Showdown bei Unified Storage: NetApp FAS gegen EMC VNX

Der Kampf bei Unified Storage-Systemen ist entbrannt. Vor allem die Branchengrößen EMC Corp. und NetApp stehen im Blickfeld der Betrachtung.

Als EMC Corp. in diesem Jahr seine Storage-Plattform VNX und VNXe auf den Markt brachte, warf das ein Schlaglicht auf Systeme für Unified Storage und den zunehmenden Konkurrenzkampf mit NetApp in diesem Bereich.

NetApp und EMC sind nicht die einzigen Anbieter für Unified Storage – fast alle größeren Anbieter haben Derartiges im Programm. FAS von NetApp und VNX von EMC aber bekommen die meiste Aufmerksamkeit. Ebenso werden sie am häufigsten kritisch unter die Lupe genommen und dienen als Modelle, auf die sich die meisten Leute beziehen, wenn Sie über Plattformen für Unified Storage diskutieren.

Systeme für Unified Storage ermöglichen Zugriff auf Block- wie Datei-Storage über nur ein Gerät, meist über Fibre Channel (FC) oder Ethernet-Netzwerke. NetApp hat Multiprotokoll-Storage erstmals im Jahr 2002 angeboten, als es seinen NAS-Filer um SAN- oder Block-Kapazität erweiterte. Alle heutigen FAS-Systeme von NetApp vom Einstiegsgerät bis zur Enterprise-Klasse unterstützen Datei-Storage über CIFS und NFS sowie Block-Storage über Fibre Channel und iSCSI.

EMC hat für VNX seine Plattformen Clariion SAN und Celerra NAS verschmolzen. Getrennt davon gibt es noch die Symmetrix-Familie für Enterprise-SAN. Doch mit VNX hat ein direkter Kampf der beiden größten reinen Anbieter von Storage-Systemen begonnen; geführt wird er mit Systemen, die fast den gesamten Markt für Daten-Storage abdecken.

Werfen wir einen Blick unter die Motorhaube, um zu sehen, wie die Produkte für Unified Storage von NetApp und EMC im Vergleich abschneiden.

NetApp FAS

Die FAS-Reihe von NetApp reicht von 68 Laufwerken bei FAS2020 bis zu FAS6280 mit 1440 Laufwerken. Jedes der Systeme wird mit dem NetApp-Betriebssystem Data Ontap 8.0 ausgeliefert, in dem alle modernen Daten-Dienste von NetApp einschließlich Komprimierung, Deduplizierung, Disaster Recovery und Snapshot-Möglichkeiten enthalten sind.

Zur Serie FAS2000 zählen 2020 und 2040 im Format 2U sowie 2050 im 4U-Format für mittelgroße Unternehmen, Remote- und Filial-Büros sowie große Abteilungen von Unternehmen. Die Zahl der unterstützten Laufwerke reicht von 68 bis 136, wobei SAS-, FC- oder SATA-Platten verwendet werden können, außerdem gibt es zwei Erweiterungsslots nach PCI Express (PCIe).

Die FAS3100-Serie von NetApp besteht durchgängig aus 6U-Gehäusen mit acht PCIe-Steckplätzen und richtet sich an Enterprise-Anwendungen und technisches Computing. Sie unterstützt 420 bis 840 SAS-, FC- oder SATA-Laufwerke.

Die Produktlinie FAS3200 zeichnet sich durch eine große Bandbreite an Geschwindigkeiten und Erweiterungsmöglichkeiten aus. Jedes 3200-Produkt hat vier PCIe-Steckplätze, 3240 und 3270 können zusätzlich für mehr I/O-Leistung noch acht weitere bekommen. Ohne diese kommen alle Geräte der Linie im Formfaktor 3U und unterstützen 240 bis 960 Laufwerke.

Die FAS-Produktlinie 6200 ist für große Unternehmen gedacht. Bei der 6210 handelt es sich um eine 6U-Einheit mit zwei Controllern, 48 Gigabyte RAM, einem Flash-Cache von 3 Terabyte, acht Konnektoren für 10-Gigabit-Ethernet (10 GbE) und acht PCIe-Steckplätzen, die bis zu 1200 Laufwerke aufnimmt. 6240 und 6280 sind beides 12U-Einheiten mit Doppel-Gehäusen, die bis zu 1440 Laufwerke aufnehmen und acht 10-GbE-Konnektoren sowie 24 PCIe-Steckplätze haben. Die 6240 verfügt über 96 GB an RAM und einen Flash-Cache mit 6 Terabyte, 6280 hat 192 GB RAM und 8 TB Flash-Cache.

