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Storage-Anbieter im Jahr 2017 in der aktuellen Marktübersicht und Bewertung

Zu den wichtigen Anbietern im Storage-Markt werden 2017 Seagate, Western Digital, Lenovo und Broadcom zählen. Die Aussichten sind nicht für alle gut.

In diesem zweiten Teil einer zweiteiligen Artikelreihe werfen wir einen Blick auf die wichtigsten Anbieter von Storage-Lösungen und wie sie mit Risiken und Chancen in diesem Jahr umgehen werden. Der erste Teil behandelt die Stärken und Schwächen anderer Anbieter.

Western Digital

Wie Broadcom hat auch Festplattenspezialist Western Digital (WD) in den vergangenen Jahren Stück für Stück weitere Storage-Hersteller aufgekauft. Die bekanntesten von ihnen sind der HDD-Rivale HGST und der Flash-Gigant SanDisk samt des InfiniFlash-All-Flash-Arrays, das von IBM und weiteren Herstellern über OEM-Vereinbarungen verkauft wird. Weitere Akquisitionen waren der SSD-Spezialist Stec, Virident, ein Hersteller von SLC-basierenden PCIe-Flash-Speicherkarten mit innovativen Fehlerkorrektur- und RAID-Mechanismen, sowie Amplidata, Anbieter eines verteilten Object Store. Nun soll daraus ein konsistentes Ganzes werden. Zu WDs technologisch interessantesten Produkten gehören Helium-gefüllte Festplatten mit derzeitigen Maximalkapazitäten von 10 TBytes und skalierbare Objekt-Archivlösungen unter der Marke Active Archive auf Basis der Amplidata-Technologie. 2017 erwartet WD rund 17 Milliarden Dollar Umsatz.

Worauf Sie achten sollten: Nach außen sieht man von vielen WD-Produkten nichts, weil sie über OEM-Kanäle unter anderen Marken verkauft werden. Insofern ist WD weitaus weniger deutlich präsent als viele kleinere Anbieter von Enterprise-Storage. Allerdings könnte sich das mit IntelliFlash-All-Flash-Arrays und Active-Archive-Objekt-Storage ändern, weil diese Technologien schnell zulegen.

Seagate

Wie passt ein Festplatten-Gigant in eine Welt, die immer mehr auf Flash-Speicher baut? Seagate hat sich weitaus schwerer getan als WD, sich ebenfalls in Richtung SSD zu bewegen. Aber in den Harddisks mit hoher Kapazität steckt noch viel Musik – sie konnten weiter Freunde gewinnen, sogar als SSDs als Hochleistungs-Speicherebene in die Storage-Arrays einzogen.

Auch Seagate kommt natürlich nicht ohne Flash aus. Einige Flash-Produkte wurden von LSI gekauft und stecken nun in Speichersystemen von Dot Hill (erworben 2015) und Xyratex (erworben 2014). Im Beta-Stadium befindet sich derzeit ein im vergangenen August präsentiertes 60-TByte-SSD, das 2017 ausgeliefert werden soll. Mit seinem 3,5-Zoll-Format passt das Gerat wahrscheinlich am besten in das Marktsegment Kapazität, nicht dorthin, wo es auf hohe oder höchste Leistung ankommt.

Damit ist Seagates Flash-Portfolio vergleichsweise dünn, wenn man WD als Maßstab heranzieht. Gespannt wartet die gesamte Branche darauf, dass der Festplattengigant sich bei SSDs genauso ernsthaft engagiert wie bei Festplatten. Doch nach wie vor gibt es viele Spezialisten, die der Festplatte als Speichermedium wegen zunehmender Kapazitäten und sinkender Preise einen bisher nicht begrenzten zeitlichen Einsatzhorizont vor allem in Speicherklassen vorhersagen, bei denen es nicht vor allem auf Geschwindigkeit, sondern auf hohe Kapazität bei erträglichen Antwortzeiten ankommt. Vielleicht hält Seagate ja deren Meinung für stichhaltiger – mit allen darin liegenden Risiken.

Worauf Sie achten sollten: Früher oder später wird Seagate auch auf dem SSD-Markt aktiv werden müssen. Sehr wahrscheinlich wird das in Form einer Akquisition geschehen (vielleicht kauft das Unternehmen ja seinen NAND-Partner Micron). Man kann sich kaum vorstellen, dass Seagate diesen Schritt auch 2017 nicht vollzieht.

