Wann und wie Sie eine Object-Storage-Plattform implementieren sollten

Object Storage lässt sich nicht mehr länger ignorieren. Wir zeigen Ihnen, was Sie bei der Implementierung beachten sollten.

Bevor Sie sich für die Implementierung einer Object-Storage-Plattform in Ihrer Umgebung entscheiden, sollten Sie zunächst evaluieren, welche Arten von Daten Sie überhaupt speichern und wie diese in der Regel genutzt werden. Ich würde Ihnen raten, sich zunächst die folgenden Fragen zu stellen:

  • Ist es an der Zeit, einen echten Content Store zu erstellen? Anders gefragt: Muss ich viele Daten aus Compliance- oder anderen rechtlichen Gründen vorhalten? Sind die Daten historisch wertvoll?
  • Habe ich es mit einer massiven Menge an Daten zu tun, die meinen gemeinsam genutzten Speicher überfordern? Sind die Daten kurz nach der Erstellung wieder inaktiv, verweilen aber lange Zeit auf meinem primären Storage? Wenn ich diese Daten brauche, muss der Zugriff sehr schnell sein oder reicht auch ein langsamerer Zugriff?
  • Verwende ich als Archiv derzeit Backups? Sind die meisten meiner Applikationen durch Disaster-Recovery (DR) geschützt und georedundant aufbewahrt? Falls nicht, wäre das besser für mich? Besitze ich viele statische Inhalte, wie zum Beispiel Fotos oder Videos, die für einen längeren Zeitraum online sein müssen? Braucht meine Firma diese Daten heute oder morgen für geschäftskritische Analyse-Prozesse?

Wenn Sie die meisten dieser Fragen mit „Ja“ beantworten können, dann sollten Sie sich ernsthaft mit Object Storage beschäftigen. Aufgrund der Charakteristika von Object Storage kann man sehr leicht erkennen, warum zu den Top-Anwendungsfällen Content Stores, Langzeit-Archive, das Backend von Backup-Applikationen, georedundante Backups für Disaster-Recovery-Zwecke und Web-Applikationen gehören. Web-Applikationen haben dabei den eindeutigen Vorteil, dass sie von Beginn an für die Anbindung an Object Storage entwickelt wurden und so gibt es heute viele Anbieter, die sich auf Object Storage insbesondere für Unternehmen spezialisiert haben.

Plattform-Optionen bei Object Storage: Typen und entsprechende Anbieter

Im Grunde genommen haben Sie bei Object Storage vier Optionen:

  1. Kaufen Sie eine voll funktionierende Object-Storage-Plattform und wählen Sie dabei von einer Vielzahl an Anbietern aus.
  2. Kaufen Sie Software für Object Storage und installieren Sie diese selbständig auf Hardware (Server und Storage) Ihrer Wahl.
  3. Installieren Sie Software auf ausgewählten Datei- und Block-Storage-Arrays, die dem existierendem Storage eine Object-Storage-Schnittstelle spendieren.
  4. Verwenden Sie eine Gateway-Lösung, die Ihre existierende Applikation an eine öffentliche Cloud koppelt.

Komplett funktionstüchtigen Object Storage bekommen Sie mit EMC (Atmos-basiert), Cleversafe, Compuverde, DDN, Dell (DX, basiert auf Caringo), HP StoreAll, NetApp StorageGrid,Quantum Lattus (Amplidata OEM), Scality, Tarmin und vielen anderen. Object-Storage-Software oder eine entsprechende virtuelle Maschine gibt es von den meisten dieser Anbieter ebenfalls. Open-Source-Software dagegen (OpenStack Swift, Ceph, Gluster) können Sie natürlich kostenlos herunterladen. Bei Open Source sind Sie in Sachen Support allerdings zunächst auf sich alleine gestellt, allerdings gibt es auch kommerziell unterstützte Software, beispielsweise Inktank (Ceph) und Red Hat Storage.

Software wie oben unter drittens beschrieben ist in der Regel von den Großen der Branche, wie zum Beispiel von EMC Isilon oder ViPR, HDS und HP 3PAR, zu haben. Die vierte Kategorie ist vor allem deshalb interessant, weil viele der Anbieter von Backup- und Archiv-Plattformen ihre Software so modifiziert haben, dass das Backend jetzt eine Public Cloud sein kann. Dazu gehören Amazon Web Services oder Microsofts Windows Azure. In diesem Fall können Sie die Vorteile einer Object-Storage-Plattform genießen, ohne selbst ein eigenes System erstellen zu müssen. Zum Einstieg eignet sich diese Methode wohl am besten, da Sie hier sehr leicht mehr über die Möglichkeiten und Grenzen von Object Storage erfahren.

