Sanbolic Melio 5, Flash und die Zukunft von Data Storage

Sanbolics CEO spricht mit uns vor dem Update für Sanbolic Melio 5 über Storage, die Zukunft von Flash, sowie die Rollen von Hardware und Software.

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Vor dem Update für Sanbolic Melio 5 hat sich SearchStorage mit Sanbolic-CEO Momchil Michailov unterhalten. Im Gespräch erörterten wir das Thema, Unternehmen Storage ohne SPoF (Single Point of Failure) zur Verfügung zu stellen. Hinsichtlich verwendeter Geräte ging es um PCI Express Flash, Solid-State Storage und traditionelle Festplatten. Sanbolic stellt Host-basierte Software her, die Storage-Knoten (Nodes) auf herkömmlicher Hardware realisiert. Diese Knoten werden geclustert und bieten Datenschutz mithilfe von RAID-Technologie.

SearchStorage: Ich möchte das Gespräch mit dem Thema Sanbolic Melio beginnen. Es stellt unter anderem verteiltes (distributed) Storage zu Verfügung. Verraten Sie uns bitte, was das genau ist und wie es funktioniert.

Momchil Michailov: Storage hat sich in den letzten 30 Jahren kaum verändert. Es gibt mittlerweile lediglich schnellere RAID-Controller und größere Festplatten. Storage ist zu diesem monolithischen Ding geworden, das Kunden im Würgegriff hat. Wir sprechen hier sowohl von den Anschaffungs- als auch den Wartungskosten.

Sehen Sie sich zum Beispiel hochmoderne Data Center von großen Firmen an wie Facebook, eBay oder Google. Sie werden feststellen, dass die Unternehmen nicht auf diese monolithischen und teuren Storage-Geräte setzen. Stattdessen verwenden sie verteilte Storage-Architekturen. Dafür ist allerdings eine andere Herangehensweise hinsichtlich der Infrastruktur notwendig. Genau diesen Weg schlägt Melio ein. Die meisten Leute stufen Melio als Software-defined Storage ein. Wir konzentrieren uns darauf, verteilte Storage-Architekturen zu kreieren, in denen Sie herkömmliche Geräte verwenden können. Sie haben die Möglichkeit, Flash oder Festplatten in Servern einzusetzen. Auch externe JBOD (Just a Bunch Of Disks) sind denkbar. In diesem Fall eliminieren Sie Investitionskosten für monolithische Storage-Schränke. Sie schaffen damit eine beweglichere und besser verteilte Plattform.

Sie haben JBOD erwähnt. Lassen Kunden Melio mit diversen Hersteller-Arrays laufen, um damit Storage-Ressourcen zur Verfügung zu stellen? Oder setzen Sie es mit JBOD anstelle von Markenhersteller-Arrays ein?

Michailov: Ganz ehrlich gesagt glauben wir nicht an „entfernen und ersetzen“ (rip and replace). Wenn Sie sich einige dieser Data Center ansehen, haben Kunden Millionen, wenn nicht hunderte von Millionen an Euro in die Infrastruktur investiert. Somit geht es eher um eine Erweiterung der Kunden-Infrastruktur und nicht um Austausch. In diesem Zusammenhang bietet Melio genau genommen drei Schichten an. Es besteht aus einer Storage-Management- und Datenträger-Schicht, einem Daten-Management-Layer, sowie einer Dateisystem- und Cluster-Schicht.

Sehen wir uns die unterste Schicht an, die aus Datenträger- oder Storage-Management besteht. Hier können Kunden jegliche bestehende Storage-Infrastruktur benutzen. Das ist unabhängig vom Hersteller und möglich sind unter anderem sowohl direkt angeschlossenes (direct-attached) Storage als auch Storage Area Networks (SAN). Sie können mit JBOD Storage konsolidieren. Hier ist es egal, ob es sich um SSDs (Solid-State Drives) oder herkömmliche Festplatten handelt. Sie können Server-seitiges Storage verwenden.

Durch diese Elastizität unserer Datenträger-Management-Technologie können Kunden einzelne Schwachstellen (SPoF) vermeiden. Das ist die Grund-Idee und jede existierende Infrastruktur ist einsetzbar. JBOD dienen in diesem Fall für weitreichende Skalierbarkeit, in die Breite gehend und Server-seitig. Somit erweitern Sie die Infrastruktur, ohne etwas austauschen zu müssen.

Ob Sie nun ein ausgeklügeltes High-End-Storage-Array, ein JBOD oder lediglich Flash innerhalb eines Servers benutzen, ist egal. Sie können Snapshots erstellen, auf verteiltes RAID oder auch Replikation für Disaster Recovery setzen. Alle fortgeschrittenen Storage-Features befinden sich nun in einer Software-Schicht, die Sie über die verschiedenen Infrastruktur-Typen legen.

