In der wachsenden Cloud-Storage-Branche steigt das Interesse an Zertifizierungen

Cloud-Storage ist mit Virtualisierung verbunden. Eine Zertifizierung kann qualifiziertes Personal von der Masse abheben.

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Bei Cloud-Zertifizierungen wächst derzeit sowohl die Auswahl als auch die Beliebtheit. Einerseits ist daran der Wunsch der Anbieter erkennbar, diese aufstrebende Technologie voranzubringen. Andererseits suchen IT-Profis nach Wegen, Cloud-Angebote zu definieren, zu entwerfen und einzusetzen. Und Experten argumentieren zunehmend, dass das Thema Cloud nicht richtig verstanden wird.

„Wie es aussieht, herrscht ein Mangel an qualifizierten Technologie-Experten, die sich wirklich mit der Cloud auskennen. Gefragt sind Fachleute, die sagen können, welche Auswirkungen die Cloud auf ihre IT-Organisation hat, wer die Anbieter sind, welche Architekturen es gibt und dergleichen.“, sagt Gene Ruth, Research Director von Gartner Inc. im US-Bundesstaat Connecticut. „Solche Leute sind aber Mangelware, weil jeder noch lernen muss. Jeder, der sich melden und sagen kann 'Ich bin ein zertifizierter Cloud-Technologe', wird bei IT-Abteilungen definitiv sehr gefragt sein“.

Die Education Services Division der EMC Corporation hat im Frühjahr 2011 einen Zertifizierungskurs zum Cloud-Architekten entwickelt, der bislang 3000 Teilnehmer hatte. Vergangenen Monat hat das Unternehmen zwei zusätzliche Cloud-Kurse in seinen Lehrplan aufgenommen. Das erste Zertifikat bezieht sich auf Cloud-Infrastrukturen nebst der zugehörigen Services (Cloud Infrastructure and Services Certification). Es handelt sich dabei um einen Einsteiger-Kurs, der inzwischen als Voraussetzung für die ursprüngliche Zertifizierung als Cloud Architect dient. Die zweite neue Zertifizierung trägt die Bezeichnung Data Center Architect und baut als Angebot für Experten auf den vorigen beiden Schulungen auf.

EMC bewirbt seine Kurse als „offen“. Damit ist gemeint, dass sie nicht ausschließlich auf EMC-Produkte zugeschnitten sind.

IBM bietet ebenfalls Schulungen zu Zertifizierungen im Bereich Infrastruktur und Architektur für Cloud-Computing an. Auch Microsoft hat eine lange Liste von Kursen speziell für Azure und andere Microsoft-Programme. Das Angebot reicht von Kursen für Virtualisierungs-Administratoren, die eine private Cloud aufbauen wollen, bis zum Microsoft System Center Operations Manager, der mit der Aufgabe betraut ist, eine Cloud-Infrastruktur zu entwerfen.

Es herrscht ein Mangel an qualifizierten Technologieexperten, die Ahnung von der Cloud haben und sagen können, welche Auswirkungen diese auf ihre IT-Organisation hat, wer die Anbieter sind, welche Architekturen es gibt usw.

Gene Ruth, Research Director von Gartner Inc.

VMware Inc. bietet diverse Sessions, die sich um die Architektur einer VMware-Cloud drehen, während EVault Inc. – ein Seagate-Tochterunternehmen – seine Schulung zur Cloud-Zertifizierung als Paket mit dem Namen „Cloud-Connected Service Provider (CCSP)“ angelegt hat.

Ergänzend bieten viele unabhängige Websites Online- und Präsenzkursezur Zertifizierung an. Zu diesen gehört auch CloudSchool.com, ein privates Angebot, das von Arcitura Education Inc. betrieben wird. Verfügbar sind hier Online- und persönliche Schulungen und Zertifizierungs-Programme rund um den Globus an.