In den letzten Jahren haben eine Vielzahl kleinerer Backup- und DR-Anbieter die Bühne betreten, deren ausführliche Vorstellung  den Rahmen dieses Beitrags sprengen würde und die sich darauf spezialisiert haben, eine Public Cloud als Repository zu nutzen.  Unter den vielen verschiedenen Anbietern nutzt beispielsweise Riverbed seine Whitewater Appliances als Deduplizierung, um Backups auf dem Firmengelände für schnelle Datei-Wiederherstellungen zu realisieren. Die Public Cloud wird hier entweder für das Ablegen älterer Backups oder zu Zwecken des Disaster-Recovery in der Cloud oder an einem weiteren Standort genutzt.

Auch Symantec stellt inzwischen Möglichkeiten zur Verfügung, um Backups in der Public Cloud zu hinterlegen. Microsoft dagegen hat kürzlich StorSimple akquiriert und damit jetzt eine Appliance im Portfolio, die im Data Center sitzt, eine iSCSI-Schnittstelle für die jeweilige Applikation zur Verfügung stellt und gleichzeitig sogar die Daten optimiert und alle Protokoll-Konvertierungen für Windows Azure vornimmt. In diesem Fall müssen Sie an der Applikation selbst keine Änderungen vornehmen.

Sollten Sie sich aber für die erste oder zweite Option entscheiden, dann ist die damit verbundene Arbeit alles andere als trivial, denn dann müssen Sie entscheiden, welche Applikationen auf dem Object Storage laufen sollen und wie man diese modifizieren muss. Immerhin wird Object Storage auf REST-Basis adressiert. Sollten Sie auf den Quell-Code der entsprechenden Applikationen keinen Einfluss haben, dann sind Ihre Optionen auf das Gateway beschränkt. Sollten Sie die Applikationen allerdings modifizieren können, dann sollten Sie sich weiter mit den auf dem Markt erhältlichen Object-Storage-Produkten beschäftigen und anschließend eine passende Entscheidung treffen.

Meine Empfehlung wäre, erste Schritte mit einer Public Cloud machen. Danach können Sie immer noch eine große Private Cloud erstellen. Backup-Applikationen eignen sich für solche Zwecke gut, daher sollten Sie idealerweise mit diesen anfangen. Auf diese Weise erhalten Sie vielleicht sogar Offsite-Disaster-Recovery kostenlos dazu. Widmen Sie sich dann großen Content Stores und verwenden Sie anfangs ein Gateway, um keine Änderungen an der jeweiligen Applikation vornehmen zu müssen. Wenn Sie die Applikation dann später ändern, dann können Sie von der „Magie der Metadaten“ profitieren, die Ihnen Object Storage bereitstellt. Damit öffnen Sie ein Tor an Möglichkeiten für komplexe Analysen, von denen Sie vorher nicht zu träumen wagten.

Object Storage lässt sich nicht mehr länger ignorieren

Es ist definitiv an der Zeit, sich ernsthaft mit Object Storage zu beschäftigen. Was Sie im Endeffekt auswählen, und wie sie es implementieren, wird natürlich stark vom jeweiligen Anwendungsfall abhängen. Lernen Sie die Möglichkeit von Object Storage kennen, bevor Sie eine große strategische Entscheidung treffen, die Sie dann für fünf Jahre oder länger begleitet.

Alternativ können Sie auch Komplett-Angebote großer Hersteller in Betracht ziehen und bekommen damit alle drei Storage-Arten (Datei, Block und Object Storage) auf einmal. Auf diese Weise müssen Sie sich nicht um eine separate Box für Object Storage kümmern. Behalten Sie dabei aber immer im Hinterkopf, dass solche Komplett-Systeme letztendlich immer entweder auf File- oder Object-Storage basieren, was sich auf Performance, Kosten und Skalierbarkeit auswirkt. Aus Sicht der Bequemlichkeit gibt es allerdings keine bessere Lösung.

Artikel wurde zuletzt im März 2014 aktualisiert

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