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Huawei will Position auf dem europäischen Storage-Markt massiv ausbauen

Huawei ist im europäischen Storage-Markt wahrscheinlich noch nicht so bekannt, was der Konzern nun ändern will und seine Bestrebungen hier verstärkt.

Der chinesische Konzern Huawei ist wohl eher für seine Netzwerkkomponenten und mobilen Endgeräte bekannt. Doch das Unternehmen hat auch Storage-Produkte in seinem Portfolio, die nun stärker an europäische Kunden gebracht werden und Konkurrenten wie EMC, HP, Netapp oder HDS ins Schwitzen bringen sollen.

Die 1987 gegründete Firma konnte 2014 einen Umsatz von 46,5 Milliarden US-Dollar verzeichnen und beschäftigt 170.000 Mitarbeiter. Derzeit ist das Unternehmen in 170 Ländern aktiv. Ganze 10 Prozent des Umsatzes fließen zurück in den Entwicklungsbereich, für den rund 45 Prozent der Angestellten tätig sind.

Der Storage von Huawei ist bislang noch nicht so bekannt wie die Lösungen anderer Wettbewerber, aber genau das will der Hersteller nun ändern und auch auf dem europäischen Markt für eine größere Durchdringung sorgen. Erst Ende 2014 stufte Gartner das Unternehmen als Herausforderer im Storage-Quadrant ein und dieser Rolle will man nun gerecht werden beziehungsweise in Richtung „Leader“ weiter ausbauen.

Vom Scale-out-System bis Cloud Storage und HPC

Dafür hat sich das Unternehmen im Speicherbereich breit aufgestellt und bietet Anwendern ein umfassendes Produktangebot, dass von Scale-Out-Lösungen über unified System bis hin zu hyper-converged, Cloud-Storage, High Performance Computing und Software-defined Storage reicht.

In der Speicherfamilie OceanStor finden sich Enterprise Unified Storage, Massive Storage für Big Data sowie VTL-Systeme und Storage Software. Als hyper-konvergentes System offeriert der Anbieter seinen FusionCube. Für eine Software-defined-Storage-Lösung ging Huawei Anfang 2015 eine Partnerschaft mit Datacore ein, um auch hier im Markt mitspielen zu können. Und natürlich verfügt der Hersteller auch über All-Flash-Lösungen sowie ein Cloud-Storage-Angebot.

Huawei macht – wenn auch nicht mit so vielen Worten – schon sehr deutlich, dass sie sich vor Konkurrenten wie EMC nicht einschüchtern lassen. Schon in der Smartphone-Branche hat die IT-Firma gezeigt, wie man still und leise und mit entsprechender Beharrlichkeit sich einen Platz der Top-3-Riege erobern kann. Das soll nun auch im Storage-Bereich umgesetzt werden. Auf die Frage, wie diese Strategie Realität werden soll, gab Huawei keine Antwort.

Zu den deutschen Partnern gehören unter anderem Arrow ESC, Datacore, INCOM, Itiso, Kramer & Crew sowie Thomas Krenn und Transtec.

Huawei im Interview: Zielgerichtet und siegessicher

Im kurzen Interview mit TechTarget betont das Unternehmen, dass es sich klar vom Wettbewerb unterscheidet und signifikante Vorteile bietet, die Kunden überzeugen sollen. Allerdings äußert sich Cindy Kuo, IT Solution Manager bei Huawei, nicht näher zu strategischen Plänen und deren Umsetzung.

Das breite Storage-Portfolio erinnert sehr an die traditionellen großen Hersteller, wie EMC, IBM, HDS und andere. Wie positionieren Sie sich im Enterprise zu dieser Konkurrenz?

Cindy Kuo: Unser entscheidender und unterscheidender Vorteil liegt darin, dass wir in der Lage sind, verschiedene Geräte in einer End-to-End-Lösung zusammenzufassen. Aufgrund dessen war es uns möglich, die Verkaufszahlen in Amerika und Europa nach oben zu treiben und gleichzeitig ein stabiles Wachstum im chinesischen Markt zu erreichen. Damit wurden wir zum Mainstream-Hersteller in den aufstrebenden Märkten.

Im Jahr 2014 haben wir unsere Lösungen verstärkt, um gezielte Produkte für bestimmte Kunden, Märkte und Branchen zur Verfügung stellen, die deren Anforderungen besser erfüllen.

Die Storage-Industrie wird sich mit vielen Unsicherheiten in der Zukunft auseinandersetzen müssen. Cloud Computing, Big Data, mobile Gräte und Social Media beeinflussen derzeit massiv die IT-Veränderungen und sorgen dafür, dass traditionelles Storage die Anforderungen nicht mehr erfüllen kann. Flash-basierte Anwendungen, die Cloudifizierung sowie Software-defined Storage werden zu richtungsweisenden Trends in der Branchentransformation. Unternehmen benötigen zukunftstaugliches Storage, das sicher, zuverlässig, bei Bedarf verfügbar und ebenso einfach und effizient ist. Genau diese Storage-Lösungen wollen wir entwickeln.