Broadcom

Die Zukunft des Fibre Channel (FC) wird wahrscheinlich von Broadcom abhängen. Vorläufig ist die 9,5 Milliarden Dollar teure Akquise von Storage-Networking-Spezialist Brocade noch nicht abgeschlossen. Doch durch sie wird Broadcom Marktführer bei FC-Switches und zum einzigen Anbieter, der FC-Switches und Host Bus Adapter (HBA) verkauft. Man fühlt sich ein wenig an Token Ring erinnert, wo die Zahl der Hersteller auch immer kleiner wurde, diese aber lange ein auskömmliches Dasein hatten. Die Konsolidierungstendenzen auf dem FC-Markt sind schon lange unübersehbar, und nun greift ein Chiphersteller nach einem der wenigen verbliebenen Player.

Der Weg zur heutigen Broadcom begann 2013 damit, dass Avago, einst die dann in Agilent umbenannte Chipsparte von HP und in Singapur beheimatet, den Storage-OEM LSI Logic für 6,6 Milliarden Dollar übernahm. 2015 kam noch der HBA-Spezialist Emulex hinzu. Der dritte Streich war dann Broadcom für 37 Milliarden Dollar. Anschließend benannte sich Avago wieder in Broadcom um, denn dieser Firmenname ist einfach bekannter.

Nun also übernimmt Broadcom Brocade, und zwar zu einem kritischen Zeitpunkt. Denn 2017 soll der Übergang von 16 GBit/s FC auf 32 GBit/s FC beginnen. Wenn der Deal wie erwartet Mitte 2017 abgeschlossen sein wird, kann diese Übergangsphase beginnen. Doch sollte das nicht der Fall sein, würde es beeinflussen, wie schnell die Industrie in 32-Gig-FC einsteigt. Dauert die Akquisition also länger oder gibt es anderweitige Verzögerungen, könnte Brocades einziger Wettbewerber bei FC-Switches, Cisco, die Chance nutzen und auf Kosten von Broadcom seinen Marktanteil ausbauen.

Worauf Sie achten sollten: In Anbetracht der bevorstehenden FC-Migration auf 32-Gig-Architekturen braucht Broadcom dringend einen glatten Abschluss seiner Brocade-Transaktion. Brocade ist ein namhafter Wettbewerber im FC-Markt, besonders, was Bandbreiten-Upgrades und den Umstieg auf Gen-6 mit ihren 32 Gbit/s angeht. Und es ist fraglich, ob ein Unternehmen mit so vielen Technologien unter einem Dach wie Broadcom sich genauso stark für FC einsetzen wird wie Brocade.

Lenovo

Lenovo kaufte 2014 IBMs x86-Servergeschäft und investiert in serverbasierende Storage. Inzwischen ist ein Netz von Partnern im Bereich Software-defined und Hyperkonvergenz-Software entstanden. Dazu gehören Cloudian, Nexenta, Nutanix, Pivot3, Simplivity und StorMagic. Im Hyperkonvergenz-System HX steckt Software von Datacore, dessen Lösung für die Optimierung des schnellen Multicore-Zugriffs auf Speicher Lenovo 2016 mit geradezu phantastischen Benchmark-Ergebnissen auf seinen Servern testete. Außerdem verkauft Lenovo im Rahmen einer OEM-Vereinbarung IBMs Storwize-Arrays unter eigener Marke. Mit Nimble Storage besteht ein Programm für konvergente Infrastruktur. Mehr Partnerschaften sollten 2017 dazukommen.

Worauf Sie achten sollten: Lenovos Hyperkonvergenz-Plattform HX mit Nutanix- und Datacore-Technologie könnte eine viel engere Partnerschaft zwischen Nutanix und Lenovo einleiten, besonders, wenn Dell EMC sich weniger eng an Nutanix gebunden fühlt. Und bei Servern profitiert der Hersteller nach wie vor vom guten Ruf der IBM-Systeme.

Diese Hersteller könnten Schwierigkeiten bekommen

Meistens lösen sich Anbieter von Enterprise-Storage-Lösungen nicht in Luft auf. Auch die, die schwer zu kämpfen haben, verschwinden in der Regel nicht einfach, sondern werden ihrer Technologie wegen aufgekauft. Drei Hersteller sind allerdings 2017 ernsthaft in ihrer Existenz gefährdet.