Von NetApp gibt es außerdem die V-Series, die Storage von anderen Anbietern einschließlich EMC virtualisiert und ihm so Datei-Fähigkeit verleiht.

EMC VNX

Die VNX-Produktlinie von EMC gibt es in drei Varianten: VNXe für kleine und mittelgroße Unternehmen (KMU), VNX für mittelgroße und große Unternehmen sowie die Gateways der VNX-Serie (VG), die SANs von EMC NAS-fähig machen. Alle Produkte der Reihen VNXe, VNX und VG arbeiten mit der EMC-Software Unisphere für vereinheitlichte Verwaltung.

VNXe3100 wie VNXe3300 bieten bis zu zwei Prozessoren für Block-Storage, Datei-Deduplizierung, Komprimierung, Thin-Provisioning und Snapshots. VNXe3100 im Format 2U nimmt von 6 bis zu höchstens 96 Laufwerke auf (SAS oder Nearline-SAS – NL-SAS). VNXe3300 im Format 3U kann bis zu 120 SAS- oder NL-SAS-Laufwerke aufnehmen.

Alle Produkte der VNX-Serie unterstützen Flash-, SAS- und NL-SAS-Laufwerke, ebenso wie zwei Block-Storage-Prozessoren, virtuelle Provisionierung und die EMC-Technologie SAN Copy. Die VNX5100 enthält bis zu 75 Laufwerke, VNX5300 bis zu 125 und VNX5500 bis zu 250. Bis zu 500 Laufwerke sind bei VNX5700 möglich, bei VNX7500 bis zu 1000.

Die Gateway-Serie VNX bietet Datei-Zugriff auf bestehende Storage-Systeme des Typs VNX, Symmetrix und Clariion. VNX VG2 wie VG8 unterstützen Datei-Deduplizierung und Komprimierung, virtuelle Provisionierung und die Snapshot-Technologie SnapSure von EMC. VNX VG2 unterstützt bis zu zwei X-Blades und 256 TB an insgesamt nutzbarer Kapazität, VG8  bis zu acht X-Blades und 1,8 Petabyte Kapazität.

Die FAS-Systeme von NetApp laufen unter DataOntap, VNX nutzt die Betriebssysteme Clariion Flare und Celerra DART. EMC hat allerdings noch keine genauen Angaben dazu gemacht, wie die beiden Systeme in einem Gehäuse koexistieren.

Gemeinsamkeiten: Einheitliche Management-Oberfläche

NetApp und EMC bieten beide ein ganzheitliches und einheitliches („single-pane-of-glass“) Management für ihre Unified-Lösungen. Laut Analysten sind solche einheitlichen Oberflächen einer der Hauptmerkmale, die echtes Unified Storage ausmachen.

„Immer wenn von Multi-Protokoll die Rede ist, denken alle zuerst an den Management-Overhead und konsistente Auslastung mit allen Protokollen“, sagt Asish Nadkarni, leitender Analyst und Berater bei der Taneja Group. „Wer möchte schon mit fünf Interfaces zu tun haben, die alle unterschiedliche physische Komponenten desselben Systems steuern?“

Unisphere von EMC unterstützt die Produktlinien VNX und VNXe, ebenso wie die EMC-Produkte Clariion und Celerra sowie RecoverPoint/SE für Replikation. Das Web-Interface von Unisphere mit Single-Sign-on funktioniert sowohl in physischen als auch in virtuellen Umgebungen und lässt sich ohne Modifikationen in bestehenden Umgebungen nutzen.

Die Management-Software von NetApp heißt OnCommand und besteht aus System Manager für einzelne Storage-Systeme und Operations Manager für mehrere NetApp-Systeme gleichzeitig. OnCommand steuert, automatisiert und analysiert Storage-Infrastruktur. Für die Verwaltung innerhalb der Management-Plattform vCenter von VMware Inc. bietet NetApp außerdem Virtual Storage Console (VCS)-Plug-ins.

„Wir sind nicht besonders scharf darauf, dass Administratoren unsere Konsole nutzen müssen, um ihr Storage zu verwalten“, sagt Chris Cummings, Vice President für Produkt- und Lösungsmarketing bei NetApp.

Als EMC die VNX-Familie herausbrachte, bestritten NetApp-Manager, dass es sich dabei um eine echte Plattform für Unified Storage handelt, weil die Software-Stacks von Celerra und Clariion auf eigenen Quadcore-Prozessoren von Intel laufen. Für Kunden ist das allerdings irrelevant, sagt Nadkarni von der Taneja Group: „NetApp hat mit einer einzelnen Code-Basis begonnen und ist dann in andere Bereiche expandiert. EMC kommt jetzt aus der anderen Richtung und nähert sich einer konvergenten Lösung. Aus Sicht des Kunden ist das nicht mehr relevant“.