Auch Schulungen speziell zu Cloud-Storage sind im Programm. Die Unterrichtseinheiten zu Advanced Cloud Storage befassen sich mit Themen wie persistentes Storage, redundantes torage, Cloud-attached Storage, Cloud-Remotestorage, Cloud-Storagegateways, Cloud-Storagebroker, Direct-attached Storage (DAS), Network-attached Storage (NAS), Storage Area Networks (SAN) und einer Reihe von anderen Konzepten für Cloud-Storage.

Allerdings beginnen viele Kurse noch mit eher oberflächlichen Grundlagen. Bei diesem Hype – oder auch Cloud-Washing – um die Cloud-Technologie, so Gartner-Analyst Ruth, solle eines der Ziele von Cloud-Zertifizierungen möglichst in einer „Minimaldefinition“ bestehen. So würden die Teilnehmer mit einem allgemeinen Rahmen und Begrifflichkeiten ausgestattet, mit der sie sich über Cloud-Technologie unterhalten können.

Nach anfänglicher Skepsis vom Nutzen der Zertifizierung überzeugt

John Kenyon, Manager für Cloud-Architektur eines in Ohio ansässigen Unternehmens der Gesundheitsbranche, hat als einer der ersten Teilnehmer den EMC-Kurs für Cloud-Architekten besucht. Zuvor hatte er bereits mehr als 22 Jahre in der IT und und 10 Jahre im Bereich Virtualisierung gearbeitet. Kenyon reiste mit einer gehörigen Portion Skepsis zu dem eine Woche dauernden Kurs mit insgesamt 40 Stunden an. Da er ohnehin schon ein Freund der Cloud war, wollte er sich keine Begeisterungsreden zu diesem Thema anhören.

„Tatsächlich aber hat die Teilnahme an der Schulung für mich sämtliche Puzzle-Teile zu einem Ganzen zusammengefügt und mir das nötige Selbstvertrauen gegeben, wenn nötig aufzustehen und zu sagen. 'Seht her, das ist das, was ich zu diesem Thema denke'. Meine Meinung wurde bestärkt, und ich kann jetzt mit gutem Gewissen sagen, dass wir diesen Ansatz weiter verfolgen sollten“.

Kenyon leitet ein Virtualisierungsteam und arbeitet direkt mit Managern der obersten Führungsetage zusammen, um in seinem Unternehmen „die Cloud ins Rollen zu bringen“. Für ihn ist das gleichbedeutend damit, seinen Chefs zu erklären, was es bedeutet, mit der Cloud zu arbeiten – einschließlich aller Vor- und Nachteile sowie potenzieller Problempunkte und der Frage, wie man am besten weitere Teams mit einbeziehen kann. „Der Spezialisten-Kurs-Besuch hat mir die nötige Methodik vermittelt, wie man diesen Prozess am besten untersuchen kann“, so Kenyon.

Altgediente IT-Profis wie er wissen genau, dass der Wert einer IT-Zertifizierung nicht in jedem Fall offensichtlich ist. Allgemein kommt der Praxiserfahrung eine deutlich höhere Bedeutung zu, wenn neue Mitarbeiter eingestellt werden sollen. Aber in einem Technologie-Bereich, in dem bislang nur eine kleine Auswahl an IT-Profis Gelegenheit hatte, Praxiserfahrung zu sammeln, können Zertifizierungen Bewerbern durchaus helfen, sich von der Masse abzuheben.

Die alljährliche Gehaltsumfrage von Storage-Magazine/SearchStorage.com hat passend dazu gezeigt, dass zertifizierte Fachkräfte im Bereich Daten-Storage mehr Geld verdienen als Kollegen ohne Zertifizierung. In der 2011er Befragung verdienten Teilnehmer ohne Zertifizierung ein durchschnittliches Jahresgehalt von 85.333 US-Dollar. Die Gehälter stiegen auf 87.600 Dollar für Teilnehmer mit einer Zertifizierung und erreichten bis zu 97.117 Dollar für IT-Experten mit drei Zertifizierungen.