Violin Memory und Falcon Stor haben sich selbst bereits zum Verkauf gestellt, aber bisher hat niemand angebissen. Seit Dezember vergangenen Jahres steht Violin Memory unter dem Schutz von Chapter 11, ist also vulgo bankrott, und hofft, in letzter Minute wenigstens seine Aktiva verkaufen zu können. Die Chancen für eine Rettung von Violin stehen aber eher schlecht.

Imation versucht derzeit eine Restrukturierung, die vor allem auf die Storage-Produkte von Nexsan baut. Alle übrigen Assets wurden bereits abgestoßen. Im Dezember wurde Nexsan teilweise an private Investoren verkauft, wobei Imation weiter 50 Prozent der Anteile hält.

Alle drei Hersteller behaupten von sich, nun großartige Produkte zu haben, allerdings sprechen die Zahlen gegen sie.

Violin, gegründet 2005, gehörte zu den „Machern“ des All-Flash-Marktes. 2013 ging die Firma an die Börse, aber inzwischen verkauft das Unternehmen nur noch sehr wenig. Obwohl der All-Flash-Markt boomt, kamen im ersten Halbjahr 2016 nur 28,2 Millionen Dollar Umsatz zusammen – aktuellere Zahlen gibt es nicht. Bei der Bankrotterklärung hatte Violin noch 3,62 Millionen Dollar flüssige Mittel und prognostizierte, bis zum 20. Januar 2017 würden es nur noch rund 1,6 Millionen Dollar sein. Während der ersten Jahreshälfte 2016 verlor Violin mehr als 20 Millionen Dollar pro Quartal, im Jahr 2015 allein 99 Millionen Dollar.

Im September 2016 brachte Violin in einem letzten Überlebensversuch neue Arrays auf den Markt – die Flash Storage Platform (FSP) 7650 und 7450. „Wir müssen noch viele Probleme lösen, bis wir wieder wachsen und das Unternehmen wieder auf gesunden Beinen steht“, konzedierte CEO Kevin DeNuccio während einer Telefonkonferenz im September. Angesichts der Zahlen und der vielen Konkurrenten, denen es besser geht, scheint dieses Statement noch reichlich optimistisch.

FalconStor setzt seine Hoffnungen auf die schon vor rund zwei Jahren angekündigte Daten-Management-Software FreeStor. Angeblich nutzen inzwischen mehr als 300 Kunden die Lösung, aber FalconStor verliert weiterhin jedes Quartal Millionen Dollar. In den ersten neun Monaten 2016 waren es insgesamt 9,4 Millionen Dollar – in der Kasse sind jetzt noch 6,1 Millionen Dollar. Wie Violin muss FalconStor schleunigst neue Kunden finden.

„Wir wissen, dass wir weiterhin neue Kunden gewinnen, Bestandskunden auf Freestor migrieren und neue Wege finden müssen, unser Produkt wie ein Service-Provider zu vermarkten“, erklärte FalconStor-CEO Gary Quinn während einer Telefonkonferenz anlässlich der Bekanntgabe der aktuellen Geschäftszahlen. „Wir sind auf dem richtigen Weg, auch wenn es manchmal nicht so aussieht. Wir kommen vorwärts.“ Auch hier ist wohl der Glaube stark, die Lage aber nicht ganz so hoffnungslos.

Imation war vor zehn Jahren noch ein Firmengigant mit einem Multimillionen-Dollar-Umsatz. Nun ist davon nur noch Nexsan übrig, ein Unternehmenszweig, der in den ersten neun Monaten 2016 vor dem Verkauf einer Hälfte an Investoren gerade einmal 32,8 Millionen Dollar Umsatz einbrachte. Während derselben Zeit verlor Imation 103,8 Millionen Dollar und hat nun noch 50 Millionen Dollar übrig. Imations Bargeldbestände erreichten vor dem Nexsan-Teilverkauf 49,6 Millionen Dollar. Nexsan brachte 2016 das neue Multiprotokoll-Storage-Array Unity auf den Markt, aber ob ein einziges neues Leitprodukt den gewünschten Vertriebserfolg bringen kann, ist zumindest zweifelhaft.

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Nächste Schritte

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Lenovo kauft x86-Serversparte von IBM.

Artikel wurde zuletzt im Februar 2017 aktualisiert

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