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Storage für kleine Firmen und SoHo: Szenarien mit Open-Source-Lösungen

Schon aus Kostengründen ist eine Open-Source-Speicherlösung für kleine Firmen und Büros sehr interessant. Wir stellen die besten Optionen vor.

Hinweis der Redaktion: Dies ist der erste Artikel einer sechsteiligen Reihe zu Open-Source-Storage.

Vor noch gar nicht allzu langer Zeit mussten sich die meisten kleineren Unternehmen oder Small- und Home-Offices (SoHo) für Public-Cloud-Lösungen wie Dropbox, Google Drive oder ein internes NAS als Storage entscheiden.

Die Public Cloud hat den faden Beigeschmack, dass Sie im Endeffekt die Kontrolle über Ihre Daten aufgeben. Auch wenn die Unternehmen noch so beteuern, dass die Daten unknackbar verschlüsselt sind, bleibt die Ungewissheit, dass eben doch Hintertürchen für Behörden eingebaut sind, die sich auch Angreifer zunutze machen könnten. Rechtliche Bedenken kommen vor allen Dingen ins Spiel, wenn Sie die Daten bei US-Unternehmen lagern. Die interne NAS-Lösung garantiert, dass die Daten Ihre Kontrolle nicht verlassen.

In der Zwischenzeit haben sich einige Private-Cloud-Lösungen im Bereich Open Source gemausert. Produkte wie ownCloud oder Seafile sind den Kinderschuhen entwachsen und bieten ähnliche Lösungen wie Dropbox. Der Unterschied ist allerdings, dass Sie die Software im eigenen Haus installieren, konfigurieren und administrieren. Die Daten verlassen das eigene Haus nur, wenn Sie es erlauben. Sie können aber trotzdem von den Vorzügen moderner Cloud-Synchronisationslösungen profitieren.

Nicht zu vergessen ist der Kostenfaktor. Bei kleineren Firmen und im Home Office wird auf jeden Euro geachtet. Aus diesem Grund ist es mehr als legitim, sich bei Open Source für eine angemessene Storage-Lösung umzusehen. Es gibt in der Tat attraktive Optionen, um eine Storage-Lösung mit Open Source zu realisieren. Allerdings eignet sich nicht jedes Produkt für jedes Szenario.

In diesem Beitrag stellen wir Ihnen einige Lösungen vor und geben Anregungen, mit denen Sie sich vor einer Entscheidung auseinandersetzen sollten.

Online-Festplatte oder NAS gegen Cloud-Lösung

Zunächst einmal ist die grobe Richtung zu klären. Wollen Sie eine Online-Festplatte, also ein herkömmliches Netzlaufwerk verwenden? Dann geht die Lösung klar in Richtung klassisches NAS (Network Attached Storage). Sie können jedem Anwender persönlichen Storage-Platz einräumen und auch Freigaben für Zusammenarbeit einrichten. Dafür verwenden Sie zum Beispiel klassische Gruppenrichtlinien.

Die hier angesprochenen Mechanismen sind bewährt, wenn auch für die heutige Zeit etwas starr. Vielleicht suchen Sie aber genau nach so einer Lösung und das klassische NAS hat sehr wohl noch seine Existenzberechtigung. Mögliche Open-Source-Vertreter in diesem Sektor sind das auf FreeBSD basierende FreeNAS und das auf Debian GNU/Linux basierende OpenMediaVault.

Abbildung 1: OpenMediaVault ist ein komplettes NAS-System, das auf dem robusten Debian GNU/Linux basiert.

Cloud-Lösungen sind modern

Mitarbeiter haben meist mehr als nur ein Gerät und möchten die Daten unter Umständen sowohl auf einem Notebook als auch auf einem Smartphone oder Tablet nutzen. In diesem Fall ist eine Cloud-Lösung die bessere Wahl. Die Mitarbeiter können bestimmte Daten freigeben und mit anderen teilen. Bei ownCloud dürfen Sie zum Beispiel Gruppen-Administratoren festlegen.

