24.05.2007 | Autor / Redakteur: Rainer Hilsenbeck / Nico Litzel
Mit der Einführung von Continuous Data Protection (CDP) habe sich beim Backup eine Revolution vollzogen, so der Autor. Eine Revolution, vergleichbar mit dem Aufkommen von Filmen, die im Gegensatz zur Fotografie in der Lage sind, die Realität eins zu eins abzubilden anstatt nur vereinzelte Augenblicke festzuhalten.
Wer vor mehr als hundert Jahren laut posaunt hätte, dass man mit einer Kamera nicht nur Standbilder, sondern eine ganze Geschichte auf Film bannen kann, der wäre ausgelacht worden. So unvorstellbar war damals diese Vorstellung. Um das glauben zu können, musste man es erst sehen, musste mit offenen Augen einen Stummfilm bestaunen bevor man es glauben konnte.
Ähnlich geht es heute dem Backup in Form von Continuous Data Protection (CDP). Ehe man es glauben kann, muss man sie sehen oder zumindest verstehen, dass die meisten unserer immer wiederkehrenden Backup-Probleme genau hier ihren Ursprung haben: Wir machen bislang Standbilder, Snapshots, von ständig in Bewegung befindlichen Datenströmen. Das kann überhaupt nicht gut gehen.
Dass IT-Anwender solch grundlegend neuen Techniken eher zurückhaltend gegenüber stehen, ist verständlich. Dass es um solche Techniken nach einem Hype, der sich zunächst in der Presse vollzieht, erst einmal wieder ruhiger wird, ist auch normal. In der Regel aber setzen sie sich irgendwann durch, trotz aller Unkenrufe und Anfangsbedenken – vorausgesetzt, die Technik hat für den Anwender tatsächliche Vorteile zu bieten. Continuous Data Protection kam vor rund zwei Jahren auf den Markt. Sie soll in Zukunft das traditionelle Backup vervollständigen. Zu spüren war bislang wenig davon, aber es scheint, dass sich das nun mehr und mehr ändert.
Bevor wir genauer nachfragen, was CDP eigentlich ist – und nicht, was manche Hersteller als CDP ausgeben – lassen Sie uns eines vorweg sagen: CDP ist zurzeit das einzige Verfahren, das die bisher vorherrschenden Backup-Probleme nicht nur vorübergehend oder annähernd, sondern grundsätzlich und dauerhaft löst. Wenn der Vergleich zur Medizin erlaubt ist: CDP beseitigt viele der Ursachen, die zu Backup-Problemen führen, und nicht nur die Symptome.
Die Symptome sind vielfältig, zeitintensiv und damit auch kostspielig, und Sie kennen sie alle:
Diese Liste lässt sich weiterführen, aber Sie wissen selbst am besten, wo es überall klemmt. Und natürlich gibt es hierfür teilweise Lösungsansätze – aber bekämpfen sie auch die Ursachen?
Backup bisher, der Vergleich sei erlaubt, ist bestenfalls wie Daumenkino. Vom nächtlichen Backup bis hin zu regelmäßigen Snapshots ist das der Fall. Zwar differieren die Zeitabstände zwischen den einzelnen Aufnahmen und, je nach Variante, stehen Anwendern komplette Sequenzen zur Verfügung. Einen kompletten Film des Datenflusses über die letzten Stunden oder Tage hinweg erreicht man aber nicht.
Brauche ich das, einen lückenlosen „Datenfilm“? Die Frage ist, mit Verlaub gesagt, falsch gestellt. Sie muss vielmehr lauten: Was bringt mir ein lückenloser Datenfilm für mein Backup? Die Antwort spricht für sich:
Und das Datenvolumen des Backups ist nicht mal größer als das bestimmter inkrementeller Backups und Snapshot-Techniken.
Wie lange muss ich diesen lückenlosen Film aufbewahren? Nach drei bis fünf Tagen, so zeigt die Praxis, sind schnelle Zugriffe und Restores kaum noch angesagt. Für alles, was weiter zurückliegt, reicht es für gewöhnlich aus, wenn vom permanent mitlaufenden „Datenfilm“ ein Tages-, Wochen- oder Monats-„Abzug“ erstellt und auf Bändern ausgelagert wird. CDP ergänzt sich ideal mit dem bestehenden Band-Backup, ebenso, wie man aus jedem Film jederzeit einzelne Momentaufnahmen ziehen kann.
