SDS-Produkte erneuern die Archivierung

Bisherige Technologien für Archivierung erfüllen nicht die heutigen Anforderungen. Mit Software-defined Storage ergeben sich Verbesserungsoptionen.

Langfristig Informationen zu speichern ist schon immer mit Gefahren befrachtet gewesen. Doch auch kurzfristige Bedrohungen für den Datenschutz stellen eine große Herausforderung dar – mit ihren Bit-Fehlern, Plattenausfällen, Cyberattacken, menschlichen Fehlern und Naturkatastrophen, um nur einige zu nennen. Auf der Seite der langfristigen Archivierung muss man jedoch zu diesen Herausforderungen weitere hinzuzählen – darunter wechselnde Hardwarearchitekturen, Softwareplattformen, Anwendungen und Datenformate.

Zusätzlich werfen wachsende Datenmengen, Collaboration und Big-Data-Analysen nicht nur Fragen bezüglich dessen auf, wie lange Daten eigentlich gespeichert werden sollten, sondern auch darüber, wie es um ihre Verfügbarkeit und einen konstanten Zugang zu ihnen steht. Heute gibt es allerdings bereits eine Reihe von Innovationen, die bei langfristiger Archivierung sehr hilfreich sind.

Raus mit den alten Methoden ….

Bei langfristigen Aufbewahrungsprozessen verwenden Unternehmen oft Bandmedien. Natürlich ist dieses Format keineswegs unfehlbar, und ihre Grenzen sind bis zum Überdruss diskutiert worden.

Jüngste Innovationen haben den Lebenszyklus von Tape-Medien deutlich verlängert, um die langfristige Archivierung zu verbessern – besonders durch die Neuerungen bei der LTO-Technologie und die Einführung von Tapes auf Basis von Barium Ferrite (BaFe). Tests von Herstellern legen nahe, dass BaFe-Tapes ohne Abnutzungserscheinungen durch De-Magnetisierung bis zu 30 Jahre überdauern. Trotz verbesserter Haltbarkeit können Tape-Medien jedoch noch immer ausfallen – zum Beispiel durch schlechte Behandlung oder unzureichende Speicherumgebungen. Mit Redundanz und Read Verification der Daten kann man gegensteuern, was aber bei wachsenden Kapazitäten die Kosten erhöht.

Allerdings ist das Aufbewahren von Daten nur ein Teil des Puzzles. Die Daten müssen auch in einem lesbaren Format vorgehalten werden. Da sich die Tape-Formate mit der Zeit weiterentwickeln, ist es für Unternehmen nicht ungewöhnlich, zusammen mit den Bändern alte Tape-Geräte zu behalten, um die Daten zu einem späteren Zeitpunkt auch wirklich lesen zu können. Dies funktioniert aber nur, wenn man diese Geräte in bestimmten Abständen regelmäßig zur Probe nutzt, um ihre Funktionsfähigkeit zu überprüfen. Sie einfach in einem Keller zusammen mit den Bändern abzustellen, reicht nicht aus.

Zusätzlich ist es eine übliche Praxis, ebenfalls die Installationssoftware für ältere Anwendungen aufzuheben. Alle diese Maßnahmen können Unternehmen dabei helfen, ihre Daten länger und sicher aufzubewahren. Aber wenn man schnellen Zugang zu seinen archivierten Daten benötigt, sind Tapes, die irgendwo in einem Keller oder Bunker stecken, wohl nicht die richtige Lösung.

… und rein mit den neuen

Mit Software-defined Storage (SDS) könnte es eine Alternative geben – oder zumindest einen teilweisen Ansatz für eine Alternative. Während es mehrere SDS-Varianten gibt, besteht eine gemeinsame Basis dieser Technologie in der Abstraktion von Hardwarekomponenten und der Fähigkeit, eine einheitliche Verwaltungsoberfläche für Daten unabhängig von der jeweiligen darunterliegenden Hardware anzubieten. Einige Produkte sind sogar in der Lage, dieses Interface ohne Datenmigration auch dann zur Verfügung zu stellen, wenn sich die darunterliegende Hardwareinfrastruktur verändert. Da aber nicht alle SDS-Produkte dies können, sollte man bei einer Markt- und Technologie-Auswahl auf diesen wichtigen Unterschied achten.

Ein SDS-Produkt zum Beispiel, das Installationen auf x86-Standardarchitekturen und Pooling mehrerer Hardwaregenerationen unterstützt, kann wertvolle Dienste für langfristige Archivierung auf dieser Plattform liefern. Während nichts ewig dauert, haben manche Formen der x86-Architektur dagegen fast 40 Jahre überdauert. Natürlich weiß niemand, ob die x86-Technologie weitere 40 Jahre am Leben bleiben wird, aber sie gehört auf jeden Fall zu den beständigeren Standards der IT-Industrie.