Bei der Suche nach passenden Zertifizierungsprogrammen hat Kenyon die Angebote von EMC mit denen von VMware verglichen. Da er selbst ein Virtualisierungsspezialist ist, sagte ihm das EMC-Angebot besonders zu, weil es auf dem Standard-Zyklus des Prozesses zur Einführung von Virtualisierung aufsetzt. Im Anschluss an seine Zertifizierung wurde Kenyon in das Hauptquartier von EMC in Massachusetts eingeladen, wo er Mitarbeitern von EMC bei der Entwicklung und Strukturierung des dritten Experten-Kurses zur Cloud-Zertifizierung unterstützte.

Bei der Diskussion darüber ging es laut Kenyon um das langfristige Potenzial von Cloud-Infrastrukturen und weniger darum, wie EMC unmittelbar Profite daraus generieren kann. „Genau diese Perspektive hat das Ganze richtig aufregend gemacht“, sagt er.

Am Horizont zeichnen sich weitere Cloud-Zertifizierungen ab

Die Storage Networking Industry Association (SNIA) ist im Begriff, eigene Schulungen und Zertifizierungen zum Thema Cloud-Storage aufzusetzen. Laut Mark Carlson, Co-Chairman der technischen SNIA-Arbeitsgruppe zum Thema Cloud-Storage, werden diese Schulungen und Prüfungen unabhängig von Anbietern sein. Und sie sollen das abdecken, was er als „Cloud-Grundlagen“ bezeichnet. Dazu gehören Cloud-Standards, das Cloud Data Management Interface (CDMI) die Einrichtung von Selbstbedienungsportalen und Clouds.

Bislang haben eine ganze Reihe von Kunden und IT-Fachleuten einige der verschiedenen Implementierungen, die es bereits gibt, kritisch unter die Lupe genommen. So langsam wird es ihnen ernst damit, einige Lösungen verschiedener Anbieter von Cloud-Storage für eine Implementierung heranzuziehen.

Mark Carlson, Co-Chairman der technischen SNIA-Arbeitsgruppe Zum Thema Cloud-Storage

Die zwei von der SNIA geplanten Kurse richten sich im Wesentlichen an zwei Zielgruppen. Der erste ist für Entwickler von Cloud-Storage vorgesehen und wird das Schreiben von Application Programming Interfaces (APIs) und deren Implementierung zum Inhalt haben. Der zweite Kurs soll sich an Administratoren von Cloud-Storage richten, also an Personen, der vielleicht schon ein funktionierendes API haben und jetzt eine Cloud einrichten und  warten wollen – unabhängig davon, ob es  um öffentliche oder private Clouds geht.

Carlson geht allerdings davon aus, dass der Hauptansturm auf Cloud-Zertifizierungen noch nicht begonnen hat. Aber das könnte sich schnell ändern.

„Ich denke, dass sich hier etwa im Lauf des nächsten Jahres Chancen eröffnen werden, sagt er. „Bislang haben viele Kunden und IT-Fachleute einige der Cloud-Implementierungen, die es bereits gibt, kritisch unter die Lupe genommen. So langsam wird es ihnen ernst damit,  Lösungen der verschiedener Anbieter von Cloud-Storage zusammenzubringen.“

Unabhängig von der Frage, ob die Nachfrage aktuell schon hoch ist, dürfte eine Cloud-Schulung Arbeitgeber höchstwahrscheinlich beeindrucken. „Wenn ich einem jüngeren Menschen, die sich in diesem Feld entwickeln möchte, einen Rat geben sollte, dann würde ich definitiv empfehlen, alles nur Mögliche zum Thema Cloud-Technologie zu lernen und sicherzustellen, dass das im Lebenslauf auch entsprechend hervorgehoben wird.“

Kenyon, der zurzeit Gespräche mit Bewerbern für sein Unternehmen führt, stimmt dem zu: „Ich kann sagen, dass ich es ganz bestimmt positiv werten würde, wenn jemand hereinkommt und sagt, dass er eine Cloud-Zerfizierung hat – insbesondere dann, wenn es eine von EMC ist“, sagt er. „Das ist eine der Zertifizierungen, die nicht jedermanns Sache ist. Man muss dafür schon genau wissen, was man tut.“

Artikel wurde zuletzt im Januar 2012 aktualisiert

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