wie zum Beispiel Deduplizierung und Komprimierung helfen auch gegen das nicht mehr so ganz zutreffende Argument, Flash-Storage-Arrays seien zu teuer, da sie nun über einen deutlich vergrößerten Funktionsumfang verfügen. Die verbesserten Kapazitätsoptionen für AFAs erlauben es überdies, nicht nur eine, sondern gleich mehrere Applikationen auf dem Array zu fahren. Und nicht zu vergessen: Die Flash-Preise selbst gehen kontinuierlich nach unten.

„Flash-Arrays können die IT-Infrastruktur für die Kunden vereinfachen. Sie müssen nicht mehr soviel für das Performance-Tuning tun. Sie bekommen ausreichende Performance, ohne dass sie sich en Détail mit den Prioritäten für Anwendungen und Daten beschäftigen müssten“, sagt Kerns. „Heute können sie schlicht und einfach sagen, „alles ist so unkompliziert geworden. Das einzige, was wir tun müssen, ist nur, weitere Anwendungen auf diesen Flash-Arrays laufen zu lassen.“

Für Arun Taneja, Analyst bei der Taneja Group, erfordern geschäftskritische Anwendungen wie ERP, CRM und E-Commerce-Software in besonderer Weise Enterprise-Storage-Funktionen: „Es handelt sich zwar um echte High-Performance-Arrays, aber die Anwender müssen genauso in der Lage sein, sie zu kontrollieren wie das bei klassischen Speicher-Systemen der Fall ist. Wenn ein Anbieter mit solchen Business-Features herauskommt, müssen die anderen nachziehen oder sie sind bald weg vom Fenster.“

Einige AFA-Hersteller haben bereits bittere Erfahrungen machen müssen. Violin Memory war einer der ersten größeren Player bei speziellen auf Performance ausgerichteten AFAs und 2012 sogar Marktführer auf diesem Sektor. Die in Santa Clara (Kalifornien) angesiedelte Firma fiel dann im Folgejahr auf die dritte Position zurück und wies nur noch ein bescheidenes Wachstum von 72,1 auf 88,3 Millionen Dollar aus, während sich das gesamte Marktvolumen für Flash-Storage fast verdreifacht hatte.

„Bei Violin erkannte man, dass man mit All-Flash-Arrays ohne Zusatzfunktionen nicht mehr erfolgreich sein kann“, meint Mark Peters, Senior Analyst bei der Enterprise Strategy Group (ESG). „Inzwischen wurden Verbesserungen in den Produkten eingeführt, und zusätzlich hat man sogar Umbesetzungen im Management und Marketing vorgenommen.“

Violin stellte neue Software-Ingenieure ein, kaufte Source-Code bei FalconStor und ging eine Partnerschaft mit Microsoft ein, um die Funktionen der eigenen Produkte zu erweitern. Das Windows-Flash-Array besteht nun aus einem Bundle, in das Thin Provisioning, Deduplizierung und Komprimierung (beide im Post-Process-Modus), Snapshots, Mirroring und Verschlüsselung (Data-in-Flight) auf der Basis von Microsofts Windows Storage Server R2 integriert sind. Das Concerto 7000 All-Flash-Array unterstützt Data Services wie synchrone und entfernte asynchrone Replizierung, Stretch Metro Cluster und erweiterte Data Protection. Inline-Deduplizierung und Komprimierung sollen noch dieses Jahr folgen.

Eric Herzog, Chief Marketing Officer bei Violin, resümiert den neuen Kurs seines Unternehmens: „Kein weltweit agierendes Unternehmen wird ein traditionelles Disk-Array mit einer Kapazität von 50 Petabyte durch ein All-Flash-Array mit zehn Petabytes ersetzen, wenn es nicht mit Replikation oder Snapshots ausgerüstet ist. Alle Unternehmen brauchen Funktionen für den Datenschutz.“

Der Marktführer IBM verkauft ein abgespecktes und extrem performantes AFA, um Anwendungen zu beschleunigen, und daneben ein Modell mit vielen Funktionen, das sich an Kunden richtet, die Flash als Alternative zu traditionellen Festplatten sehen. Im Januar 2014 brachte IBM dann das neue FlashSystem 840 heraus, das die Performance gegenüber dem Vorgängermodell verdoppelte. Im März folgte das FlashSystem V840, das das 840 in einem Paket mit dem IBM System Storage SAN Volume Controller kombiniert. Das Bundle enthält Funktionen für Thin Provisioning, Inline-Komprimierung, Snapshots und Replizierung.

Als Kaminario im Mai 2014 seine verbesserte K2-All-Flash-Version herausbrachte, wurde gleichzeitig der Preis pro Gigabyte von 8,69 Dollar auf 2,55 Gigabyte gesenkt und die Kapazität von 240 auf 307,2 Terabyte erhöht. Die Preissenkung bei Flash-Arrays signalisiert eine weitere Dimension des zurzeit ablaufenden Umbruchs bei dieser Technologie. Vom baldigen Aussterben der Festplatten zu sprechen wäre aber mit Sicherheit verfrüht, da es viele unterschiedliche Geschäftsanforderungen an die Speichermethoden und -medien gibt.

Weitere AFAs, die dieses Jahr deutlich auf der Software-Seite verbessert wurden, sind: EMCs XtremIO (Snapshots, Verschlüsselung), Hewlett-Packards 3PAR StoreServ 7450 (Hardware-beschleunigte Inline-Deduplizierung, Thin Clones, Flash-Drives mit höheren Packungsraten, erweiterte Bruttokapazität bis zu 460 Terabyte), HDS Unified Storage VM (Replizierung über drei Rechenzentren), NetApps EF550 (Verschlüsselung), Pure Storage FlashArray (Replizierung) und Nimbus Data Systems (Thin Provisioning, Inline-Deduplizierung und -Komprimierung, Snapshots u.a.).

Skyera und SolidFire haben ihren Arrays ebenfalls verschiedene neue Funktionen hinzugefügt, doch den eigentlichen Anstoß für neue oder verbesserte Features sah man dieses Jahr bei den speziell angefertigten AFAs. Der Wettlauf zwischen den Herstellern um eine möglichst breite und vollständige Funktionspalette geht aber weiter, so dass laufend mit neuen Modellen zu rechnen ist.

Der Analyst Jim Handy von Objective Analysis berichtet davon, dass sich bereits vor fünf Jahren Hersteller wie Whiptail oder Dataram damit brüsteten, mit ihren All-Flash-Arrays alle anderen Anbieter innerhalb von zwei Jahren aus dem Markt zu werfen. Dazu ist es nicht gekommen, weil ihren Produkten die entscheidenden Software-Funktionen fehlten.

Gerade von der Software-Seite hänge es ab, ob man sich aus der Masse der Flash-Anbieter hervorheben könne, führt Handy aus: „Eine Box, gefüllt mit Flash, ist ganz nett, aber wenn die Administratoren im Rechenzentrum selbst ständig Hand anlegen müssen, um das Array und die Anwendungen zum Laufen zu bringen, ist es nicht mehr so nett.“

Artikel wurde zuletzt im November 2014 aktualisiert

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