Unterschiedliche Philosophien bei Storage-Tiering

Auch bei Storage-Tiering verfolgen EMC und NetApp in ihrer Produkt-Palette unterschiedliche Ansätze. EMC arbeitet mit Solid-State-Laufwerken (SSDs) und Software für Fully Automated Storage Tiering (FAST). NetApp dagegen schafft etwas, das als virtuelle Storage-Stufe bezeichnet wird.

Bei FAST handelt es sich um Richtlinien-basierte, anwendungsbewusste Software, die Daten zwischen SSD-, Fibre-Channel und SATA-Laufwerken bewegt. Häufig verwendete Daten kommen auf die leistungsfähigeren Laufwerke wie SSD und FC, wobei vom Nutzer definierte Richtlinien gelten. FAST kann automatisch oder mit Nachfragen beim Nutzer laufen und funktioniert auf Sub-LUN-Ebene, bewegt also Volumes über Festplatten hinweg.

„Automatisches Tiering ist entscheidend dafür, dass Kunden dynamisch ihre Performance-Bedürfnisse erfüllen können, und zwar auf kosteneffektive Weise“, sagt Jon Siegal, Leiter Produkt-Marketing bei der Unified Storage Division von EMC.

Der Tiering-Ansatz von EMC gleicht dem der anderen Storage-Anbieter. NetApp dagegen geht mit seinem virtuellen Storage-Tiering einen anderen Weg: Hier gibt es als Flash-Cache ein PCIe-basiertes Storage-Gerät mit SSD-Laufwerken, das die Performance von bestimmten Anwendungen wie Data-Warehousing beschleunigt. Wie bei anderen Anbietern werden auch SSDs im Array unterstützt. NetApp empfiehlt deren Einsatz aber nur, wenn Kunden durchgehend schnelle Lese- und Schreib-Vorgänge brauchen statt nur gelegentlich bei Spitzen durch bestimmte Anwendungen.

Der Flash-Cache identifiziert häufig benötigte („heiße“) Daten auf Block-Ebene und in Echtzeit und verwendet die virtuelle Storage-Stufe, um zusätzliche Ressourcen zu ihrer Unterstützung zur Verfügung zu stellen, erklärt Cummings von NetApp. Dadurch müssen die Daten selbst nicht bewegt werden, was zu Problemen bei Backups und beim Löschen von Dateien führen könnte. „Wir sagen zu unserer virtuellen Storage-Stufe, sie ist einfacher, billiger und man vermeidet damit solche Probleme“, so Cummings.

Cluster für Unified Storage

Systeme für Unified Storage sind nicht eben bekannt für Clustering-Möglichkeiten und hohe Verfügbarkeit. Bei NetApp ist es aber möglich, Multiprotokoll-Systeme mit einem globalen Namensraum bei der Implementation in Paaren zu clustern. Damit lassen sich Business Continuity, mehr Performance und Load-Balancing erreichen. Die VNX-Serie von EMC wiederum kann im Zwei-Knoten-Modus laufen.

Abhängig von Ihren Netzwerk-Möglichkeiten können die NetApp-Cluster geografisch getrennt sein. Bei der Implementation gibt man an, ob man das System vertikal skalieren möchte oder horizontal mit Clustern, die man dann definiert. „Sie können also hochskalieren oder ausskalieren“, sagt Cummings. Scale-Out in einem Unified-System könne für die Kunden enorm wertvoll sein.

Die VNX-Serie kann für Mirroring-Zwecke mit zwei Knoten laufen. Laut Siegal von EMC ist sie einstweilen als reine Skale-Up-Architektur – also mit vertikaler Skalierung – angelegt. Kunden, die ein Scale-Out wünschen, verweist er auf die vor kurzem erfolgte Übernahme von Isilon Systems Inc. durch EMC.

Die Code-Basis und die Technologien für Auto-Tiering bei EMC und NetApp unterscheiden sich also erheblich. Keiner der beiden Anbieter aber konnte bisher beweisen, dass seine Lösungen besser sind.

„Man sollte hier keine Haare spalten“, sagt Greg Schulz, Gründer und Senior Analyst bei der StorageIO Group. „Konzentrieren Sie sich bei der Auswahl eines Multiprotokoll-Systems lieber auf Ihre Anforderungen: Wie ist die Performance? Wie wird es verwaltet? Wie sieht die Verfügbarkeit aus?“ Die technischen Unterschiede dahinter seien nur insofern interessant, da je nach Bedarf des Kunden die Angebote von EMC oder NetApp besser passend sein könnten.

Artikel wurde zuletzt im Juli 2011 aktualisiert

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