Im Blickpunkt: Anwendungsfälle und Strategien für Cloud Storage

Disaster Recovery (DR), Backup und Archivierung sowie Test und Entwicklung sind heute die wesentlichen Anwendungsfälle für Cloud Storage.

Cloud Computing und Cloud-Storage sind aus völlig überschätzten Rechtfertigungsversuchen von Lösungen heraus entstanden, die wirkliche Geschäftsprobleme ansprechen – zum Beispiel teure Speichersysteme oder proprietäre Software-Lösungen. Die Cloud präsentierte sich als Allzweckwaffe. In der Folge haben die Hersteller von traditionellem primären Storage sich auf diese Situation und die drohende Konkurrenz eingestellt und damit begonnen, ihrerseits Technologien für die praktische Integration in die Infrastrukturen von Cloud-Storage-Providern zu liefern.

Auf der Ebene der Speicherarchitekturen nutzen die Hersteller von primärem Speicher verschiedene Ansätze, um die Reichweite ihrer Speichersysteme in die Cloud hinein auszudehnen. Dazu gehören:

  • Gleiche Systeme on-premise und im Rechenzentrum des Cloud-Providers aufstellen.
  • Das primäre Speichersystem in die Lage versetzen, Daten an ein ungleiches zweites Speichersystem zu versenden, einschließlich an solche bei einem Provider für Cloud Storage.
  • Eine virtuelle Instanz des Speichersystems in der Umgebung des Cloud-Providers erzeugen. Diese Variante nutzt die vorhandenen Speicher-Ressourcen des Cloud-Providers, aber das Storage-Management wird durch die Software des Speicherherstellers durchgeführt.

Jede dieser Architektur-Varianten ist in der Lage, verschiedene Anwendungsfälle von Cloud Storage in Gang zu setzen.

Anwendungsfall 1: Cloud als Disaster Revovery (DR)

Der verbreitetste Anwendungsfall für Cloud Storage ist der Einsatz für Disaster Recovery. Viele Hersteller stellen nun die Option zur Verfügung, Daten zu einem Cloud-Provider zu replizieren, um sie vor einem Ausfall des eigenen Rechenzentrums zu schützen. 

In den meisten Fällen wird hierfür eine virtuelle Instanz der Storage-Software benutzt, die auf der Seite des Cloud-Providers läuft. Die Replikations-Software „sieht“ im Grunde genommen ein anderes Speichersystem in der Cloud und repliziert die Daten zu ihm. Die andere Möglichkeit besteht darin, im Cloud-Rechenzentrum ein identisches Speicher-Array zu dem im eigenen Hause verwendeten aufzustellen.

Man sollte beachten, dass diese beiden Anwendungsfälle lediglich für das Verschieben der Daten von Punkt A nach Punkt B sorgen. Und dies bedeutet eben noch nicht, dass die Anwendungen und notwendigen Netzwerkverbindungen dafür korrekt eingerichtet sind. Theoretisch können beide Varianten die vollständige Funktionalität liefern, aber letztlich ist dafür ein Klärungsprozess vonnöten, den das Unternehmen zusammen mit dem Provider absolvieren sollte.

Wenn ein Unternehmen einen kompletten Failover in die Cloud einrichten möchte, muss es mit dem Cloud-Provider zusammenarbeiten, um während des Datentransports automatische Netzwerkumwandlungen für die Standards auf beiden Seiten einzurichten. Zusätzlich muss gewährleistet sein, dass der Provider tatsächlich über die notwendigen Rechen- und Speicherkapazitäten verfügt und dass die jeweils benötigten Anwendungen in der Cloud hochgefahren werden können.

Datenschutz für die Cloud

Wenn mehr Daten in der Cloud erzeugt oder verändert werden, wird der Schutz dieser Daten geschäftskritisch. Ein Weg, in diesem Sinne vorzusorgen, besteht darin, die Daten zu einem anderen Cloud-Provider zu kopieren. Ein anderes Verfahren kann darin bestehen, Datenkopien im heimischen Rechenzentrum zu speichern. Zum Beispiel würde es sinnvoll sein, Archivdaten parallel auf ein Bandspeichergerät im Rechenzentrum und in die Cloud zu kopieren. Wenn man eine Applikation in der Cloud entwickelt, ist es zweckmäßig, eine Backup-Software von Cloud zu Cloud zu verwenden. Es gibt eine Menge von Optionen, um Daten in der Cloud sicher zu schützen. Man sollte sich vor dem Irrtum hüten, dass Daten sicher sind, nur weil sie sich in der Cloud befinden.

Anwendungsfall 2: Die Cloud als zusätzliche Speicherebene (Tier)

Viele Speichersysteme verfügen heute über die Fähigkeit, Daten entsprechend vordefinierten Kriterien von einer Speicherebene (Tier) zu einer anderen zu bewegen. Oft geschieht dies als Weiterschieben von Daten von hoch-performantem Flash- bis hin zu langsamerem und billigerem Plattenspeicher.

Indem eine Verbindung zu einer Storage-Cloud in die Tiering-Software integriert wird, lassen sich Daten auch in die Cloud verschieben. Der Transport zwischen Festplatte und Cloud verläuft unterbrechungsfrei, anders als bei den Latenzverzögerungen bei einer reinen Internetverbindung. Dieser Ansatz erscheint besonders geeignet für die Archivierung von Daten, da die Anwender Regeln oder Policies rund um das Alter der Daten, ihren Gebrauch und weitere Kriterien festlegen können.

In den meisten Fällen ist der Performance-Unterschied zwischen Cloud und Disk vernachlässigbar. Erstens haben viele Unternehmen schon in High-Speed-Internet und -Bandbreite investiert, und zweitens wird sich der Zugang zu den in der Cloud für Backup und Archivierung gespeicherten Daten auf die gelegentliche Wiederherstellung einzelner Dateien beschränken. Insgesamt wird man meistens die Zeitverzögerung beim Datentransport kaum bemerken.