Huawei Storage wird angetrieben vom OceanStor-Betriebssystem, das über eine Cloud-orientierte Architektur verfügt. Künftige Produktserien, die darauf aufbauen, werden eine Hardwareplattform-Vereinigung gewährleisten, um Kunden Cloud-orientiertes Computing, datenzentrische und Service-getriebene Storage-on-Demand-Dienste bereitstellen zu können. Das schafft Mehrwerte, da Geräte-, Regions- und Applikationsdaten miteinander verknüpft werden.

Zukünftiger Storage wird von der Datenarchitektur der IT-Infrastruktur abhängig sein. Das ist der Kern von Enterprise-IT-Systemarchitekturen. Die Datenarchitektur von Huawei ist derzeit völlig konvergent. Das OceanStor-Betriebssystem stellt fünf Konvergenzen zur Verfügung: die Konvergenz von SAN und NAS, die Konvergenz von Einstiegs-, Midrange- und Highend-Level, die Konvergenz von Performance und Kapazität, die Konvergenz von Primär- und Backup-Storage sowie die Konvergenz heterogener Geräte.

Wie lassen sich die Storage-Lösungen verbinden, damit keine Silos entstehen?

Kuo: Wir verfolgen dafür zwei Ansätze. Der erste ist die Hardware-Rekonstruktion, um dedizierte Storage-Appliances für unterschiedliche Workloads zu erstellen, die verschiedene Anforderungen in punkto Kapazität, Performance und SLAs erfüllen sollen. Der zweite Ansatz ist Software-defined Storage, wobei ein Sowftare-Controller die physischen Ressourcen abstrahiert und konsolidiert und in einem logischen Storage-Ressource-Pool zusammenfasst. Das Storage-Provisioning wird auch durch die Software orchestriert und automatisiert und stellt den Applikationen Daten-Services je nach Bedarf bereit.

Welche Lösungen bieten Sie im Flash-Bereich an und inwiefern unterscheiden sie sich von anderen Herstellerangeboten?

Kuo: Wir sind als einziger Hersteller in der Lage, eigene SSD-Chip-Controller, SSDs und Flash-Memory inhouse zu entwickeln. Diese Produkte verfügen über ein Betriebssystem, das spezifisch für Flash-Memory konzipiert wurde, um die Vorteile des Flash-Memory voll auszunutzen. Das resultiert in geringen Latenzen, hohen IOPS und in der Eliminierung möglicher Granularitätsfehlern bei Random-Prozessen.

Die Flash-Memory-Produkte umfassen PCIe-SSDs, die Service-Anwendungen beschleunigen. Das All-Flash-Array OceanStor Dorado gewährleistet hohe Performance und Zuverlässigkeit für kritische Anwendungen. Das konvergente Flash-Array OceanStor V3 bietet zahlreiche Funktionen und eine hohe Kosteneffizienz für verschiedene Applikationen. Unser umfassendes Portfolio kann die unterschiedlichsten Kundenanforderungen bedienen.

Da Sie auch interessiert sind, andere, periphere Angebote mit einer Lösung zu bündeln (zum Beispiel USPs etc.), führt das den Kunden nicht in ein Vendor-Lock-in?

Kuo: Unsere Produkte sind offen und lassen sich überall integrieren. Wir bevorzugen aber, dass Service-Integratoren und ISV kundengerechte Lösungen mit den besten Produkten anbieten. Wir offerieren unsere eigenen peripheren Produkte nur dann, wenn der Kunde eine Lösung aus einer Hand präferiert.

Wie unterscheidet sich die converged Lösung von den Block-Angeboten von Netapp und EMC?

Kuo: Der größte Unterschied zwischen unseren Lösungen und dem Wettberwerb ist, dass unsere keine isolierten Datensilos darstellen. Unsere zukunftsorientierten Storage-Produktserien haben OceanStor V3 als Ausgangssystem. Es verfügt über ein Service-getriebenes Design und die Cloud-fähige OceanStor-Plattform. Diese ermöglicht es verschiedenen Systemen, konsistenten Protokollzugriff, Datenformate und Management-Schnittstellen bereitzustellen. In Zukunft werden wir mit der OceanStor DJ Converged Data Management Software offene Verteilung von SLA-Ressourcen für Apps auf dem obersten Layer gewährleisten.

Der Vorteil liegt hierbei darin, dass sich verschiedene Apps gleichzeitig zu verwalten. Die Unified Scheduling Management Software soll helfen, die beste Balance von Kapazität und Performance zu gewährleisten und damit die optimalen Ressourcen und Services bereitzustellen.

Das Scheduling basiert auf verschiedenen Nutzungsszenarien und Lebenszyklen und erlaubt unterbrechungsfreien Datenfluss zwischen unterschiedlichen Gerätekategorien und -ebenen. Unser converged Storage sorgt für diesen Datenfluss und macht IT-Systeme einfacher und agiler.

Darüber hinaus fügt Huawei an, dass sie sich regelmäßig an Benchmarks beteiligen, in denen sie die Konkurrenten laut eigener Aussage oft hinter sich ließen. Wer den direkten Vergleich machen will, kann sich die Details aus der Benchmark-Liste von SPC herausziehen.

Ob es dem chinesischen Hersteller gelingen wird, in nur drei Jahren wirklich unter den ersten drei Storage-Anbietern zu rangieren, wird sich zeigen. Wir fragen 2018 noch einmal nach.

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Artikel wurde zuletzt im September 2015 aktualisiert

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