Der einzigartige Ansatz, den SDS liefert, besteht in der Flexibilität der Infrastruktur. Je größer die Anzahl der unterstützten Hardware-Optionen ist, desto wahrscheinlicher wird die allgemeine Ausbreitung der SDS-Technologie. Führt man das Thema der Flexibilität konsequent fort, werden einige Speicherarchitekturen den Abstraktions-Layer für Hardware ausweiten und Public-Cloud-Storage oder sogar Tape-Speicher einschließen. Der wesentliche Vorteil besteht darin, dass größere Flexibilität gleichzusetzen ist mit mehr Anpassungsfähigkeit an Technologiewechsel, die im Laufe der Zeit eintreten.

Ein weiterer Aspekt ist Skalierbarkeit. Einige File- oder Object-basierte Speicherprodukte unterstützen bereits Kapazitäten bis zu hunderten von Petabytes. Wenn man ein Speichersystem plant, das die Anforderungen des nächsten Jahrzehnts oder länger erfüllen soll, sollte man auf massive Skalierbarkeit achten. Außerdem sollte man sich um Datensicherungsfeatures wie die Reorganisation des Speicherplatzes oder um Selbstheilungsfähigkeiten kümmern.

Nicht alle SDS-Architekturen sind gleich

Während SDS eine Reihe von Vorteilen bietet, die mit langfristiger Archivierung einhergehen, gibt es noch ein paar Gesichtspunkte, die zu beachten sind. Zunächst muss man verstehen, dass nicht alle SDS-Architekturen gleich sind. Für sehr große Datenbestände sollte man die Auswahl entweder auf skalierbare Architekturen für File-Systeme oder für Object Storage begrenzen. Produkte, die auf traditionellen File-System- oder Object-Storage-Architekturen beruhen, werden wahrscheinlich nicht die erforderliche Skalierbarkeit zur Verfügung stellen. In einigen Fällen werden sogar Scale-out File-Systeme nicht ausreichen.

Dies liegt an dem hierarchischen Aufbau der File-Systeme, der sich sogar bei den Scale-out-Varianten dieser Technologie findet: Er kann die Fähigkeit begrenzen, bis zu sehr großen Kapazitäten von mehreren Petabyte anzuwachsen. Doch selbst wenn eine SDS-Architektur solch massives Wachstum in einer entfernten Zukunft unterstützen kann, bleibt es fraglich, ob man solche Datenmengen auch online zur Verfügung stellen kann: Die erforderliche zugrundliegende Hardware, einschließlich der Anforderungen an Energie, Kühlung und Platz im Rechenzentrum, wird womöglich die Ressourcen eines Unternehmens überfordern.

Viele SDS-Produkte, besonders jene für Scale-out File-Systeme und Object Storage, konzentrieren sich auf aktive Archive. Dabei liegt die Annahme zugrunde, dass es sich hierbei um Daten handelt, die laut Geschäftsführung aktiv und online bleiben sollten. Für viele IT-Abteilungen ist jedoch eine dementsprechende Entscheidung gar nicht so einfach umzusetzen. Da geeignete Werkzeuge und Software für Datenanalyse fehlen, wird ein Unternehmen oft mehr Daten online halten, als es eigentlich notwendig wäre. Die IT-Abteilung wird sich auch oft für den entgegengesetzten Ansatz entscheiden – alles auf Tape auslagern – und darauf hoffen, dass die archivierten Informationen nur sehr selten angefordert werden, wobei sich der dann erforderliche Aufwand in Grenzen halten würde.

Als Reaktion auf diese Komplexität von Archivierungskonzepten gibt es einige Produkte, die als ein virtueller Layer über Object Storage, das für aktive Archivierung eingesetzt wird, und über traditioneller Tape-Archivierung liegen. Damit erhält man einen gemeinsamen Speicher-Pool, der sowohl Online- als auch Offline-Medien umfasst. Die Anzahl dieser Angebote ist noch relativ klein verglichen mit jenen für dedizierte Online- oder Offline-Archivprodukte. Die Ausweitung der Hardwareabstraktion auf Offline-Medien wird jedoch vermutlich für die nächsten Jahre ein Wachstumspotential enthalten.

SDS-Produkte und die Hardwareabstraktion, die sie bieten, werden langfristige Datenhaltung und -zugriffe zur Verfügung stellen. Während SDS noch nicht alle Probleme löst, die mit der langfristigen Online-Speicherung großer Datenmengen verbunden sind, stellt es aber bereits ein weiteres Tool für den IT-Werkzeugkasten dar – einen Layer, mit dem IT-Abteilungen für mehr Flexibilität bei den Archivierungsprozessen sorgen können.

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Artikel wurde zuletzt im August 2015 aktualisiert

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