Anwendungsfall 3: Die Cloud als Brutkasten für Anwendungen

Einer der teuersten Faktoren bei der Entwicklung einer neuen Applikation sind die Hardware-Kosten, die mit diesem Prozess verbunden sind. In der Regel ist das Speichersystem, das man für die Entwicklung auswählt, das gleiche System, das man für die produktive Nutzung vorsieht, so dass es die vollen Performance- und Kapazitätsanforderungen dieser zukünftigen Anwendung erfüllen muss – mit der Folge, dass es die meiste Zeit während des Entwicklungsprozesses überdimensioniert sein dürfte.

Die meisten Unternehmen werden nie zu dem Punkt gelangen, an dem sie ohne Bedenken kritische Anwendungen in der Cloud laufen lassen werden.

Die Cloud ist wahrscheinlich ein besserer Platz, um die Entwicklung einer Anwendung zu starten. Rechenleistung und Speicherplatz kann mit dem Fortschreiten des Entwicklungsprozesses hinzugekauft werden, anstatt alles im Voraus anzuschaffen. Man kann die Anwendung auch besser einem Stress-Test aussetzen, indem man vorübergehend die massiven Computing- und Speicher-Ressourcen in der Cloud ausnutzt, bevor man dann die fertige Software in den produktiven Arbeitsprozess schickt. 

Und schließlich erlaubt die Entwicklung in der Cloud eine wesentlich präzisere Bestimmung der Investitionen, die man on-premise für die neue Applikation aussuchen oder kaufen muss. Entscheidend ist es, wie man die Anwendung von ihrem Cloud-Status in die Storage-Umgebung des eigenen Rechenzentrums für ihre produktive Nutzung überführt.

Einige Hersteller von Primary Storage ergänzen diesen Ansatz mit virtualisierten Cloud-Versionen ihrer Storage-Systeme. Damit kann die jeweilige Anwendung mit der exakt gleichen Storage-Software entwickelt und getestet werden, die in der produktiven Umgebung benutzt wird. Eine virtualisierte Version des Speichersystems zu verwenden, macht den Umzug auf das physische System im eigenen Rechenzentrum deutlich einfacher. Die Anwendung und ihre Daten können zwischen den beiden Systemen repliziert und hin und her bewegt werden.

Die meisten Unternehmen werden nie zu dem Punkt gelangen, an dem sie ohne Bedenken kritische Anwendungen in der Cloud laufen lassen werden. Es wird bei einem hybriden Vorgehen bleiben, mit dem die Unternehmen die Cloud nutzen, wenn es für sie nutzbringend ist, während sie weiterhin ihr klassisches Rechenzentrum am Leben lassen – hier verfügen sie über vorhersehbare Performance und Sicherheit auf selbstbestimmtem, hohem Niveau.

Anwendungsfall 4: Die Cloud als primärer Storage

Die Hersteller von Speichersystemen bieten auch an, unstrukturierte Daten in der Cloud abzulegen. Dieser hybride Ansatz benutzt on-premise eine Appliance, die die Daten in einem Cache vor Ort zwischenspeichert, während sich die primäre Kopie in der Cloud befindet.

Eine zunehmende Anzahl von Herstellern offeriert, Block-basierten Speicher in der Cloud zu hosten. Diese Appliances nutzen ausgeklügelte Funktionen, um oft aufgerufene Daten zuverlässig vor Ort im eigenen Rechenzentrum zur Verfügung zu stellen. Dies führt zu dem Resultat, dass ein relativ kleines, aber aktives Datensegment komplett auf Flash-Storage vorgehalten wird. 

Anwendungen wie SharePoint und Exchange sind besonders für eine solche Lösung geeignet. Die zentralen Bereiche dieser halbstrukturierten Umgebungen sind relativ klein, aber Attachments führen zu einer Vergrößerung des Speichervolumens. Außerdem verfügen beide Anwendungen über APIs, mit denen sich ältere Attachments sicher in die Cloud verschieben lassen.

Heute behandeln die meisten Speichersysteme – und auch die IT-Profis – die Rechenzentren in den Unternehmen als Mittelpunkt des Datenuniversums, während die Cloud lediglich ein ferner Satellit ist. In der Zukunft könnte sich dieses Modell allerdings ins Gegenteil verkehren, und die Cloud wird zum Mittelpunkt von allem. Dies wird vor allem für Unternehmen mit einem hohen Grad an regional verstreuten Mitarbeitern zutreffen.

Folgen Sie SearchStorage.de auch auf Twitter, Google+ und Facebook!

Artikel wurde zuletzt im Mai 2015 aktualisiert

Pro+

Premium-Inhalte

Weitere Pro+ Premium-Inhalte und andere Mitglieder-Angebote, finden Sie hier.

Erfahren Sie mehr über Public Cloud

Diskussion starten

Schicken Sie mir eine Nachricht bei Kommentaren anderer Mitglieder.

Mit dem Absenden dieser Daten erklären Sie sich bereit, E-Mails von TechTarget und seinen Partnern zu erhalten. Wenn Ihr Wohnsitz außerhalb der Vereinigten Staaten ist, geben Sie uns hiermit Ihre Erlaubnis, Ihre persönlichen Daten zu übertragen und in den Vereinigten Staaten zu verarbeiten. Datenschutz

Bitte erstellen Sie einen Usernamen, um einen Kommentar abzugeben.

- GOOGLE-ANZEIGEN

SearchSecurity.de

SearchNetworking.de

SearchEnterpriseSoftware.de

SearchDataCenter.de

Close