Reden wir über Ihre Gedanken hinsichtlich des Flash-Markts und den Einfluss auf Software-defined Storage in diesem Markt-Segment

Michailov: Persönlich glaube ich daran, dass Flash die Zukunft ist. Es passt zufällig perfekt damit zusammen, dass Kunden weniger Geld in IT investieren wollen. Storage-Hersteller haben in diesen Tagen immer noch zweistellige Gewinnmargen. Nennen Sie mir einen anderen IT-Bereich, der die Zahlen von Storage-Herstellern vorweisen kann. Niemand kommt auch nur annähernd in diese Größenordnungen. Dann gibt es Flash mit sehr geringen Latenzzeiten, hoher Performance und hoher Bandbreite. Für große Data-Umgebungen ist es hinsichtlich der Kosten immer noch nicht rentabel. Allerdings sinken die Kosten rapide.

In den Data Centern der Unternehmen wird Flash heute für Caching genutzt. Denken wir das Szenario an dieser Stelle durch: Um ein Caching-Gerät zu haben, brauche ich eine Storage-Gerät. Dieses wiederum ist ein Storage-Array, das mehrere Millionen Euro kostet. Nun muss ich mich allerdings nicht nur mit Investitions- und operativen Kosten dieses Storage-Arrays auseinandersetzen, sondern auch noch mit Investitionen und operativen Kosten einer Cache Card – und das ist nicht lustig. Es geht hier um zehntausende, wenn nicht sogar hunderttausende von Euro. Zusätzlich brauche ich Caching-Software, weil die Cache Card ein einzelne Schwachstelle (SPoF) ist und ich Daten von meinem eigentlichen System auf die Cache Card übertragen muss. Außerdem brauche ich auch noch entsprechendes Personal, um das Ganze zu pflegen.

Alleine dieser Erklärung sollte schon Bände sprechen. Zusätzlich fressen mich die Investitionskosten auf. Darüber hinaus kenne ich nicht viele Applikationen, die entsprechende Elastizität für diese Aufgabe mit sich bringen. Das alles im Hinblick, dass ich einen SPoF im System habe. Deswegen halten sich Data Center von Unternehmen beim Kauf vornehm zurück.

Um Flash als Mainstream-Storage-Plattform zu etablieren, muss es sich zu einem permanenten Tier-Zero-Gerät mausern. Es kann kein Caching-Gerät bleiben.

Unser Fokus liegt darauf, eine verteilte Schicht mit entsprechender Beweglichkeit und Hochverfügbarkeit eines verteilten Storage-Arrays zur Verfügung zu stellen. Sie können tatsächlich eine hochverfügbare Infrastruktur mit allen Funktionalitäten eines traditionellen High-End-Storage-Arrays erstellen. Dazu gehören Snapshots, Quality of Service (QoS) und dynamische Erweiterung in dieser Infrastruktur. Flash wäre dann ein permanentes Storage-Gerät und demnach ein Tier-Zero-Storage anstelle eines Caching-Geräts.

Sanbolic Melio wird oft als Server-seitiges Flash-Storage genutzt. Gibt es da Platz für Flash in anderen Bereichen des Arrays?

Michailov: Aber natürlich. Es ist für eine ganze Reihe von Applikationen von maßgeblichem Vorteil, Daten innerhalb eines Servers und auf einer PCIe (PCI Express) Flash Card vorzuhalten. Das ist ein wichtiger Bereich. Auf der anderen Seite muss man aber auch darüber nachdenken, wie viele Applikationen tatsächlich von neun Millionen IOPS profitieren? Verstehen Sie mich nicht falsch, denn neun Millionen IOPS klingen in einer Pressemitteilung natürlich sexy. Aber können Sie das tatsächlich ausnutzen? Kurz gesagt: Nein. Sie werden das sicherlich nicht in einem einzelnen Server ausreizen, der dann auch noch einen SPoF darstellt. Hinsichtlich mancher Applikationen ist es eine Frage der Balance.

Wir verstehen nun den Metadaten-Strom und wie wir diese innerhalb einer Flash-Card, einem Server oder einem SSD-Storage platzieren. Wir wissen, was Anwender-Daten sind und können diese auf ein SSD-Storage oder eine Festplatte schreiben. Das macht genau genommen den kompletten Markt für Flash weit größer als er heutzutage ist. Wenn ein durchschnittlicher Nutzer eine hybride Umgebung aus Flash und Festplatte verwendet und diese dann in Dateibereitstellungs-Umgebungen (File-Serving) einsetzt, lässt sich die durchschnittliche Workload um den Faktor zehn steigern. Dabei muss nur ein kleiner Prozentsatz von etwa 15 Prozent Flash sein. Wollen Sie mit existierender Infrastruktur die Workload um das Gleiche erhöhen, sprechen wir von einem enormen Investitionsaufwand.

Um zur eigentlichen Frage zurückzukehren: Flash wird in den Servern vorhanden sein und es handelt sich hier um eine reine Server-seitige Architektur. Entweder sind das kleinere Cluster ohne viele Daten oder einige wirklich I/O-intensive Applikationen, die die Vorteile von PCIe Cards ausnutzen. Ich glaube wir werden weiterhin Flash in erster Linie in Form von SSDs im Storage sehen. Für allgemeine Applikationen ist das einfach sinnvoller und auch wirtschaftlich rentabler. Allerdings bleibt eine Frage offen: Wie umgehen wir die Einschränkungen von herkömmlichen und sich im Einsatz befindlichen RAID-Controllern?

Artikel wurde zuletzt im November 2013 aktualisiert

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