Ein lückenloser CDP-Datenfilm ist nicht nur geeignet, um mit ihm auf jeden x-beliebigen Datenzustand zurückzugreifen. Vielmehr kann so ein Film die bekannten Backup-Probleme ursächlich lösen. Lax formuliert, wird aus den Backup-Standbildern durch Continuous Data Protection so etwas wie ein realistischer Dokumentarfilm. Einmal angestoßen, arbeitet CDP wie eine vollautomatische Überwachungskamera. Alle Veränderungen werden aufgezeichnet, in Echtzeit, in dem Moment, in dem sie passieren und völlig unabhängig davon, ob es jemand weiß, plant oder kontrolliert. Alles, so könnte man sagen, läuft wie von selbst – und das rund um die Uhr. Niemand muss eingreifen, nichts wird angestoßen, „ge-scheduled“, kontrolliert oder administriert. Können Sie das auch von Ihrem heutigen Backup behaupten?
Nichts entgeht der vollautomatischen CDP-Überwachungskamera und, viel besser noch, es gibt überhaupt kein Backup-Zeitfenster mehr, keine Probleme mit offenen Dateien oder Datenbanken und keine mühevolle Suche nach konsistenten Datenzuständen zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt. Die CDP-Kamera vergibt ebenso vollautomatisch Zeitstempel und sie weiß, welche dieser „Timestamps“ konsistent sind und welche nicht. Das macht nicht nur das Backup zu einer voll automatisierten Angelegenheit, die CDP-Aufzeichnung macht vielmehr noch Restore und Recovery von einer Last zur, fast könnte man sagen, Lust?
Weil CDP die komplette Historie der Daten festhält – und zwar auf Festplatten, nicht auf Tapes – können Sie auch ohne großen Zeit- und Administrationsaufwand alle Daten wieder finden, obendrein auch noch in allen Varianten ihrer Entstehung und Veränderungen: die dummerweise vor fünfeinhalb Minuten gelöschte E-Mail des Vorstands ebenso wie die Datenbank-Transaktion mit der Auftragserfassung über 6,4 Millionen Euro, die wegen ihrer zahllosen Einzelpositionen und aufgrund einer Fehlbedienung vor exakt 28 Minuten und 34,3 Sekunden verlorenging. Und wenn Sie unter Sharepoint oder auf Webservern darauf angewiesen sind, eine ganze Reihe relational verknüpfter Informationen und Einzeldateien zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt ausfindig zu machen und zurückzusichern, dann ist das mithilfe der Timestamps bei CDP ein Fingerschnipp.
Wie bei Ihrem DVD-Player bewegen Sie sich im aufgezeichneten „Datenfilm“ beliebig vor und zurück oder springen per Suchbegriff oder Timestamp genau an die Stellen, die Sie brauchen. Wenn das wie nach Hollywoods Traumfabrik klingt, dann nicht nur, weil wir CDP mit Filmen vergleichen, sondern auch, weil es dem einen oder anderen angesichts der existierenden Restore-Probleme so traumhaft vorkommt, dass er daran nicht glauben mag. Recht so, muss man sagen, und sich selbst davon überzeugen. Allerdings gibt es bei CDP, wie bei auch bei Filmen, gute und schlechte A- und B-Movies, mitunter sogar die C-Kategorie.
Da wir hier nicht über einzelne Produkte, sondern über den grundlegenden Unterschied zwischen CDP und tradiertem Backup reden, bleibt an dieser Stelle nur der Ratschlag, genau hinzuschauen, wenn von CDP die Rede ist. Nach heutigem Wissensstand wird CDP Ihr existierendes Backup nicht ersetzen. Es gefährdet also nicht ihre getätigten Investitionen, im Gegenteil. Es wird sie erhalten und in Richtung kontinuierliche, automatisierte und strategische Datensicherung optimieren, die Zeit, Kosten und böse Überraschungen erspart.
Immer dann, wenn Sie darüber nachdenken, aufgrund ausufernder Backup-Zeitfenster, gestiegener Recovery-Anforderungen, wachsendem Administrationsaufwand oder aus anderen Überlegungen heraus in Richtung diskbasierendes Backup beziehungsweise Virtual Tape Library gehen zu müssen: Prüfen Sie die Option, Ihre existierenden Backup-Probleme durch eine diskbasierende CDP-Backup-Kombination in ihrer Entstehung und nicht nur in ihren Symptomen zu lösen.
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