Private Cloud ist nicht gleich Private Cloud

Bei den Open-Source-Cloud-Lösungen haben sich in der jüngeren Vergangenheit zwei Produkte herauskristallisiert. Das sind die bereits erwähnten Produkte ownCloud und Seafile. Letzteres konzentriert sich in erster Linie auf das Synchronisieren oder das Bereitstellen von Dateien. Die ownCloud lässt sich hingegen mit Apps erweitern. Sie können damit zum Beispiel auch Kalender und Kontakte synchronisieren, Dokumente gemeinsam online bearbeiten und so weiter. Die Administratoren können viele der nützlichen Apps direkt über die Webkonfiguration installieren. Sie finden alle Zusatzprogramme unter apps.owncloud.com. Das Verschlüsseln von Dateien beherrschen beide Produkte.

Abbildung 2: Seafile ist übersichtlich und schnell.

Das hört sich verlockend an, hat aber nicht nur Vorteile. Je mehr Funktionen eine Lösung hat, desto mehr potenzielle Bruchstellen gibt es. Wählen Sie ein Produkt nicht nur wegen seines Funktionsumfangs. Seafile ist zum Beispiel wesentlich schneller, wenn oft sehr viele kleine Dateien synchronisiert werden müssen.

Sie könnten beide Lösungen übrigens auch als Online-Festplatte verwenden und auf das Storage via WebDAV zugreifen. Schnell ist das aber verglichen mit herkömmlichen Dateifreigaben nicht. Ist eine Online-Festplatte das Hauptziel, dann sollten Sie sich tatsächlich Richtung NAS orientieren.

Schwarz-Weiß-Denken abstellen

Ein Umstand erleichtert Ihre Entscheidung vielleicht. Sie können auf NAS und Private Cloud gleichzeitig setzen. Sowohl für FreeNAS als auch OpenMediaVault gibt es die ownCloud als sogenanntes Plug-in.

Im Endeffekt setzen Sie ein NAS-System mit all den Vorzügen auf, die so ein bewährtes System mit sich bringt. Durch die Installation der ownCloud als Plug-in dürfen Sie eine Private Cloud parallel unter FreeNAS oder OpenMediaVault nutzen. Auf diese Weise setzen Sie auf beide Welten. Sie können die ownCloud sogar nutzen, um damit SMB- oder CIFS-Freigaben einzubinden. Das ist auch mit FTP, SFTP, Dropbox, Amazon S3 und noch diversen anderen möglich. Sie finden weitere Informationen dazu im Handbuch der ownCloud.

Abbildung 3: Die Administratoren können bei ownCloud bestimmen, welche externen Speicher die Anwender einbinden dürfen.

Im Endeffekt wurdem einst klassische NAS-Systeme erweitert und können heutzutage gleichzeitig als Host für die ownCloud dienen.

Seafile gibt es nicht als Plug-in für FreeNAS oder OpenMediaVault. Wenn Sie eine Kombination aus Dateifreigaben und Seafile nutzen wollen, dann müssten Sie auf eine klassische Serverlösung setzen. Zum Beispiel ließe sich auf einem Linux-Server Seafile installieren und betreiben. Gleichzeitig könnten Sie auf diesem Server Dateifreigaben via Samba bereitstellen. Diese Option haben Sie natürlich auch mit ownCloud. Allerdings sind die klassischen NAS-Systeme mit den webbasierten Administrations-Oberflächen normalerweise angenehmer zu administrieren als herkömmliche Server.

Sie sehen, dass es keine Pauschallösung gibt. Positiv in der heutigen Zeit ist, dass die Grenzen verschwimmen und Sie die Freiheit haben, das Beste aus beiden Welten nutzen zu können. Das ist dann der Fall, wenn Sie einen Server mit Dateifreigaben und gleichzeitig eine Private Cloud betreiben. Vielleicht trifft OpenMediaVault mit installiertem ownCloud genau Ihren Geschmack.

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Artikel wurde zuletzt im Juni 2016 aktualisiert

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