09.08.2010 | Redakteur: Rainer Graefen
SearchStorage: Machen wir mal einen Sprung in die Jetztzeit. Einen wichtigen Fortschritt brachte Thin Provisioning. Warum?
Klenner: Wir werden zwar immer wieder auf Thin Provisioning angesprochen, da das Versprechen im Raum steht, dass der vorhandene Speicher besser ausgenutzt wird und man die physische Speicherprovisionierung zeitlich strecken kann. Aber die Triebfeder der SAN-Virtualisierung per Inband bis etwa 50 Terabyte ist nicht Thin Provisioning. Der Kunde will primär Hochverfügbarkeit für seine virtuellen Maschinen. Die Festplatten sind so günstig, dass der Kostenvorteil sehr gering ausfällt.
Kraft: Das Bild hat sich gewandelt. Früher blickte man auf die wirtschaftliche Auslastung der Speicherkapazitäten, das setzt inzwischen jeder Kunde bei seinem Speicher-Array voraus. Den Anwender treibt die Sorge um, dass seine unternehmenskritischen Daten sicher und verfügbar sind. Ein ESX-Server mit zehn, zwanzig laufenden Anwendungen ist abhängig vom permanenten Zugriff auf die Daten.
SearchStorage: Sie haben schon mehrfach die Grenzen der Inband-Virtualisierung angesprochen. Jetzt würde mich doch mal interessieren, was denn für die Outband-Virtualisierung spricht. Warum konzentriert sich HP auf diese Variante Block-basierender Virtualisierung?
Klenner: Grundsätzlich ist es so, dass bei Inband und Outband die gleichen Datendienste angeboten werden. Von den Funktionalitäten wie Thin Provisioning, Snapshots, Replikation und Mirroring her betrachtet, gibt es keine Unterschiede. Der Unterschied liegt in der Behandlung von Daten und Kontrollbefehlen. Die Outband-Appliance lässt alle Daten ungefiltert zum Disk Array durch, nur die Befehle werden ausgewertet. Die Belastung ist wesentlich geringer.
Anders ausgedrückt, der Datenstrom muss nicht über einen Cache gehen. Bei einem Ausfall der Appliance funktionieren die Datendienste zwar nicht mehr, aber der Anwender kann mit seiner Konfiguration wie gewohnt weiter arbeiten. Die Folge ist, dass die Outband-Appliance auch mit sehr vielen Speichersystemen und Gesamtkapazitäten oberhalb von 30 Terabyte bis in den Petabyte-Bereich immer noch skaliert. In einigen Kundenmigrationen haben wir das praktisch nachgewiesen, dass das keine Marketingargumente sind.
SearchStorage: Wir haben jetzt viel über die Vergangenheit und die Methoden der Speichervirtualisierung geredet. Welche Varianten haben denn vor den Augen von HP Gnade gefunden, in welchen aktuellen Produkten steckt Virtualisierungstechnologie und was leistet diese?
Klenner: HP hatte mit CASA den großen Sprung in eine ausgeklügelte Inband-Lösung gewagt, musste dann jedoch sehr schnell die Grenzen der Skalierbarkeit dieser Technik erkennen. Trotz dieser kurzen Episode halten wir auch weiterhin grundsätzlich an der SAN-Virtualisierung fest, allerdings nun mit Outband-Technik. Wir führen heute mit der EVA bewährtes und mit SVSP modernes Speichermanagement zusammen. Das eine ist ohne das andere nicht denkbar. Auf der SAN-Ebene kann ich gut Snapshots machen, eine Disk-Gruppe kann ich aber in heterogenen Umgebungen nur im Speichersystem erweitern und nicht zuletzt auch nur mit den systemspezifischen Werkzeugen managen.
SearchStorage: Funktioniert das auch mit einer Vielzahl virtueller Maschinen in verteilten Speicherinfrastrukturen?
Kraft: Das ist genau unser Zweck. Alle unsere Entwicklungsteams arbeiten darauf hin, dass wir mit jedem Produkt-Update dem nicht so weit entfernten Ziel einer Converged Infrastructure näher kommen. Anwender, die nicht auf diese Automatisierungsfähigkeiten achten, geraten ins Hintertreffen, da sonst bei der Provisionierung eines Geschäftsprozesses mit 30 Tagen für die Umsetzung zu rechnen ist. Ein Management-Blade mit unserer Orchestration-Software wird den IT-Administrator bei der Ressourcen-Analyse unterstützen. Per Template und Rollendefinition lassen sich sogar die Auswirkungen einer Veränderung in der Infrastruktur vorhersagen. Dies ist mit Überwachungsfunktionen kombiniert, sodass Ressourcen-Engpässe schon im Vorfeld zu erkennen sind.
SearchStorage: Eine letzte Frage. Ist Speichervirtualisierung für den Mittelstand unverzichtbar?
Kraft: Microsoft legt mit Hyper-V gerade die Basis für eine weiter steigende Benutzung der Servervirtualisierung. Damit wird die Hemmschwelle für den Einsatz bei den zahlreichen Mittelständlern, die nur mit Windows arbeiten, niedriger. Die volle Funktionalität erzielt man aber nur, wenn man den Speicher einbezieht.
Klenner: Das denke ich auch. Es ist klar erkennbar, dass Speichervirtualisierung nicht mehr länger nur ein Enterprise-Thema ist.
Kraft: Der Mittelstand wird aus meiner Sicht die treibende Kraft bei der Server- und Speichervirtualisierung.
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